Kinderhilfswerk: Staat soll kindgerechte Spiele gezielt fördern

Kinderhilfswerk: Staat soll kindgerechte Spiele gezielt fördern

Zum diesjährigen Weltspieltag am 11. Juni hat das Deutsche Kinderhilfswerk eine klare politische Forderung gestellt: Der Staat soll die Entwicklung kindgerechter digitaler Spiele aktiv finanzieren und diese über Schulen, Bibliotheken sowie öffentliche Bildungsplattformen zugänglich machen. Gaming müsse gesellschaftlich wie politisch als legitimer Teil von Kinder- und Jugendkulturen anerkannt werden.

Grundlage dieser Forderung ist das in der UN-Kinderrechtskonvention verankerte Recht auf Spiel, Freizeit und kulturelle Teilhabe – das laut Kinderhilfswerk ausdrücklich auch die digitale Welt umfasst. Zum Motto des diesjährigen Weltspieltags – „Spielen verbindet – auch digital!“ – zählten neben dem politischen Appell auch ein bundesweiter Aufruf zu Aktionen in Kommunen, Schulen, Kitas und Vereinen sowie eine repräsentative Umfrage unter Kindern und Jugendlichen.

Die Erhebung, durchgeführt von Forsa im Auftrag des Kinderhilfswerkes, befragte 1.027 Kinder und Jugendliche zwischen 10 und 17 Jahren. Das Ergebnis zeigt, wie selbstverständlich Gaming im Alltag junger Menschen geworden ist: 58 Prozent spielen (fast) täglich digitale Spiele, weitere 23 Prozent mehrmals wöchentlich. Was ihnen daran besonders gefällt: eigene Ideen umsetzen – etwa Welten oder Figuren bauen – nennen 53 Prozent als wichtigsten Aspekt, dicht gefolgt vom Eintauchen in fremde Welten (48 Prozent). 42 Prozent spielen am liebsten gemeinsam im Team.

Gleichzeitig offenbart die Umfrage eine Lücke zwischen Kindern und Erwachsenen: Nur gut die Hälfte der Befragten hat den Eindruck, dass sich ihre Eltern oder andere Erwachsene in angemessenem Maße für die gespielten Spiele interessieren. Ein Drittel gibt an, dass Eltern Vorurteile gegenüber diesen Spielen haben. Das Kinderhilfswerk sieht darin Handlungsbedarf – nicht nur für Familien, sondern auch für die Medienpädagogik: Gaming solle im Rahmen einer umfassenden Medienbildung in Schulen und Bildungseinrichtungen verankert werden, damit Kinder ihre Erfahrungen aus analoger und digitaler Welt miteinander verknüpfen können.

Holger Hofmann, Bundesgeschäftsführer des Deutschen Kinderhilfswerkes, wird in der Pressemitteilung der Organisation mit dem Hinweis zitiert, digitale Spiele könnten bei richtigen Rahmenbedingungen und verantwortungsbewusster Begleitung Problemlösungsstrategien, logisches Denken, aber auch Teamfähigkeit und Kommunikation schulen. Schirmherrin des Weltspieltags 2026 ist Bundesministerin Dorothee Bär, Botschafter ist Fernsehmoderator Ralph Caspers.

Die Forderung nach staatlicher Spielefinanzierung trifft auf eine Branche, in der staatliche Förderung längst eine Rolle spielt – der Bund stellt 2026 rund 120 Millionen Euro für die deutsche Games-Industrie bereit. Das Kinderhilfswerk fordert jedoch etwas anderes: nicht Wirtschaftsförderung für Entwickler, sondern gezielte Mittel für Inhalte, die Kinder wirklich erreichen – gemeinnützig, pädagogisch begleitet und breit zugänglich. Eine Forderung, die die Debatte darüber, was öffentliche Kulturförderung im digitalen Zeitalter leisten soll, neu aufwirft.

Weitere Informationen und die vollständigen Umfrageergebnisse stellt das Deutsche Kinderhilfswerk auf seiner Website bereit.

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