Am 26. August startet die Gamescom in Köln – noch rund fünf Wochen. Bis dahin will Nordrhein-Westfalen eigentlich in einer zentralen Förderfrage vorankommen: einer Steuergutschrift für die Games- und Filmbranche auf Bundesebene. Das hat NRW-Minister Nathanael Liminski selbst im Landtag als Zeitmarke genannt. Ein aktuell vorliegendes Protokoll des Ausschusses für Kultur und Medien zeigt, wie die Landesregierung den Rückstand des Landes zu Bayern im bundesweiten Games-Standort-Vergleich bewertet und was bis zur Messe noch passieren soll.
Anlass der Sitzung vom 16. April 2026 war eine Umfrage des Branchenverbands game, nach der Bayern NRW als „besten Games-Standort“ abgelöst hat. Der medienpolitische Sprecher der SPD-Fraktion, Rodion Bakum, wollte von der Landesregierung wissen, wie sie diese Entwicklung bewerte und mit welcher Strategie NRW wieder auf Platz eins kommen solle. Zudem fragte er nach einer möglichen Steuergutschrift auf Bundesebene sowie danach, ob eine frühere Förderung für Trainerlizenzen wiederaufgelegt werde. Die Förderung der Branche liege in diesem Jahr insgesamt 100.000 Euro unter dem Niveau des Vorjahres, so Bakum.
Minister Liminski entgegnete laut Protokoll, bei der zitierten Umfrage handle es sich um eine qualitative, keine quantitative Erhebung. Platz zwei sei angesichts von insgesamt 16 Bundesländern weiterhin eine sehr gute Position, auch wenn sich NRW damit nicht zufriedengeben dürfe. Die ausbleibende weitere Erhöhung der Förderung begründete er mit der insgesamt angespannten Haushaltslage: Es wäre aus Fairnessgründen ein falsches Signal gewesen, die Games-Förderung überproportional zu steigern, während in anderen, teils sensiblen Bereichen gespart werden müsse. Wichtiger als kurzfristige Erhöhungen sei ihm eine langfristig verlässliche Förderkulisse, da die Bundesförderung in der Vergangenheit von starken Schwankungen geprägt gewesen sei. Zur Förderung von Trainerlizenzen liege ein Antrag vor; bei Erfüllung der Voraussetzungen gehe er von einer Wiederaufnahme aus, könne dies im Ausschuss aber noch nicht verbindlich zusagen.
Was bedeutet das konkret für die Gamescom in wenigen Wochen? Beim Steuergutschrift-Thema sprach sich Liminski für ein Pilotprojekt mit den Bereichen Games und Film aus. Die Landesregierung unterstütze das Vorhaben grundsätzlich, unter den Steuerabteilungsleitern von Bund und Ländern gebe es allerdings Skepsis. Er hoffe auf einen Durchbruch bis zum Beginn der Gamescom – zu der auch Bundesforschungsministerin Dorothee Bär und Bundesfinanzminister Lars Klingbeil ihren Besuch angekündigt hätten. Diese selbstgesetzte Frist läuft nun in wenigen Wochen ab. Ob bis dahin tatsächlich eine Einigung zwischen Bundesforschungs- und Bundesfinanzministerium steht, ist offen. Zur Gamescom selbst stellte der Minister außerdem klar, dass die Messe trotz des Interesses aus Bayern langfristig in Köln bleibe; eine Vertragsverlängerung zwischen dem Verband der deutschen Games-Branche und der Koelnmesse sei vorgesehen. Beim E-Sport verwies er auf die zum 1. Januar 2026 eingeführte Gemeinnützigkeit für E-Sport-Vereine als jüngsten Fortschritt.
Für die Branche dürfte die Gamescom-Woche damit mehr sein als reine Spiele-Präsentationen: Sollte sich beim Steuergutschrift-Modell tatsächlich etwas bewegen, hätte das direkte Auswirkungen auf Produktionskosten und Standortentscheidungen von Games-Studios in Deutschland. Bleibt die Einigung aus, dürfte die Förderdebatte zwischen NRW und Bayern in eine weitere Runde gehen.
Quelle: Ausschussprotokoll APr 18/1189 des Landtags Nordrhein-Westfalen, Ausschuss für Kultur und Medien, 59. Sitzung vom 16. April 2026 (öffentlich zugänglich über das Landtagsportal).







