Kaum ein Studio hat das Spielen am PC so geprägt wie id Software. Die kleine Firma aus Texas machte mit Wolfenstein 3D und Doom den Ego-Shooter zum Massenphänomen, brachte mit Quake echtes 3D und Online-Multiplayer auf den PC und verkaufte ihre Engines an die halbe Branche. Hinter den Spielen stand ein Team um den Programmierer John Carmack, dessen technische Ideen die Grafik von Computerspielen über Jahrzehnte beeinflusst haben. Heute gehört id Software zu Microsoft, hat mit Doom: The Dark Ages 2025 den erfolgreichsten Start seiner Geschichte gefeiert und im Sommer 2026 einen harten Einschnitt erlebt. Dieser Artikel erzählt die Geschichte des Studios von den Anfängen bis heute.
id Software im Überblick
| Gegründet | 1. Februar 1991 in Shreveport, Louisiana |
| Gründer | John Carmack, John Romero, Tom Hall, Adrian Carmack |
| Sitz | Richardson, Texas (seit 2011, davor Mesquite), dazu ein Standort in Frankfurt am Main |
| Eigentümer | ZeniMax Media (seit 2009), damit seit 2021 Teil von Microsoft |
| Bekannte Reihen | Commander Keen, Wolfenstein 3D, Doom, Quake, Rage |
| Engine | id Tech (aktuell id Tech 8) |
| Studioleitung | Marty Stratton und Hugo Martin |
Von Softdisk zur eigenen Firma: Die Anfänge
Die Geschichte von id Software beginnt bei Softdisk, einem Verlag aus Shreveport, der Software im Abo-Modell auf Disketten verschickte. Dort arbeiteten John Carmack, John Romero, Tom Hall und Adrian Carmack (mit John nicht verwandt) Ende der Achtzigerjahre an kleinen Spielen. Carmack gelang dabei ein technisches Kunststück: Mit einer Technik namens Adaptive Tile Refresh konnte er auf gewöhnlichen PCs flüssig seitwärts scrollende Welten darstellen, wie man sie bis dahin nur von Konsolen kannte. Als Beweis baute das Team das erste Level von Super Mario Bros. 3 für den PC nach und bot es Nintendo an. Nintendo lehnte ab, das Team machte trotzdem weiter.
Aus der Technik wurde Commander Keen. Die erste Episode erschien im Dezember 1990 über den Publisher Apogee als Shareware: Die erste Folge gab es kostenlos, die weiteren mussten gekauft werden. Das Modell funktionierte so gut, dass die vier am 1. Februar 1991 ihre eigene Firma gründeten. Der Name geht auf den Arbeitstitel „Ideas from the Deep“ zurück und spielt zugleich auf Sigmund Freuds „Es“ an, im Englischen „id“. Nach kurzen Stationen in Shreveport und Madison, Wisconsin, zog das Team im April 1992 nach Mesquite in Texas.
Wolfenstein 3D: Der Durchbruch 1992
Nach mehreren Keen-Episoden wandte sich id der dritten Dimension zu. Wolfenstein 3D erschien am 5. Mai 1992, wieder über Apogee als Shareware. Das Spiel griff das Szenario des Stealth-Klassikers Castle Wolfenstein von 1981 auf: Der Spieler flieht als B. J. Blazkowicz aus einer Nazi-Festung. Neu war die Perspektive. Mit der sogenannten Raycasting-Technik berechnete Carmacks Engine aus einer zweidimensionalen Karte in Echtzeit eine räumlich wirkende Ansicht, schnell genug für damalige PCs.
Wolfenstein 3D gilt heute als der Titel, der die Ego-Perspektive als eigenes Genre etablierte. Wie sich das daraus entstandene Genre entwickelt hat, erklären wir im Artikel über Shooter, die ganze Geschichte der Reihe bis zu den modernen Teilen von MachineGames steht in unserer Geschichte der Wolfenstein-Reihe.
Doom: Das Spiel, das eine Epoche prägte
Am 10. Dezember 1993 veröffentlichte id Software Doom, diesmal im Eigenvertrieb. Die erste Episode ging als Shareware über einen FTP-Server der University of Wisconsin online, der unter dem Ansturm prompt zusammenbrach. Doom war in fast jeder Hinsicht ein Sprung nach vorn: unterschiedlich hohe Räume, Treppen, Lichtstimmungen und Außenbereiche, dazu eine düstere Mischung aus Science-Fiction und Horror. Technische Grundlage war die Binary Space Partitioning, mit der die Engine Levels so zerlegte, dass sie blitzschnell gezeichnet werden konnten.
Fast noch wichtiger waren zwei andere Neuerungen. Über das lokale Netzwerk konnten mehrere Spieler gegeneinander antreten, der Begriff „Deathmatch“ stammt aus dieser Zeit. Und id legte die Spieldaten in separaten WAD-Dateien ab, die Fans mit eigenen Werkzeugen verändern konnten. Daraus entstand eine riesige Szene aus selbst gebauten Levels und kompletten Umbauten, die bis heute lebt. Wie diese Kultur funktioniert, erklären wir unter Modding und Total Conversions.
Doom II: Hell on Earth folgte im Herbst 1994, nun im regulären Handel. Doom wurde auf nahezu jede Plattform portiert und zum Symbol einer ganzen Ära. Die Entwicklung der Reihe von 1993 bis heute beschreibt unsere Geschichte der Doom-Reihe. Intern gab es aber schon früh Spannungen: Tom Hall, dessen Ideen für Doom zu großen Teilen verworfen wurden, verließ die Firma im August 1993.
Quake: Echtes 3D, Internet und E-Sport
Mit Quake ging id im Juni 1996 den nächsten Schritt. Die Engine stellte Welten und Gegner erstmals vollständig aus Polygonen dar, Spieler konnten sich frei in drei Dimensionen umsehen. Mit dem Update QuakeWorld wurde Ende 1996 das Spielen über das Internet deutlich flüssiger, was Quake zu einem Wegbereiter des Online-Multiplayers machte. 1997 gewann Dennis „Thresh“ Fong beim Turnier Red Annihilation den Ferrari von John Carmack, ein Moment, der heute gern als früher Meilenstein des E-Sports genannt wird.
Die Entwicklung von Quake hatte das Team jedoch zermürbt. John Romero, der das Spieldesign prägte und sich mit Carmack über die Ausrichtung überworfen hatte, verließ id im August 1996. Quake II (1997) setzte auf eine durchgehende Science-Fiction-Kampagne, Quake III Arena (1999) verzichtete fast ganz auf eine Geschichte und konzentrierte sich auf schnelle Mehrspielergefechte. Damit wurde es zum Referenztitel eines ganzen Subgenres, das wir im Artikel zum Arena-Shooter erklären.
id Tech: Engines als zweites Standbein
Schon früh verdiente id nicht nur mit eigenen Spielen, sondern auch mit Lizenzen für seine Technik. Andere Studios bauten ihre Spiele auf den id-Engines auf, die später unter dem Namen id Tech zusammengefasst wurden. Die bekanntesten Beispiele: Valve entwickelte für Half-Life die GoldSrc-Engine, eine stark umgebaute Version der Quake-Technik. Auf id Tech 3, der Engine von Quake III Arena, liefen unter anderem Return to Castle Wolfenstein, Medal of Honor: Allied Assault, Star Wars Jedi Knight II und das erste Call of Duty von 2003. Was eine Engine ist und warum Studios sie lizenzieren, erklärt unser Artikel zur Game Engine.
Ungewöhnlich war Carmacks Umgang mit dem Quellcode. Er veröffentlichte den Code älterer Engines regelmäßig unter der freien GNU General Public License, sobald sie wirtschaftlich keine Rolle mehr spielten. Der Code von id Tech 3 etwa wurde am 19. August 2005 freigegeben. Dadurch entstanden unzählige Fan-Portierungen, Doom läuft heute auf Taschenrechnern, Druckern und Kühlschränken. 2007 und 2008 erhielt id Software für seine 3D-Technik und das modifizierbare Quake zwei Technik-Emmys.
Die schwierigen 2000er: Doom 3, Rage und ZeniMax
Im neuen Jahrtausend wurde es ruhiger um das Studio. Doom 3 erschien im August 2004 und setzte mit dynamischen Schatten technische Maßstäbe, war aber langsamer und stärker auf Horror ausgelegt als die Vorgänger, was nicht alle Fans überzeugte. 2005 musste Mitgründer Adrian Carmack das Studio verlassen. Die Produktionen wurden größer, die Zyklen länger.
Am 24. Juni 2009 übernahm ZeniMax Media, der Mutterkonzern von Bethesda, das Studio. id Software wurde damit zum Schwesterstudio von Bethesda Game Studios, Bethesda übernahm den Vertrieb der id-Spiele. 2011 zog id nach Richardson um und veröffentlichte Rage auf Basis von id Tech 5. Das Endzeit-Spiel überzeugte technisch mit seinen riesigen Texturen, blieb aber hinter den Erwartungen zurück.
Carmacks Abschied und der Neustart mit Doom
2013 verlor id seine prägendsten Köpfe. Im Juni ging Studiochef Todd Hollenshead nach 17 Jahren, im November verließ John Carmack die Firma endgültig. Er war bereits als Technikchef zu Oculus VR gewechselt, weil ZeniMax seine Arbeit an Virtual Reality nicht unterstützen wollte. Daraus entstand ein langer Rechtsstreit: ZeniMax warf Oculus die Nutzung von Know-how aus seiner Zeit bei id vor, 2017 sprach eine Jury ZeniMax 500 Millionen US-Dollar zu, Carmack selbst wurde persönlich nicht haftbar gemacht. Später einigten sich die Parteien außergerichtlich.
Ohne ihre Gründer erfand sich id neu. Unter der Leitung von Marty Stratton und Creative Director Hugo Martin erschien am 13. Mai 2016 schlicht Doom: ein Neustart, der auf Tempo, Aggressivität und einen Heavy-Metal-Soundtrack von Mick Gordon setzte. Das Spiel wurde ein großer Erfolg und belebte die Marke wieder. Doom Eternal (2020) baute das Konzept weiter aus. 2015 eröffnete id zudem einen Standort in Frankfurt am Main, der unter anderem an der Weiterentwicklung der id-Tech-Engine arbeitet.
id Software unter Microsoft: The Dark Ages und Entlassungen 2026
Im März 2021 schloss Microsoft die Übernahme von ZeniMax für 7,5 Milliarden US-Dollar ab, seitdem gehört id Software zu Xbox. Gemeinsam mit Nightdive Studios brachte das Studio in den folgenden Jahren überarbeitete Fassungen seiner Klassiker heraus: Quake (2021), Quake II (2023), Doom + Doom II (2024) und Heretic + Hexen (2025), jeweils zur hauseigenen QuakeCon. Worin sich solche Neuauflagen von echten Remakes unterscheiden, erklärt unser Artikel Remaster vs. Remake.
Am 15. Mai 2025 erschien Doom: The Dark Ages auf Basis der neuen Engine id Tech 8. Das mittelalterlich angehauchte Prequel setzte auf wuchtigere, bodenständigere Kämpfe als Doom Eternal und erreichte in der ersten Woche drei Millionen Spieler, auch dank der Verfügbarkeit im Game Pass. Laut id war das der größte Start der Studiogeschichte. Im Februar 2026 feierte das Studio sein 35-jähriges Bestehen, im Juli 2026 erschien die Erweiterung Revelations.
Fast zeitgleich traf das Studio ein harter Einschnitt. Im Zuge der Xbox-Umstrukturierung im Juli 2026 meldete id laut einer offiziellen WARN-Mitteilung an die texanischen Behörden 136 Entlassungen. Berichten zufolge wurden dabei auch frühe Projektideen gestoppt, darunter ein kooperativer Doom-Ableger. Studioleiter Hugo Martin betonte wenig später, das Studio sei so groß wie zur Zeit von Doom (2016) und die Arbeit an id Tech gehe weiter. Im August 2026 erschien zum 30. Geburtstag von Quake eine neue, kostenlose Episode, die id gemeinsam mit MachineGames entwickelt hat. Mehr zu den Hintergründen solcher Einschnitte steht im Artikel über Studioschließungen.
id Software und der deutsche Index
Nur wenige Studios waren in Deutschland so oft von Indizierungen betroffen wie id Software. Wolfenstein 3D wurde 1994 wegen der NS-Symbolik sogar beschlagnahmt und kam erst 2019 frei. Doom stand von 1994 bis 2011 auf dem Index, Quake von 1996 bis 2011 und Quake II von 1997 bis 2019. Quake III Arena wurde im Januar 2000 indiziert, zwei Anträge auf vorzeitige Streichung scheiterten 2012. Erst im November 2024 fiel es nach Ablauf der 25-Jahres-Frist von der Liste. Doom 3 erschien dagegen ungeschnitten mit USK-Kennzeichen „Keine Jugendfreigabe“ und wurde nie indiziert. Wie das Verfahren funktioniert, erklärt unser Artikel Was bedeutet Indizierung?, die spektakulärsten Fälle der deutschen Spielegeschichte haben wir in der Übersicht indizierte Spiele zusammengetragen.
Häufig gestellte Fragen zu id Software
Wer hat id Software gegründet?
id Software wurde am 1. Februar 1991 von John Carmack, John Romero, Tom Hall und Adrian Carmack gegründet. Alle vier hatten zuvor beim Softwareverlag Softdisk in Shreveport, Louisiana, gearbeitet.
Welche Spiele hat id Software entwickelt?
Zu den bekanntesten Spielen gehören Commander Keen, Wolfenstein 3D, die Doom-Reihe von 1993 bis Doom: The Dark Ages (2025), die Quake-Reihe sowie Rage. Viele weitere Spiele nutzten zudem lizenzierte id-Engines.
Wem gehört id Software?
id Software gehört seit 2009 zu ZeniMax Media, dem Mutterkonzern von Bethesda. Mit der Übernahme von ZeniMax im März 2021 wurde das Studio Teil von Microsoft.
Ist John Carmack noch bei id Software?
Nein. John Carmack verließ id Software im November 2013 und wechselte zu Oculus VR. Später gründete er Keen Technologies, ein Unternehmen, das sich mit künstlicher Intelligenz beschäftigt.
Was ist id Tech?
id Tech ist die Sammelbezeichnung für die Engines von id Software. Die aktuelle Version id Tech 8 kam erstmals in Doom: The Dark Ages zum Einsatz. Ältere Versionen sind unter einer freien Lizenz als Quellcode verfügbar.
Wo sitzt id Software?
Der Hauptsitz liegt in Richardson, Texas. Zusätzlich betreibt das Studio seit 2015 einen Standort in Frankfurt am Main.
Fazit
id Software hat den Ego-Shooter nicht allein erfunden, aber kaum jemand hat ihn so stark geprägt. Wolfenstein 3D machte die Perspektive populär, Doom machte sie zum Massenphänomen, Quake brachte echtes 3D und das Internet ins Spiel. Dazu kommen Engines, die Spiele anderer Studios von Half-Life bis Call of Duty angetrieben haben, und eine Modding-Kultur, die bis heute lebt. Nach dem Weggang der Gründer fand das Studio mit Doom (2016) zu alter Stärke zurück. Die Entlassungen von 2026 zeigen aber, dass auch Legenden im Konzern nicht unantastbar sind. Wie es weitergeht, dürfte sich an den nächsten Projekten auf Basis von id Tech 8 entscheiden.
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