Nintendo

Wann wurde Nintendo gegründet? Die Geschichte von 1889 bis zur Switch 2

Nintendo wurde am 23. September 1889 in Kyoto gegründet, und zwar nicht als Videospielfirma, sondern als Hersteller von Hanafuda-Spielkarten. Aus der kleinen Manufaktur von Fusajiro Yamauchi wurde in mehr als einem Jahrhundert einer der bekanntesten Namen der Unterhaltungsbranche, mit dem Donkey Kong, Super Mario, Zelda und Pokémon untrennbar verbunden sind. Wir zeichnen die Geschichte nach, von den Kartenspielen über Spielzeug, Spielhalle und Famicom bis zur Switch 2, und zeigen, welche Entscheidungen das Unternehmen geprägt haben. Wie sich Spielereihen über Jahrzehnte entwickeln, zeigt unser Überblick zur Franchise-Geschichte.

Nintendo im Überblick: die wichtigsten Stationen

Jahr Meilenstein
1889 Gründung in Kyoto als Hersteller von Hanafuda-Karten
1963 Umbenennung in Nintendo Co., Ltd.
1977 Color TV-Game, erste Heimkonsolen
1981 Donkey Kong und die Geburt von Mario
1983 Famicom in Japan
1985/86 NES in den USA
1989 Game Boy mit Tetris
1996 Nintendo 64 und Pokémon
2004/2006 Nintendo DS und Wii
2017 Nintendo Switch
2025 Nintendo Switch 2

Von Hanafuda-Karten zum Spielzeughersteller (1889–1970)

Fusajiro Yamauchi eröffnete 1889 in Kyoto einen Laden, in dem er Hanafuda von Hand fertigte, traditionelle japanische Spielkarten mit Blumenmotiven. Als Firmenname werden je nach Quelle Nintendo Koppai und Yamauchi Nintendo genannt. Was „Nintendo“ bedeutet, ist ungeklärt: Häufig wird der Name als „das Glück dem Himmel überlassen“ gedeutet, historisch belegt ist das jedoch nicht.

Weil Fusajiro keinen Sohn hatte, übergab er die Firma 1929 an seinen Schwiegersohn Sekiryo Kaneda, der den Familiennamen Yamauchi annahm. 1949 folgte mit Hiroshi Yamauchi der Urenkel des Gründers, der sein Studium abbrach, nachdem sein Großvater einen Schlaganfall erlitten hatte. Er führte Nintendo 53 Jahre lang. Unter ihm gelang Nintendo 1953 als erstem japanischen Unternehmen die Massenproduktion von Plastikspielkarten, Ende der 1950er folgte ein Vertrag mit Disney über Karten mit Disney-Figuren, 1962 der Börsengang in Osaka und 1963 die Umbenennung in Nintendo Co., Ltd.

Doch das Kartengeschäft trug nicht weit. Als der Markt 1964 gesättigt war, stürzte der Aktienkurs von 900 auf 60 Yen. Nintendo versuchte sich an einem Taxiunternehmen, an Instantreis und einem Staubsauger, allesamt ohne Erfolg. Die oft erzählte Geschichte einer Love-Hotel-Kette ist dagegen nicht belegt: Ein japanischer Nintendo-Historiker fand in den Geschäftsberichten keinen Hinweis darauf.

Der Wendepunkt kam mit dem Wartungsingenieur Gunpei Yokoi, der 1965 eingestellt wurde. Aus seinem privaten Bastelprojekt, einem ausfahrbaren Arm, machte Nintendo 1966 die Ultra Hand, einen der ersten Spielzeugerfolge des Unternehmens. 1970 folgte mit der Beam Gun, gemeinsam mit Sharp entwickelt, eine der ersten Lichtpistolen für den Heimgebrauch.

Von der Spielhalle zu Donkey Kong (1970–1983)

1973 eröffnete Nintendo mit dem Laser Clay Shooting System in stillgelegten Bowlingbahnen eine Art Schießbude mit Lichtpistolen. Sie erwies sich als zu teuer, legte aber den Grundstein für Nintendos Spielhallengeschäft. 1977 erschienen mit dem Color TV-Game 6 und 15 die ersten Heimkonsolen, entwickelt mit Mitsubishi Electric. 1980 kam Game & Watch, Yokois tragbare Spiele mit LCD-Bildschirm und Uhr, die sich weltweit rund 43 Millionen Mal verkauften.

1981 folgte der Durchbruch: Shigeru Miyamoto entwarf für die Spielhalle Donkey Kong, Nintendos ersten internationalen Hit und die Geburtsstunde von Mario, der zunächst noch Jumpman hieß. Rechtlich wurde es kurios, denn Universal verklagte Nintendo wegen angeblicher Verletzung der Rechte an King Kong und unterlag vor Gericht. Nintendos Anwalt John Kirby soll zum Dank ein Boot namens Donkey Kong erhalten haben, und der Legende nach trägt die Spielfigur Kirby seinen Namen.

Famicom und NES: Nintendo erobert die Wohnzimmer (1983–1989)

1983 erschien in Japan das Family Computer, kurz Famicom, Nintendos erste Konsole mit Steckmodulen. Binnen zwei Monaten wurden mehr als 500.000 Geräte verkauft. Für die USA verhandelte Nintendo zunächst mit Atari, doch der Konkurrent sprang ab, nachdem seine Manager auf der Consumer Electronics Show eine Donkey-Kong-Umsetzung für den Heimcomputer Coleco Adam gesehen hatten. Die Geschichte dieses Rivalen erzählen wir im Porträt Atari.

Dann kam der Videospiel-Crash von 1983, der den nordamerikanischen Markt fast zum Erliegen brachte. Nintendo wagte den Schritt 1985 trotzdem, taufte das Gerät in Nintendo Entertainment System (NES) um, sprach von „Control Deck“ und „Game Paks“ und legte mit R.O.B. einen Roboter bei, um Skepsis abzubauen. Ein Sicherheitschip und strenge Lizenzregeln sollten schlechte Spiele fernhalten: Third-Party-Entwickler brauchten Nintendos Freigabe und durften nur fünf Titel pro Jahr veröffentlichen. Das „Nintendo Seal of Quality“ gab Käufern Orientierung. Ende 1985 startete der Testmarkt in New York, 1986 der Verkauf in den gesamten USA.

Die Spiele machten die Konsole zum Erfolg. Super Mario Bros. (1985) von Miyamoto und Takashi Tezuka verkaufte sich rund 40 Millionen Mal und gilt vielen als Retter des amerikanischen Marktes. The Legend of Zelda (1986) verband offene Erkundung mit einem Speicherstand für längere Abenteuer. 1989 folgte der Game Boy, dem Tetris beilag, und die Handheld-Reihe kam auf rund 118 Millionen Geräte.

Super Nintendo, Sega und der geplatzte Sony-Deal (1990–1996)

Das Super Famicom erschien 1990 in Japan, 1991 als SNES in den USA und 1992 in Europa. Der Konkurrent Sega griff mit dem Mega Drive und einer frechen Werbekampagne an, sodass Nintendos Marktanteil auf rund 45 Prozent sank. Am Ende verkaufte sich das SNES mit 49,1 Millionen Geräten dennoch besser als das Genesis mit geschätzt 40 Millionen. Wie sich die Konsolenwelt in Wellen ordnet, erklärt unser Artikel Konsolengenerationen erklärt.

Ein Kapitel mit Folgen: Nintendo und Sony arbeiteten Ende der 1980er an einem CD-ROM-Laufwerk für das SNES. 1991 kündigte Nintendo die Zusammenarbeit überraschend, einen Tag nachdem Sony sie auf der CES vorgestellt hatte, und wandte sich Philips zu. Sony entwickelte daraufhin eine eigene Konsole, die 1994 als PlayStation erschien.

Mit dem Nintendo 64 (1996) und Super Mario 64 begann Nintendo mit echten 3D-Spielen. Der geplante Name „Ultra 64“ fiel weg, weil Konami Rechte am Namensbestandteil „Ultra“ besaß. Ein Fehlschlag blieb der Virtual Boy (1995), Yokois rot-schwarze 3D-Konsole und bis heute Nintendos größter kommerzieller Misserfolg. Yokoi verließ das Unternehmen 1996 und starb 1997 bei einem Autounfall.

Pokémon: Nintendos größte Nebenrolle

1996 erschienen in Japan Pocket Monsters Rot und Grün für den Game Boy, entwickelt vom Studio Game Freak um Satoshi Tajiri und unterstützt von Miyamoto. Im Westen kamen sie als Pokémon Rot und Blau heraus. Die Rechte an der Marke teilen sich Nintendo, Game Freak und Creatures, vermarktet wird sie über The Pokémon Company. 1999 erschien das Sammelkartenspiel, wie solche Spiele funktionieren, erklärt unser Artikel TCG erklärt.

GameCube, DS und Wii: die Jahre unter Iwata (2001–2011)

2001 erschien der GameCube, in Europa 2002. Mit 21,74 Millionen Geräten verkaufte er sich deutlich schlechter als die PlayStation 2. 2002 übergab Hiroshi Yamauchi das Amt an Satoru Iwata, den ersten Präsidenten außerhalb der Familie. Iwata, zuvor Chef des Studios HAL Laboratory, setzte auf neue Zielgruppen: Der Nintendo DS (2004) mit zwei Bildschirmen und Touchscreen sowie die Wii (2006) mit Bewegungssteuerung wurden Riesenerfolge. Der DS kam auf 154 Millionen, die Wii auf 101,6 Millionen Geräte, und Wii Sports ist bis heute Nintendos meistverkauftes Spiel. 2011 folgten der 3DS und die Nintendo Directs, regelmäßige Online-Präsentationen, die Sony und Microsoft später nachahmten.

Wii U, Iwatas Tod und die Switch (2012–2018)

Schon 2012 meldete Nintendo den ersten Jahresverlust seit 1981, ausgelöst durch einen schwachen 3DS-Start und sinkende Wii-Verkäufe. Die Wii U (2012) verkaufte sich mit gut 13 Millionen Geräten schwach, viele hielten das GamePad für ein Wii-Zubehör. 2015 starb Satoru Iwata mit 55 Jahren an Krebs, Tatsumi Kimishima übernahm. Aus der Krise führte die Switch (2017), ein Hybrid aus Heim- und Handheld-Konsole, die mit The Legend of Zelda: Breath of the Wild startete. 2018 löste Shuntaro Furukawa Kimishima als Präsidenten ab.

Nintendo heute: Switch 2, Kino und Museum

Die Switch 2 erschien im Juni 2025 und ist Nintendos schnellstverkaufte Konsole. Bis Ende Juni 2026 setzte Nintendo weltweit 23,68 Millionen Geräte ab und überholte damit den GameCube. Nach fünf Geschäftsquartalen lag sie vor der Wii (20,13 Millionen) und der ersten Switch (17,79 Millionen). Im ersten Quartal des laufenden Geschäftsjahres sanken die Verkäufe allerdings um 34,4 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal, und Nintendo hat Preiserhöhungen angekündigt. Mehr zur Hardware steht in unserem Artikel zur Nintendo Switch 2.

Die erste Switch verkaufte sich bis Ende Juni 2026 rund 156,59 Millionen Mal und ist seit Ende 2025 Nintendos meistverkaufte Konsole, vor dem DS mit 154,02 Millionen. Weltweit steht nur die PlayStation 2 mit mehr als 160 Millionen noch davor.

Auch außerhalb der Konsolen ist Nintendo präsent. Der Animationsfilm The Super Mario Bros. Movie (2023) spielte über 1,3 Milliarden US-Dollar ein, 2026 folgte The Super Mario Galaxy Movie, eine Realverfilmung von The Legend of Zelda ist angekündigt. Themenparks der Marke Super Nintendo World gibt es bei Universal, zum Beispiel in Hollywood (2023) und Orlando (2025). Das 2024 eröffnete Nintendo Museum in Uji bei Kyoto zeigt die Firmengeschichte in der ehemaligen Kartenfabrik, samt Workshop, in dem Besucher eigene Hanafuda-Karten gestalten.

Was Nintendo bis heute ausmacht

Zwei Konstanten ziehen sich durch diese Geschichte. Erstens verbindet Nintendo Hardware und Software eng, und eigene Spiele, die es nur auf den eigenen Geräten gibt, bilden das Herzstück der Strategie. Mehr zu solchen Titeln steht in unserem Artikel zu Exklusivtiteln. Zweitens denkt Nintendo wie ein Spielzeughersteller: Yokois Leitsatz vom „seitlichen Denken mit ausgereifter Technik“ steht für günstige, robuste Technik statt maximaler Rechenleistung, und Ideen wie die Wii-Fernbedienung oder die Switch zeigen, dass neue Bedienkonzepte oft wichtiger waren als Leistung.

Zugleich agiert das Unternehmen hart. 2002 verhängte die EU-Kommission ein Bußgeld von 149 Millionen Euro wegen wettbewerbswidriger Preisabsprachen, und gegen Piraterie und Urheberrechtsverletzungen geht Nintendo bis heute konsequent vor.

Häufig gestellte Fragen zur Nintendo-Geschichte

Wann wurde Nintendo gegründet?

Nintendo wurde am 23. September 1889 von Fusajiro Yamauchi in Kyoto gegründet. Das Unternehmen stellte zunächst Hanafuda-Spielkarten her.

Was bedeutet der Name Nintendo?

Häufig wird der Name als „das Glück dem Himmel überlassen“ gedeutet. Historische Belege dafür gibt es nicht, die Bedeutung gilt daher als ungeklärt.

Wer leitet Nintendo heute?

Präsident ist seit 2018 Shuntaro Furukawa. Der Spieleentwickler Shigeru Miyamoto gehört als Executive Fellow weiterhin zum Unternehmen.

Was war Nintendos erste Konsole?

Nintendos erste Heimkonsolen waren 1977 das Color TV-Game 6 und das Color TV-Game 15, entwickelt zusammen mit Mitsubishi Electric. Die erste Konsole mit Steckmodulen war das Famicom von 1983.

Welche Nintendo-Konsole hat sich am häufigsten verkauft?

Die erste Nintendo Switch mit 156,59 Millionen Geräten (Stand 30. Juni 2026), vor dem Nintendo DS mit 154,02 Millionen. Weltweit liegt nur die PlayStation 2 mit mehr als 160 Millionen Geräten noch davor.

Fazit

Von den Hanafuda-Karten des Jahres 1889 bis zur Switch 2 hat Nintendo sein Geschäft mehrfach neu erfunden: Karten, Spielzeug, Spielhalle, Heimkonsole, Handheld, Hybrid. Auffällig ist, wie oft Rückschläge wie der Virtual Boy oder die Wii U auf mutige Neuanfänge folgten. Wer verstehen will, warum Nintendo bis heute anders auftritt als seine Konkurrenten, findet die Antwort in dieser langen Kette aus Experimenten und Erfindergeist. Mit der Switch 2 steht das Unternehmen nun vor der Aufgabe, den Erfolg der ersten Switch fortzuführen, während die Verkäufe im zweiten Jahr sinken und die Preise steigen.

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