Larian Studios

Larian Studios: Die Geschichte der Macher von Baldur’s Gate 3 und Divinity

Kein Rollenspiel hat die letzten Jahre so geprägt wie Baldur’s Gate 3. Hinter dem Spiel steht ein Studio, das jahrzehntelang eher Geheimtipp als Branchenriese war: Larian Studios aus dem belgischen Gent. Gründer Swen Vincke brauchte fast 20 Jahre, Beinahe-Pleiten und zwei erfolgreiche Kickstarter-Kampagnen, bis seine Spiele ein Millionenpublikum fanden. Heute gilt Larian als eines der wichtigsten unabhängigen Studios der Welt und arbeitet mit Divinity an seinem bislang größten Projekt. Hier liest du die Geschichte von Larian, von den ersten Gehversuchen bis zum neuen Rollenspiel.

Larian Studios auf einen Blick

Gegründet 1996
Gründer und Chef Swen Vincke
Hauptsitz Gent, Belgien
Weitere Studios Dublin, Québec, Kuala Lumpur, Guildford, Barcelona, Warschau
Mitarbeiter rund 530 (2025)
Bekannte Spiele Divine Divinity, Divinity: Original Sin 1 und 2, Baldur’s Gate 3
Aktuelles Projekt Divinity (angekündigt im Dezember 2025)

Die Anfänge: Ein Informatikstudent und seine Liebe zu D&D

Swen Vincke wurde 1972 in Brügge geboren und wuchs im Küstenort De Panne auf, wo seine Eltern ein Restaurant betrieben. Schon als Jugendlicher programmierte er, spielte in Spielhallen und verbrachte viel Zeit mit Dungeons & Dragons und der Ultima-Reihe. Beide Einflüsse prägen seine Spiele bis heute. Nach dem Informatikstudium an der Universität Gent gründete er 1996 Larian Studios.

Die ersten Jahre waren holprig. Ein ambitioniertes Rollenspiel mit dem Titel „The Lady, the Mage and the Knight“ scheiterte, das erste veröffentlichte Spiel wurde 1997 das Strategiespiel The L.E.D. Wars. Um das Studio über Wasser zu halten, entwickelte Larian zwischendurch auch Lernspiele und Auftragsarbeiten. Der Traum vom großen Rollenspiel blieb aber.

Divine Divinity und die Abhängigkeit von Publishern

2002 erschien mit Divine Divinity das erste Rollenspiel von Larian. Veröffentlicht wurde es vom deutschen Publisher CDV, ursprünglich sollte es „Divinity: Sword of Lies“ heißen. Das Spiel war ein Action-Rollenspiel in der Tradition von Diablo, bot aber deutlich mehr Freiheit und Humor. In Deutschland fand es eine treue Fangemeinde, die Larian bis heute begleitet.

Es folgten Beyond Divinity (2004) und Divinity II: Ego Draconis (2009), in dem sich der Held in einen Drachen verwandeln konnte. 2010 erschien die überarbeitete Fassung The Dragon Knight Saga. Die Zusammenarbeit mit Publishern war für Larian allerdings oft frustrierend: Termine wurden vorgegeben, Spiele kamen nach Ansicht des Studios zu früh auf den Markt. 2013 versuchte sich Larian mit Divinity: Dragon Commander zudem an einer Mischung aus Strategie und Rollenspiel. Die Erfahrung mit den Publishern führte zu einer Entscheidung, die das Studio verändern sollte: Larian wollte seine Spiele künftig selbst finanzieren und veröffentlichen.

Original Sin: Mit Kickstarter in die Unabhängigkeit

Für Divinity: Original Sin startete Larian 2013 eine Crowdfunding-Kampagne auf Kickstarter. Statt der angepeilten 400.000 US-Dollar kamen rund 944.000 Dollar zusammen. Das rundenbasierte Rollenspiel bot Kämpfe, in denen Elemente miteinander reagieren, etwa wenn Wasser durch Blitze elektrisiert wird oder Öl in Flammen aufgeht. Dazu kam ein kooperativer Modus für zwei Spieler. Larian nutzte außerdem den Early Access, um das Spiel schon vor dem Release mit der Community zu testen.

Ganz ohne Risiko lief das nicht. Die Entwicklung kostete rund 4,5 Millionen Euro statt der geplanten 3 Millionen, das Studio stand kurz vor der Pleite. Als Original Sin im Juni 2014 erschien, wurde es jedoch ein Erfolg bei Kritikern und Käufern. Larian hatte bewiesen, dass es ohne Publisher funktioniert.

Divinity: Original Sin 2

Der Nachfolger wurde 2015 erneut per Kickstarter finanziert und erreichte innerhalb weniger Stunden sein Ziel, am Ende kamen über zwei Millionen Dollar zusammen. Divinity: Original Sin 2 erschien im September 2017 und gilt bis heute als eines der besten Rollenspiele seiner Zeit. Neu waren unter anderem Herkunftsgeschichten für die Begleiter, ein Modus für bis zu vier Spieler und ein Spielleiter-Modus nach dem Vorbild von Pen-and-Paper-Runden. 2018 folgte die Definitive Edition, die auch auf Konsolen erschien. Mit dem Erfolg wuchs das Studio deutlich und eröffnete Standorte in mehreren Ländern.

Die Larian-Formel: Was die Spiele ausmacht

Über die Jahre hat sich ein klarer Stil herausgebildet. Larian-Spiele setzen auf rundenbasierte Kämpfe, in denen Umgebung und Elemente eine große Rolle spielen. Spieler sollen fast jedes Problem auf mehreren Wegen lösen können, mit Kampf, Überredung, Schleichen oder schlichtem Unsinn. Viele Situationen reagieren auf ungewöhnliche Ideen, und die Welt merkt sich Entscheidungen. Dazu kommen Koop-Modi, ein Hang zu schrägem Humor und ein sehr direkter Austausch mit der Community.

Spiel Jahr Besonderheit
The L.E.D. Wars 1997 erstes veröffentlichtes Spiel
Divine Divinity 2002 erstes Rollenspiel, Publisher CDV
Beyond Divinity 2004 Nachfolger mit zwei verbundenen Helden
Divinity II: Ego Draconis 2009 Verwandlung in einen Drachen
Divinity: Dragon Commander 2013 Mischung aus Strategie und Rollenspiel
Divinity: Original Sin 2014 Kickstarter, rundenbasiert, Koop
Divinity: Original Sin 2 2017 Herkunftsgeschichten, Spielleiter-Modus
Baldur’s Gate 3 2023 fünffacher Game-of-the-Year-Sieger

Baldur’s Gate 3: Der Durchbruch

Schon lange hatte sich Swen Vincke um die Rechte an Baldur’s Gate bemüht, der legendären Rollenspiel-Reihe, die BioWare Ende der 1990er-Jahre auf Basis der Infinity Engine begonnen hatte. Nach dem Erfolg von Original Sin 2 gab Wizards of the Coast schließlich grünes Licht. Im Juni 2019 wurde Baldur’s Gate 3 angekündigt, am 6. Oktober 2020 startete es im Early Access. Drei Jahre lang wurde das Spiel mit Feedback der Spieler weiterentwickelt.

Am 3. August 2023 erschien die fertige Version für den PC, im September folgte die PS5, im Dezember die Xbox Series X/S. Was dann passierte, hatte kaum jemand erwartet: Baldur’s Gate 3 wurde ein weltweiter Hit. Das Spiel gewann bei den Game Awards 2023 sechs Preise, darunter Spiel des Jahres, und war das erste Spiel, das den Hauptpreis bei allen fünf großen Branchen-Verleihungen holte. Laut Berichten verkaufte es sich bis Ende 2025 mehr als 20 Millionen Mal. Unseren damaligen Eindruck findest du im Test zu Baldur’s Gate 3.

Mit dem finalen Patch 8 im April 2025 bekam das Spiel noch zwölf neue Unterklassen, einen Fotomodus und Crossplay. Die Community hält es mit Mods weiter am Leben, inzwischen gibt es sogar komplette Fan-Kampagnen wie The Sunless Citadel. Im Februar 2026 kündigte HBO zudem eine Baldur’s-Gate-Serie mit Showrunner Craig Mazin an, die an die Geschichte des Spiels anknüpfen soll. Larian selbst ist daran nicht direkt beteiligt.

Kein Baldur’s Gate 4: Larian geht eigene Wege

Viele Fans hofften auf Erweiterungen oder einen Nachfolger. Im März 2024 erklärte Swen Vincke jedoch auf der Game Developers Conference, dass Larian weder DLCs für Baldur’s Gate 3 noch ein Baldur’s Gate 4 entwickeln werde. Das Team habe nach Jahren mit der D&D-Lizenz keine Leidenschaft mehr dafür gehabt und wolle sich eigenen Ideen widmen. Die Marke gehört Wizards of the Coast, ein Nachfolger mit einem anderen Studio wäre also möglich. Die Diskussion darüber reißt nicht ab, zuletzt schlug etwa BioWare-Veteran Mark Darrah einen Weg nach dem Vorbild von Fallout: New Vegas vor. Mehr zur Vorgeschichte der Reihe liest du in unserem Porträt von BioWare.

Divinity: Das nächste große Projekt

Bei den Game Awards im Dezember 2025 enthüllte Larian sein nächstes Spiel. Vorab hatte eine düstere Statue in der Mojave-Wüste für Rätselraten gesorgt, dann folgte der Trailer zu Divinity. Das Rollenspiel spielt wieder in Rivellon, der Welt der früheren Divinity-Teile, und setzt auf rundenbasierte Kämpfe mit neuem Regelwerk sowie einen Koop-Modus. Larian nennt es sein bislang ehrgeizigstes Spiel, und auch die hauseigene Technik wurde dafür stark überarbeitet.

Einen Termin gibt es noch nicht. Bestätigt ist der PC, Konsolenversionen gelten als wahrscheinlich. Wie bei den Vorgängern soll Divinity zuerst im Early Access erscheinen. Swen Vincke sagte im Juni 2026, dass dies wohl nicht mehr in diesem Jahr passieren werde. Rund 500 Mitarbeiter sollen an dem Spiel arbeiten.

Larian und die KI-Debatte

Kurz nach der Ankündigung geriet Larian in die Diskussion um generative KI. Äußerungen von Swen Vincke zum Einsatz von KI-Werkzeugen bei frühen Konzeptentwürfen sorgten Ende 2025 für Kritik aus der Community und von Künstlern. Im Januar 2026 stellte das Studio in einer Fragerunde auf Reddit klar: In Divinity werde es keine per KI erzeugte Grafik geben, und auch Dialoge, Tagebucheinträge und andere Texte würden nicht von KI generiert. Interne Werkzeuge für Arbeitsabläufe außerhalb der kreativen Inhalte schloss Larian nicht aus. Die Debatte zeigt, wie empfindlich die Branche auf das Thema reagiert. Hintergründe dazu liefert unser Artikel zur KI-Synchronisation in Videospielen.

Unabhängig mit großem Partner

Trotz seiner Größe ist Larian ein unabhängiges Studio geblieben, das seine Spiele selbst veröffentlicht. Der chinesische Konzern Tencent hält zwar eine Minderheitsbeteiligung, die Kontrolle liegt aber weiterhin bei Swen Vincke. Für seine Arbeit wurde Vincke 2020 mit dem ersten belgischen Preis für sein Lebenswerk in der Spielebranche ausgezeichnet. Im Gegensatz zu vielen anderen großen Studios ist Larian in den vergangenen Jahren stetig gewachsen, statt Stellen abzubauen. Damit ist es ähnlich wie CD Projekt Red ein Beispiel dafür, dass Rollenspiel-Studios aus Europa weltweit Maßstäbe setzen können.

Häufige Fragen zu Larian Studios

Woher kommt Larian Studios?

Larian Studios ist ein Entwicklerstudio aus Belgien. Swen Vincke gründete es 1996, der Hauptsitz liegt in Gent. Inzwischen betreibt Larian weitere Studios unter anderem in Dublin, Québec, Kuala Lumpur, Guildford, Barcelona und Warschau.

Welche Spiele hat Larian entwickelt?

Bekannt ist Larian vor allem für die Divinity-Reihe mit Divine Divinity, Divinity II sowie Divinity: Original Sin 1 und 2 und für Baldur’s Gate 3. Das erste Spiel des Studios war 1997 The L.E.D. Wars.

Gibt es ein Baldur’s Gate 4 von Larian?

Nein. Larian hat im März 2024 erklärt, weder Erweiterungen für Baldur’s Gate 3 noch ein Baldur’s Gate 4 zu entwickeln. Die Rechte an der Marke liegen bei Wizards of the Coast, die einen Nachfolger mit einem anderen Studio umsetzen könnten.

Was ist das neue Spiel von Larian?

Larian arbeitet an Divinity, einem neuen rundenbasierten Rollenspiel in der Welt Rivellon. Es wurde im Dezember 2025 bei den Game Awards angekündigt und soll zunächst im Early Access erscheinen. Einen Termin gibt es noch nicht.

Wer ist Swen Vincke?

Swen Vincke ist Gründer, Chef und Creative Director von Larian Studios. Der Belgier wurde 1972 in Brügge geboren und leitete unter anderem die Entwicklung von Baldur’s Gate 3.

Fazit: Vom Geheimtipp zum Maßstab für Rollenspiele

Larian Studios hat einen ungewöhnlichen Weg hinter sich. Fast zwei Jahrzehnte lang kämpfte das belgische Studio mit Publishern, knappen Budgets und kleinem Publikum, ehe Kickstarter und Original Sin die Unabhängigkeit brachten. Mit Baldur’s Gate 3 gelang dann einer der größten Erfolge der Rollenspiel-Geschichte. Statt sich darauf auszuruhen, kehrt Larian mit Divinity zu den eigenen Wurzeln zurück. Ob das neue Spiel an Baldur’s Gate 3 heranreicht, wird sich frühestens im Early Access zeigen.

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