Wenige Spielereihen haben sich so radikal neu erfunden wie God of War — und dabei trotzdem ihren Kern behalten. Was 2005 als brutales Actionspiel über einen rachsüchtigen Spartaner begann, ist heute ein mehrfach ausgezeichnetes Franchise, das mit God of War: Laufey gerade sein nächstes Kapitel aufschlägt. Zeit für einen Blick auf die gesamte Reise.
Der Anfang: Kratos, Sparta und die griechischen Götter (2005–2013)
God of War erschien im März 2005 auf der PlayStation 2 — entwickelt von Santa Monica Studio, einem Sony-internen Entwickler, der bis dahin vor allem für Kinetica bekannt war. Das Spiel stellte Kratos vor: einen spartanischen General, der durch Betrug der Götter seine Familie tötete und seitdem auf Rache sinnt. Das Konzept war schnörkellos und funktionierte sofort. Brutale Kämpfe gegen Wesen der griechischen Mythologie, ein lineares Design, Setpieces auf mythologischer Skala — God of War traf einen Nerv.
Es folgten mehrere Fortsetzungen, die die griechische Saga ausbauten: God of War II (2007) für die PS2, God of War III (2010) für die PS3, dazu PSP-Ableger wie Chains of Olympus (2008) und Ghost of Sparta (2010), die die Vorgeschichte von Kratos beleuchteten. Den Abschluss der griechischen Trilogie bildete God of War: Ascension (2013) als Prequel zum ersten Teil. Insgesamt sieben Spiele in acht Jahren — die Reihe war ein zuverlässiger PlayStation-Eckpfeiler, aber das Konzept drohte sich zu erschöpfen.
Die Neuerfindung: Nordische Mythologie und ein neuer Kratos (2018)
2018 erschien God of War für die PS4 — ohne Nummerierung, ohne Untertitel. Das war Absicht. Unter der Regie von Cory Barlog, der bereits am Original mitgearbeitet hatte, unternahm Santa Monica Studio eine der mutigsten Neuausrichtungen in der Spielegeschichte. Griechische Götter waren Geschichte. Stattdessen: Skandinavien, nordische Mythologie, ein älterer, gereifter Kratos — und sein Sohn Atreus als zweite spielbare Figur.
Das Kampfsystem wurde von Grund auf neu gebaut, die Kamera rückte nah an die Schulter heran, das offene Design der Spielwelt ersetzte die Linearität der alten Teile. Erzählerisch wechselte der Fokus von reiner Rache zu Vater-Sohn-Dynamik, Verlust und Identität. God of War (2018) wurde zu einem der meistgelobten PlayStation-Exclusives aller Zeiten und gewann zahlreiche Game-of-the-Year-Auszeichnungen.
Das nordische Finale: Ragnarök (2022)
God of War: Ragnarök erschien im November 2022 für PS4 und PS5, diesmal unter der Regie von Eric Williams, während Barlog als Producer fungierte. Die nordische Saga fand ihr Ende: Kratos und Atreus stellten sich dem prophezeiten Weltuntergang — und der Reihe gelang es, die Erwartungen der Fans zu erfüllen, ohne sich zu wiederholen. Ragnarök wurde auf PC portiert und erschien dort im September 2024.
Mit dem Abschluss der nordischen Trilogie stellte sich unweigerlich die Frage: Was kommt als Nächstes? Gerüchte über ein Ägypten-Setting kursierten jahrelang. Die Antwort, die Santa Monica Studio letztlich lieferte, überraschte fast alle.
God of War: Laufey — ein neues Kapitel, eine neue Protagonistin (2026)
Bei der State of Play im Juni 2026 enthüllte Santa Monica Studio God of War: Laufey. Im Mittelpunkt steht erstmals nicht Kratos, sondern Faye — seine verstorbene Frau und Mutter von Atreus. Nach ihrem Tod findet sie sich in einem Reich der Götter wieder: dem Everywhen, einer Art Jenseits für gefallene Gottheiten. Game Director ist Ariel Lawrence, Cory Barlog wechselt in die neu geschaffene Rolle des Head of Creative und gestaltet die langfristige Vision des gesamten Franchises.
Laufey ist damit mehr als ein weiteres Sequel — es ist der erste Schritt in eine breitere Franchise-Strategie. Santa Monica Studio entwickelt God of War nach dem Vorbild anderer großer Spieleuniversen: verschiedene Charaktere, verschiedene Direktoren, ein gemeinsames Universum. Ein konkretes Erscheinungsdatum für Laufey wurde noch nicht genannt. Parallel arbeitet Barlog einem Insider zufolge an einem weiteren, noch unangekündigten Projekt — möglicherweise in einem völlig anderen Setting.
Das Studio dahinter: Santa Monica Studio
God of War ist untrennbar mit Santa Monica Studio verbunden. Das Studio gehört seit seiner Gründung zu Sony und war maßgeblich daran beteiligt, die PlayStation-Plattform mit Vorzeigetiteln zu versorgen. Neben God of War unterstützte es immer wieder kleinere Entwickler — darunter thatgamecompany mit Flower und Journey. Die Geschichte eines Spielestudios ist oft genauso interessant wie die Spiele selbst, und Santa Monica macht da keine Ausnahme: von einem unbekannten Sony-internen Studio zu einem der anerkanntesten Entwickler der Branche.
Alle Hauptteile im Überblick
| Spiel | Jahr | Plattform | Mythologie | Inhalt |
|---|---|---|---|---|
| God of War | 2005 | PS2 | Griechisch | Beginn der Saga — Kratos tötet Ares |
| God of War II | 2007 | PS2 | Griechisch | Kratos gegen Zeus, Cliffhanger-Ende |
| God of War: Chains of Olympus | 2008 | PSP | Griechisch | Vorgeschichte — Kratos kämpft um seine Familie |
| God of War: Ghost of Sparta | 2010 | PSP | Griechisch | Suche nach Kratos‘ Bruder Deimos |
| God of War III | 2010 | PS3 | Griechisch | Finale der griechischen Trilogie — Kratos stürzt den Olymp |
| God of War: Ascension | 2013 | PS3 | Griechisch | Prequel — Kratos vor dem Pakt mit Ares |
| God of War | 2018 | PS4 / PC | Nordisch | Neustart — Kratos und Atreus in Skandinavien |
| God of War: Ragnarök | 2022 | PS4 / PS5 / PC | Nordisch | Finale der nordischen Saga |
| God of War: Laufey | TBA | PS5 | Nordisch | Faye als neue Protagonistin — Everywhen-Setting |
Was God of War so besonders macht
Die Reihe hat mehrfach bewiesen, dass ein etabliertes Franchise sich grundlegend wandeln kann, ohne seine Identität zu verlieren. Der Wechsel von griechischer zu nordischer Mythologie 2018 hätte scheitern können — stattdessen wurde God of War (2018) zum Maßstab für narratives Action-RPG-Design. Das Geheimnis liegt darin, dass die Reihe nie nur über Kampf war. Kratos ist eine Figur mit echtem Innenleben — ein Mann, der mit seiner Vergangenheit ringt, der Fehler macht und der sich verändert. Das ist selten in einem Genre, das sonst auf Spektakel setzt.
Mit Laufey geht dieser Ansatz einen Schritt weiter: Erstmals rückt eine Frau in den Mittelpunkt, eine Figur, die bisher nur durch die Augen anderer bekannt war. Ob das funktioniert, wird sich zeigen. Die Grundlage dafür ist solide — und Santa Monica Studio hat bewiesen, dass es Vertrauen verdient hat.

