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Razer: Vom gescheiterten Startup zur Gamer-Ikone und zurück ins Private

Grünes Logo, schwarzes Design, das Motto "For Gamers. By Gamers." – kaum eine Marke hat die visuelle Sprache des PC-Gamings so geprägt wie Razer. Anders als etwa Logitech, das aus dem klassischen Büro-Peripherie-Geschäft kommt, war Razer von der ersten Sekunde an auf eine einzige Zielgruppe ausgerichtet: kompetitive PC-Gamer. Die Geschichte der Marke ist dabei ungewöhnlich verschachtelt – sie beginnt mit einer Firmenpleite, führt über einen der spektakulärsten Börsengänge der Gaming-Branche und endet vorerst mit einem Rückzug von eben dieser Börse, was Razer unter den großen Peripherie-Herstellern zu einem echten Sonderfall macht.

Die Vorgeschichte: Kärna und die Boomslang (1998–2000)

Die Ursprünge von Razer liegen nicht bei Razer selbst, sondern bei der Firma Kärna LLC im kalifornischen San Diego. Dort trafen 1998/99 der Singapurer Jurist Min-Liang Tan und der erfahrene Elektronik-Manager Robert Krakoff aufeinander, um ein klares Problem zu lösen: Kompetitive PC-Spieler in Titeln wie Quake oder StarCraft waren auf generische Büro-Mäuse angewiesen, die für schnelle, präzise Bewegungen nicht ausgelegt waren. Das Ergebnis war die Razer Boomslang, eine der ersten Mäuse überhaupt, die mit einer für damalige Verhältnisse enormen Auflösung von 1.000 statt der üblichen 200 bis 400 DPI explizit für Gamer beworben wurde.

Kärna LLC musste jedoch bereits im Jahr 2000 aus finanziellen Gründen schließen. Tan und Krakoff verloren damit zunächst ihre unternehmerische Basis, sicherten sich in den folgenden Jahren aber die Markenrechte am Namen Razer.

Die Neugründung 2005: Aus einer Pleite wird eine Marke

2005 gründeten Min-Liang Tan und Robert Krakoff mit finanzieller Unterstützung des Hongkonger Investors Li Ka-shing sowie der singapurischen Staatsholding Temasek das heutige Unternehmen Razer Inc. neu – diesmal mit doppeltem Hauptsitz in San Diego und Singapur, später verlagert nach Irvine, Kalifornien, und in den Stadtteil one-north in Singapur. Tan, der zuvor als Anwalt am Obersten Gerichtshof von Singapur gearbeitet hatte, übernahm die Rolle als CEO und Creative Director – eine Doppelfunktion, die er bis heute innehat und die seinen prägenden Einfluss auf das Produktdesign der Marke unterstreicht.

Diese doppelte Verankerung in den USA und Singapur erwies sich als strategischer Vorteil: Während der US-Standort den direkten Zugang zum nordamerikanischen Gaming-Markt und zu wichtigen Investoren wie Intel sicherte, öffnete die Präsenz in Singapur der Marke früh Türen zum schnell wachsenden asiatischen Gaming- und Esports-Markt, der insbesondere in Südostasien und China für einen Großteil des späteren Wachstums verantwortlich war. Die Finanzierung in den Jahren nach der Neugründung erfolgte schrittweise über mehrere Venture-Capital-Runden, unter anderem mit Beteiligungen des chinesischen Investmentfonds IDG-Accel und ab 2014 auch von Intel Capital, das Razer bereits zu diesem frühen Zeitpunkt mit rund einer Milliarde US-Dollar bewertete.

Wachstum durch Diversifizierung: Laptops, Software und Razer Gold

In den Folgejahren erweiterte Razer sein Portfolio konsequent über die ursprünglichen Mäuse hinaus. Tastaturen, Headsets und Mauspads kamen ebenso hinzu wie ab 2011 die Razer-Blade-Reihe an Gaming-Laptops, mit der sich das Unternehmen erstmals im Notebook-Segment positionierte und damit direkt in Konkurrenz zu etablierten PC-Herstellern trat, die zuvor kaum spezialisierte Gaming-Notebooks im Programm hatten. Die Blade-Serie positionierte sich dabei bewusst im Premium-Segment mit vergleichsweise schlankem, wenig auffälligem Design – ein Kontrast zum sonst betont auffälligen RGB-Erscheinungsbild der übrigen Produktlinie.

Parallel dazu baute Razer ein Software- und Service-Ökosystem auf: Mit der virtuellen Währung zGold, die später in Razer Gold umbenannt wurde, und einer eigenen Fintech-Sparte erschloss sich das Unternehmen zusätzliche Erlösquellen jenseits des klassischen Hardware-Verkaufs. Razer Gold funktioniert dabei ähnlich wie andere digitale Guthaben-Systeme und lässt sich für den Kauf von Spielen, In-Game-Käufen und Abonnements bei zahlreichen Partnern einlösen – ein Geschäftsmodell, das kein anderer großer Gaming-Peripherie-Hersteller in dieser Form verfolgte und das Razer strukturell näher an Zahlungsdienstleister als an klassische Hardware-Konkurrenten wie SteelSeries oder Corsair rückte.

Übernahmen für die mobile Zukunft: Ouya und Nextbit

Um die Jahre 2016/17 versuchte Razer, seine Marke auch im Mobile-Gaming-Segment zu etablieren. Dafür übernahm das Unternehmen den Smartphone-Hersteller Nextbit für rund 15 Millionen US-Dollar sowie die Marke und Technologie des gescheiterten Android-Mikrokonsolen-Herstellers Ouya, der zuvor mit einer erfolgreichen Crowdfunding-Kampagne, aber letztlich enttäuschenden Verkaufszahlen für Aufsehen gesorgt hatte. Beide Zukäufe legten den Grundstein für das eigene Razer Phone, ein auf Gamer zugeschnittenes Smartphone mit hoher Bildwiederholrate, das Razer kurz nach seinem Börsengang auf den Markt brachte.

Das Mobile-Geschäft blieb im Vergleich zum Kerngeschäft mit PC-Peripherie zwar ein Nischenprodukt und wurde in den Folgejahren deutlich zurückgefahren, unterstrich aber den Anspruch, Gamer über möglichst viele Geräteklassen hinweg zu bedienen – ein Muster, das sich auch bei der parallelen Entwicklung von Razer Gold und den Fintech-Angeboten des Unternehmens wiederholte: Statt sich auf ein einzelnes Produktsegment zu beschränken, verfolgte Razer wiederholt die Strategie, sein Gamer-Ökosystem in möglichst viele angrenzende Bereiche auszudehnen.

Börsengang in Hongkong 2017: Der erste Esports-Börsenstar

Im November 2017 wagte Razer als nach eigenen Angaben erster "Esports-Konzeptwert" den Sprung an die Hongkonger Börse. Der Börsengang brachte rund 500 bis 530 Millionen US-Dollar ein und bewertete das Unternehmen mit etwa 4,5 bis 5 Milliarden US-Dollar. Am ersten Handelstag schoss die Aktie zeitweise um mehr als 40 Prozent nach oben und schloss letztlich 18 Prozent über dem Ausgabepreis – ein für Hongkonger Verhältnisse außergewöhnlich starkes Debüt, das auch von einem allgemeinen Boom bei Technologie-Börsengängen in der Region getragen wurde. Die Nachfrage von Privatanlegern war dabei enorm: Der auf Kleinanleger entfallende Teil des Angebots war nach Unternehmensangaben mehr als 290-fach überzeichnet.

Zu den frühen Investoren zählten neben Li Ka-shing auch der Chip-Konzern Intel und der taiwanesische Elektronikfertiger Foxconn sowie der singapurische Staatsfonds GIC. Ein Teil der Erlöse aus dem Börsengang floss laut damaliger Planung in die Weiterentwicklung des Gaming- und Digital-Entertainment-Geschäfts, ein weiterer erheblicher Anteil war für zukünftige Übernahmen vorgesehen – ein Hinweis darauf, dass Razer bereits zum Zeitpunkt des Börsengangs eine aktive Rolle als Käufer in der Branche einnehmen wollte.

Rückzug von der Börse: Der Weg zurück in die Privatisierung

Nur wenige Jahre nach dem gefeierten Börsengang zeichnete sich eine Kehrtwende ab. Ende 2021 kündigten Min-Liang Tan und der nicht-geschäftsführende Direktor Kaling Lim gemeinsam mit dem Finanzinvestor CVC Capital Partners an, das Unternehmen wieder von der Börse zu nehmen. Als Begründung nannte das Management, dass Razer als börsennotiertes Unternehmen in seiner strategischen Flexibilität eingeschränkt sei, insbesondere für risikoreichere Investitionen in die wachsenden, aber noch unprofitablen Software- und Fintech-Sparten. Zur Einordnung: Im ersten Halbjahr 2021 erwirtschaftete Razer einen Rekordumsatz von 752 Millionen US-Dollar, wovon der weit überwiegende Teil (rund 677 Millionen US-Dollar) weiterhin auf das Hardware-Geschäft entfiel, während die deutlich margenstärkeren, aber noch kleineren Bereiche Razer Gold, Fintech und Software zusammen nur rund 75 Millionen US-Dollar beisteuerten. Genau in diesem Missverhältnis zwischen etabliertem Hardware-Geschäft und den strategisch wichtigen, aber noch jungen Wachstumsfeldern sah das Management den Kern des Bewertungsproblems an der Börse.

Hinzu kam die Einschätzung, dass Razer an der Hongkonger Börse chronisch unterbewertet sei, da Anleger dort mehrheitlich auf chinesische Festland-Technologiewerte fokussiert waren statt auf ein in den USA verwurzeltes Gaming-Unternehmen. Im April 2022 stimmten 94,74 Prozent der Aktionäre der Privatisierung zu, die das Unternehmen mit rund 3,17 Milliarden US-Dollar bewertete – deutlich unter der Bewertung des Börsengangs fünf Jahre zuvor und ein Rückgang, der auch den allgemeinen Kursverfall der Aktie seit ihrem Debüt widerspiegelte. Am 13. Mai 2022 wurde Razer offiziell von der Hongkonger Börse genommen. Spekulationen über ein mögliches späteres Listing an einer US-Börse, wo Technologieunternehmen tendenziell höher bewertet werden, haben sich bislang nicht konkretisiert.

Razer heute: Zahlen, Struktur und Produkte

Razer ist heute als privat gehaltenes Unternehmen weiterhin dual in Singapur und im kalifornischen Irvine verankert und beschäftigt rund 1.600 Mitarbeitende. Das Produktportfolio reicht von den ursprünglichen Mäusen und Tastaturen über Headsets, Mauspads und Gaming-Stühle bis zu den Razer-Blade-Laptops. Ergänzt wird das Hardware-Geschäft durch die Software-Suite Razer Synapse zur Geräte-Konfiguration, das Signature-Beleuchtungssystem Razer Chroma sowie die Fintech- und Zahlungssparte rund um Razer Gold, die inzwischen ein eigenständiges Geschäftsfeld neben dem Hardware-Verkauf bildet.

Anders als bei börsennotierten Wettbewerbern veröffentlicht Razer als privates Unternehmen keine regelmäßigen, öffentlich einsehbaren Quartalszahlen mehr. Die zuletzt vor der Privatisierung bekannten Werte – ein Jahresumsatz von rund 1,6 Milliarden US-Dollar für 2021 sowie deutlich zweistellige Wachstumsraten in den Software- und Fintech-Sparten – geben allerdings eine Vorstellung von der Größenordnung, in der das Unternehmen operiert, auch wenn aktuellere, verifizierbare Zahlen seit dem Rückzug von der Börse öffentlich nicht mehr zugänglich sind.

Einordnung: Razer im Wettbewerbsumfeld

Im direkten Vergleich mit SteelSeries und Logitech fällt vor allem Razers durchgängige Fokussierung auf eine kompromisslose Gamer-Identität auf: Wo SteelSeries stärker auf Audioqualität und Esports-Nähe setzt und Logitech ein breites Büro- und Gaming-Portfolio parallel bedient, hat Razer seine gesamte Markenästhetik – vom charakteristischen Schlangenlogo bis zur durchgängigen RGB-Beleuchtung – konsequent auf eine sichtbare, unverwechselbare Gamer-Identität ausgerichtet. Diese Positionierung hat Razer zu einer der bekanntesten Marken im Gaming-Peripherie-Markt gemacht, brachte dem Unternehmen an der Börse aber auch das Problem ein, dass Investoren die Softwaresparten schwerer einzuordnen wussten als das greifbare Hardware-Geschäft der Konkurrenz – ein Faktor, der letztlich mit zur Privatisierung beitrug.

Auffällig ist auch der Kontrast zur Konkurrenz bei der Unternehmensstruktur selbst: Während Logitech als etablierter Schweizer Börsenkonzern zwei Handelsplätze parallel bedient und SteelSeries seit der Übernahme durch GN Store Nord Teil eines größeren Audio-Konzerns ist, hat sich Razer bewusst gegen einen dauerhaften Börsenstatus entschieden und operiert heute wieder als privat kontrolliertes Unternehmen unter der Führung seines Gründers. Diese Entscheidung erlaubt dem Management größere strategische Freiheit bei riskanteren Investitionen, nimmt der Öffentlichkeit aber auch den Einblick in aktuelle Geschäftszahlen, den etwa Logitech als börsennotiertes Unternehmen weiterhin regelmäßig offenlegen muss.

Häufige Fragen zu Razer

Wann wurde Razer gegründet?
Die Marke entstand 1998 als Projekt der Firma Kärna LLC in San Diego. Nach deren Insolvenz im Jahr 2000 gründeten Min-Liang Tan und Robert Krakoff das heutige Unternehmen Razer Inc. im Jahr 2005 neu.

Ist Razer noch börsennotiert?
Nein. Razer ging 2017 an die Hongkonger Börse, wurde aber im Mai 2022 nach einer von den Gründern angeführten Privatisierung wieder von der Börse genommen.

Wer ist der Gründer und CEO von Razer?
Min-Liang Tan ist Mitgründer, Chairman, CEO und Creative Director von Razer und prägt bis heute maßgeblich das Produktdesign des Unternehmens.

Was war das erste Produkt von Razer?
Das erste Produkt war die Razer Boomslang, eine der ersten dediziert für Gamer entwickelten Computermäuse mit für die damalige Zeit außergewöhnlich hoher DPI-Auflösung.

Warum ging Razer wieder von der Börse?
Das Management sah das Unternehmen an der Hongkonger Börse als unterbewertet an und wollte mehr strategische Freiheit für Investitionen in die noch jungen, risikoreicheren Software- und Fintech-Sparten gewinnen, die als börsennotiertes Unternehmen schwerer zu rechtfertigen gewesen wären.

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