Star Wars Eclipse

Quantic Dream: Belegschaft streikt für Star Wars Eclipse – 115 Jobs in Gefahr

Beim Pariser Spielestudio Quantic Dream ist am 25. Juni 2026 ein Streik ausgebrochen. Rund ein Viertel der Belegschaft protestiert vor der Zentrale gegen geplante Massenentlassungen – und kämpft dabei gleichzeitig um die Zukunft eines der meisterwarteten Spiele der Branche: Star Wars Eclipse. Der Zeitpunkt ist kein Zufall.

Das gescheiterte MOBA als Auslöser

Hinter der aktuellen Krise steckt ein anderes Projekt: Spellcasters Chronicles, ein Free-to-Play-MOBA, an dem Quantic Dream acht Jahre gearbeitet hatte. Das Spiel ging am 26. Februar 2026 in den Early Access – und wurde am 20. Mai 2026, gerade einmal drei Monate später, wieder abgeschaltet. Zu wenige Spielerinnen und Spieler, keine wirtschaftliche Grundlage. Das Projekt, das die extrem teure Star-Wars-Eclipse-Entwicklung querfinanzieren sollte, war ein kompletter Fehlschlag.

Die Konsequenz des Managements: 115 der rund 460 Angestellten sollen entlassen werden – ausnahmslos jene, die an Spellcasters Chronicles gearbeitet hatten. Die Gewerkschaft STJV hält diesen Sozialplan für rechtswidrig. Nach französischem Arbeitsrecht dürfe sich ein Stellenabbau nicht gezielt gegen ein einzelnes Projektteam richten, argumentiert die Gewerkschaft laut Gamekult. Damit droht ein längeres arbeitsrechtliches Verfahren. Die STJV bezeichnet den geplanten Schritt als den größten Stellenabbau in einem französischen Spielestudio seit der Schließung von Blizzard France im Jahr 2020. Was Studioscließungen und Entlassungswellen im Spielebereich bedeuten, erklären wir in unserem Artikel zu Spielestudio-Schließungen.

„Buchstäblich nicht fertigstellbar“ – die Botschaft an Lucasfilm

Die Streikenden wählten ihr Datum strategisch: Am 25. Juni besuchte eine Delegation von Lucasfilm das Studio, um den Entwicklungsstand von Star Wars Eclipse zu begutachten. Genau in diesem Moment standen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter vor der Tür. Ihre Botschaft war unmissverständlich: Ohne die 115 bedrohten Kollegen sei das Spiel im aktuellen Zustand nicht fertigstellbar.

Mitarbeiter Jules erklärte gegenüber Gamekult, der Streik sei kein Sabotageakt, sondern ein Rettungsversuch. Das Studio sei chronisch unterbesetzt, die bedrohten Kollegen würden für den Abschluss des Projekts dringend gebraucht. Ein weiterer Mitarbeiter namens Theo deutete an, das Management könnte Entscheidungen von Mutterkonzern NetEase zurückhalten, die die Lage bei Star Wars Eclipse eigentlich verbessern würden – darunter möglicherweise Inhaltskürzungen, die das Projekt realisierbar machen könnten. Quantic Dream selbst erklärte, die Entwicklung laufe weiter und die Auswirkungen des Streiks seien begrenzt.

NetEase im Hintergrund – und ein möglicher Verkauf

Quantic Dream gehört seit 2023 vollständig zum chinesischen Konzern NetEase, der das Studio für rund 100 Millionen Euro übernahm. Seither ist NetEase in einer Rückzugsbewegung: Weltweit wurden Studios verkauft oder geschlossen, seit NetEase-Chef William Ding laut Bloomberg intern klargestellt haben soll, dass er nur noch Spiele für entwicklungswürdig hält, die jährlich mehrere hundert Millionen Dollar einspielen. Star Wars Eclipse fällt in keine dieser Kategorien – zumindest nicht garantiert. Branchenberichten zufolge soll NetEase bereits nach Käufern für das Studio suchen. Ohne Lucasfilm als externen Financier oder einen Käufer könnte das Projekt schlicht nicht mehr finanzierbar sein. Ob der Crunch-Druck, der im Studio schon länger herrscht, Teil der Probleme ist, blieb in den offiziellen Statements unerwähnt – Mitarbeiter deuteten es aber an.

Star Wars Eclipse: Ein Projekt auf der Kippe

Star Wars Eclipse wurde im Dezember 2021 bei den Game Awards mit einem aufwendigen Cinematic-Trailer vorgestellt – und seitdem hat Quantic Dream praktisch nichts mehr gezeigt. Kein Gameplay, kein Release-Fenster, keine Plattformbestätigung. In der Branche gilt das Projekt seit Jahren als Wackelkandidat. Die aktuelle Lage macht die Zukunft des Spiels offener denn je. Ob Lucasfilm nach dem Besuch die Konsequenz zieht, die Lizenz zu entziehen oder die Finanzierung zu übernehmen, ist nicht bekannt. Fest steht: Der Streik hat das Problem sichtbar gemacht – genau zum richtigen Zeitpunkt.

Der Ausstand bei Quantic Dream ist zudem Teil des sogenannten „Summer Grève Fest“, zu dem die STJV die gesamte französische Spielebranche bis in den September 2026 zu Protestaktionen aufruft. Weitere betroffene Unternehmen: Ubisoft, Don’t Nod und Spiders.

Quelle: Gamekult (Originalbericht), Insider Gaming, Game Developer, Heise Online

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