Alle Sega-Konsolen in der Reihenfolge

Alle Sega-Konsolen in der Reihenfolge: Von SG-1000 bis Dreamcast

Sega hat zwischen 1983 und 2001 eine erstaunlich lange Liste an Konsolen und Zusatzgeräten veröffentlicht: vom SG-1000 über das Master System und das Mega Drive bis zu Saturn und Dreamcast, dazu ein Handheld, zwei teure Erweiterungen und einige Exoten. Weil so viele Modelle in kurzer Zeit erschienen und mehrere davon scheiterten, verliert man leicht den Überblick. Dieser Artikel führt alle Sega-Konsolen in der Reihenfolge ihres Erscheinens auf, erklärt die Technik und die Besonderheiten der einzelnen Geräte und zeigt, warum Sega 2001 aus dem Hardware-Geschäft ausstieg. Die Geschichte der Firma erzählt das Porträt Sega Geschichte.

Alle Sega-Konsolen in der Reihenfolge

Die Tabelle zeigt die Geräte nach dem ersten Erscheinen in Japan. Die Verkaufszahlen sind gerundete Schätzungen aus Unternehmensangaben und Branchenquellen; je nach Zählweise (etwa mit Lizenzbauten in Brasilien) weichen sie ab.

Gerät Start (Japan) Typ Besonderheit Verkäufe (ca.)
SG-1000 Juli 1983 Heimkonsole (8 Bit) Segas erste Heimkonsole keine belastbaren Zahlen
Master System 1985 (als Mark III) Heimkonsole (8 Bit) Stark in Europa und Brasilien 10 bis 13 Mio.
Mega Drive / Genesis Okt. 1988 Heimkonsole (16 Bit) Sonic, Arcade-Erbe 30 bis 40 Mio.
Game Gear Okt. 1990 Handheld Farbdisplay mit Beleuchtung rund 10,6 Mio.
Mega-CD / Sega CD Dez. 1991 Zusatzgerät CD-Laufwerk für das Mega Drive rund 2,2 Mio.
Sega Saturn Nov. 1994 Heimkonsole (32 Bit) Zwei Prozessoren, CD-ROM rund 9,3 Mio.
32X Nov. 1994 Zusatzgerät 32-Bit-Aufsatz für das Mega Drive unter 1 Mio.
Sega Dreamcast Nov. 1998 Heimkonsole (128 Bit) Eingebautes Modem, VMU rund 9,1 Mio.

Wie sich die Geräte in die Konsolengenerationen einordnen, erklärt der Artikel zu den Konsolengenerationen. Den größten Rivalen der 1980er und 1990er stellt der Artikel zu den Nintendo-Konsolen vor.

SG-1000 und Master System: Der Einstieg

Sega kam vom Automatengeschäft. Am 15. Juli 1983, am selben Tag wie Nintendos Famicom, erschien in Japan mit dem SG-1000 die erste Heimkonsole des Unternehmens. Sie nutzte Steckmodule, konnte sich gegen das Famicom aber nicht behaupten. Die überarbeitete Fassung erschien 1985 als Mark III und wurde für den Westen als Master System vermarktet, in den USA ab 1986, in Europa 1987.

Technisch bot das Master System 8-Bit-Grafik mit mehr Farben als das NES. Ein Sonderfall war das SegaScope 3-D, eine Shutter-Brille mit einigen Spielen. In den USA kam es gegen Nintendos NES nicht an, in Europa und Brasilien wurde es dagegen ein Erfolg, in Brasilien sogar über Jahrzehnte durch den Lizenznehmer Tec Toy. Spiele wie Alex Kidd in Miracle World und Phantasy Star zählen zu den Höhepunkten der Konsole.

Mega Drive (Genesis): Der Höhepunkt

Das Mega Drive erschien im Oktober 1988 in Japan, im August 1989 in den USA unter dem Namen Genesis und im November 1990 in Europa. Es war eine 16-Bit-Konsole mit einem Motorola-68000-Prozessor, der schon in Arcade-Automaten und Computern eingesetzt wurde. Damit ließen sich Spielhallen-Titel wie Golden Axe und Altered Beast relativ originalgetreu umsetzen. In Japan blieb das Gerät hinter dem Konkurrenten zurück, im Westen dagegen wurde es zu Segas größtem Erfolg.

Der Durchbruch kam 1991 mit Sonic the Hedgehog, der in den USA als Pack-in-Spiel beigelegt wurde. Sega positionierte sich mit frecher Werbung und einem coolen Igel bewusst gegen Nintendos Mario und erreichte in den USA zeitweise einen Marktanteil von über 50 Prozent. Weitere Klassiker sind Streets of Rage, Phantasy Star IV und Shining Force. Die Konsole verkaufte sich je nach Zählung 30 bis 40 Millionen Mal. Bei den Rollenspielen des Systems lohnt ein Blick in den Artikel zum Rollenspiel-Genre. Wie sich das Mega Drive gegen das SNES schlug, schildert auch das Porträt Nintendo Geschichte.

Mega-CD und 32X: Zwei gescheiterte Erweiterungen

Um die Lebensdauer des Mega Drive zu verlängern, brachte Sega zwei Zusatzgeräte heraus. Das Mega-CD (in den USA Sega CD, 1991 in Japan) fügte ein CD-Laufwerk hinzu und ermöglichte Videosequenzen und CD-Musik. Viele Titel setzten auf Spielfilm-Videos, spielerisch überzeugten wenige, ein Highlight blieb Sonic CD. Das 32X (1994) machte aus dem Mega Drive eine 32-Bit-Konsole, kam aber zu spät und wurde bald von der Saturn-Ankündigung überschattet. Beide Geräte verkauften sich schlecht, verwirrten Händler und Kunden und gelten als Beispiel dafür, wie ein Hersteller seine eigene Plattform zersplittern kann.

Sega gegen Nintendo: Die Konsolenkriege

Das Mega Drive war der Auslöser der ersten großen Konsolenkriege. Mit dem Slogan „Genesis does what Nintendon’t“ stellte Sega die eigene Konsole als erwachsene, freche Alternative zum kindlicheren Image Nintendos dar und warb mit dem Schlagwort „Blast Processing“ für die Geschwindigkeit. Sonic wurde als Gegenentwurf zu Mario aufgebaut. Nintendo antwortete mit dem SNES, das sich weltweit besser verkaufte als das Mega Drive, im Westen aber lange gegen Sega um die Führung kämpfte. Wie Nintendo diese Jahre erlebte, beschreibt der Artikel zu den Nintendo-Konsolen.

Ein Nebeneffekt betraf die gesamte Branche: 1993 gerieten Titel wie Night Trap für das Mega-CD und Mortal Kombat in die Kritik, in den USA fanden Kongressanhörungen zu Gewalt in Videospielen statt. Die Branche gründete daraufhin ein eigenes Bewertungssystem, die ESRB. Wie Altersfreigaben heute funktionieren, erklärt der Artikel Altersfreigabe bei Videospielen.

Game Gear: Der Handheld

Der Game Gear erschien im Oktober 1990 in Japan und 1991 im Westen. Im Vergleich zum Game Boy bot er ein farbiges, beleuchtetes Display, zahlreiche Spiele aus dem Master-System-Katalog und sogar einen Fernseh-Empfänger als Zubehör. Der Preis dafür war ein enormer Stromverbrauch: Sechs Batterien hielten nur wenige Stunden. Nintendos Game Boy war deutlich günstiger und länger nutzbar. Der Game Gear kam auf rund 10,6 Millionen Geräte und war damit das erfolgreichste Sega-Handheld, das Nintendo aber nie ernsthaft gefährdete.

Randgeräte und Zubehör

Neben den großen Konsolen gab es eine ganze Reihe kleinerer Geräte. Der Power Base Converter erlaubte es, Master-System-Module auf dem Mega Drive zu spielen. Der Sega Nomad (1995) war ein tragbares Mega Drive für den US-Markt, das ganz normale Mega-Drive-Module abspielte. Das Sega Pico (1993) richtete sich als Lerncomputer an kleine Kinder. Für das Mega Drive erschienen außerdem der Sechs-Tasten-Controller, der vor allem für Prügelspiele wichtig wurde, die Lichtpistole Menacer und der Bewegungssensor Activator. Der Onlinedienst Sega Channel lieferte Spiele ab 1994 über den Kabelanschluss, ein früher Vorläufer heutiger Abo-Modelle wie im Artikel zum Game Pass beschrieben.

Sega Saturn: Der Fehlstart

Der Saturn erschien im November 1994 in Japan. Er arbeitete mit zwei Hitachi-SH-2-Prozessoren und zwei Grafikchips und nutzte CD-ROMs. Diese Doppelarchitektur war leistungsfähig, aber schwer zu programmieren. Den Westen erreichte die Konsole überraschend früh: Sega kündigte im Mai 1995 auf der Messe E3 an, dass der Saturn sofort erhältlich sei, ohne Händler und Spieleentwickler vorzubereiten. Der Preis lag bei 399 US-Dollar und damit über dem der PlayStation, die Sony auf derselben Messe für 299 US-Dollar ankündigte.

Der Saturn hatte starke Spiele wie Virtua Fighter, Sega Rally, Panzer Dragoon und NiGHTS into Dreams, in Japan lief er lange gut. Im Westen verlor Sega gegenüber Sony und Nintendo dauerhaft an Boden. Mit rund 9,3 Millionen verkauften Geräten blieb der Saturn weit hinter dem Mega Drive und der PlayStation zurück. Sega musste 1997 einen erheblichen Teil seiner US-Belegschaft entlassen.

Sega Dreamcast: Die letzte Konsole

Der Dreamcast erschien im November 1998 in Japan, am 9. September 1999 in den USA und im Oktober 1999 in Europa. Er war die erste Konsole mit eingebautem Modem für Online-Spiele und bot mit dem Visual Memory Unit (VMU), einer Speicherkarte mit kleinem Display, ein eigenes Zubehör. Als Datenträger dienten GD-ROMs mit rund einem Gigabyte Kapazität. Spiele wie Shenmue, Soulcalibur, Crazy Taxi, Jet Set Radio und Sonic Adventure gelten als Meilensteine, Phantasy Star Online gehörte zu den ersten Online-Rollenspielen auf einer Konsole. Shenmue gilt als Vorläufer moderner Open-World-Spiele, mehr dazu im Artikel zum Open-World-Genre.

Dennoch kam die Konsole nicht zum Zug. Der schwache Saturn hatte Segas Ruf beschädigt, Käufer warteten auf die PlayStation 2, die im März 2000 erschien. Im Januar 2001 verkündete Sega das Ende der Hardware-Produktion zum 31. März 2001, gut zwei Jahre nach dem Start. Der Dreamcast verkaufte sich rund 9,1 Millionen Mal. Ende 2001 folgte die Xbox von Microsoft, siehe das Porträt der Xbox-Geschichte.

Was Sega-Konsolen besonders machte

Segas Geräte hatten mehrere Gemeinsamkeiten. Erstens kamen viele Spiele aus der eigenen Arcade-Sparte, sodass Spielhallen-Titel wie Virtua Fighter oder Out Run auf Konsolen erschienen. Zweitens setzte Sega stärker auf Technik-Experimente als Nintendo: Add-ons wie das Mega-CD, Doppelprozessoren wie beim Saturn oder das Online-Modem des Dreamcast waren Neuland. Drittens präsentierte sich Sega als das „coolere“ Unternehmen für ältere Spieler und wurde mit dieser Positionierung erfolgreich. Die Kehrseite waren zu viele Hardware-Modelle in zu kurzer Zeit, hohe Kosten und fehlende Konsistenz. Ein Wechsel vom Hersteller zum reinen Softwarehaus, wie ihn das Unternehmen 2001 vollzog, wird im Artikel zu First-Party und Third-Party allgemein beschrieben, die Rolle des Publishers ergänzt das.

Der langjährige Chefentwickler der Sega-Hardware, Hideki Sato, ist verstorben. Die Meldung dazu steht im Beitrag Hideki Sato gestorben.

Nach 2001: Retro-Konsolen und Sammlungen

Seit dem Dreamcast hat Sega keine eigene Heimkonsole mehr gebaut, die Marke lebt jedoch in Retro-Geräten weiter. 2019 erschien weltweit die Mega Drive Mini mit rund 40 vorinstallierten Spielen, 2022 folgte in Japan die Mega Drive Mini 2 mit Mega-CD-Spielen. Zudem gibt es Sammlungen wie die Mega Drive Classics, die auch für PS4 und Xbox One erschienen, siehe Sega Mega Drive Classics. Wie sich solche Neuauflagen von echten Grafik-Überarbeitungen unterscheiden, erklärt der Beitrag zu Remaster und Remake.

Häufige Fragen zu Sega-Konsolen

Wie viele Sega-Konsolen gibt es?

Sega hat fünf Heimkonsolen veröffentlicht: SG-1000, Master System, Mega Drive, Saturn und Dreamcast. Dazu kommen der Handheld Game Gear sowie die Zusatzgeräte Mega-CD und 32X.

Welche Sega-Konsole war am erfolgreichsten?

Das Mega Drive (in Nordamerika Genesis) mit je nach Zählung 30 bis 40 Millionen Geräten. Vor allem im Westen war es Segas größter Erfolg und machte den Konzern zum Konkurrenten von Nintendo.

Warum hat Sega aufgehört, Konsolen zu bauen?

Nach dem Misserfolg von Saturn und Dreamcast, die gegen Sonys PlayStation-Konsolen nicht ankamen, verkündete Sega im Januar 2001 das Ende der Hardware-Produktion. Seitdem entwickelt und veröffentlicht das Unternehmen Spiele für fremde Plattformen.

Warum scheiterte der Sega Saturn?

Der Saturn war schwer zu programmieren, erschien im Westen überraschend früh und war mit 399 US-Dollar teurer als die PlayStation. Sonys Konsole gewann Entwickler und Käufer, Sega verlor Marktanteile.

Gibt es eine neue Sega-Konsole?

Nein. Sega hat seit 2001 keine neue Konsole entwickelt, nur Retro-Geräte wie die Mega Drive Mini (2019) und die in Japan erschienene Mega Drive Mini 2 (2022).

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