Fünf Jahre nach dem ersten Dark Souls und nur ein gutes Jahr nach Bloodborne schickt mich FromSoftware zurück ans erlöschende Feuer. Mit Dark Souls III sitzt Hidetaka Miyazaki wieder selbst auf dem Regiestuhl, nachdem er den zweiten Teil anderen überlassen hatte. Wie das Studio überhaupt zu seinem Ruf gekommen ist, lest ihr in unserem Porträt von FromSoftware. Der dritte Teil baut sichtbar auf den beiden Vorgängern auf, Miyazaki selbst hat ihn im Vorfeld als großen Abschluss der Reihe bezeichnet.
Seit dem 12. April 2016 ist Dark Souls III für PlayStation 4, Xbox One und PC erhältlich. Ich habe mich auf der PS4 durch das Königreich Lothric gekämpft, und zwar mit gleich zwei Charakteren, weil mich interessiert hat, wie stark die Klassenwahl das Spielgefühl verändert. Wer mit dem Begriff Soulslike etwas anfangen kann, weiß ungefähr, was ihn erwartet: viel Frust, noch mehr Tode und dieses ganz besondere Hochgefühl, wenn ein Boss nach dem zehnten Versuch endlich fällt. Ob die Weiterentwicklung gelungen ist, verrate ich euch in diesem Test.
Charaktererstellung und Klassen: Die erste Weichenstellung
Den Anfang macht wie gewohnt der Charaktereditor, und der lässt erstaunlich viel Spielraum. Von den Gesichtszügen über die Gesichtsbemalung bis zur Frisur kann ich meinen Protagonisten ziemlich frei gestalten. Für ein Spiel, in dem man das eigene Gesicht ohnehin meist unter einem Helm versteckt, ist das fast schon Luxus.
Danach steht die deutlich wichtigere Entscheidung an: die Startklasse. Zehn Klassen stehen zur Wahl, vom gut gepanzerten Nahkämpfer bis zum verletzlichen, aber durchschlagskräftigen Zauberwirker. Wie in fast jedem Rollenspiel bestimmt diese Wahl, wie ich das Spiel angehe, und in Dark Souls III manchmal auch, ob ich an einer bestimmten Stelle überhaupt weiterkomme.
Wer gern aus sicherer Entfernung zaubert, spielt ein spürbar anderes Spiel als jemand, der sich mit Schild und Schwert ins Getümmel wirft. Das macht die Wahl spannend, kann sich aber auch rächen, wenn ein Gebiet genau die Schwächen der eigenen Klasse ausnutzt.
Schwierigkeitsgrad: Gnadenlos, aber eine Spur zugänglicher
Der Ruf der Reihe als eine der härtesten der Videospielgeschichte eilt auch dem dritten Teil voraus, und Dark Souls III wird ihm gerecht. Wie stark die Klasse dabei mitspielt, habe ich gleich am ersten Boss gemerkt: Mit meinem Magier bin ich an Iudex Gundyr mehr als fünfmal gescheitert, mit dem Krieger lag er beim ersten Anlauf am Boden.
Kurz darauf drehte sich das Bild. Meinen Krieger nahmen Fernkämpfer reihenweise auseinander, während der Zauberer genau diese Passagen deutlich entspannter meisterte. Die Klassenwahl verändert also tatsächlich die Spielweise.
Leicht wird es dabei mit keiner Klasse, eine Schwierigkeitsauswahl gibt es wie gewohnt nicht. Trotzdem empfinde ich Dark Souls III als etwas zugänglicher als seine Vorgänger. Gerade wer bislang einen Bogen um die Reihe gemacht hat, findet hier einen freundlicheren Einstieg.
Gameplay und Steuerung: Eingängig, bis die Kamera nicht mitspielt
Die wichtigste Frage bleibt natürlich, wie sich das Spiel spielt. Die Steuerung geht erfreulich leicht von der Hand, und die Einführung erklärt alle grundlegenden Mechaniken. Dadurch finde ich schnell in den typischen Rhythmus aus Ausweichen, Blocken und gezielten Angriffen, der die Reihe ausmacht.
Weniger angenehm ist die Kameraführung. Sie wirkt zeitweise wirr, und gerade in engen Räumen macht sie manche Kämpfe schwerer, als sie sein müssten. Wer einmal mit dem Rücken zur Wand stand und plötzlich nur noch Mauerwerk statt Gegner auf dem Bildschirm sah, weiß, was ich meine.
Der Hauptgeschichte lässt sich gut folgen, solange man nicht jedes Detail wissen will. Wer tiefer eintauchen möchte, sollte Lesezeit mitbringen: Viele Hintergründe erzählt Dark Souls III nicht in Zwischensequenzen, sondern über Gegenstandsbeschreibungen und Textfenster. Das Gameplay selbst macht trotzdem großen Spaß, vorausgesetzt, man rechnet mit etlichen Toden.

Grafik und Technik: Starke Atmosphäre, schwache Texturen
Grafisch reißt Dark Souls III keine Bäume aus. Die düstere, oft trostlose Umgebung passt zwar hervorragend zum Setting einer sterbenden Welt und ist stimmig gestaltet. Bei näherem Hinsehen fallen aber immer wieder schwache Texturen auf, die den Gesamteindruck spürbar trüben.
Ärgerlicher sind die Einbrüche der Framerate, mit denen ich auf der PS4 immer wieder zu kämpfen hatte. Was sie genau auslöst, ließ sich nicht eindeutig klären. In einem Spiel, in dem das Timing über Leben und Tod entscheidet, wiegt eine schwankende Bildrate allerdings doppelt schwer. Hier sollte FromSoftware mit einem der nächsten Patches nachbessern.

Sound: Knackige Treffer, wenig Musik
Beim Sound gibt es wenig zu meckern. Die Kampfeffekte klingen je nach Waffe angenehm knackig und geben jedem Treffer Gewicht. Nur manche Zauber des Magiers wirken akustisch etwas dünn und kommen an die Wucht der Nahkampfwaffen nicht heran.
Ein kleinerer Kritikpunkt sind die langen stillen Phasen. Abseits der Bosskämpfe setzt Dark Souls III nur sparsam Hintergrundmusik ein, sodass ich oft nur meine eigenen Schritte und das Klirren der Rüstung höre. Das unterstreicht die einsame Stimmung, hätte für meinen Geschmack stellenweise aber etwas mehr musikalische Untermalung vertragen.
Umfang: Rund 40 Stunden und jede Menge Ausrüstung
Schon die Hauptgeschichte allein würde für ein Spiel dieser Art ausreichen. Nehme ich die Nebenquests dazu, komme ich schnell auf rund 40 Stunden Spielzeit, und der Multiplayer ist da noch gar nicht eingerechnet.
Wie in einem Rollenspiel üblich, gibt es außerdem jede Menge Ausrüstung zu finden, von Waffen über Rüstungsteile bis zu Ringen und Zaubern. Wer verschiedene Builds ausprobieren will, hat reichlich Material und damit gute Gründe für einen zweiten Durchgang.
Multiplayer: Starker Koop, frustrierende Invasionen
Neben dem Solo-Abenteuer lässt sich Dark Souls III auch kooperativ angehen. Bis zu drei Mitspieler kann ich als Phantome in meine Welt holen, für den dritten braucht es allerdings ein spezielles Verbrauchsitem. Neu in der Dark-Souls-Reihe ist das aus Bloodborne bekannte Passwort-System: Wer dasselbe Passwort setzt, findet gezielt die Beschwörungszeichen seiner Freunde. In der Gruppe macht das Spiel noch einmal deutlich mehr Spaß als allein.
Weniger Spaß macht der PvP-Teil. Duelle laufen über Invasionen, bei denen andere Spieler als feindliche Phantome in meine Welt eindringen oder ich in ihre. Eine Lobby, in der ich mir Gegner oder faire Bedingungen aussuchen kann, gibt es nicht. Mit Glück treffe ich auf einen einzelnen Gastgeber ohne Absprachen, mit Pech auf eine eingespielte Gruppe aus Gastgeber und Helfern, die sich koordiniert auf mich stürzt. Dann ist das Duell schnell vorbei.
Für alle, die sich gezielt mit anderen messen wollen, wäre ein faireres Matchmaking oder ein eigener Duellmodus mehr als wünschenswert gewesen. Wer dagegen lieber gemeinsam gegen die Spielwelt antritt, also PvE statt PvP spielt, kommt im Koop voll auf seine Kosten.
Fazit: Der beste Zeitpunkt, in die Reihe einzusteigen
Dark Souls III macht den Einstieg ein Stück leichter als seine Vorgänger, und davon profitieren vor allem Neulinge. An der Grundformel ändert das nichts: Auch hier beißt mein Charakter regelmäßig ins Gras, und jeder Fortschritt will hart erarbeitet sein. Genau das macht aber den Reiz aus, und wer sich darauf einlässt, wird mit einigen der befriedigendsten Momente belohnt, die ein Action-Rollenspiel bieten kann.
Story, Gameplay und Umfang überzeugen, der Koop sorgt für zusätzliche Abwechslung. Die schwachen Texturen, die Framerate-Einbrüche und die zickige Kamera bremsen den Spaß aber immer wieder aus, und das PvP leidet unter fehlender Kontrolle über die Duelle. Trotzdem bleibt genug Spielspaß für etliche Stunden übrig, vorausgesetzt, man kann damit umgehen, dass der eigene Charakter immer mal wieder das Zeitliche segnet.
Gamefinity-Wertung
8,0 / 10
| Pro | Contra |
|---|---|
| Etwas zugänglicherer Einstieg als bei den Vorgängern | Schwache Texturen |
| Klassenwahl verändert die Spielweise spürbar | Framerate-Einbrüche auf der PS4 |
| Eingängige Steuerung und gelungene Einführung | Zeitweise wirre Kameraführung |
| Rund 40 Stunden Spielzeit und viel Ausrüstung | Wenig Hintergrundmusik, manche Zauber klingen dünn |
| Starker Koop mit bis zu drei Mitspielern und Passwort-System | PvP-Invasionen ohne Kontrolle über faire Duelle |
| Knackige Kampfeffekte | Viele Story-Details nur über Textbeschreibungen |
Häufig gestellte Fragen zu Dark Souls III
Ist Dark Souls III auch für Einsteiger geeignet?
Ja, mit Einschränkungen. Dark Souls III bleibt ein sehr forderndes Spiel ohne Schwierigkeitsauswahl, der Einstieg fällt aber etwas leichter als bei den Vorgängern. Eine Einführung erklärt die Grundmechaniken, und über den Koop können sich Neulinge bei schweren Passagen Hilfe von anderen Spielern holen.
Wie lange dauert Dark Souls III?
Mit Nebenquests habe ich rund 40 Stunden gebraucht. Wer sich nur auf die Hauptgeschichte konzentriert, ist schneller durch, wer zusätzlich viel Zeit im Multiplayer verbringt, entsprechend länger.
Kann man Dark Souls III im Koop spielen?
Ja. Bis zu drei Mitspieler lassen sich als Phantome in die eigene Welt beschwören, für den dritten wird ein spezielles Verbrauchsitem benötigt. Über das Passwort-System findet man gezielt die Beschwörungszeichen von Freunden.
Muss ich die Vorgänger kennen, um Dark Souls III zu verstehen?
Nein. Die Geschichte ist eigenständig spielbar, auch wenn es zahlreiche Anspielungen auf die ersten beiden Teile gibt. Wer die Reihe kennt, entdeckt mehr Querverbindungen, nötig ist das für den Spielspaß aber nicht.
Für welche Plattformen ist Dark Souls III erschienen?
Dark Souls III ist seit dem 12. April 2016 für PlayStation 4, Xbox One und PC erhältlich. Getestet habe ich die PS4-Version.
Meta-Infos
Entwickler: FromSoftware
Publisher: Bandai Namco Entertainment
Plattform (getestet): PlayStation 4
Weitere Plattformen: Xbox One, PC
Genre: Action-Rollenspiel
Release: 12. April 2016