Die Bundesnetzagentur hat ein formelles Ermittlungsverfahren gegen die Gaming-Plattform Steam eingeleitet. Anlass ist der Umgang des Valve-Dienstes mit dem Spiel Plantation Simulator, das in seiner ursprünglichen Fassung internationale Proteste ausgelöst hatte. Geprüft wird, ob Steam seinen Pflichten nach dem europäischen Digital Services Act (DSA) nachgekommen ist.
Der Digital Services Coordinator (DSC) bei der Bundesnetzagentur ist für das Verfahren zuständig, weil Valve seinen gesetzlichen EU-Vertreter in Deutschland benannt hat. Hinweise zum Fall kamen von der französischen Regulierungsbehörde Arcom, die ihre Erkenntnisse an die deutsche Behörde weiterleitete. Im Kern geht es um die Frage, ob Steam ein ausreichend zugängliches Meldesystem für möglicherweise rechtswidrige Inhalte betreibt und ob eingehende Nutzerbeschwerden unverzüglich und sorgfältig geprüft wurden.
Plantation Simulator simulierte in seiner Originalversion den Betrieb einer historischen Plantage – inklusive der Mechanik, die Produktivität versklavter Schwarzer Menschen durch Auspeitschen zu steigern. Das Spiel wurde nach dem internationalen Aufschrei nicht von Steam selbst entfernt: Zunächst modifizierte der Entwickler den Titel, dann nahm er ihn vollständig vom Markt. Genau das ist das Problem für die Behörde: Steam hat zu keinem Zeitpunkt erkennbar gemacht, ob die gemeldeten Inhalte überhaupt geprüft und ob Nutzer über eine Entscheidung informiert wurden. Ob das Spiel tatsächlich rechtswidrig war, können laut Bundesnetzagentur letztverbindlich nur Gerichte feststellen – darum geht es in dem Verfahren auch nicht.
Der DSA verpflichtet Plattformbetreiber seit Februar 2024 zu klar geregelten Inhaltsmoderation und Transparenz gegenüber Nutzern. Plattformen müssen Meldewege bereitstellen, eingegangene Beschwerden dokumentieren und die Betroffenen über Entscheidungen informieren. Valve hat nun Gelegenheit zur Stellungnahme. Stellt die Bundesnetzagentur Verstöße fest, kann sie Auflagen erteilen, konkrete Maßnahmen anordnen oder ein Bußgeld verhängen.
Das Verfahren ist nicht das erste regulatorische Problem für Valve in Europa. Die EU-Kommission hatte den Konzern zwischen 2021 und 2023 bereits wegen Geo-Blocking-Praktiken mit Strafen belegt. In Großbritannien wurde im Januar 2026 eine Sammelklage in Höhe von rund 760 Millionen Euro zugelassen, in den USA läuft ein Kartellverfahren zur Preispolitik von Steam. Das aktuelle Verfahren der Bundesnetzagentur ist nach Einschätzung von Beobachtern das erste formelle DSA-Durchsetzungsverfahren gegen eine der größten Spieleplattformen der Welt – und dürfte wegweisend dafür sein, wie digitale Plattformen künftig mit problematischen Inhalten umgehen müssen.
Weitere Informationen zum laufenden Verfahren stellt die Bundesnetzagentur auf ihrer offiziellen Website bereit.
