Karriere und Controller

Karriere und Controller: Warum Unternehmen jetzt Gamer gezielt rekrutieren

Wer Gamer erreichen will, geht dahin, wo sie sind – an den Bildschirm. Immer mehr Unternehmen in Deutschland nutzen Gaming und Esports als Kanal für ihr Recruiting und sprechen dabei ganz gezielt eine Zielgruppe an, die klassische Stellenanzeigen schon lange nicht mehr wahrnimmt: die Generation Z. Der Trend ist kein Gimmick, sondern eine strategische Antwort auf den anhaltenden Fachkräftemangel.

Das prominenteste Beispiel ist die Deutsche Bahn. Seit 2022 vergibt DB InfraGO in Kooperation mit der esports player foundation jährlich ein Esports-Stipendium an Auszubildende und dual Studierende, die gleichzeitig ambitionierte Gamer sind. Die Stipendiat:innen erhalten neben ihrer Ausbildung – etwa in Zugverkehrssteuerung, Elektrotechnik oder Mechatronik – gezieltes Coaching in Spieltechnik, Sportpsychologie und Ernährung. Bis Mitte 2025 hatte die DB bereits 42 Stipendienplätze vergeben und rund 1.500 Bewerbungen über Gaming-bezogene Kanäle verzeichnet. Seit 2026 ist auch eine Bewerbung über Fortnite-Turniere möglich.

Was steckt hinter dem Interesse an Gamern als Bewerber? Felix Falk vom Branchenverband game bringt es auf den Punkt: Laut Statista spielen 72 Prozent der Jugendlichen in Deutschland täglich – für weite Teile der Generation Z gehören Gaming und Esports schlicht zum Alltag. Unternehmen, die diese Zielgruppe über klassische Stellenbörsen oder Jobmessen nicht mehr erreichen, versuchen es dort, wo die Aufmerksamkeit tatsächlich liegt: auf Plattformen wie Twitch, Discord und in Turnierformaten.

Hinzu kommt ein inhaltliches Argument: Viele Fähigkeiten, die im Gaming geschult werden, sind direkt auf den Arbeitsmarkt übertragbar. Strategisches Denken, schnelle Entscheidungsfindung unter Druck, Teamkommunikation in Online-Gruppen, das Analysieren komplexer Systeme und hohe Frustrationstoleranz beim Scheitern und Neuansetzen – das sind keine weichen Nischentugenden, sondern Kernkompetenzen moderner Wissensarbeit. Gerade Berufsfelder mit hohem Koordinationsaufwand, wie eben die Zugverkehrssteuerung, profitieren davon nachweislich.

Für Unternehmen ist Gaming-Recruiting zudem ein Employer-Branding-Instrument. Wer auf der Gamescom einen Messestand betreibt, interne Gaming-Communities aufbaut oder Esports-Turniere sponsert, sendet ein Signal an eine Bewerbergruppe, die Authentizität schätzt: Hier versteht man mich. Das ist in Zeiten, in denen sich Arbeitgeber zunehmend bei Bewerbern bewerben müssen, kein marginaler Effekt.

Der Welt-Artikel, der diesen Trend aktuell beleuchtet, zeigt: Was die Deutsche Bahn früh angestoßen hat, wird von immer mehr Firmen aufgegriffen – vom Mittelstand bis zum Konzern. Die Frage ist nicht mehr ob Gaming im Recruiting eine Rolle spielen soll, sondern wie professionell Unternehmen diese Schnittstelle bespielen.

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