Lautsprecher Teufel

Teufel: Von der Berliner Bastler-Idee zum Gaming-Headset-Hersteller

Wer in Berlin schon einmal an einem HiFi-Regal mit einer klobigen, satt klingenden Box vorbeigekommen ist, kannte vermutlich Teufel, bevor die Marke überhaupt etwas mit Gaming zu tun hatte. Denn anders als die meisten anderen Hersteller in dieser Porträtreihe kommt Teufel nicht aus dem Gaming-Business, sondern aus einer ganz anderen Ecke: der klassischen Berliner HiFi-Szene der späten Siebziger. Erst mit dem Cage-Headset betrat das Unternehmen überhaupt erstmals Gaming-Terrain – Jahrzehnte, nachdem die Marke schon zum meistverkauften Lautsprecherhersteller Deutschlands geworden war. Diese ungewöhnliche Herkunft macht Teufel zu einem der spannendsten Fälle in dieser Reihe: ein Traditionsunternehmen, das sein Gaming-Standbein nicht aus Kalkül, sondern eher beiläufig aufgebaut hat.

Die Gründung 1979: Lautsprecher-Bausätze statt Fertigware

Teufel wurde 1979 im damaligen West-Berlin von Peter Tschimmel gegründet. Die Geschäftsidee war denkbar unspektakulär und gerade deshalb erfolgreich: Statt fertige Lautsprecher zu verkaufen, bot Tschimmel Lautsprecher-Bausätze an – vorgefertigte Frequenzweichen, Treiber und Gehäuseteile, aus denen Käufer ihre eigenen HiFi-Boxen zusammenbauen konnten. Für audiophile Bastler der Zeit war das eine attraktive Kombination: hochwertige Komponenten zu einem Bruchteil des Preises fertiger Markenware, verbunden mit dem Stolz, die eigenen Boxen selbst gebaut zu haben. Der Slogan „Lieber bessere Boxen selber bauen“ wurde schnell zum Markenzeichen des jungen Unternehmens und traf einen Nerv bei einer wachsenden Szene von HiFi-Enthusiasten, die sich vom hochpreisigen Fachhandel der Zeit nicht mehr bedient fühlten.

Ein Jahr nach der Geschäftsidee eröffnete Tschimmel sein erstes Ladengeschäft in Berlin. Der Erfolg stellte sich rasch ein: Bereits 1983 wurden die Bausätze deutschlandweit vertrieben, und zwischen 1983 und 1987 verkaufte Teufel mehr als 20.000 Einheiten – für ein junges Unternehmen ohne große Marketingbudgets eine beachtliche Zahl, die vor allem auf Mundpropaganda und durchweg positive Fachpresse-Kritiken zurückzuführen war. Anders als etablierte HiFi-Marken, die über den stationären Fachhandel verkauften, baute Teufel damit von Beginn an eine direkte Beziehung zu seinen Kundinnen und Kunden auf – ein Prinzip, das sich Jahrzehnte später in der Gaming-Sparte des Unternehmens nahezu unverändert wiederfindet.

Vom Bausatz zur Fertigbox: Der Wandel der Neunziger

1990 vollzog Teufel einen strategischen Wechsel, der die Marke bis heute prägt: Das Unternehmen stieg vom Vertrieb über Fach- und Einzelhandel auf Direktvertrieb per Katalog um – ein für die damalige HiFi-Branche unüblicher Schritt, der aber die Handelsspanne einsparte und die Preise weiter drücken half. Parallel dazu wandelte sich das Produktportfolio: Mit dem Lautsprecher M 200 und dem dazugehörigen Subwoofer M 6000 bot Teufel erstmals fertig aufgebaute Boxen an, statt nur Bausätze zu vertreiben. Der Bausatz-Gedanke, mit dem alles begonnen hatte, verschwand damit weitgehend aus dem Kerngeschäft, blieb aber als Markenkern erhalten: Auch die fertig montierten Teufel-Boxen der Neunziger wurden weiterhin ohne Zwischenhändler direkt an Endkundinnen und -kunden verkauft.

Dieser Direktvertriebsansatz – Kunden bestellen beim Hersteller, ohne Zwischenhändler – blieb über Jahrzehnte das Rückgrat des Geschäftsmodells und unterscheidet Teufel bis heute von vielen etablierten HiFi-Marken, die stärker auf den Fachhandel setzen. Mit der deutschen Wiedervereinigung 1990 erschloss sich das Unternehmen zudem praktisch über Nacht einen ganz neuen Absatzmarkt in den neuen Bundesländern, was dem noch jungen Katalogversand zusätzlichen Schub gab.

Private-Equity-Wechsel: Von Riverside über HgCapital zu Naxicap

2006 verkaufte Gründer Peter Tschimmel das Unternehmen an die Beteiligungsgesellschaft Riverside. Nur vier Jahre später, 2010, wechselte Teufel erneut den Eigentümer: Die Private-Equity-Gesellschaft HgCapital übernahm das Unternehmen von Riverside. Im selben Jahr integrierte Teufel das Berliner Startup Raumfeld, das seit 2008 kabellose Multiroom-Streaming-Lautsprecher entwickelte – ein früher Schritt in Richtung vernetztes Audio, der Teufel technologisch näher an spätere Smart-Speaker-Konkurrenz heranführte.

2018 wechselte die Eigentümerschaft ein weiteres Mal: Die französische Private-Equity-Gesellschaft Naxicap Partners, der Beteiligungsarm der Investmentbank Natixis, übernahm Teufel von HgCapital. Diese Kette aus drei Finanzinvestoren innerhalb von zwölf Jahren ist für die Gaming-Zubehörbranche ungewöhnlich – die meisten anderen in dieser Reihe porträtierten Hersteller wechselten deutlich seltener den Besitzer oder blieben, wie Razer, über weite Strecken eigenständig. Seit März 2020 führt Sascha Mallah das Unternehmen als alleiniger Geschäftsführer.

Der Sprung ins Gaming: Cage, Cage One und Cage Pro

Anders als etablierte Gaming-Peripherie-Marken wie SteelSeries oder ASTRO, die von Beginn an für Wettkampfspieler entwickelt wurden, kam Teufel erst spät und aus einer völlig anderen Richtung ins Gaming-Segment. Bereits 2017 brachte das Unternehmen mit dem Cage ein erstes Gaming-Headset auf den Markt, das sich durch sein für die HiFi-Herkunft der Marke typisches Preis-Leistungs-Verhältnis auszeichnete. Es folgten die kabelgebundenen Modelle Cage One und Zola, bevor Teufel mit dem Cage Pro 2024 erstmals ein kabelloses Gaming-Headset vorstellte.

Das Cage Pro positionierte sich preislich mit rund 200 Euro bewusst im gehobenen Segment, direkt in Konkurrenz zu etablierten Wireless-Headsets wie dem Razer BlackShark V2 Pro. Technisch setzt das Headset auf latenzarme 2,4-GHz-Funkübertragung, zusätzliches Bluetooth-Multipoint für parallele Verbindungen sowie eine eigene Teufel-Audio-Center-Software mit virtuellem Raumklang und Equalizer-Einstellungen – Funktionen, die das Unternehmen erkennbar aus seiner HiFi-Erfahrung in den Gaming-Bereich übertragen hat. In unabhängigen Tests überzeugte das Gerät vor allem durch räumlichen Klang, hohen Tragekomfort dank dicker Polsterung und lange Akkulaufzeit von laut Hersteller bis zu 68 Stunden, während das Mikrofon in mehreren Reviews als Schwachpunkt genannt wurde – ein Kontrast, der zeigt, dass Teufels HiFi-Stärke bei der reinen Klangwiedergabe liegt, während die für Gaming-Headsets ebenso wichtige Sprachqualität noch nicht ganz auf demselben Niveau mithält.

Diese gemischte, aber grundsätzlich positive Aufnahme ist bezeichnend für Teufels Gaming-Strategie: Statt mit aggressivem Marketing und Esport-Sponsoring wie SteelSeries oder ASTRO aufzutreten, verlässt sich das Unternehmen auf seinen seit Jahrzehnten etablierten Ruf für solide Audiotechnik zu fairen Preisen. Vorgänger des Cage Pro waren das 2017 vorgestellte kabelgebundene Cage sowie das später folgende Cage One und das Modell Zola – alle drei setzten bereits auf dasselbe Grundprinzip aus solidem Klang zu einem im Vergleich zu reinen Gaming-Marken fairen Preis.

Das Kerngeschäft: HiFi, Heimkino und die Ultima-Serie

Gaming-Headsets bleiben bei Teufel bis heute ein Nebengeschäft neben dem eigentlichen Kerngeschäft: klassischen HiFi- und Heimkino-Lautsprechern. Die Ultima-40-Box gilt nach Unternehmensangaben als meistverkaufter Lautsprecher Deutschlands – ein Beleg dafür, wie tief die Marke im deutschen Massenmarkt für bezahlbares, aber solides HiFi verankert ist. Geschäftsführer Sascha Mallah beschrieb die Positionierung des Unternehmens einmal pointiert als „Volkswagen und nicht Mercedes der Branche“ – ein Selbstverständnis, das sich auch in der Preisgestaltung der Gaming-Produkte widerspiegelt, die konsequent unterhalb der Premium-Modelle reiner Gaming-Marken wie Audeze bleiben.

Neben Lautsprechern und Heimkino-Systemen deckt das Portfolio heute auch kabellose Kopfhörer, Bluetooth-Lautsprecher, Soundbars für Smart-TVs sowie Multiroom-fähige Systeme über die integrierte Raumfeld-Technologie ab. Raumfeld selbst war ein 2008 gegründetes Berliner Startup, das kabellose Lautsprecher entwickelte, die sich über WLAN zu einem synchronisierten Multiroom-System verbinden lassen – eine Technologie, die Teufel seit der Übernahme 2010 sukzessive in die eigene Produktpalette integriert hat, ähnlich wie es größere Elektronikkonzerne mit zugekauften Smart-Speaker-Marken taten. Diese Bandbreite unterscheidet Teufel strukturell von reinen Gaming-Peripherie-Herstellern: Während sich Marken wie SteelSeries oder ASTRO fast ausschließlich auf Gaming-Zubehör konzentrieren, bleibt Gaming für Teufel nur eines von mehreren Standbeinen neben einem breiten Consumer-Audio-Sortiment, das vom Einsteiger-Kopfhörer bis zum vollwertigen Heimkino-System reicht.

Internationale Expansion: Teufel Audio

Lange Zeit war Teufel ein primär deutschsprachiges Phänomen, dessen Direktvertriebsmodell sich vor allem auf den heimischen Markt konzentrierte. In den vergangenen Jahren hat das Unternehmen diesen Fokus erweitert: Unter der internationalen Markenbezeichnung Teufel Audio verkauft das Unternehmen inzwischen auch in den USA und weiteren Märkten außerhalb des deutschsprachigen Raums. Für ein Unternehmen, dessen Geschäftsmodell historisch auf kurzen Lieferwegen innerhalb Deutschlands aufbaute, ist die internationale Expansion ein bemerkenswerter Strategiewechsel – zumal die Konkurrenz im US-amerikanischen Audio-Markt, anders als im deutschen Heimatmarkt, deutlich stärker von etablierten Marken wie Bose oder Sonos geprägt ist, gegen die sich Teufel dort erst noch behaupten muss.

Einordnung: Teufel im Wettbewerbsumfeld

Im direkten Vergleich mit den übrigen in dieser Reihe porträtierten Herstellern nimmt Teufel eine Sonderrolle ein. Anders als Logitech oder SteelSeries, die von Anfang an auf Computer- respektive Gaming-Peripherie spezialisiert waren, bringt Teufel jahrzehntelange HiFi-Expertise mit – ein Erbe, das sich im räumlichen Klang des Cage Pro widerspiegelt, aber auch dazu führt, dass die Marke im Gaming-Segment noch immer als Quereinsteiger wahrgenommen wird. Preislich positioniert sich Teufel dabei zwischen den günstigen Einsteigermodellen von SteelSeries oder Razer und den deutlich teureren High-End-Produkten von Audeze – ein mittleres Preissegment, das dem Direktvertriebsmodell der Marke entgegenkommt, da ohne Zwischenhändler-Marge kalkuliert werden kann.

Anders als ASTRO oder SteelSeries, die stark auf Esport-Sponsoring und Profispieler-Partnerschaften setzen, tritt Teufel im Gaming-Marketing deutlich zurückhaltender auf. Die Marke verlässt sich stattdessen auf ihren in Deutschland seit Jahrzehnten etablierten Ruf für gutes Preis-Leistungs-Verhältnis – ein Vertrauensvorschuss, den reine Gaming-Marken ohne jahrzehntelange HiFi-Historie in dieser Form nicht mitbringen.

Teufel heute

Mit Sitz weiterhin in Berlin beschäftigt Teufel nach zuletzt öffentlich bekannten Zahlen rund 380 Mitarbeitende. Das Unternehmen bleibt im Besitz von Naxicap Partners und wird operativ von Sascha Mallah geführt. Aus dem Ein-Mann-Bausatz-Handel von 1979 ist damit über mehrere Eigentümerwechsel hinweg einer der bekanntesten deutschen Audio-Hersteller geworden – einer, der mit dem Cage Pro zeigt, dass jahrzehntelange HiFi-Kompetenz auch im Gaming-Segment ein Alleinstellungsmerkmal sein kann, auch wenn der Weg dorthin länger war als bei den meisten Wettbewerbern in dieser Porträtreihe.

Ob aus dem Nebengeschäft Cage Pro langfristig eine eigenständige Gaming-Sparte wird, wie sie andere Traditionsmarken erfolgreich aufgebaut haben, bleibt abzuwarten. Anders als bei Unternehmen, die gezielt eine Gaming-Marke als separates Label aufbauen, bleibt Teufels Ansatz bislang eng mit der HiFi-Kernmarke verzahnt – der Cage Pro wird nicht als eigenständiges Sub-Brand vermarktet, sondern als ein Teufel-Produkt unter vielen. Für die deutsche Gaming-Hardware-Landschaft bleibt das Unternehmen damit ein Sonderfall: ein 45 Jahre altes HiFi-Unternehmen, das sich erst in den vergangenen Jahren zaghaft, aber mit erkennbarem technischem Anspruch, ins Gaming-Segment vorgetastet hat.

Häufig gestellte Fragen zu Teufel

Wann wurde Teufel gegründet?
Teufel wurde 1979 in West-Berlin von Peter Tschimmel gegründet, zunächst als Anbieter von Lautsprecher-Bausätzen.

Wem gehört Teufel heute?
Teufel gehört seit 2018 der französischen Private-Equity-Gesellschaft Naxicap Partners. Zuvor war das Unternehmen im Besitz von Riverside (ab 2006) und HgCapital (ab 2010).

Ist Teufel eine Gaming-Marke?
Nein, ursprünglich nicht. Teufel kommt aus der klassischen HiFi- und Heimkino-Branche und stieg erst 2017 mit dem Cage-Headset ins Gaming-Segment ein. Gaming-Produkte bleiben bis heute ein Nebengeschäft neben dem Kerngeschäft mit Lautsprechern und Heimkino-Systemen.

Was ist das bekannteste Teufel-Gaming-Produkt?
Das Cage Pro, ein 2024 vorgestelltes kabelloses Gaming-Headset, das in unabhängigen Tests vor allem für seinen räumlichen Klang und die lange Akkulaufzeit gelobt wurde.

Was ist Raumfeld?
Raumfeld war ein 2008 gegründetes Berliner Startup für kabellose Multiroom-Streaming-Lautsprecher, das Teufel 2010 im Zuge der HgCapital-Übernahme in sein Portfolio integrierte.

Verkauft Teufel auch außerhalb Deutschlands?
Ja. Unter der Marke Teufel Audio verkauft das Unternehmen inzwischen auch in den USA und weiteren internationalen Märkten, auch wenn der Schwerpunkt des Geschäfts weiterhin im deutschsprachigen Raum liegt.

Wie unterscheidet sich Teufel von reinen Gaming-Marken wie SteelSeries oder ASTRO?
Teufel kommt aus der klassischen HiFi-Branche und positioniert Gaming-Produkte als eines von mehreren Standbeinen neben Lautsprechern und Heimkino-Systemen, während SteelSeries und ASTRO von Beginn an ausschließlich auf Gaming-Peripherie spezialisiert waren und entsprechend stärker auf Esport-Marketing setzen.

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