„Die Siedler von Catan“ gibt es inzwischen seit fast 25 Jahren. Seit 1995 wird gesammelt, gefeilscht, gebaut, erweitert und im besten Fall auch gewonnen. Klaus Teubers Brettspielklassiker hat schon so manche digitale Umsetzung hervorgebracht, und seit dem 20. Juni 2019 ist CATAN, wie das Spiel heute nur noch heißt, auch für die Nintendo Switch erhältlich.
Veröffentlicht hat die Konsolenfassung Asmodee Digital, entstanden ist sie in Zusammenarbeit mit USM und Exozet. Ich habe mir angesehen, wie gut der Klassiker den Sprung vom Küchentisch auf die Switch schafft.

Brettspiel-Feeling am virtuellen Tisch
Auf den ersten Blick gelingt es CATAN sehr gut, das Gefühl des Brettspiels einzufangen. Gespielt wird an einem virtuellen Tisch, auf dem das typische Spielfeld ausliegt, die Gegenspieler sitzen drumherum, allerdings nur als kleine Porträtbildchen. Das klassische Tabletop-Erlebnis mit Freunden am Tisch ersetzt das natürlich nicht.
Wie im Vorbild nehmen an jeder Partie drei bis vier Spieler teil. Finden sich online nicht genug Mitspieler, füllen KI-Gegner die freien Plätze auf, und die gibt es in drei Schwierigkeitsgraden.

Multiplayer: Gegen Menschen nur online
Mein erster großer Kritikpunkt: Gegen menschliche Gegner lässt sich nur online spielen, einen lokalen Mehrspielermodus sucht man vergeblich. Gerade bei einem Brettspiel, das vom gemeinsamen Spielen lebt, ist das auf einer Konsole wie der Switch kaum nachvollziehbar. Immerhin kann ich online bequem auswählen, ob ich gegen Freunde oder gegen Fremde antrete.
Dort fällt der nächste Mangel auf, denn bis auf ein paar Emojis gibt es keinerlei Möglichkeit, mit den Mitspielern zu kommunizieren. Es gibt keine Texteingabe, keine vorgefertigten Textbausteine und keinen Sprachchat. Wüsste ich nicht, dass ich gegen echte Menschen spiele, würde ich kaum einen Unterschied zur Partie gegen die KI bemerken.

Erweiterungen und Regeln: Nah am Original
Die Seefahrer-Erweiterung ist im Grundspiel bereits enthalten, lässt sich aber ebenfalls nur zu dritt oder zu viert spielen. Dasselbe gilt für „Städte & Ritter“, die zum Testzeitpunkt für knapp sechs Euro als separater DLC im eShop erhältlich ist.
Beim Regelwerk hält sich CATAN für die Switch sehr genau an die Vorlage. Wie schon in anderen digitalen Fassungen lässt sich das Kontingent von fünf Siedlungen und vier Städten pro Spieler nicht erweitern, Hausregeln haben hier also keinen Platz.

Handel und KI: Übersichtlich, aber eigenwillig
Das Tauschen von Rohstoffen geht über ein übersichtliches Menü sehr gut von der Hand, egal ob mit Gegnern oder mit der Bank. Beim Handel mit der Bank berücksichtigt das Spiel natürlich, ob ich an einem 3:1- oder 2:1-Hafen gebaut habe.
Die KI-Gegner handeln rege mit, treffen dabei aber so manches Mal seltsame Entscheidungen. Trotzdem fühlen sich Partien gegen den Computer recht authentisch an, auch wenn auf kommunikativer Ebene nichts passiert. Was online ein Mangel ist, hilft hier sogar dem Spielfluss, denn es gibt keine Texteinblendungen, die man ständig wegklicken müsste.

Grafik, Sound und Bedienung: Sauber, aber ungenutztes Potenzial
Grafisch ist CATAN hübsch und sauber, Darstellungs- oder Clippingfehler sind mir keine aufgefallen. Beim Sound wird dagegen wenig geboten: Die vorhandenen Geräusche sind stimmig, die Spielmusik besteht aber aus einem einzigen Stück, das sich zum Glück stummschalten lässt.
Die Bedienung ist gelungen, läuft allerdings ausschließlich über die Tasten. Eine Touchscreen-Unterstützung gibt es nicht, obwohl sie sich gerade im Handheld-Modus für ein Brettspiel geradezu anbieten würde. Auch eine Zoomfunktion hätte ich mir in so mancher Situation gewünscht.

Fazit: Vorlagentreu, aber mit verschenktem Potenzial
CATAN für die Nintendo Switch ist eine solide Umsetzung, die sich sehr eng an der Vorlage orientiert. Wer das Brettspiel kennt, findet sich sofort zurecht, und gegen die KI spielen sich Partien angenehm flüssig.
Dass die Konsole ihre Möglichkeiten nicht ausspielt, ist allerdings kaum nachvollziehbar. Ohne lokalen Mehrspieler, ohne Touchscreen und ohne echte Kommunikation im Online-Modus bleibt viel Potenzial liegen. Für mich ist CATAN auf der Switch damit vor allem ein Spiel für Fans des Originals, die ihre Partien auch unterwegs gegen die KI ausfechten wollen.
Gamefinity-Wertung
6,0 / 10
| Pro | Contra |
|---|---|
| Authentisches Brettspiel-Feeling am virtuellen Tisch | Kein lokaler Mehrspielermodus |
| Seefahrer-Erweiterung im Grundspiel enthalten | Online kaum Kommunikation, nur Emojis |
| Übersichtliches Handelsmenü mit Berücksichtigung der Häfen | Keine Touchscreen-Unterstützung und kein Zoom |
| KI-Gegner in drei Schwierigkeitsgraden | „Städte & Ritter“ nur als kostenpflichtiger DLC |
| Saubere Grafik ohne Darstellungsfehler | Dünner Sound, Soundtrack aus einem einzigen Stück |
| KI trifft teils seltsame Entscheidungen |
Häufig gestellte Fragen zu CATAN für Nintendo Switch
Kann man CATAN auf der Switch lokal zu mehreren spielen?
Nein. Gegen menschliche Mitspieler geht es nur online. Offline stehen ausschließlich KI-Gegner zur Verfügung.
Welche Erweiterungen sind in CATAN für die Switch enthalten?
Die Seefahrer-Erweiterung ist im Grundspiel enthalten. Städte & Ritter gibt es separat als kostenpflichtigen DLC im eShop, zum Testzeitpunkt für knapp sechs Euro.
Wie viele Spieler nehmen an einer Partie teil?
Wie beim Brettspiel spielen drei bis vier Personen. Freie Plätze füllt das Spiel mit KI-Gegnern auf, die es in drei Schwierigkeitsgraden gibt.
Unterstützt CATAN auf der Switch den Touchscreen?
Nein. Die Bedienung läuft ausschließlich über die Tasten, eine Zoomfunktion gibt es ebenfalls nicht.
Kann man in CATAN online mit Mitspielern chatten?
Nein. Außer ein paar Emojis gibt es keine Kommunikationsmöglichkeiten, weder Texteingabe noch vorgefertigte Textbausteine noch Sprachchat.
Seit wann gibt es CATAN für die Nintendo Switch?
CATAN ist seit dem 20. Juni 2019 im eShop erhältlich. Veröffentlicht wurde es von Asmodee Digital.
Meta-Infos
Entwickler: USM und Exozet
Publisher: Asmodee Digital
Plattform (getestet): Nintendo Switch
Genre: Brettspiel-Umsetzung, Strategie
Spieler: 3 bis 4 (online oder gegen KI)
Release: 20. Juni 2019
