The Mound: Omen of Cthulhu

The Mound: Omen of Cthulhu im Test: Wahnsinn als Waffe, Technik als Bremsklotz

Manche Horrorspiele jagen dir mit Jumpscares einen Schreck ein. The Mound: Omen of Cthulhu verfolgt einen anderen Plan: Es will dir nicht mehr trauen, dass deine eigenen Augen die Wahrheit sagen. ACE Team schickt dich mit bis zu drei Verbündeten als Konquistador-Trupp in einen verfluchten Dschungel, in dem jede Ecke, jedes Geräusch und jeder Verbündete plötzlich zur Bedrohung werden kann – oder auch nicht. Nach unserer Zeit auf der PS5 steht fest: Die Idee trägt vor allem im Team – solo verliert sie schnell an Reiz, und auch die Kulisse dahinter zeigt sich überschaubarer, als es die ersten Stunden vermuten lassen.

Kosmischer Horror im Zeitalter der Konquistadoren

Statt in der Gegenwart oder einer nahen Zukunft spielt The Mound: Omen of Cthulhu in der Ära der Konquistadoren, was dem Setting sofort eine ungewöhnliche Note verleiht. Ihr seid Teil einer Expedition, die von El Capitán mit klaren Aufträgen losgeschickt wird: Schätze bergen, Vermisste finden, verlassene Forts kartieren. Was auf dem Papier nach klassischem Abenteuer klingt, kippt sobald ihr die Gangway eures Galeonen-Stützpunkts verlasst und den Dschungel betretet.

Die Lovecraft-Wurzeln des Spiels sind mehr als nur Namensgebung. Statt euch mit klassischen Monsterdesigns zu erschrecken, arbeitet das Spiel mit Verunsicherung: Was aussieht wie ein sicherer Weg, kann eine Falle sein, was aussieht wie ein Verbündeter, muss es nicht sein. Wer sich für die Materie interessiert, findet in unserem Artikel zum Horror-Genre einen guten Überblick, wie unterschiedlich sich Angst in Spielen erzeugen lässt – und wo The Mound sich bewusst von reinen Jumpscare-Konzepten entfernt.

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Wahnsinn als Mechanik: Wie sich The Mound spielt

Im Kern ist The Mound ein Extraction-Titel mit klarer Shooter-Komponente: Ihr sammelt Ausrüstung, wählt eine Region des Dschungels, erfüllt einen Auftrag und versucht, lebend zurückzukehren. Je tiefer ihr vordringt, desto wertvoller die Beute – aber auch desto aggressiver und zahlreicher die Kreaturen. Verlassene Forts fungieren als Fortschritts-Anker: Wer ein Logbuch birgt, schaltet das Fort dauerhaft als neuen Startpunkt frei und muss bei künftigen Läufen nicht mehr bei null anfangen.

Das eigentliche Alleinstellungsmerkmal ist aber das Wahnsinns-System. Je länger eine Expedition dauert, desto anfälliger werdet ihr für Halluzinationen – ein Verbündeter kann plötzlich wie ein Monster aussehen, eine harmlose Lichtung sich als tödliche Falle entpuppen. Das erzeugt genau die Art von Paranoia, die gute Koop-Horror-Erlebnisse ausmacht: Ihr müsst euch aufeinander verlassen können, obwohl ihr euch in dem Moment nicht mehr sicher seid, ob ihr eurem eigenen Kopf trauen könnt. Kein Durchlauf erzählt exakt dieselbe Geschichte, und genau das hält die Motivation über viele Stunden hinweg aufrecht.

Der Haken: Der Einstieg ist hart. Das Prolog-Tutorial erklärt zentrale Systeme kaum – wer nicht weiß, was ein Bandolier tut oder wie sich Ladungen von Munition unterscheiden, findet das nirgends erklärt und muss es sich mühsam erspielen oder nachlesen. Gerade solo ist der frühe Schwierigkeitsgrad spürbar unfair, weil viele Gegner-Spawns auf ein Team von mindestens drei Spielern ausgelegt wirken. Allein durch den Dschungel zu ziehen, fühlt sich entsprechend nach einer anderen, deutlich frustrierenderen Erfahrung an als im eingespielten Trupp.

Dazu kommt, dass die Kulisse selbst nach mehreren Läufen überschaubar bleibt. Die Regionen des Dschungels variieren zwar in Gefahrengrad und Beute, greifen optisch und strukturell aber auf einen relativ kleinen Baukasten wiederkehrender Motive zurück. Nach einigen Expeditionen erkennt man Muster wieder, und die anfängliche Verunsicherung durch Wahnsinn und Halluzinationen kann diesen Effekt zwar kaschieren, aber nicht vollständig ausgleichen.

Auf der PS5: Zwischen Atmosphäre und Framerate-Frust

Auf der PS5 zeigt sich The Mound von seiner stimmungsvollsten Seite: Der gedrungene Nebel über der Galeone, die schummrigen Lichtstimmungen im Dschungel und die Art-Direction, die bewusst auf gemalte statt fotorealistische Optik setzt, kommen auf der Konsole gut zur Geltung. Genau hier liegt aber auch das größte Problem des Launches: Die Unreal-Engine-5-Basis macht sich mit Framerate-Einbrüchen bemerkbar, die nicht nur bei komplexen Dschungel-Arealen auftreten, sondern teils schon im vergleichsweise ruhigen Prolog spürbar sind.

ACE Team hat inzwischen öffentlich bestätigt, dass sich der erste größere Post-Launch-Patch gezielt um die Konsolen-Performance kümmern soll, während gleichzeitig weiter Bug-Reports aus der Community gesammelt werden. Das ist ein gutes Zeichen für die Zukunft des Spiels – ändert aber nichts daran, dass der aktuelle Zustand zum Launch-Zeitpunkt spürbare Kompromisse verlangt.

Technik & Performance: Solides Mittelmaß

Technisch bewegt sich The Mound im soliden Mittelfeld – nicht katastrophal, aber auch nicht das, was man von einem Vollpreis-Release erwarten würde. Die Performance-Probleme sind plattformübergreifend ein Thema und längst kein reines PS5-Phänomen. In der PC-Community häufen sich Berichte über Framerate-Einbrüche selbst auf Systemen, die deutlich über den empfohlenen Spezifikationen liegen, während parallel Berichte über Spieler kursieren, die stecken bleiben oder sich unerwartet in Geometrie verhaken. Das wirkt an vielen Stellen weniger nach bewusstem Design als nach fehlendem Feinschliff vor dem Release.

Positiv: ACE Team wirkt reaktionsschnell. Der angekündigte Hotfix-Fokus auf Konsolen-Performance deutet darauf hin, dass die gröbsten Probleme in den kommenden Wochen angegangen werden. Wer aktuell einsteigt, sollte diese Kompromisse aber realistisch einkalkulieren, statt auf ein makelloses Launch-Erlebnis zu hoffen.

Sounddesign und Optik: Gruseln ganz ohne Minimap

Sobald ein Trupp den Dschungel betritt, gibt es keine Minimap und keine Top-Down-Übersicht mehr. Stattdessen setzt The Mound konsequent auf räumliches Audio: Rufe eures Teams tragen tatsächlich Distanz und Richtung, und genau diese Entscheidung sorgt dafür, dass sich Koordination organisch statt wie eine reine Lobby-Funktion anfühlt. Kombiniert mit der bedrückenden Geräuschkulisse aus dem Unterholz entsteht eine Anspannung, die viele Genre-Kollegen so nicht erreichen.

Optisch überzeugt der Titel mit einem bewusst gemalten, kontrastreichen Look, der sich angenehm von der photorealistischen UE5-Standardkost vieler Konkurrenten abhebt. Genau dieser künstlerische Mut macht einen Großteil der Identität von The Mound aus – und lässt die technischen Schwächen umso mehr auffallen, weil man merkt, wie viel Potenzial in der Präsentation eigentlich steckt.

Fazit

The Mound: Omen of Cthulhu ist ein Spiel mit einer klaren, mutigen Vision: kosmischer Horror, der eure Wahrnehmung angreift statt nur eure Nerven. Mit Freunden funktioniert das gut – die Kombination aus Wahnsinns-System, konsequentem Verzicht auf Komfortfunktionen wie eine Minimap und der bedrückenden Atmosphäre erzeugt Momente, die im Genre selten sind. Solo verliert das Konzept jedoch spürbar an Kraft, und auch die Kulisse dahinter trägt auf Dauer weniger, als die ersten Expeditionen versprechen. Technisch bewegt sich der Titel im Mittelmaß statt im Ausnahmezustand. Unter dem Strich bleibt ein interessantes, aber kein rundes Koop-Horror-Erlebnis – am stärksten mit eingeschworener Truppe und realistischen Erwartungen an Umfang und Technik.

THE MOUND: OMEN OF CTHULHU
ACE Team  ·  PC, PS5, Xbox Series X|S
Release: 15.07.2026
Getestet auf PS5 · Day-One-Patch, Stand Juli 2026
6,9
von 10
✅  Stärken ❌  Schwächen
+ Dichte, bedrückende Lovecraft-Atmosphäre – Spürbare Performance-Probleme auch auf der PS5
+ Wahnsinns-System sorgt für einzigartige Momente – Prolog erklärt Kernmechaniken kaum
+ Cleveres Sounddesign ganz ohne Minimap-Krücke – Früher Schwierigkeitsgrad solo teils unfair
+ Starke Fusion aus Extraction-Loop und Psycho-Horror – Überschaubare, sich wiederholende Kulisse auf Dauer
+ Galleone als atmosphärischer Hub zwischen Läufen – Solo deutlich schwächer als im Team, Technik nur Mittelmaß
Plattformen: PC, PS5, Xbox Series X|S
Getestete Version: PS5 – Day-One-Patch, Stand Juli 2026
UVP: 29,99 €
Für wen: Für feste Koop-Gruppen, die kosmischen Horror gemeinsam erleben wollen – solo und bei hohen technischen Ansprüchen eher weniger geeignet.
Offenlegung: Getestet auf Basis eines vom Publisher bereitgestellten Review-Codes.

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