physische Medien

Store-Löschungen, Werbepause und Sammlerfrust: Warum physische Medien gerade wieder gefragt sind

Drei Entwicklungen der vergangenen Wochen ergeben zusammen ein Bild: Sonys Löschung von 551 Filmen aus PlayStation-Nutzerkonten, ein weiter wachsender Werbeanteil bei Streaming-Diensten und ein spürbarer Nachfrageschub bei Blu-ray. Für sich genommen sind das drei getrennte Meldungen. Zusammengenommen zeigen sie, warum physische Medien – bei Filmen wie zunehmend auch bei Spielen – für einen Teil des Publikums wieder attraktiver werden.

Store-Löschungen als Auslöser

Anfang Juli entfernte Sony 551 StudioCanal-Filme rückwirkend aus den digitalen Bibliotheken von PlayStation-Nutzern – ein Beispiel dafür, wie schnell digital erworbene Inhalte ohne Zutun der Käufer verschwinden können, wenn Lizenzverträge zwischen Plattform und Rechteinhaber auslaufen. Bei einer physischen Kopie stellt sich diese Frage nicht: Ist die Disc einmal gekauft, bleibt der Zugriff unabhängig von Lizenzverhandlungen bestehen.

Werbung erreicht Streaming-Dimensionen, die an klassisches TV erinnern

Parallel dazu verschiebt sich das Geschäftsmodell vieler Streaming-Anbieter deutlich in Richtung Werbung. Nach Daten der Convergence Research Group sind die Abo-Preise in den USA 2025 bereits im vierten Jahr in Folge zweistellig gestiegen. Gleichzeitig wächst laut Einschätzungen von Morgan Stanley der Anteil werbefinanzierter Tarife bei Netflix und Disney+ deutlich schneller als der der werbefreien Abos – in den USA nutzt inzwischen rund die Hälfte der Disney+-Kunden ein Modell mit Werbeeinblendungen. Wer sein Abo ohne Werbung möchte, zahlt entsprechend drauf. Eine Blu-ray kennt dieses Problem nicht: einmal gekauft, läuft der Film unterbrechungsfrei und in der bestmöglichen verfügbaren Bildqualität – unabhängig davon, wie oft er geschaut wird.

Der Blu-ray-Trend als Reaktion

Dass digitaler Besitz in Wahrheit meist nur eine Lizenz ist, ist kein neues Problem – wird aber durch Fälle wie die StudioCanal-Löschung sichtbarer. Zusammen mit steigenden Streaming-Kosten und wachsendem Werbeanteil erklärt das zumindest teilweise, warum Blu-ray-Bestellungen laut Branchenangaben zuletzt spürbar zugelegt haben. Was Blu-ray als Format ausmacht und wie sich die verschiedenen Varianten unterscheiden, erklären wir im Detail in unserem Blu-ray-Erklärartikel. Auch die Rückkehr der Streaming-Piraterie auf Rekordniveau lässt sich in diesen Kontext einordnen: Wachsende Unzufriedenheit mit dem legalen Angebot sucht sich unterschiedliche Ventile – die einen kaufen wieder physisch, die anderen weichen auf illegale Wege aus.

Eine ähnliche Debatte im Gaming

Eine vergleichbare Diskussion führt gerade auch die Gaming-Welt, wenn auch aus teils anderen Gründen. Sony hatte angekündigt, ab Januar 2028 keine physischen PS5-Discs mehr zu produzieren – ein Schritt, der die Debatte um digitale versus physische Spielebibliotheken neu entfacht hat. Kurz darauf tauchten zudem Berichte über Xboxs Project Helix und ein mögliches Disc-zu-Digital-Programm auf – ein Hinweis darauf, dass sich die gesamte Branche mit dem Übergang beschäftigt, nicht nur Sony.

Bei Spielen geht es dabei seltener um Werbung als vielmehr um drei andere Punkte: Wiederverkaufswert, Sammelwert und Kontrolle über die eigene Bibliothek. Ein Vergleich der Verkaufszahlen zwischen digitalen und physischen Spielen zeigt, dass digitale Käufe längst die Mehrheit ausmachen – trotzdem bleibt eine relevante Käufergruppe der physischen Kopie treu. Ein Grund dafür ist der Gebrauchtmarkt für physische Spiele, den es bei digitalen Lizenzen schlicht nicht gibt: Eine Disc lässt sich verkaufen, verleihen oder weitergeben, ein digitaler Kauf ist an das Konto gebunden.

Hinzu kommt eine wachsende Sammlerszene. Wie beim Grading von Videospielen beschrieben, gewinnen originalverpackte, unbenutzte Exemplare zunehmend an Wert – ein Markt, der für rein digitale Bibliotheken gar nicht existieren kann. Und wer selbst schon einmal getestet hat, ob sich der komplette Umstieg auf digitale PlayStation-Käufe lohnt, kennt das zentrale Gegenargument: Fällt ein Konto weg – ob durch Sperrung, Inaktivität oder wie im aktuellen Fall durch auslaufende Lizenzverträge –, ist die gesamte Bibliothek mit einem Schlag weg. Bei Server-Abschaltungen zeigt sich ein ganz ähnliches Muster: Auch hier verlieren Spieler Zugriff auf Inhalte, für die sie bezahlt haben, sobald der Publisher den Stecker zieht.

Zwei Lager, ein Muster

Am Ende zeichnen sich bei Filmen wie bei Spielen ähnliche Lager ab. Der Gelegenheitsnutzer ist mit einem oder zwei Streaming-Abos zufrieden und schaut oder spielt, was gerade verfügbar ist – Werbung und gelegentliche Katalog-Schwankungen inklusive. Für Filmfans, Serien-Enthusiasten, Spielesammler und alle, die ihre Bibliothek unabhängig von Lizenzverträgen und Kontostatus behalten wollen, wiegt der Kontrollverlust dagegen schwerer. Für diese Gruppe bleibt das physische Medium – ob Blu-ray oder Spiele-Disc – die verlässlichere Wahl, auch wenn die Gründe dafür bei Filmen (Werbefreiheit, Bildqualität) und Spielen (Wiederverkauf, Sammelwert, Unabhängigkeit vom Konto) unterschiedlich gelagert sind.

Hat dir dieser Beitrag gefallen?

Klicke auf die Sterne um zu bewerten!

Durchschnittliche Bewertung 0 / 5. Anzahl Bewertungen: 0

Bisher keine Bewertungen! Sei der Erste, der diesen Beitrag bewertet.

Weil du diesen Beitrag nützlich fandest...

Teile ihn doch gerne in sozialen Netzwerken!

Es tut uns leid, dass der Beitrag für dich nicht hilfreich war!

Lasse uns diesen Beitrag verbessern!

Was können wir verbessern?

Kommentar hinterlassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.