PlayStation VR

PlayStation VR Test: Virtual Reality für die Massen

Virtual Reality war lange Zeit ein Versprechen aus der Zukunft. Oculus Rift und HTC Vive haben in diesem Jahr gezeigt, dass die Technologie endlich reif für den Massenmarkt ist, doch beide Systeme erfordern leistungsstarke Gaming-PCs, die schnell über 1000 Euro kosten. Sony geht mit PlayStation VR einen anderen Weg: Für 399 Euro können Besitzer einer PlayStation 4 in virtuelle Welten eintauchen. Doch kann ein Headset für die Konsole mit der PC-Konkurrenz mithalten?

Verarbeitung und Tragekomfort

Sony hat bei der Entwicklung von PlayStation VR offensichtlich viel Wert auf den Tragekomfort gelegt. Das Headset wiegt rund 600 Gramm und verteilt dieses Gewicht über einen gepolsterten Bügel, der sich um den Kopf legt statt auf ihm zu ruhen. Das Ergebnis ist bemerkenswert: Selbst nach längeren Sessions von einer Stunde oder mehr drückt nichts unangenehm auf Stirn oder Wangen. Im Vergleich zu Oculus Rift und HTC Vive, die mir nach 30 Minuten spürbar wurden, ist das ein deutlicher Fortschritt.

Die Verarbeitung entspricht dem gewohnten Sony-Standard. Mattes Plastik mit einem futuristischen Design, das durchaus an Science-Fiction-Helme erinnert. Die Größenverstellung funktioniert über einen Knopf am Hinterkopf und ein Rädchen zur Feinjustierung. Besonders praktisch: Der Displayteil lässt sich nach vorne kippen, sodass man kurz in die reale Welt schauen kann, ohne das gesamte Headset abzunehmen. Brillenträger finden in der Regel genug Platz unter dem Gerät.

Display und Bildqualität

PlayStation VR nutzt ein 5,7 Zoll großes OLED-Panel mit einer Auflösung von 1920×1080 Pixeln, also 960×1080 pro Auge. Das liegt unter der Auflösung von Oculus Rift und HTC Vive, die jeweils 1080×1200 pro Auge bieten. In der Praxis fällt dieser Unterschied weniger dramatisch aus als erwartet. Sony setzt auf eine RGB-Subpixelmatrix, die das Bild subjektiv schärfer wirken lässt. Der berüchtigte Fliegengittereffekt, bei dem man die einzelnen Pixel erkennen kann, ist vorhanden, aber weniger störend als bei der Konkurrenz.

Die Bildwiederholrate von bis zu 120 Hz ist ein echtes Highlight. Die meisten Spiele laufen zwar mit 60 FPS, die dann auf 120 Hz interpoliert werden, doch einige Titel wie Rez Infinite nutzen die volle Bildrate nativ. Das Ergebnis sind butterweiche Bewegungen und deutlich reduzierte Übelkeit beim Spielen. Das Sichtfeld von etwa 100 Grad liegt im erwartbaren Bereich und ermöglicht ein ausreichend immersives Erlebnis.

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Tracking und Steuerung

Hier zeigt sich die größte Schwäche des Systems. PlayStation VR nutzt die PlayStation Camera für das Tracking, die neun LEDs am Headset verfolgt. Das funktioniert solide, solange man frontal zur Kamera steht. Bei Drehungen über 180 Grad verliert das System jedoch schnell die Orientierung. Spiele, die ein 360-Grad-Erlebnis versprechen, sind damit nur eingeschränkt genießbar.

Die optionalen PlayStation Move Controller, ursprünglich für die PlayStation 3 entwickelt, dienen als Handcontroller. Sie funktionieren überraschend gut für ein über sechs Jahre altes Zubehör, haben aber ihre Grenzen. Präzise Handbewegungen sind möglich, doch die fehlende Analogsticksteuerung erfordert kreative Lösungen der Entwickler. Der normale DualShock 4 kann ebenfalls getrackt werden und bietet sich für Spiele an, bei denen die Hände weniger im Fokus stehen.

Die Spielebibliothek zum Launch

Sony hat zum Start ein beachtliches Lineup zusammengestellt. VR Worlds ist eine Sammlung von fünf Erfahrungen, die die Möglichkeiten des Headsets demonstrieren. Der Tiefsee-Abstieg „Ocean Descent“ und das Londoner Gangsterdrama „The London Heist“ sind dabei die Highlights. DriveClub VR ermöglicht Rennen aus der Cockpitperspektive, kämpft aber mit reduzierten Grafik. Rez Infinite ist ein visuelles Meisterwerk, das in VR noch eindrucksvoller wirkt. Battlezone und RIGS: Mechanized Combat League bieten solide Multiplayer-Action.

Die Qualität schwankt allerdings stark. Viele Launch-Titel wirken eher wie Tech-Demos als vollwertige Spiele. Die Grafik ist oft deutlich reduziert gegenüber normalen PS4-Spielen, was angesichts der doppelten Renderarbeit für VR verständlich, aber trotzdem enttäuschend ist. Für Januar 2017 hat Capcom bereits Resident Evil 7 mit vollständiger VR-Unterstützung angekündigt, was das erste AAA-Spiel für die Plattform sein wird.

Einrichtung und Processing Unit

Die Einrichtung von PlayStation VR ist komplizierter als erhofft. Neben dem Headset selbst gehört eine Processing Unit zum Lieferumfang, die zwischen PS4 und Fernseher geschaltet wird. Diese Box verarbeitet das 3D-Audio und ermöglicht die Ausgabe des VR-Bildes auf dem Fernseher für Zuschauer. Das sogenannte Social Screen zeigt entweder das Bild eines Auges oder bei manchen Spielen eine komplett andere Perspektive für asymmetrischen Multiplayer.

Das Kabelmanagement ist eine Herausforderung. Vom Headset führt ein langes Kabel zur Processing Unit, von dort geht es weiter zur Konsole. Dazu kommt die PlayStation Camera, die eine freie Sichtlinie zum Spielbereich benötigt. Wer seinen Wohnzimmertisch nicht umstellen möchte, muss kreativ werden. Die mitgelieferten Kopfhörer sind ordentlich, aber austauschbar. Der 3,5-mm-Anschluss am Headset erlaubt die Nutzung eigener Kopfhörer.

PlayStation 4 Pro Kompatibilität

Sony hat angekündigt, dass die im November erscheinende PlayStation 4 Pro Verbesserungen für PlayStation VR bringen wird. Entwickler können die zusätzliche Rechenleistung für höhere Auflösungen, bessere Kantenglättung oder stabilere Bildraten nutzen. Ob und wie stark die Verbesserungen ausfallen, hängt vom jeweiligen Titel ab. Für neue Käufer könnte es sich lohnen, auf die Pro zu warten.

Fazit

PlayStation VR ist der bisher zugänglichste Einstieg in Virtual Reality. Der Tragekomfort ist exzellent, die Bildqualität solide, und die Spielebibliothek bietet einen guten Start mit Luft nach oben. Für 399 Euro plus 60 Euro für die erforderliche PlayStation Camera (oder 499 Euro im Bundle mit Kamera und Move Controllern) bekommt man ein vollwertiges VR-System, das deutlich günstiger ist als die PC-Konkurrenz mit ihren Hardware-Anforderungen.

Die Schwächen sind nicht zu übersehen: Das Tracking hat Grenzen, die Move Controller zeigen ihr Alter, und die Grafik hinkt normalen PS4-Spielen hinterher. Doch als Einstiegsdroge in Virtual Reality funktioniert PlayStation VR hervorragend. Wer die Zukunft des Spielens schon heute erleben möchte, ohne ein kleines Vermögen auszugeben, findet hier seinen Zugang.

Wertung

8/10

Pro und Contra

Pro

  • Hervorragender Tragekomfort auch bei längeren Sessions
  • OLED-Display mit bis zu 120 Hz Bildwiederholrate
  • Deutlich günstiger als Oculus Rift und HTC Vive
  • Solide Spieleauswahl zum Launch
  • Social Screen für Zuschauer und asymmetrischen Multiplayer
  • Einfache Kompatibilität mit bestehender PS4

Contra

  • Tracking-Probleme bei 360-Grad-Bewegungen
  • Veraltete Move Controller
  • Aufwendige Verkabelung
  • Geringere Auflösung als PC-Konkurrenz
  • Grafik in vielen Spielen deutlich reduziert
  • PlayStation Camera separat erforderlich

Technische Daten

Display 5,7 Zoll OLED, 1920×1080 (960×1080 pro Auge)
Bildwiederholrate 90 Hz / 120 Hz
Sichtfeld ca. 100 Grad
Tracking PlayStation Camera, 9 LEDs am Headset
Audio 3D-Audio über Processing Unit, 3,5 mm Klinke
Anschlüsse HDMI, USB (über Processing Unit)
Gewicht ca. 600 g (ohne Kabel)
Kompatibilität PlayStation 4, PlayStation 4 Slim, PlayStation 4 Pro
Hersteller Sony Interactive Entertainment
Release 13. Oktober 2016
Preis (UVP) 399,99 Euro (nur Headset), 499 Euro (Bundle)

Update 2020: PlayStation VR auf PlayStation 5

Nachtrag vom 20. November 2020

Mit dem Launch der PlayStation 5 stellt sich die Frage nach der Zukunft von PlayStation VR. Die gute Nachricht: Das Headset funktioniert auch an der neuen Konsole. Sony stellt dafür einen kostenlosen Adapter bereit, da die neue HD-Kamera der PS5 nicht mit PSVR kompatibel ist. Man muss also die alte PlayStation Camera weiterverwenden.

Im Betrieb an der PS5 profitieren einige Titel von der Abwärtskompatibilität, laufen stabiler oder mit leicht verbesserten Ladezeiten. Grundlegende Verbesserungen wie höhere Auflösungen sind jedoch nicht zu erwarten, da die Spiele weiterhin im PS4-Modus laufen. Sony hat bereits einen Nachfolger für 2022 angekündigt, der exklusiv für PS5 entwickelt wird. PlayStation VR bleibt bis dahin eine solide Option für VR-Einsteiger, zeigt aber zunehmend sein Alter.

Die Spielebibliothek ist über die Jahre auf mehr als 500 Titel angewachsen. Highlights wie Resident Evil 7Astro Bot Rescue Mission und Beat Saber haben bewiesen, dass VR auf der Konsole funktioniert. Für Neueinsteiger ist das System mittlerweile deutlich günstiger erhältlich, was den Einstieg attraktiver macht denn je.

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