Manche Melodien brauchen nur drei Sekunden, um dreißig Jahre Nostalgie freizusetzen. Der Startbildschirm-Jingle von Star Fox tut genau das – und dann sitzt man wieder im Cockpit eines Arwings, Peppy brüllt eine Warnung, und man merkt: Das Lylat-System hat einen nie wirklich losgelassen. Mein persönlicher Zugang zur Serie liegt noch eine Generation weiter zurück: Ich erinnere mich an das originale Star Fox auf dem SNES, wie es nach der Schule anging und man mit Peppy, Slippy und Co. das Lylat-System aus den Klauen von Andross befreite. In den letzten Jahren gab es zwar wieder den einen oder anderen Genre-Vertreter, darunter durchaus gute, aber über lange Strecken wirkte der Rail-Shooter wie ausgestorben. Velan Studios haben sich mit dem Switch-2-Remake an einen der emotionalsten Klassiker im Nintendo-Katalog gewagt – und selbst wenn es „nur“ ein Remake ist, ist es nach dieser Durststrecke mehr als willkommen. Es ist zugleich der bislang aufwendigste Rail-Shooter-Neustart, den die Serie je gesehen hat.
Geschichte & Atmosphäre
Die Grundgeschichte ist bekannt: Der wahnsinnige Wissenschaftler Andross bedroht das Lylat-System, General Pepper ruft das Star-Fox-Team auf den Plan, und Fox McCloud steigt in die Fußstapfen seines verschollenen Vaters. Wer Star Fox 64 kennt, kennt auch diese Story in ihren Grundzügen – Velan hat sich bewusst gegen eine Neuerfindung entschieden. Was sich aber massiv verändert hat, ist die Erzähltiefe drumherum. Aus den launigen Ein-Zeilern der Missionsbriefings von 1997 sind jetzt waschechte Charakterbögen geworden.
Besonders Slippy, Peppy und Falco profitieren davon. Wo sie früher austauschbare Stimmen aus dem Seitenfenster waren, wirken sie jetzt wie eigenständige Figuren mit eigenen Reaktionen und kleinen Running Gags. Die komplett neu vertonten und inszenierten Zwischensequenzen tragen einen erheblichen Teil dazu bei, dass sich die vertraute Handlung trotzdem frisch anfühlt. Ein Soap-Opera-artiger Fan-Kult-Charme, den man dem Original nie zugetraut hätte, entsteht hier fast beiläufig.

Gameplay & Kernmechaniken
Im Kern bleibt Star Fox das, was es immer war: ein Rail-Shooter, bei dem man durch verzweigte Levelpfade fliegt, die sich je nach Spielleistung und getroffenen Entscheidungen verändern. Wer geheime Ausgänge findet oder bestimmte Bedingungen erfüllt, öffnet alternative Routen – ein Strukturprinzip, das bis heute erstaunlich modern wirkt und viele spätere Genrevertreter beeinflusst hat. Die Ring-Power-ups, der auflockbare Charge Shot und das Ausweichmanöver mit Barrel Roll funktionieren exakt so, wie es sich anfühlen soll: sofort vertraut, aber nie stumpf.
Neu ist die Unterstützung von drei Schwierigkeitsgraden, die nicht nur Schadenswerte verändern, sondern auch Gegnermuster und Streckenverläufe anpassen. Einsteiger bekommen damit einen fairen Zugang, ohne dass Serienveteranen auf Herausforderung verzichten müssen. Wer alle Routen und Geheimnisse durchspielen will, kommt trotzdem locker auf zehn bis fünfzehn Stunden – deutlich mehr, als die reine Kampagnenlänge von rund zwei Stunden vermuten lässt.
Steuerung & Plattform-Features
Das auffälligste neue Feature ist der Joy-Con-2-Mausmodus: Der Controller wird wie eine Computermaus auf einer Oberfläche bewegt und erlaubt dadurch eine deutlich präzisere Zielsteuerung als der klassische Stick. Für Spieler, die mit Maus-Genauigkeit aufgewachsen sind, ist das ein spürbarer Gewinn beim Anvisieren kleinerer Gegner oder Schwachstellen an Bossen. Wer es klassisch mag, kann alternativ auch einen Nintendo-64-Funkcontroller anschließen – eine liebevolle Geste an die Ursprungsversion.
Auch im Mehrspielerbereich hat sich einiges getan. Online stehen ein kompetitiver Modus, in dem sich Star-Fox- und Star-Wolf-Team gegenüberstehen, sowie ein Koop-Modus zur Verfügung, bei dem sich zwei Spieler die Rollen von Pilot und Schütze teilen. Die GameChat-Funktion der Switch 2 wird dabei clever eingebunden: Wer möchte, kann per Webcam-Filter selbst wie ein Mitglied des Star-Fox-Teams aussehen, während man mit anderen kommuniziert. Insgesamt unterstützt der Online-Modus bis zu acht Spieler gleichzeitig.
Technik & Optik
Optisch ist das hier der bislang eindrucksvollste Switch-2-exklusive Nintendo-Titel. Die Charaktermodelle werden komplett in Echtzeit gerendert und zeigen eine Mimik-Qualität, die man der Serie nie zugetraut hätte – kleine Blicke, Seitenkommentare und Gesichtsausdrücke sorgen für eine überraschende Lebendigkeit in den Zwischensequenzen. Auch technisch spielt das Remake in einer neuen Liga: Die Bildrate bleibt durchgehend stabil bei 60 Bildern pro Sekunde, selbst wenn auf dem Bildschirm viele Explosionen und Gegnerwellen gleichzeitig stattfinden.
Ein schönes Detail am Rande: Bestimmte große Gegnerschiffe „de-cloaken“ sichtbar vor den Augen der Spieler – eine liebevolle Hommage an die begrenzte Zeichendistanz der originalen Nintendo-64-Hardware, jetzt als bewusstes Stilmittel eingebaut. Der komplett neu eingespielte Orchester-Soundtrack rundet das Gesamtpaket ab und verleiht auch ruhigeren Passagen zwischen den Gefechten ein filmreifes Gewicht. Besonders schön: Die Neuaufnahmen bauen auf den unverkennbaren Originalthemen von Koji Kondo auf – wer die Melodien aus Corneria oder Sector X im Ohr hat, erkennt sie sofort wieder, jetzt aber in voller orchestraler Pracht statt als komprimierte N64-Samples.
Schwächen
Wer auf eine echte Fortsetzung oder zumindest eine mutige Neuinterpretation der Handlung gehofft hatte, wird enttäuscht. Star Fox 2026 bleibt trotz aller audiovisuellen Neuerungen inhaltlich eng an Star Fox 64 verankert – gleiche Level, gleiche Bosse, gleiche Grundstory. Für ein Franchise, das seit Star Fox Zero 2016 quasi brachlag, ist das eine spürbar konservative Entscheidung, die bei einem Teil der Fangemeinde durchaus für Stirnrunzeln sorgt. Wer die Kampagne bereits mehrfach durchgespielt hat, bekommt inhaltlich wenig Neues geboten – der Wert liegt fast ausschließlich in Präsentation, Steuerungsoptionen und Mehrspielerumfang.
Fazit
Star Fox auf der Switch 2 ist genau das Remake, das sich die meisten Fans gewünscht haben, ohne dass sie es explizit so formuliert hätten: technisch beeindruckend, spielerisch treffsicher und mit einem hörbaren Respekt vor dem Original. Wer Star Fox 64 nie gespielt hat, bekommt einen der zugänglichsten Shooter im Nintendo-Katalog in einer Bestform, die kaum besser hätte ausfallen können. Wer die Kampagne dagegen in- und auswendig kennt, sollte die Erwartungen an neue Inhalte bewusst herunterschrauben. Als Exklusivtitel und potenzieller System-Seller für die Switch 2 erfüllt es seine Rolle trotzdem mit Bravour.
| ✅ Stärken | ❌ Schwächen |
|---|---|
| + Beeindruckende Echtzeit-Charaktermodelle und Mimik | – Keine neue Story, gleiche Level wie Star Fox 64 |
| + Präziser neuer Joy-Con-2-Mausmodus zum Zielen | – Kampagne bleibt inhaltlich sehr kurz |
| + Stabile 60 Bilder pro Sekunde durchgehend | – Serienveteranen erleben wenig Überraschungen |
| + Ausgebauter Online-Mehrspielermodus mit GameChat | – Konservative Franchise-Entscheidung nach 10 Jahren Pause |
| + Neu eingespielter Orchester-Soundtrack |
Getestete Version: Nintendo Switch 2 – Day-One-Patch, Stand Juli 2026
UVP: 49,99 € (digital) / 59,99 € (physisch)
Für wen: Fans klassischer Rail-Shooter und alle, die Star Fox 64 nie gespielt haben.
Offenlegung: Selbst erworben. Kein Review-Code vom Publisher erhalten.







