Audeze

Audeze: Von der Garagen-Idee zur Sony-Tochter im High-End-Audio

Während sich die bisherigen Hersteller-Porträts auf gamingnative Marken wie SteelSeries oder Razer konzentrierten, kommt Audeze aus einer völlig anderen Welt: der High-End-Audiophilie. Die kalifornische Marke stellt Kopfhörer her, die eher mit professionellen Tonstudios als mit Gaming-Setups assoziiert werden – und landete trotzdem über einen ungewöhnlichen Umweg mitten im Gaming-Ökosystem, als Sony Interactive Entertainment das Unternehmen 2023 übernahm. Anders als die meisten anderen Hersteller in dieser Reihe entstand Audeze dabei nicht primär als Reaktion auf einen Gaming-Trend, sondern aus einem rein klangtechnischen Anspruch heraus, der erst Jahre später auch für Gamer interessant wurde. Wie stark die Bauart eines Kopfhörers den Klang prägt, wurde bereits im Erklärartikel zu offenen und geschlossenen Kopfhörern behandelt – bei Audeze kommt mit der Planar-Magnet-Technologie noch eine zweite, seltenere technische Dimension hinzu.

Die Gründung 2008: Von der Garage zur Planar-Magnet-Pionierin

Audeze wurde 2008 im kalifornischen Costa Mesa von Sankar Thiagasamudram und Alexander Rosson gegründet – nach eigener Beschreibung des Unternehmens in einer Garage, mit Abenden und Wochenenden voller Bastelarbeit, ähnlich der Gründungsgeschichte vieler bekannter Silicon-Valley-Unternehmen. Den entscheidenden Impuls lieferte die Begegnung mit dem Ingenieur Pete Uka, der zuvor spezielle flexible Schaltungsmaterialien für die NASA entwickelt hatte. Thiagasamudram und Rosson erkannten das Potenzial dieses Materials für den Bau besonders dünner, leichter Kopfhörer-Membranen. Kurz darauf stieß der erfahrene Planar-Treiber-Entwickler Dragoslav Colich mit über 30 Jahren Branchenerfahrung als Chief Technology Officer zum Team und half, aus der Idee das erste marktreife Produkt zu entwickeln: den LCD-1.

Der Firmenname selbst spiegelt den technologischen Anspruch der Gründer wider: Audeze leitet sich von einer Kombination aus "Audio" und dem angestrebten Ziel ab, akustische Präzision auf ein neues Niveau zu heben. Anders als die meisten anderen in dieser Artikelserie porträtierten Hersteller entstand Audeze dabei nicht aus der Gaming-Szene heraus, sondern explizit aus der Klangtechnik-Forschung – ein Unterschied, der die gesamte spätere Produktphilosophie des Unternehmens prägen sollte.

Die Technologie dahinter: Planar-Magnet-Treiber statt klassischer Dynamik-Treiber

Während die meisten Gaming-Headsets auf klassische dynamische Treiber setzen, bei denen eine kleine Membran durch ein Magnetfeld in Schwingung versetzt wird, verwendet Audeze durchgängig Planar-Magnet-Technologie (auch Orthodynamik genannt). Dabei liegt eine große, extrem dünne Folienmembran zwischen mehreren Magnetreihen; ein elektrischer Leiter auf der Membran selbst erzeugt die Schwingung über die gesamte Fläche gleichmäßig, statt nur punktuell wie bei klassischen Treibern. Das Ergebnis sind in der Regel eine sehr gleichmäßige Klangwiedergabe mit geringer Verzerrung und ein detailreicher, präziser Klang – allerdings auf Kosten von höherem Gewicht und in der Regel höherem Strombedarf als bei klassischen dynamischen Treibern.

Diese Technologie war zum Zeitpunkt der Gründung fast ausschließlich extrem teuren Nischenprodukten vorbehalten. Audeze gelang es, Planar-Magnet-Treiber durch die NASA-inspirierten Fertigungsmaterialien in größerem Maßstab und zu vergleichsweise zugänglicheren Preisen zu produzieren, ohne die charakteristischen Klangvorteile der Technologie zu verlieren – ein zentraler Grund für den schnellen Aufstieg der jungen Marke in der Audiophilen-Szene.

Für Gaming-Nutzer ist dabei besonders der Zusammenhang zur Bauart relevant: Die meisten klassischen Audeze-Kopfhörer der LCD-Serie sind offen gebaut und liefern damit die im Kopfhörer-Erklärartikel beschriebene besonders natürliche, breite Klangbühne – allerdings ohne jede Geräuschisolierung. Die neueren Gaming-Modelle wie Maxwell und Penrose kombinieren die Planar-Magnet-Technologie dagegen bewusst mit geschlossener Bauweise, um die Vorteile der Treiber-Technologie mit der für kompetitives Gaming und Streaming praktischeren Isolation zu verbinden – ein technischer Kompromiss, den reine Audiophilen-Hersteller in dieser Form selten eingehen.

Die LCD-Serie: Vom LCD-1 zum Referenzstandard

Mit dem LCD-1 legte Audeze den Grundstein für seine bis heute wichtigste Produktlinie. Es folgten die deutlich bekannteren Modelle LCD-2 und LCD-3, die in der Audiophilen-Community schnell Kultstatus erreichten und mehrfach ausgezeichnet wurden, unter anderem als Produkt des Jahres des Fachmagazins Stereophile 2014 sowie mit einer Top-Tech-Auszeichnung auf der CES 2015. Mit den effizienteren, leichter anzusteuernden Varianten LCD-X und LCD-XC erschloss sich Audeze zusätzlich das Segment mobiler und semi-professioneller Nutzer, während die spätere LCD-5 als aktuelles Flaggschiff die Referenzklasse der Serie markiert.

Parallel zur klassischen LCD-Linie erweiterte Audeze sein Portfolio um spezialisiertere Modelle: Mit der iSINE-Reihe brachte das Unternehmen erstmals Planar-Magnet-Technologie in ein In-Ear-Format, während das CRBN-Modell mit einer elektrostatähnlichen Konstruktion experimentierte. Für die industrielle Formgebung der Gehäuse und Bügel arbeitete Audeze über Jahre mit BMW DesignWorks zusammen – eine für die Kopfhörerbranche ungewöhnliche Partnerschaft, die dem eigenwilligen Design der LCD-Reihe eine erkennbare Handschrift verlieh und die Marke optisch klar von klassischen Gaming-Headsets mit auffälliger RGB-Beleuchtung abgrenzte.

Führungswechsel 2015 bis 2021: Von Alex Rosson zu Sankar Thiagasamudram

2013 übernahm Mitgründer Alex Rosson die Rolle des CEO, während Sankar Thiagasamudram zunächst als President und COO fungierte und zugleich zeitweise auch die Finanzen des Unternehmens als CFO verantwortete. Ab Januar 2015 übernahm Thiagasamudram interimistisch die Geschäftsführung, während Rosson sich auf die Planung eines neuen Projekts konzentrierte. Offiziell verließ Rosson das Unternehmen schließlich 2021, um mit Rosson Audio Design eine eigene, noch stärker im Luxussegment positionierte Kopfhörermarke zu gründen, die explizit an sein Audeze-Erbe anknüpft, sich aber preislich noch oberhalb der LCD-Serie ansiedelt.

Seither führt Sankar Thiagasamudram Audeze durchgehend als CEO – er hatte zuvor bereits maßgeblich den Aufbau der unternehmenseigenen Fertigung im kalifornischen Costa Mesa sowie den Aufbau der Lieferkette bis hin zur Apple-Zertifizierung verantwortet und brachte damit vor allem operative und fertigungstechnische Expertise in die Führungsrolle ein, während Rosson zuvor stärker für die klangliche und gestalterische Ausrichtung der Produkte stand.

Der Sprung ins Gaming: Mobius, Penrose und Maxwell

Lange Zeit war Audeze fast ausschließlich in der High-End-Audiophilen- und Studio-Welt verankert. Das änderte sich mit einer Reihe gezielter Gaming-Produkte: 2019 erschien mit dem Mobius ein Kopfhörer mit eingebautem Kopf-Tracking für räumlichen 3D-Klang, der sich explizit an Gamer richtete und head-Tracking-basiertes Audio zu einem Zeitpunkt anbot, als diese Technologie in Consumer-Headsets noch weitgehend unerprobt war. 2020 folgte mit dem Penrose ein kabelloses Gaming-Headset, das erstmals Audezes Planar-Magnet-Technologie in ein für Konsolenspieler zugängliches Format brachte, ohne den für die LCD-Serie typischen Premiumpreis vollständig zu übernehmen.

Den bislang größten Schritt ins Gaming-Segment markierte 2023 der Maxwell, ein kabelloses Premium-Gaming-Headset, das kurz nach der Übernahme durch Sony sowohl für PC und Xbox als auch – mit gesonderter Variante – für PlayStation erschien und sich preislich deutlich oberhalb klassischer Gaming-Headsets wie der Arctis- oder ASTRO-Reihen positionierte. Bemerkenswert ist dabei, dass Audeze den Maxwell bewusst plattformübergreifend für Xbox und PlayStation anbot, obwohl das Unternehmen zum Erscheinungszeitpunkt bereits zu Sony gehörte – ein Hinweis darauf, dass Sony die Marke tatsächlich als eigenständiges Geschäft und nicht nur als PlayStation-exklusives Zubehör positionieren wollte.

Übernahme durch Sony Interactive Entertainment (2023)

Im August 2023 gab Sony Interactive Entertainment, die für PlayStation zuständige Sony-Sparte, die Übernahme von Audeze bekannt. Anders als bei den Übernahmen von SteelSeries durch GN Store Nord oder von ASTRO Gaming durch Logitech ging es Sony dabei explizit nicht um eine reine Marktkonsolidierung: Audeze sollte laut offizieller Mitteilung weiterhin eigenständig operieren und ausdrücklich auch Produkte für konkurrierende Plattformen wie Xbox weiterentwickeln. Sony selbst begründete den Schritt mit dem Wunsch, die eigene Audio-Expertise rund um die 3D-Audiotechnik der PlayStation 5 sowie das Pulse-3D-Headset auszubauen.

Tatsächlich flossen Audezes Planar-Magnet-Treiber kurz darauf in Sonys eigene Produkte Pulse Elite und Pulse Explore ein, was zeigt, dass die Übernahme technologisch und nicht nur markenstrategisch motiviert war. Für Sony war die Übernahme Teil einer größeren Strategie, die eigene Audio-Kompetenz für das PlayStation-Ökosystem intern aufzubauen, statt wie bislang überwiegend auf externe Zulieferer und Lizenzpartner angewiesen zu sein – ein Ansatz, der sich strukturell von Logitechs breiterer Übernahmewelle im Streaming- und Peripherie-Bereich unterscheidet, aber demselben grundlegenden Muster folgt: Ein größerer Technologiekonzern sichert sich spezialisiertes Audio-Know-how, das intern nur schwer in vergleichbarer Qualität hätte aufgebaut werden können.

Audeze heute: Produktportfolio und Positionierung

Audeze fertigt weiterhin am Unternehmenssitz im kalifornischen Costa Mesa beziehungsweise Santa Ana und deckt heute drei Kundengruppen ab: Audiophile und Musikliebhaber mit der LCD-Serie, professionelle Tonschaffende mit Referenzmodellen wie dem MM-500 (entwickelt in Zusammenarbeit mit dem Grammy-preisgekrönten Toningenieur Manny Marroquin) sowie Gamer mit der Mobius-, Penrose- und Maxwell-Reihe. Die Preise bewegen sich dabei durchgängig im Premium- bis Luxussegment: Während Einsteigermodelle einige hundert Euro kosten, liegen Referenzmodelle der LCD-Serie im vierstelligen Bereich – eine Preisklasse, die kein anderer bisher porträtierter Hersteller in dieser Konsequenz bedient.

Diese Drei-Säulen-Strategie aus Audiophilie, Profi-Audio und Gaming unterscheidet Audeze grundlegend von reinen Gaming-Peripherie-Herstellern, deren Produktentwicklung nahezu vollständig auf die Spieleindustrie ausgerichtet ist. Für Audeze bleibt Gaming dagegen bislang ein wachsendes, aber nicht das einzige Standbein – ein struktureller Unterschied, der sich seit der Sony-Übernahme allerdings zunehmend verschiebt, da die neuen Eigentümer naturgemäß ein besonderes Interesse an einem Ausbau gerade des Gaming-Geschäfts haben dürften.

Einordnung: Audeze im Wettbewerbsumfeld

Im Vergleich zu SteelSeries, Logitech oder Razer verfolgt Audeze eine fundamental andere Marktstrategie: Statt ein breites Sortiment für unterschiedliche Preisklassen anzubieten, konzentriert sich das Unternehmen konsequent auf das obere Preissegment und positioniert sich explizit über technologische Alleinstellung statt über Stückzahlen. Während die etablierten Gaming-Peripherie-Marken mit Massenprodukten im Bereich von 50 bis 300 Euro konkurrieren, adressiert Audeze eine deutlich kleinere, aber zahlungsbereitere Zielgruppe aus Audiophilen und ambitionierten Gamern, die bereit sind, für messbar bessere Klangqualität einen erheblichen Aufpreis zu zahlen.

Mit der Anbindung an Sony verfügt Audeze zusätzlich über einen Vertriebs- und Technologiepartner, der der Marke Zugang zu einem deutlich breiteren Massenmarkt verschafft, als es die Nische der High-End-Audiophilie allein ermöglicht hätte. Diese Konstellation unterscheidet sich auch strukturell von den übrigen Hersteller-Porträts: Während SteelSeries, Logitech und Razer als eigenständige, primär auf Gaming-Peripherie fokussierte Unternehmen agieren, ist Audeze heute Teil eines der größten Konsolenhersteller der Welt – mit allen Chancen auf Skalierung, aber auch mit einer stärkeren strategischen Abhängigkeit von den Prioritäten des Mutterkonzerns, als sie etwa bei SteelSeries innerhalb des vergleichsweise kleineren GN-Konzerns besteht.

Häufige Fragen zu Audeze

Wann wurde Audeze gegründet?
Audeze wurde 2008 im kalifornischen Costa Mesa von Sankar Thiagasamudram und Alexander Rosson gegründet.

Wem gehört Audeze?
Audeze gehört seit August 2023 zu Sony Interactive Entertainment, der PlayStation-Sparte von Sony, operiert aber weiterhin eigenständig und entwickelt auch Produkte für andere Plattformen wie Xbox.

Was macht Audeze-Kopfhörer besonders?
Audeze setzt durchgängig auf Planar-Magnet-Treiber (Orthodynamik) statt klassischer dynamischer Treiber. Diese Bauweise sorgt für eine besonders gleichmäßige, detailreiche Klangwiedergabe, ist aber aufwendiger in der Herstellung und macht die Kopfhörer meist schwerer und teurer.

Was war das erste Produkt von Audeze?
Das erste Produkt war der LCD-1, aus dem sich die bis heute wichtigste Produktlinie des Unternehmens entwickelte.

Sind Audeze-Kopfhörer auch für Gaming geeignet?
Ja, seit 2019 bietet Audeze mit Mobius, Penrose und Maxwell dedizierte Gaming-Headsets an, die Planar-Magnet-Technologie mit geschlossener Bauweise und teils integriertem Kopf-Tracking kombinieren. Diese Modelle sind allerdings deutlich teurer als klassische Gaming-Headsets etablierter Marken.

Kommentar hinterlassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.