Fast drei Jahre nach dem Release von Baldur’s Gate 3 reißt die Debatte um einen möglichen vierten Teil nicht ab – obwohl Entwickler Larian selbst längst klargestellt hat, dass man kein „Baldur’s Gate 4“ plant. Jetzt hat sich ein Veteran der Reihe zu Wort gemeldet und einen konkreten Weg vorgeschlagen, wie ein Nachfolger trotzdem entstehen könnte.
Mark Darrahs Vorschlag: Der „Fallout: New Vegas“-Weg
Mark Darrah, der als Programmierer am allerersten Baldur’s Gate mitwirkte und später als Producer die Dragon-Age-Reihe bei BioWare leitete, sieht im Erfolgsmodell von Obsidians Fallout: New Vegas eine Blaupause. Dort hatte ein anderes Studio als der Original-Entwickler die Bethesda-Engine lizenziert und einen eigenständigen, hoch angesehenen Ableger geliefert. Übertragen auf Baldur’s Gate 4 bedeutet das laut Darrah: Rechteinhaber Hasbro und Wizards of the Coast müssten Larians Divinity Engine lizenzieren und ein erfahrenes Rollenspiel-Team damit arbeiten lassen – im Grunde ein „überdimensioniertes Erweiterungspaket“ für Baldur’s Gate 3, das dann als vierter Teil vermarktet wird.
Warum ein komplett neues Team riskant wäre
Darrah begründet seinen Vorschlag mit einem Blick auf die eigene Branchenerfahrung: Ein neues Studio mit neuer Engine könnte zwar technisch aufrüsten, würde nach seiner Einschätzung aber zwangsläufig Features verlieren, die Fans an Baldur’s Gate 3 zu schätzen gelernt haben – selbst wenn diese im Einzelfall kaum genutzt wurden. Er vergleicht das mit jährlichen Sportspiel-Reihen, bei denen große Technik- und Team-Wechsel selten das gesamte bisherige Spielgefühl bewahren.
Larian winkt weiterhin ab, Hasbro sucht trotzdem
Larian-Chef Swen Vincke hatte bereits 2024 unmissverständlich klargestellt, dass weder neue Erweiterungen noch ein viertes Baldur’s Gate von seinem Studio kommen werden – man wolle sich neuen Projekten widmen. Offenbar hat Hasbro daraufhin bei anderen Branchengrößen angeklopft: Baldur’s-Gate-2-Co-Lead-Designer James Ohlen bestätigte, dass er für eine mögliche Fortführung kontaktiert wurde, lehnte aber ab. Sein Grund: Er wollte nicht offen gegen den immensen Erfolg von Baldur’s Gate 3 antreten.
Einordnung
Ob Hasbro und Wizards of the Coast tatsächlich auf eine Engine-Lizenzierung setzen, ist bislang reine Spekulation – offizielle Pläne für ein Baldur’s Gate 4 gibt es weiterhin nicht. Auffällig ist aber, wie viele Branchengrößen inzwischen öffentlich über mögliche Wege nachdenken, während sich sowohl Larian als auch bislang angefragte Alt-Entwickler zurückhaltend zeigen. Für Fans der D&D-Welt, auf der die Reihe basiert, dürfte das Warten damit vorerst weitergehen.