PAULBERGER SHOW

PAULBERGER SHOW in der LANXESS Arena: Ein Nachmittag zwischen Begeisterung und bitterer Enttäuschung

Die PAULBERGER SHOW hat gestern die ausverkaufte LANXESS Arena in Köln gerockt – und ich war mit meinen Kindern dabei. Was folgt, ist kein klassischer Konzertbericht, sondern ein ehrlicher Elternblick auf einen Nachmittag, der so nah an perfekt war und am Ende doch mit einem faden Beigeschmack endete.

Paulberger Show

Was ist die PAULBERGER Crew überhaupt?

Für alle, die den Begriff noch nicht kennen: „PAULBERGER“ ist kein Bandname im klassischen Sinne, sondern ein Szene-Begriff aus der deutschen YouTube-Community. 2017 von iCrimax und Standart Skill geprägt, steht er sinnbildlich für „bester Freund“ – so nennen sich die Creator untereinander und ihre Community. Heute umfasst die PAULBERGER Crew genau 17 Content Creator, die mit Gaming-Content rund um Minecraft, Roblox, Fortnite und GTA V ein Millionenpublikum erreichen. Angeführt von Star-YouTuber iCrimax – bürgerlich Maximilian Schuster – performen die Mitglieder mittlerweile auch eigene Musik und kommen zusammen auf über 700.000 monatliche Hörerinnen und Hörer bei Spotify.

Anreise, Parkplatz, Chaos – der obligatorische Familien-Vorkampf

Die Show startete um 13 Uhr und endete gegen 16:40 Uhr – inklusive Zugabe. Wer mit Kindern zu einem ausverkauften Arena-Event fährt, weiß: Die Show beginnt nicht mit dem ersten Song, sie beginnt auf dem Parkplatz. Die Anreise war entsprechend stressig, einen freien Parkplatz zu finden glich einer kleinen Expedition, und nach dem Event staute sich das Parkhaus in einer Schlange, die gefühlt so lang war wie eine GTA-Fluchtroute. Das ist kein Vorwurf an die Veranstalter – das ist Arena-Alltag. Aber als Begleitperson einer aufgeregten Kindertruppe zehrt genau das an den Nerven.

Dazu kommt die Zielgruppe: iCrimax produziert seinen Content explizit für Jugendliche, und das merkt man im Publikum. Geschätzt 10 bis 16 Jahre, laut, aufgedreht, vollkommen in ihrem Element – das ist die Kernklientel. Rund 40 Prozent der Anwesenden dürften Begleiteltern gewesen sein, Menschen, die sehr lieb zu ihren Kindern sind und sich dafür freiwillig in eine Arena mit Tausenden kreischenden Tweens begeben haben. Respekt an alle.

Die Show selbst: Gut. Wirklich gut.

Aber dann geht das Licht aus – und plötzlich ist das alles vergessen. Die PAULBERGER SHOW lieferte das, was sie versprochen hatte. iCrimax, Standart Skill, Avive, Syou, Yami, Kiyan, Danergy, Alphastein, Zitachi, Enrico, Tridan, Ryney, Russik, Sevel, Ente und Amir standen gemeinsam auf der Bühne – moderiert von Embekay, der selbst auch Gesangsparts übernahm. Für Fans war das ein historischer Moment – die erste große Arena-Produktion der Crew, und man merkte, dass alle Beteiligten die Energie genossen.

Man sollte dabei nicht vergessen, was diese Veranstaltung im Kern ist: eine ausgewachsene Dauerwerbesendung. Die eigene Paulberger Limo wurde in der Arena für 3,90 Euro verkauft – im Supermarkt kostet sie 1,49 Euro. Und trotzdem – und das ist die eigentliche Leistung des Nachmittags – hatten die 17 Creator es geschafft, den Konzert-Aspekt in den Vordergrund zu stellen. Das Branding war präsent, aber nie aufdringlich. Man saß nicht in einer Werbeveranstaltung mit Musikeinlage, sondern in einem echten Konzert mit sehr selbstbewusstem Branding drumherum. Das ist ein Unterschied, und er ist nicht selbstverständlich.

Paulberger Show

Die Crew präsentierte sich dabei durchgehend sympathisch und nahbar – kein aufgesetztes Popstar-Gehabe, sondern Creator, die mit ihrer Community feiern. Das wirkt authentisch, gerade weil man weiß, dass im Hintergrund ein professionell durchgeplantes Markenkonstrukt läuft. Alphastein war ebenfalls mit von der Partie – mit eigenen Auftritten und Songs, gut eingebettet in die Show.

Ein besonderer Moment für die Community: Zitachi zeigte zum allerersten Mal öffentlich sein Gesicht – das dürfte in der Szene noch lange Gesprächsthema bleiben. Und Alphastein? Der hatte das Publikum fest im Glauben, jetzt sei es soweit – bis die Maske fiel und jemand ganz anderes darunter steckte. Klassischer Alphastein – und ja, ich finde den Typen einfach witzig. Aber das ist Geschmackssache.

Kiyan hatte seine eigenen Songs am Start und überzeugte mich gesanglich am stärksten an diesem Nachmittag – kein Wunder, der Mann war immerhin bei DSDS und belegte dort den vierten Platz. Begleitet wurde er von Tänzerinnen, darunter seine Schwester, die sogar die Choreografie entwickelt hat. Generell gefielen mir „Minecraft Helden“ und der neue „PAULBERGER Crew“-Song sehr gut – zwei Songs, die für sich stehen und einfach gelungen sind.

Auch die Manipulator-Parts haben mich überzeugt. Als Begleitelternteil kriegt man ja sonst nur Ausschnitte mit, wenn die Kinder die Streams schauen – live und in dieser Dimension war vieles davon für mich eine echte Premiere. Und ich muss sagen: Die Jungs machen das wirklich gut.

Ein besonders herzlicher Moment: Avive – bekannt als AviveHD – brachte seine kleine Tochter auf die Bühne. Die Kleine zeigte direkt ein paar Tanzmoves, hatte das Publikum sofort für sich und stahl kurzzeitig allen die Show. Wenn das kein Startschuss für eine Bühnenkarriere ist…

Das absolute Highlight war eine Weltpremiere: Standart Skill und iCrimax präsentierten gemeinsam „Einbruchbrüder“ – einen brandneuen GTA-Song, der an ihre gemeinsame Vergangenheit in der GTA-Szene anknüpft. Für langjährige Fans war das ein echter emotionaler Moment. Mit allem zusammen fast vier Stunden Programm – man bekam wirklich was fürs Geld.

Der Merchandise-Fail: Das eine, das nicht hätte passieren dürfen

Und dann kommt er – der Moment, der den Nachmittag in meiner Erinnerung trübt. Das Merchandise war ausverkauft. Komplett. Meine Kinder gingen mit leeren Händen nach Hause.

Drei Merchandise-Stationen gab es in der Arena. Wer Merch wollte, hat sie gefunden – ein Saalplan half dabei. Aber für ein Event dieser Größe war die Präsentation auffallend unambitioniert. Keine große Inszenierung, kein echter Hingucker. Dabei wäre genau das die Chance gewesen: Merchandise als Teil des Erlebnisses, nicht als Nebenschauplatz. Dass die Ware trotzdem schnell vergriffen war, zeigt vor allem eines – es war schlicht zu wenig da.

Wer weiß, wie das Creator-Business funktioniert, weiß: Merchandise bei Live-Events ist kein nettes Bonus-Angebot, sondern ein wichtiger Umsatzbaustein – und vor allem ein emotionaler Anker für die Fans. Die Zielgruppe sind Kinder und Jugendliche, die nach Hause wollen mit einem T-Shirt, einem Cap, irgendetwas, das sagt: Ich war dabei. Diese Erinnerungsstücke sind für diese Altersgruppe kein Nice-to-have – sie sind der emotionale Abschluss des Tages.

Das Bild, das ich nach der Show nicht vergessen werde: Eine Frau stand am Ausgang mit einem handgeschriebenen Schild. Aufschrift: „Brauche dringend T-Shirt – zahle 70 Euro.“ Verzweifelte Eltern-Liebe in Pappschildform. Und ein stiller Beleg dafür, was der Merchandise-Ausfall für viele Familien bedeutete.

Wer eine ausverkaufte Arena füllt, wer 3,90 Euro für eine Limo aufruft und das Markenkonstrukt so professionell durchzieht – der muss auch wissen, dass man für ein ausverkauftes Haus genug Hoodies, Caps und Shirts einkalkuliert. Gerade weil der Rest so gut funktioniert hat, fällt dieser Fehler umso schwerer ins Gewicht.

Und wirklich bewusst ist man sich dieser Thematik wohl nicht:

Paulberger Show

Die Reaktion der Veranstalter zeigt es: Man habe den Ruf nach mehr Merchandise vernommen und schaue, was zukünftig möglich sei. Mehr Merchandise generell ist aber nicht die Antwort – wer zur PAULBERGER SHOW kommt, will ein T-Shirt von der PAULBERGER SHOW. Und das war ausverkauft.

Fazit: Fast perfekt – und das ist das Ärgerlichste daran

Die PAULBERGER SHOW war gut. Die Crew hat geliefert, die Energie stimmte, und es war bemerkenswert, wie es gelungen ist, trotz offenem Marketing-Rundum-Paket eine echte Konzert-Atmosphäre zu schaffen. Für Fans der deutschen Gaming-YouTube-Szene war es ein Nachmittag, den sie so schnell nicht vergessen werden.

Aber der Merchandise-Fail hinterlässt einen Kratzer, der tiefer sitzt als er müsste. Auf der Heimfahrt war die Stimmung trotz allem gedämpft – und Enttäuschung lässt sich schwerer wegstecken, wenn man acht Jahre alt ist und alle anderen Kinder in der Schlange auch nichts bekommen haben.

Würde ich nochmal hingehen? Ja – aber dann mit einem Online-Vorkauf des Merchandise im Gepäck.

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