Ragebait ist das Jugendwort des Jahres 2026. Das hat der Verlag PONS Langenscheidt am 10. Oktober auf der Frankfurter Buchmesse bekanntgegeben. Der Begriff setzte sich im Finale mit 36,5 Prozent der Stimmen gegen „Peak“ mit 33,8 Prozent und „Crashout“ mit 29,7 Prozent durch. An der Abstimmung beteiligten sich nach Verlagsangaben fast eine Million Jugendliche zwischen 11 und 20 Jahren.
Ragebait lässt sich wörtlich mit „Wut-Köder“ übersetzen und ist an den bekannten Begriff Clickbait angelehnt. Gemeint sind Inhalte in sozialen Netzwerken, die gezielt Ärger oder Empörung auslösen sollen, etwa durch Provokationen, absurde Meinungen oder Falschbehauptungen. Das Kalkül dahinter ist simpel: Wütende Reaktionen bringen Kommentare, Likes und damit Reichweite, die Algorithmen der Plattformen belohnen genau das. Was hinter dem Phänomen steckt und warum es so gut funktioniert, erklären wir ausführlich in unserem Artikel Ragebait erklärt.
Laut Artur Raiser von PONS Langenscheidt lag Ragebait von Beginn an leicht vorne, der Ausgang sei aber bis zuletzt offen gewesen. Das knappe Ergebnis zeige, dass alle drei Finalisten fest im Wortschatz der Generationen Z und Alpha verankert seien. Der Hamburger Sprachforscher Jannis Androutsopoulos ordnet ein, dass der Begriff längst über seinen Social-Media-Ursprung hinausgehe. Jugendliche nutzen ihn auch im Alltag, etwa wenn jemand gezielt die eigenen Eltern provoziert. Erst wenn ein Wort sein ursprüngliches Themenfeld verlasse, könne man von echter Jugendsprache sprechen.
Gerade in der Gaming-Welt ist Ragebait seit Jahren ein vertrautes Phänomen. Provokante Thumbnails und Videotitel, absichtlich überspitzte Spielkritiken oder Clips, die nur darauf ausgelegt sind, Fan-Lager gegeneinander aufzubringen, gehören auf YouTube, TikTok und Twitch zum Alltag. Auch im Spiel selbst kennt man das Prinzip, wenn Mitspieler andere gezielt reizen, um sie aus dem Konzept zu bringen.
Auch international hat der Begriff Karriere gemacht: Bereits Ende 2025 hatte Oxford University Press „rage bait“ zum englischen Wort des Jahres gekürt. Im Vorjahr ging der deutsche Titel noch an „Das crazy“, eine Reaktion, wenn einem die Worte fehlen. Die beiden unterlegenen Finalisten des aktuellen Jahrgangs stehen für sehr unterschiedliche Stimmungen: „Peak“ beschreibt etwas, das kaum zu übertreffen ist, „Crashout“ bedeutet, komplett die Fassung zu verlieren.
Das Jugendwort des Jahres wird seit 2008 vergeben, seit 2020 entscheiden Jugendliche selbst in einem mehrstufigen Online-Voting über Top 10, Finale und Sieger.
Quelle: PONS Langenscheidt
