Zestum: KI-basierte Duft-Hardware für Gaming

Zestum bringt Gerüche ins Gaming – KI-basierte Duft-Hardware startet auf Kickstarter

Das Kölner Start-up Zestum möchte Gerüche als festes Medium in der digitalen Welt etablieren. Mit KI-basierter Software und einer kompakten Hardware namens Scentbar bringt das Team Düfte passend zum Bildschirminhalt ins Wohnzimmer. Die Kickstarter-Kampagne startet am 10. März und soll die erste Produktlinie finanzieren.

KI analysiert Bildschirminhalte in Echtzeit

„Wir wollen Duft genauso greifbar, erfahrbar und einsetzbar machen wie visuelle oder auditive Reize“, erklärt Gründer Salomo Bertram. Dafür hat das Team eine Software entwickelt die mittels Künstlicher Intelligenz in Echtzeit analysiert was auf dem Monitor geschieht. Die KI erkennt Objekte und Szenarien die auf dem Bildschirm zu sehen sind – etwa einen Wald, eine Blumenwiese oder ein Feuer – und klassifiziert diese.

Innerhalb von weniger als 500 Millisekunden wird ein Signal an die Hardware-Box gesendet die den passenden Duft ausstößt. Da die normale Atemfrequenz bei drei bis vier Sekunden liegt entsteht ein authentisches Dufterlebnis. Die Reaktionszeit ist so schnell dass Spieler den Duft praktisch synchron zum visuellen Geschehen wahrnehmen.

Zestum: KI-basierte Duft-Hardware für Gaming
Technische Hochschule Köln – 10.12.2025 – Startup ZESTUM am TH Campus Mülheim

Scentbar mit Pods und Pellets

Die Scentbar genannte Hardware arbeitet mit sogenannten Pods die mit speziell für Zestum hergestellten Pellets befüllt sind. Diese bestehen aus einer Mischung von Parfüm, Ölen und ätherischen Zusatzstoffen. Ventilatoren in der Scentbar erzeugen einen sanften und gezielten Luftstrom der an den Pellets vorbeiströmt, die jeweiligen Gerüche aufnimmt und zu den Nutzern trägt.

Damit werden die Düfte ähnlich wie im realen Leben wahrgenommen wo sie ebenfalls über die Luft transportiert werden. Dies steht im Gegensatz zur Zerstäubung oder Nebelbildung wie man sie etwa von Duftsprays kennt. „Die von uns gewählten Mischungen hängen in der Luft und setzen sich nicht in Kleidung oder Möbeln fest. Dieses nahezu natürliche Dufterlebnis verfliegt nach dem Lüften sofort“, so Bertram.

Die verwendeten Stoffe entsprechen den Vorgaben der International Fragrance Association und sind damit gesundheitlich unbedenklich für Mensch und Haustier.

Drei Duftserien zum Start

In einem ersten Schritt möchten die Gründer drei Duftserien anbieten:

Natur: Wald, Regen, Gras – perfekt für Open-World-Spiele, Survival-Titel oder Naturerkundung

Rennsport: Benzin, verbrannter Gummi, Asphalt – für Rennsimulatoren und Arcade-Racer

Action: Rauch, Betonstaub, Schießpulver – für Shooter, Action-Adventures und militärische Simulationen

Perspektivisch soll die Palette noch erweitert werden. Das Konzept erinnert an frühere Versuche Gerüche ins Gaming zu bringen, setzt aber auf moderne KI-Technologie statt auf manuell programmierte Trigger-Events.

Windows-Kompatibilität, später Konsolen

Zum Marktstart konzentriert sich das Startup auf den PC-Bereich. Das System ist unter Windows mit gängigen Anwendungen wie Videospielen, YouTube oder Streaming-Diensten kompatibel. „Die Software nutzt die Ressourcen des Computers und ist nicht cloudbasiert, wodurch das System für unsere Kunden günstig und einfach bleibt“, sagt Bertram.

Die lokale Verarbeitung bedeutet keine Latenz durch Internetverbindung und keine laufenden Kosten für Cloud-Services. Perspektivisch sollen weitere Anwendungen für Spielkonsolen und TV-Geräte auf den Markt kommen. Eine Umsetzung für PlayStation 5, Xbox Series X|S oder Smart-TVs würde die Zielgruppe erheblich erweitern.

Zestum: KI-basierte Duft-Hardware für Gaming
Technische Hochschule Köln – 10.12.2025 – Startup ZESTUM am TH Campus Mülheim

Kickstarter-Kampagne und Zukunftsvision

Mit der am 10. März startenden Kickstarter-Kampagne möchte das Team die Produktion der ersten Serie finanzieren und die Community aktiv in die Weiterentwicklung einbinden. Langfristig sieht Zestum großes Potenzial in Forschung und Entwicklung: Ziel sei es Düfte künftig so dynamisch mischbar zu machen wie es heute bei RGB-Farben im digitalen Bildbereich Standard ist.

Diese Vision würde bedeuten dass nicht mehr vorgefertigte Duft-Pods benötigt werden, sondern beliebige Gerüche durch Mischung von Grundstoffen erzeugt werden könnten – ähnlich wie Monitore aus Rot, Grün und Blau jede beliebige Farbe darstellen können.

Akademischer Hintergrund und Förderung

Das Start-up Zestum wurde von Salomo Bertram, Samuel Wiebe, Jasmin Blekic und Levin Vonester gegründet die an der TH Köln sowie der FH Aachen unter anderem Wirtschaftsingenieurwesen, Elektrotechnik, Kommunikationsdesign und Raumfahrttechnik studiert haben.

Das Team wird über das Programm EXIST des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie und der Europäischen Union gefördert. Die Gateway-Gründungsförderung der TH Köln unterstützt Zestum mit einem starken Netzwerk, Beratung zu Finanzierung und dem Co-Working Space. Prof. Dr. Monika Engelen sowie Prof. Dr. Nicolas Pyschny von der Fakultät für Informatik und Ingenieurwissenschaften der TH Köln begleiten das Start-up fachlich.

Die Idee Gerüche ins Gaming zu bringen ist nicht neu – bereits in den 2000er Jahren gab es Versuche mit USB-Duftgeräten die jedoch nie Mainstream wurden. Zestums Ansatz mit KI-basierter Echtzeit-Analyse statt manuell programmierten Events könnte jedoch den entscheidenden Unterschied machen. Ob Gamer bereit sind für ein zusätzliches Peripheriegerät Geld auszugeben wird die Kickstarter-Kampagne zeigen.

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