Was ist ein Reboot?

Was ist ein Reboot? Bedeutung, Beispiele und der Unterschied zu Remake und Remaster

Was ist ein Reboot?

Ein Reboot bezeichnet den kompletten oder weitgehenden Neustart einer Spielereihe, eines Franchises oder einer Marke – meist mit neuer Handlung, neuer Welt und neuem Ton, der sich deutlich vom Vorgänger unterscheidet. Ältere Ereignisse, Charaktere und Lore werden dabei oft ignoriert oder durch eine neue Version ersetzt. Das Ziel: frische Perspektiven eröffnen, eine neue Zielgruppe ansprechen und einer Marke neues Leben einhauchen, ohne durch das Erbe der alten Teile eingeschränkt zu sein.

Der Begriff stammt ursprünglich aus der Filmwelt, hat sich aber längst auch im Gaming etabliert. Heute ist „Reboot“ ein fester Begriff in der Diskussion rund um Spieleserien, Franchises und IP-Verwertung.

Hard Reboot vs. Soft Reboot

Nicht jeder Reboot ist gleich. Die Industrie unterscheidet in der Regel zwischen zwei Varianten:

Ein Hard Reboot bricht vollständig mit der Vergangenheit. Die Geschichte beginnt von null, Charaktere können denselben Namen tragen, aber eine grundlegend neue Persönlichkeit besitzen. Verbindungen zur ursprünglichen Reihe existieren nicht oder nur als Easter Egg. DmC: Devil May Cry (2013) ist ein bekanntes Beispiel: Dante wurde optisch und charakterlich komplett neu gestaltet, die Welt grundlegend umgebaut – viele Fans lehnten den Neuansatz ab, obwohl das Spiel für sich genommen solide war.

Ein Soft Reboot dagegen respektiert die Kontinuität zumindest teilweise. Bekannte Charaktere kehren zurück, die Welt ist wiedererkennbar – aber Ton, Setting oder Gameplay-Philosophie werden spürbar erneuert. God of War (2018) gilt als Paradebeispiel: Kratos existiert weiter, seine Vergangenheit wird anerkannt, aber das Spiel wechselt den Schauplatz, die Kameraführung und den emotionalen Ansatz radikal.

Reboot, Remake, Remaster – was ist der Unterschied?

Die drei Begriffe werden oft durcheinandergeworfen, meinen aber unterschiedliche Dinge. Eine ausführliche Abgrenzung bietet der Artikel zu Remaster vs. Remake. Kurz zusammengefasst gilt folgende Faustregel:

  • Remaster: Technische Aufwertung eines bestehenden Spiels – Inhalt und Story bleiben identisch.
  • Remake: Das Originalspiel wird von Grund auf neu produziert, oft mit neuer Engine und angepasster Story – das Grundgerüst bleibt aber erkennbar.
  • Reboot: Neustart einer Marke oder Reihe, der sich inhaltlich und meist auch konzeptionell vom Vorgänger löst.

Ein Remake kann gleichzeitig ein Reboot sein – muss es aber nicht. Tomb Raider (2013) war ein Reboot: kein Remake eines bestimmten Spiels, sondern eine neue Ursprungsgeschichte für Lara Croft als junger, verletzlicher Protagonistin.

Bekannte Beispiele aus dem Gaming

Tomb Raider (2013) startete die Reihe als Survival-Action-Adventure neu und zeigte Lara Croft vor ihrer Entwicklung zur erfahrenen Abenteurerin. Gameplay-Ansatz und Ton unterscheiden sich grundlegend von den klassischen Teilen.

God of War (2018) begleitete Kratos nach dem Ende der griechischen Saga in die nordische Mythologie. Aus dem Hack-and-Slash-Spektakel wurde ein emotionales Vater-Sohn-Abenteuer mit Over-the-Shoulder-Kamera – ein Soft Reboot, der die Reihe neu erfand, ohne die Vergangenheit zu tilgen.

Doom (2016) belebte den Ur-Vater des Ego-Shooters nach Jahren der Stagnation neu. Der Fokus auf schnelles, aggressives Gameplay knüpfte an den Geist der Originale an, ohne die komplexe Handlung der Doom 3-Ära weiterzuführen – ein Reboot, der aus der eigenen Geschichte die richtigen Lehren zog.

DmC: Devil May Cry (2013) präsentierte Dante als alternativen Charakter in einer anderen Welt, entwickelt vom Studio Ninja Theory. Der Hard Reboot polarisierte die Community so stark, dass Capcom mit Devil May Cry 5 zur ursprünglichen Continuity zurückkehrte.

Mortal Kombat (2011) nutzte einen cleveren In-Universe-Trick: Mithilfe von Zeitreisen innerhalb der eigenen Lore startete die Reihe ihre Geschichte neu, ohne die Vergangenheit zu verleugnen – ein Soft Reboot mit narrativer Begründung.

Reboots jenseits des Gaming

Auch in Film und Serie sind Reboots ein etabliertes Mittel. Das Marvel Cinematic Universe startete 2008 als bewusster Neuansatz der Marvel-Superhelden für das Kino – unabhängig von früheren Adaptionen wie dem Spider-Man-Franchise von Sam Raimi. Casino Royale (2006) reboote die James-Bond-Reihe mit Daniel Craig als ernsterem, raueren 007. Batman Begins (2005) ersetzte die bunten Burton-/Schumacher-Filme durch Christopher Nolans düsteren Realismus.

Die Grenze zwischen einem Reboot und einem Spin-off oder einem Prequel ist dabei nicht immer scharf: Auch ein Prequel kann eine Neusortierung der Marke darstellen, wenn es Ton und Zielgruppe grundlegend neu definiert.

Warum werden Franchises neu gestartet?

Die Gründe für einen Reboot sind vielfältig. Häufig spielen mehrere Faktoren zusammen:

  • Franchise-Erschöpfung: Eine Reihe hat sich in Fortsetzungen verzettelt, die Lore ist unüberschaubar geworden, und neue Spieler finden keinen Einstieg mehr.
  • Neue Zielgruppen: Ein Reboot ermöglicht es, eine jüngere Generation anzusprechen, ohne bestehende Fans komplett zu verlieren.
  • Technologischer Wandel: Neue Hardware und veränderte Designphilosophien machen einen Neustart attraktiver als eine direkte Fortsetzung.
  • Kreative oder rechtliche Neuausrichtung: Manchmal wechseln Entwicklungsstudios oder Publisher, und ein Reboot markiert diesen Wechsel nach außen sichtbar.
  • Vorheriger Misserfolg: Nach einem kommerziellen oder kritischen Scheitern kann ein Reboot die Chance sein, mit neuen Prämissen an den Markt zurückzukehren.

Fazit

Ein Reboot ist mehr als eine technische Überarbeitung oder eine weitere Fortsetzung – er ist ein bewusster Neustart, der eine Marke von ihrem bisherigen Erbe befreit oder es neu interpretiert. Ob Hard Reboot wie DmC oder Soft Reboot wie God of War: Reboots sind ein wichtiges Werkzeug der Spieleindustrie, um Franchises langfristig relevant zu halten. Wie gut das gelingt, hängt fast immer davon ab, ob der Kern einer Marke verstanden und respektiert wurde – oder nicht.

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