physische Disc

Disc-Aus bei Sony: Sega und Ubisoft positionieren sich gegensätzlich

Während Spieler mit der #PSBlackout-Protestwoche gerade konkret gegen Sonys Disc-Aus mobilmachen, positionieren sich auch große Publisher und Branchenstimmen zunehmend zu dem Thema – und die Töne könnten unterschiedlicher kaum sein. Zwischen entspannter Gelassenheit und offener Sorge um die eigene physische Fanbasis liegt gerade ein ganzes Meinungsspektrum.

Ubisoft: „Wird die Branche kaum stören“

Ubisoft-Chef Yves Guillemot hatte sich bereits entspannt gezeigt und Sonys Schritt in einem Investoren-Call zu den Q1-Zahlen als überschaubares Ereignis eingeordnet. Sein zentrales Argument: Der PC-Markt zeige seit Jahren, dass ein rein digitales Modell dem Wachstum eher helfe als schade, unter anderem weil physische Editionen dort ohnehin kaum noch eine Rolle spielen. Zusätzlich verweist Guillemot auf einen wirtschaftlichen Nebeneffekt, der bei der öffentlichen Debatte oft untergeht: Wegfallende Kosten für Disc-Produktion und Laufwerke in der Hardware könnten mittelfristig günstigere Konsolen ermöglichen – ein Punkt, der aus Herstellersicht durchaus für die Entscheidung spricht.

Sega: Digital ja, aber ohne die Kultur der Discs zu beerdigen

Sega-Präsident Shuji Utsumi hat sich im japanischen Magazin Famitsu deutlich vorsichtiger positioniert. Er bestätigt zwar, dass die Verschiebung hin zu digitalen Vollpreistiteln für PC und Konsolen strategisch wichtig sei, gerade weil der Anteil an PC-Spielern auch in Märkten wächst, in denen Konsolen traditionell dominieren. Gleichzeitig betont er aber ausdrücklich, dass Sega die physische Spielekultur nicht einfach aufgeben möchte. Sega positioniert sich damit bewusst als Mittelweg: den digitalen Ausbau vorantreiben, ohne die physische Schiene komplett zu kappen. Das ist bemerkenswert, weil es zeigt, dass „digital first“ für große Publisher nicht zwangsläufig „digital only“ bedeuten muss – ein Kurs, den Sony mit seiner Entscheidung für PlayStation-Discs nun aber genau in diese Richtung treibt.

Was wirtschaftlich auf dem Spiel steht

Hinter der Debatte steckt mehr als reines Prinzip. Analysten beziffern den globalen Gebrauchtmarkt für physische Spiele auf umgerechnet rund 7,2 Milliarden US-Dollar – ein Geschäft, das mit dem Ende der PlayStation-Disc-Produktion in seiner heutigen Form stark unter Druck geraten dürfte. Ein großer Gebrauchtwaren-Händler warnte bereits öffentlich, dass ohne physische PS5-Spiele die Preise für Konsumenten steigen und die Möglichkeit, Angebote zu vergleichen, spürbar eingeschränkt würde. Nicht alle im Handel sehen das Ende der Disc allerdings als Bedrohung: GameStop-Chef Ryan Cohen zeigt sich öffentlich unbesorgt über die Auswirkungen von Sonys Entscheidung auf das eigene Geschäft – anders als mancher Branchenanalyst, der Ladengeschäften für physische Spiele insgesamt ein Ablaufdatum attestiert.

Weitere Stimmen aus der Branche

Der frühere Nippon-Ichi-Chef Sohei Niikawa versteht die Entscheidung zwar aus rein wirtschaftlicher Sicht, hält physische Editionen für Fans aber weiterhin für sehr wichtig. Pointiert bringt er es auf den Punkt: Wer schon die physischen Kopien abschaffe, könne gleich auch über den Sinn eigener Hardware nachdenken, wenn ohnehin alles rein digital über einen Bildschirm läuft. Aus dem Umfeld der Disgaea-Reihe kam zudem offene Kritik: Sony habe möglicherweise nicht ausreichend bedacht, was physische Editionen gerade langjährigen Sammlern und Fans bedeuten. Ein Branchenanalyst ordnet die Entscheidung wiederum nüchterner ein und sieht sie als überfällige Konsequenz einer Entwicklung, die längst im Gang war: Das Konsolen-Ökosystem sei inzwischen fast vollständig digital, wenn nicht mit der PS6, dann spätestens mit der PS7 wäre der Schritt ohnehin gekommen.

Was das für die Branche bedeutet

Das Bild, das sich abzeichnet, ist gespalten: Große Multiplattform-Publisher wie Ubisoft sehen im digitalen Vollausbau vor allem Chancen und wirtschaftliche Vorteile, während traditionsreichere japanische Studios wie Sega spürbar vorsichtiger auf die eigene physische Fanbasis Rücksicht nehmen. Dazwischen stehen Handelspartner, die um ein milliardenschweres Gebrauchtgeschäft bangen, und Analysten, die das Ganze als längst überfällige Marktbereinigung sehen. Für Sonys ursprüngliche Ankündigung zum Ende der Disc-Produktion ab Januar 2028 bedeutet das: Der Rückhalt in der Branche ist deutlich uneinheitlicher, als es aus Sonys eigener Kommunikation zunächst klang – und der Druck, sowohl von Publisher-Seite als auch von der Spielerbasis über die #PSBlackout-Aktion, dürfte in den kommenden Wochen eher noch zunehmen.

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