Was ist Metroidvania?

Was ist Metroidvania? Das Genre einfach erklärt

Metroidvania: Das Wort taucht ständig auf, in Tests, Store-Beschreibungen und Diskussionen über Spieledesign. Spätestens seit Hollow Knight: Silksong 2025 die Charts gestürmt hat, kennt es fast jeder. Doch was steckt eigentlich hinter dem Begriff, woher kommt er und warum ist das Genre seit Jahrzehnten so beliebt? Wir erklären dir Ursprünge, Merkmale und Abgrenzungen und stellen dir die wichtigsten Vertreter vor, von den Klassikern bis zu den Neuerscheinungen der letzten Jahre.

Was bedeutet Metroidvania?

Metroidvania ist ein Subgenre der Action-Adventures. Der Name setzt sich aus zwei Spielreihen zusammen: Metroid von Nintendo und Castlevania von Konami. Gemeint sind Spiele mit einer großen, zusammenhängenden Welt, die du ohne feste Route erkundest. Vorankommen hängt davon ab, neue Fähigkeiten oder Ausrüstung zu finden, mit denen sich bisher unerreichbare Bereiche öffnen.

Die Ursprünge des Genres

Die Wurzeln liegen im Jahr 1986. Damals veröffentlichte Nintendo das erste Metroid für das NES. Anders als in linearen Jump'n'Runs erkundest du als Kopfgeldjägerin Samus Aran ein verschachteltes Höhlensystem, und Upgrades wie Raketen oder die Morphball-Fähigkeit öffnen nach und nach neue Wege. Super Metroid verfeinerte das Konzept 1994 auf dem SNES und gilt bis heute als Meilenstein. Die ganze Geschichte der Reihe erzählt unser Artikel zur Metroid-Geschichte.

Castlevania von Konami setzte anfangs noch auf lineare Level. Der Wandel kam 1997 mit Castlevania: Symphony of the Night für die PlayStation. Das Team um Koji Igarashi ersetzte die Levelabfolge durch ein frei erkundbares Schloss und ergänzte Rollenspiel-Elemente wie Erfahrungspunkte und Ausrüstung. Diese Mischung aus Metroid-Weltstruktur und RPG-Mechaniken wurde zur Blaupause für alles, was die Community fortan Metroidvania nannte. Mehr dazu liest du in der Geschichte von Castlevania. Wie sich solche Reihen über Jahrzehnte entwickeln, zeigt auch unser Überblick zur Franchise-Geschichte bei Videospielen.

Die typischen Merkmale

Metroidvanias erkennst du an einer Handvoll Designelemente, die fast immer zusammenkommen.

Eine zusammenhängende Welt

Statt einzelner, getrennter Level gibt es eine große, labyrinthartige Umgebung. Die Bereiche sind miteinander verbunden, eine feste Reihenfolge gibt es oft nicht. Das weckt Neugier und belohnt aufmerksames Erkunden.

Backtracking

Eng damit verbunden ist das Backtracking. Immer wieder stehst du vor Hindernissen, die du mit deinen aktuellen Fähigkeiten nicht überwinden kannst: eine zu hohe Kante, eine verschlossene Tür, ein zu breiter Abgrund. Sobald du den passenden Doppelsprung oder Greifhaken gefunden hast, lohnt sich die Rückkehr.

Fähigkeiten als Schlüssel

Die Fähigkeitsprogression ist das Herzstück. Neue Fertigkeiten erweitern nicht nur deine Bewegungen, sondern auch deine Kampfoptionen. Ein Wandsprung bringt dich auf höhere Plattformen, eine Stampfattacke zerbricht brüchige Böden. Aus dieser Verzahnung von Erkundung und Charakterentwicklung entsteht das typische Gefühl, immer mächtiger zu werden.

RPG-Elemente, Bosse und Karte

Viele Metroidvanias setzen zusätzlich auf Rollenspiel-Elemente wie Erfahrungspunkte, Ausrüstung und Charakterwerte. Bosskämpfe dienen als regelmäßige Prüfungen und belohnen oft mit besonders wichtigen Fähigkeiten. Eine Karte hilft bei der Orientierung. Moderne Vertreter markieren darauf häufig unerforschte Bereiche oder Geheimnisse, ohne dir das Entdecken abzunehmen.

Abgrenzung zu verwandten Genres

Der Begriff wird gern großzügig verwendet. Genauer wird es, wenn man ihn mit Genres vergleicht, die sich Elemente teilen, aber anders funktionieren.

Metroidvania und Open World

Auf den ersten Blick ähneln sich beide: eine große Welt, die man frei erkunden kann. Der Unterschied liegt darin, wie der Zugang gesteuert wird. Open-World-Spiele öffnen ihre Karte meist früh und lassen dich selbst entscheiden. Metroidvanias sperren Bereiche gezielt ab und öffnen sie erst durch Fähigkeiten, die du dir anderswo erarbeitest. Die Freiheit ist also gelenkt.

Metroidvania und Roguelike

Hier geht es um den Umgang mit Fortschritt. Ein klassisches Metroidvania speichert deine Entdeckungen dauerhaft, Roguelikes und Roguelites setzen den Lauf nach dem Tod zurück und würfeln die Level neu. Mischformen wie Dead Cells zeigen, dass beides zusammengeht. Wo genau die Grenze verläuft, erklärt unser Artikel zum Unterschied zwischen Roguelike und Roguelite.

Metroidvania und Soulslike

Beide Genres belohnen Geduld, aber auf unterschiedliche Weise. Metroidvanias definieren sich über Weltstruktur und freischaltbare Fähigkeiten, Soulslikes über Kampfsystem, Ausdauer und den Verlust von Ressourcen beim Tod. Spiele wie Hollow Knight verbinden beides und landen deshalb in beiden Schubladen. Mehr dazu im Artikel zu Soulslike und Soulslite.

Metroidvania und Action-Adventure

Metroidvania ist ein Unterzweig der Action-Adventures, nicht ihr Gegenstück. Ein Action-Adventure kann linear aufgebaut sein und ganz ohne Backtracking auskommen. Ein Metroidvania braucht die zusammenhängende Welt und die fähigkeitsbasierte Öffnung. Einen breiteren Überblick gibt unser Artikel zu Adventure-Spielen.

Metroidvania und Hack-and-Slash

Auch Hack-and-Slash kennt Kampf, Beute und Charakterentwicklung, setzt aber auf Gegnermassen und Ausrüstungsjagd statt auf Erkundung mit Schlüsselfähigkeiten. Die Genres berühren sich bei den Kämpfen, nicht beim Weltdesign.

Die Renaissance durch Indie-Studios

Nach einer ruhigeren Phase erlebte das Genre mit dem Aufstieg digitaler Plattformen und der Indie-Szene eine beeindruckende Wiedergeburt. Kleine Studios erkannten das Potenzial der bewährten Formel und ergänzten sie um frische Ideen.

Hollow Knight von Team Cherry erschien 2017 und wurde zum modernen Aushängeschild des Genres. Es verbindet die klassische Struktur mit handgezeichneter Optik, fordernden Kämpfen im Soulslike-Stil und einer unglaublich dichten Atmosphäre. Der Nachfolger Hollow Knight: Silksong erschien nach jahrelangem Warten am 4. September 2025 und wurde einer der größten Indie-Erfolge überhaupt: Laut Team Cherry verkaufte er sich in nur drei Monaten über sieben Millionen Mal, die vielen Spieler im Xbox Game Pass nicht mitgerechnet. Für 2026 ist mit Sea of Sorrow bereits eine kostenlose Erweiterung angekündigt.

Ori and the Blind Forest und der Nachfolger Ori and the Will of the Wisps von Moon Studios setzten neue Maßstäbe bei der Präsentation. Emotionale Geschichten, eine traumhafte Optik und präzises Plattforming begeisterten Kritik und Spieler gleichermaßen.

Dead Cells von Motion Twin kombiniert Metroidvania-Mechaniken mit Roguelike-Elementen. Prozedural generierte Level und permanenter Tod sorgen für einen eigenen Rhythmus, während dauerhaft freigeschaltete Fähigkeiten die genretypische Progression erhalten.

Weitere wichtige Vertreter sind Axiom Verge, eine Hommage an die klassischen Metroid-Spiele vom Solo-Entwickler Thomas Happ, und Bloodstained: Ritual of the Night von Castlevania-Veteran Koji Igarashi, der als geistiger Nachfolger von Symphony of the Night gilt. Mit Guacamelee! gibt es außerdem ein Metroidvania, das vor allem mit Humor und Wrestling-Kämpfen punktet.

Neuere Vertreter: Was seit 2021 erschienen ist

Das Genre ist in den vergangenen Jahren nicht kleiner, sondern vielfältiger geworden. Ein paar Beispiele zeigen, wie breit die Formel inzwischen ausgelegt wird:

  • Metroid Dread (Oktober 2021): Nintendo belebte damit die 2D-Metroid-Reihe nach fast 20 Jahren Pause wieder und lieferte eine moderne Interpretation der Ursprungsformel.
  • Prince of Persia: The Lost Crown (Januar 2024): Ubisoft machte aus der Kultreihe ein Metroidvania mit schnellem, akrobatischem Kampfsystem.
  • Animal Well (Mai 2024): Ein Rätsel-Metroidvania von Solo-Entwickler Billy Basso, das fast ohne klassische Kämpfe auskommt und Erkundung selbst zum Kern macht.
  • Nine Sols (Mai 2024): Das taiwanische Studio Red Candle Games setzt auf parierlastige Duelle und eine Welt, die asiatische Science-Fiction mit taoistischen Motiven verbindet.
  • Hollow Knight: Silksong (September 2025): Die Fortsetzung des Genre-Aushängeschilds, siehe oben.

Und der Nachschub steht schon bereit. Mit Silver Pines erscheint am 8. Oktober 2026 ein Survival-Horror-Metroidvania des schwedischen Studios Wych Elm, das die Erkundung einer zusammenhängenden Welt mit knappen Ressourcen und ständiger Gefahr verbindet. FOUNTAINS kombiniert eine Draufsicht im Stil klassischer Zelda-Spiele mit Soulslike-Kämpfen und einer nahtlosen Welt ohne Ladebildschirme. Nach dem PC-Start kommt es 2026 zeitgleich für PS5, Xbox Series und Switch.

2D oder 3D?

Klassische Metroidvanias spielen zweidimensional in der Seitenansicht. Die Perspektive eignet sich perfekt für präzises Plattforming und verschachtelte Levelstrukturen, und die meisten modernen Indie-Vertreter bleiben dabei.

Die Designprinzipien funktionieren aber auch in 3D. Die Metroid-Prime-Reihe bewies ab 2002, dass das Konzept in der Ego-Perspektive trägt, und mit Metroid Prime 4: Beyond erschien im Dezember 2025 der jüngste Teil. Auch die Batman-Arkham-Spiele und Teile der Darksiders-Reihe werden gelegentlich als 3D-Metroidvanias bezeichnet, auch wenn die Grenzen hier fließend sind.

Warum ist das Genre so beliebt?

Metroidvanias verbinden Freiheit und Struktur auf clevere Art. Du entscheidest selbst, wohin du gehst, doch das Spiel lenkt dich über Hindernisse und Fähigkeiten, ohne dass es sich wie ein Schlauch anfühlt. Jede neue Fähigkeit ist Belohnung und Schlüssel zugleich.

Dazu kommt die Bindung an die Welt. Weil alles zusammenhängt, lernst du die Geografie kennen, entdeckst Abkürzungen und baust dir eine Karte im Kopf auf. Und wenn ein Hindernis, an dem du stundenlang vorbeigelaufen bist, endlich fällt, ist das eines der schönsten Erfolgserlebnisse, die Videospiele zu bieten haben. Wo sich das Genre im großen Ganzen einordnet, zeigt unser Überblick über alle Spielegenres.

Fazit

Metroidvania beschreibt Spiele, die auf Erkundung, Fähigkeitsprogression und Backtracking in einer zusammenhängenden Welt setzen. Benannt nach Metroid und Castlevania, hat sich das Genre seit den 1980ern stetig weiterentwickelt und erlebt mit Hollow Knight, Ori und zuletzt Silksong eine echte Blütezeit. Die zeitlose Formel aus Entdeckerfreude und wachsender Stärke sorgt dafür, dass der Nachschub so schnell nicht abreißt.

Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Was ist ein Metroidvania?

Ein Metroidvania ist ein Action-Adventure mit einer zusammenhängenden, frei erkundbaren Spielwelt. Du kommst voran, indem du neue Fähigkeiten freischaltest, die dir Zugang zu zuvor versperrten Bereichen verschaffen.

Woher kommt der Begriff Metroidvania?

Der Begriff ist ein Kofferwort aus den Spielreihen Metroid von Nintendo und Castlevania von Konami. Beide haben das Genre maßgeblich geprägt, vor allem Super Metroid (1994) und Castlevania: Symphony of the Night (1997).

Was ist Backtracking?

Backtracking bezeichnet die Rückkehr zu bereits besuchten Orten. In Metroidvanias ist das ein zentrales Element, weil neue Fähigkeiten dort plötzlich Wege öffnen, die vorher versperrt waren.

Welche Metroidvanias eignen sich für Einsteiger?

Gute Einstiegspunkte sind Ori and the Blind Forest, Guacamelee! und Metroid Dread. Hollow Knight ist ebenfalls ein Klassiker, verlangt aber deutlich mehr Geduld bei den Kämpfen.

Sind Metroidvanias immer 2D-Spiele?

Nein. Die meisten Vertreter sind zwar zweidimensional, doch das Prinzip funktioniert auch in 3D. Das bekannteste Beispiel ist die Metroid-Prime-Reihe, zuletzt Metroid Prime 4: Beyond aus dem Jahr 2025.

Was unterscheidet Metroidvania von Open World?

Open-World-Spiele öffnen ihre Welt meist früh und lassen dich frei entscheiden, wohin du gehst. Metroidvanias sperren Bereiche gezielt ab und öffnen sie erst mit Fähigkeiten, die du dir an anderer Stelle erarbeitest.

Ist Hollow Knight: Silksong ein Metroidvania?

Ja. Silksong erschien am 4. September 2025 und folgt der klassischen Formel aus zusammenhängender Welt, Fähigkeitsprogression und Backtracking. Es ist der direkte Nachfolger von Hollow Knight.

Was ist der Unterschied zwischen Metroidvania und Soulslike?

Metroidvania beschreibt die Weltstruktur mit fähigkeitsbasierter Öffnung neuer Bereiche, Soulslike das Kampf- und Risikosystem im Stil der Dark-Souls-Reihe. Beides lässt sich in einem Spiel kombinieren, wie Hollow Knight zeigt.

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