Im Jahr 2000 galt Soldier of Fortune als das brutalste Spiel, das es bis dahin gegeben hatte. 26 Trefferzonen pro Gegner, abgetrennte Gliedmaßen, explodierende Köpfe: Der Ego-Shooter von Raven Software machte Gewalt zum Verkaufsargument. In Deutschland landete er im Juli 2000 auf dem Index, und zwar nicht nur in der amerikanischen Originalfassung, sondern auch in der bereits entschärften deutschen Version. Erst im Juni 2025 wurde er gestrichen, nach exakt 25 Jahren. Das Spiel ist damit einer von vielen Titeln, die ein Vierteljahrhundert im Giftschrank verbracht haben.
Doch Soldier of Fortune ist bei Weitem nicht der kurioseste Fall. Da ist das Atari-Spiel, dem Jugendschützer 1984 eine „paramilitärische Ausbildung“ im Kinderzimmer vorwarfen. Da ist der Strategie-Hit, der trotz USK-16-Freigabe wegen des drohenden Irak-Kriegs vom Markt musste. Und da ist der Ego-Shooter, dessen US-Version acht Jahre länger indiziert blieb als die deutsche, weil sich darin zwei Geheimlevel aus einem ganz anderen Spiel versteckten. Wir haben die spektakulärsten Indizierungen der deutschen Spielegeschichte zusammengetragen: die Rekordhalter, die Skandale, die Kuriositäten und die Titel, die bis heute auf der Liste stehen.
Kurz vorweg: Indiziert, beschlagnahmt, folgeindiziert
Um die Fälle einordnen zu können, helfen ein paar Begriffe. Eine Indizierung bedeutet die Aufnahme in die Liste jugendgefährdender Medien, die heute die Bundeszentrale für Kinder- und Jugendmedienschutz (BzKJ) führt. Früher hieß die Behörde Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Schriften (BPjS), später Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien (BPjM). Ein indiziertes Spiel ist nicht verboten: Erwachsene dürfen es kaufen und besitzen, es darf aber weder beworben noch offen ausgestellt oder an Minderjährige abgegeben werden. Wie das Verfahren im Detail abläuft, erklären wir im Artikel Was bedeutet Indizierung?
Eine Stufe härter ist die Beschlagnahme. Sie wird nicht von der Prüfstelle, sondern von einem Gericht angeordnet, wenn ein Spiel gegen das Strafgesetzbuch verstößt, etwa gegen § 131 StGB (Gewaltdarstellung) oder § 86 StGB (Propagandamittel verfassungswidriger Organisationen). Beschlagnahmte Spiele dürfen in Deutschland gar nicht mehr verbreitet werden, auch nicht an Erwachsene.
Entscheidend für die Frage nach den längsten Indizierungen ist die 25-Jahres-Regel: Nach Ablauf von 25 Jahren verliert eine Listenaufnahme ihre Wirkung. Die BzKJ kann dann eine Folgeindizierung aussprechen, wenn sie das Medium weiterhin für jugendgefährdend hält. Umgekehrt können Rechteinhaber jederzeit eine vorzeitige Listenstreichung beantragen. Viele der folgenden Fälle drehen sich genau um diese beiden Wege. Und noch ein Detail ist wichtig: Seit dem 1. April 2003 können Spiele mit regulärer USK-Kennzeichnung grundsätzlich nicht mehr indiziert werden. Die großen Indizierungswellen gehören deshalb vor allem in die Zeit davor, wie auch unser Überblick zur Altersfreigabe bei Videospielen zeigt.
Die Rekordhalter: Diese Spiele standen am längsten auf dem Index
Wer nach den längsten Indizierungen fragt, stößt schnell auf eine Obergrenze: 25 Jahre. Die meisten Klassiker, die nicht vorzeitig gestrichen wurden, flogen genau nach dieser Frist von der Liste. Einige Spiele haben die Marke aber überschritten, entweder weil eine Beschlagnahme die Streichung blockierte oder weil die BzKJ eine Folgeindizierung aussprach. Die folgende Übersicht zeigt die bekanntesten Langzeit-Fälle.
| Spiel | Auf dem Index | Dauer | Status heute |
|---|---|---|---|
| Postal (1997) | seit Juni 1998, folgeindiziert im Mai 2023 | über 28 Jahre | weiterhin indiziert |
| Carmageddon II (1998) | seit Oktober 1999, folgeindiziert 2024 | fast 27 Jahre | Originalfassung weiterhin indiziert |
| Mortal Kombat (1992) | 1994 bis März 2020, zeitweise beschlagnahmt | rund 26 Jahre | gestrichen, USK 18 |
| Mortal Kombat II (1993) | 1994 bis März 2020, zeitweise beschlagnahmt | rund 26 Jahre | gestrichen |
| Wolfenstein 3D (1992) | 1994 bis Oktober 2019, zeitweise beschlagnahmt | über 25 Jahre | gestrichen, USK 16 |
| Castle Wolfenstein (1981) | 1987 bis 2012 | 25 Jahre | gestrichen |
| Raid over Moscow (1984) | August 1985 bis Juli 2010 | 25 Jahre | gestrichen |
| Soldier of Fortune (2000) | Juli 2000 bis Juni 2025 | 25 Jahre | gestrichen |
| Return to Castle Wolfenstein (2001) | 2002 bis Februar 2026 | 24 Jahre | vorzeitig gestrichen |
| River Raid (1982) | Dezember 1984 bis Januar 2003 | 18 Jahre | gestrichen, USK 0 |
| Half-Life (1998) | Ende 1998 bis April 2017 | über 18 Jahre | vorzeitig gestrichen |
| Doom (1993) | Mai 1994 bis August 2011 | 17 Jahre | vorzeitig gestrichen, USK 16 |
Der eigentliche Dauerbrenner ist damit nicht einer der berühmten Klassiker, sondern Postal. Der Shooter steht seit 1998 auf der Liste, und weil die BzKJ ihn 2023 folgeindiziert hat, könnte er theoretisch bis 2048 dort bleiben. Bei den Spielen, die inzwischen gestrichen sind, halten Mortal Kombat und Mortal Kombat II mit rund 26 Jahren den Rekord. Beide waren zusätzlich beschlagnahmt, und solange ein Gerichtsbeschluss bestand, konnte die Indizierung nicht einfach auslaufen.
Die spektakulärsten Fälle der deutschen Indizierungsgeschichte
River Raid: Der Anfang von allem
Die Geschichte der Spiele-Indizierung beginnt mit einem Flugzeug über einem Fluss. River Raid, entwickelt von Carol Shaw für Activision und 1982 für das Atari 2600 erschienen, wurde am 19. Dezember 1984 von der BPjS indiziert. Zusammen mit Battlezone und Speed Racer gehört es zu den ersten drei Spielen, die in Deutschland auf den Index kamen. Das beantragende Jugendamt verglich das simple Shoot ’em up mit einer paramilitärischen Ausbildung, die Prüfstelle sah das Spiel als kriegsverherrlichend und befürchtete bei älteren Jugendlichen sogar körperliche Folgen wie Verkrampfung, Aggressivität und Kopfschmerzen.
Aus heutiger Sicht liest sich die Begründung beinahe wie Satire. Carol Shaw selbst erfuhr nach eigener Aussage erst Jahre später von der Indizierung ihres Spiels, zufällig über Wikipedia. Gestrichen wurde River Raid am 31. Januar 2003, nachdem Activision die Streichung beantragt hatte, um das Spiel in einer Klassiker-Sammlung zu veröffentlichen. Heute trägt es die Freigabe USK 0.
Raid over Moscow: Ein Spiel als diplomatischer Zwischenfall
Noch politischer wurde es ein Jahr später. Raid over Moscow von Access Software ließ Spieler auf dem Höhepunkt des Kalten Kriegs sowjetische Atomangriffe abwehren und anschließend das Moskauer Waffenarsenal zerstören. Die BPjS indizierte das Spiel im Sommer 1985 und hielt ausdrücklich fest, dass es die Kriegsverherrlichung nicht mildere, wenn der Spieler für die „richtige“ Seite kämpft. Auch hier befürchteten die Prüfer körperliche und psychische Beschwerden bei Jugendlichen.
Den eigentlichen Skandal löste das Spiel aber in Finnland aus: Dort erreichte die Debatte das Parlament, und die Sowjetunion protestierte offiziell beim finnischen Außenministerium. Die Aufregung dürfte dem Spiel eher genutzt haben. In Deutschland blieb Raid over Moscow volle 25 Jahre auf dem Index und wurde im Juli 2010 automatisch gestrichen.
Wolfenstein 3D: Beschlagnahmt als Propagandamittel
Bei Wolfenstein 3D ging es nicht in erster Linie um Gewalt, sondern um Symbole. Der Shooter von id Software, in dem Spieler als B. J. Blazkowicz aus einer NS-Festung fliehen, wurde im Januar 1994 bundesweit nach § 86 StGB beschlagnahmt, also als Propagandamittel verfassungswidriger Organisationen eingestuft. Kurz darauf folgte die Indizierung. Als die 25-Jahres-Frist im Dezember 2018 ablief, sprach die Prüfstelle eine Folgeindizierung aus, und zwar auf Liste B, weil der Beschlagnahmebeschluss noch bestand.
Die Wende kam 2019. Nachdem die USK seit August 2018 die Sozialadäquanzklausel auch auf Spiele anwendete, hob das Amtsgericht München die Beschlagnahme im August 2019 auf. Damit entfiel die Grundlage der Folgeindizierung, und die BPjM strich das Spiel im Oktober 2019. Anschließend erhielt Wolfenstein 3D eine Freigabe ab 16 Jahren. Wie sich die gesamte Reihe zwischen deutschen Schnittfassungen und internationalen Versionen entwickelt hat, erzählt unsere Geschichte der Wolfenstein-Reihe.
Doom: Acht Jahre länger auf dem Index wegen zweier Geheimlevel
Doom landete im Mai 1994 auf dem Index, Doom II folgte im Dezember 1994. Die Listenstreichung beantragte 2011 der Rechteinhaber ZeniMax. Spannend war der Weg dorthin: Ein Dreiergremium konnte sich im Juli 2011 nicht einigen, also entschied am 4. August 2011 das Zwölfergremium. Einige Mitglieder hielten die Gewalt auch nach heutigen Maßstäben für jugendgefährdend, die Mehrheit sah das anders und erkannte ausdrücklich den historischen Wert des Spiels als Wegbereiter eines ganzen Genres an, nämlich der Shooter. Ende August 2011 erhielten Doom und Doom II eine USK-16-Freigabe.
Eine Fassung blieb jedoch auf der Liste: die US-Version von Doom II. Sie enthielt zwei Geheimlevel mit Inhalten aus Wolfenstein 3D, und weil dieses Spiel noch beschlagnahmt war, konnte auch die US-Fassung nicht gestrichen werden. Erst als Wolfenstein 3D 2019 freikam, fiel im Dezember 2019 auch die letzte Doom-II-Indizierung. Die amerikanische Version stand damit acht Jahre länger auf dem Index als die deutsche. Wie sich die Reihe von 1993 bis heute entwickelt hat, erzählt unsere Geschichte der Doom-Reihe.
Mortal Kombat: Die Reihe mit den meisten Gerichtsbeschlüssen
Keine Spielereihe hat die deutschen Gerichte so beschäftigt wie Mortal Kombat. Die ersten drei Teile wurden nicht nur indiziert, sondern auch nach § 131 StGB beschlagnahmt, der erste Teil 1994 durch das Amtsgericht München. Kurios: Selbst die SNES-Fassung war betroffen, obwohl sie weltweit nur zensiert erschienen war. Erst im Oktober 2019 hob das Landgericht München I die Beschlagnahmen von Mortal Kombat und Mortal Kombat II auf, im März 2020 folgte nach 26 Jahren die Listenstreichung. Mortal Kombat 3 wurde im August 2020 gestrichen.
Besonders zäh war der Fall des Reboots von 2011. Das Spiel erschien in Deutschland gar nicht erst, wurde im Mai 2011 indiziert und später vom Amtsgericht Duisburg beschlagnahmt. Im Januar 2023 hob dasselbe Gericht die Beschlagnahme auf, weil sich die gesellschaftliche Bewertung von Gewaltdarstellungen gewandelt habe. Die Staatsanwaltschaft legte Beschwerde ein, das Landgericht Duisburg wies sie im Juni 2023 zurück. Im Juli 2024 wurde das Spiel schließlich vom Index gestrichen. Seit Mortal Kombat X (2015) erscheinen die neuen Teile problemlos ungeschnitten mit USK-Freigabe, und seit Dezember 2025 gibt es sogar eine Sammlung früherer Index-Titel ganz regulär im deutschen Handel. Die ganze Geschichte der Reihe inklusive der US-Kongressanhörungen erzählt unser Artikel über Mortal Kombat.
Command & Conquer: Generals: Indiziert wegen des Irak-Kriegs
Der vielleicht politischste Fall der jüngeren Geschichte traf ein Strategiespiel. Command & Conquer: Generals war im Februar 2003 gerade zwei Wochen im Handel und trug eine USK-16-Freigabe, als die BPjS es per Eilentscheidung vorläufig indizierte. Den Antrag hatte das Bundesfamilienministerium gestellt. Die Prüfer stießen sich am Realitätsbezug: Die USA, China und eine Terrororganisation führen darin Krieg mit Massenvernichtungswaffen, und das zu einem Zeitpunkt, als der Irak-Krieg unmittelbar bevorstand. Die Indizierung kam nur wenige Wochen, bevor die Reform vom April 2003 genau das unmöglich machte: die Indizierung von Spielen mit USK-Kennzeichen.
Electronic Arts reagierte mit einer stark überarbeiteten deutschen Fassung namens Generäle, in der unter anderem aus Soldaten Cyborgs wurden und reale Bezüge verschwanden. Die Originalfassung wurde erst im September 2013 vorzeitig gestrichen und bekam danach eine Freigabe ab 18 Jahren. Die komplette Entwicklung der Strategiereihe von Westwood bis heute zeichnet unser Artikel zur Geschichte von Command & Conquer nach. Wie solche Schnittfassungen generell einzuordnen sind, erklärt unser Artikel Cut, Uncut und Director’s Cut.
Manhunt: Polizei räumt die Regale
Beschlagnahmen von Spielen waren Anfang der 2000er-Jahre selten geworden. Umso größer war das Aufsehen, als das Amtsgericht München am 19. Juli 2004 die bundesweite Beschlagnahme von Rockstars Manhunt anordnete. In einem Münchener Spieleladen sammelten Polizisten alle vorhandenen Exemplare ein. Das Stealth-Actionspiel, in dem der Spieler als Todeskandidat andere Menschen auf möglichst brutale Weise tötet, war zuvor bereits indiziert worden. 2005 folgte die Einziehung, die die Vernichtung beschlagnahmter Datenträger bedeutet.
An diesem Status hat sich bis heute nichts geändert. Als Sony Manhunt 2016 als PS2-Klassiker für die PlayStation 4 neu veröffentlichte, blieb Deutschland außen vor. Auch Manhunt 2 ist hierzulande nie offiziell erschienen.
Half-Life: Roboter statt Soldaten
Valves Half-Life erschien Ende 1998 zunächst unzensiert in Deutschland und landete kurz darauf auf dem Index. Damals hatte eine USK-Einstufung noch keine rechtliche Schutzwirkung. Die deutsche Neuauflage tauschte menschliche Soldaten gegen Roboter, ließ Aliens nicht mehr bluten und Leichen verschwinden, und angeschossene Wissenschaftler setzten sich einfach kopfschüttelnd auf den Boden. Diese Version war ab 16 Jahren freigegeben. Im April 2017 wurden Half-Life, Half-Life: Source und die Collector’s Edition von Half-Life 2 vorzeitig vom Index gestrichen, nach über 18 Jahren. Nur wenige Tage später bot Valve die ungeschnittene Fassung auch auf Steam in Deutschland an. Mehr zur Reihe um Gordon Freeman steht in unserer Geschichte der Half-Life-Reihe.
Carmageddon: Roboter, Zombies und schwarzes Öl
Kaum eine Reihe steht so sehr für deutsche Zensur-Kreativität wie Carmageddon. Im Rennspiel geht es darum, Gegner zu schrotten oder Passanten zu überfahren. Für viele europäische Länder wurden die Fußgänger durch Zombies mit grünem Blut ersetzt, für Deutschland genügte selbst das nicht: Hier fuhr man im ersten Teil über Roboter, aus denen schwarzes Öl spritzte. In Carmageddon II wurden die Passanten für die deutsche Fassung zu Außerirdischen mit grünem Blut.
Bemerkenswert ist, was 2024 passierte. Die ungeschnittene Fassung von Carmageddon II, indiziert im Oktober 1999, hätte nach 25 Jahren auslaufen können. Stattdessen sprach die BzKJ im Spätsommer 2024 eine Folgeindizierung aus. Damit gehört das Spiel zu den ganz wenigen Titeln, die nach Ablauf der Frist nicht gestrichen wurden. Auch das 2016 erschienene Carmageddon: Max Damage landete 2017 auf dem Index. Die ganze Geschichte der Reihe vom Kultspiel der Neunziger bis zum Kickstarter-Comeback erzählt unser Artikel über Carmageddon.
Left 4 Dead 2: Vom Eilverfahren zur Beschlagnahme
Valves Koop-Shooter Left 4 Dead 2 kam 2009 in Deutschland nur stark geschnitten auf den Markt, selbst die Wunde auf dem Cover wurde entfernt. Die internationale Fassung setzte die BPjM im Dezember 2009 per Eilverfahren vorläufig auf Liste B, also die Liste für Medien, die sie für strafrechtlich bedenklich hält. 2010 und 2013 folgten Beschlagnahmen nach § 131 StGB. Beide Beschlüsse wurden im Februar und Mai 2019 aufgehoben, im Januar 2021 folgte nach einem Antrag von Valve die Listenstreichung. Seitdem ist die unzensierte Fassung mit Freigabe ab 18 Jahren erhältlich.
Dead Island: Gerettet von einem Drittel des Gremiums
Dead Island erschien 2011 gar nicht erst in Deutschland, weil die USK keine Freigabe erteilte. Die Prüfstelle indizierte das Zombie-Spiel im November 2011 zunächst auf Liste B, zwei Monate später wurde es nach erneuter Prüfung auf Liste A umgetragen. Die Streichung im Januar 2019 zeigt, wie knapp solche Entscheidungen ausfallen können: Die Mehrheit des Gremiums hielt das Spiel auch damals noch für verrohend. Weil für eine weitere Indizierung aber eine Zweidrittelmehrheit nötig ist und mehr als ein Drittel dagegen stimmte, wurde dem Antrag stattgegeben. Im April 2019 erschien die Definitive Edition ungeschnitten in Deutschland.
Duke Nukem 3D: Offensichtlich veraltet
Brutal, sexistisch, diskriminierend: Die Liste der Gründe, mit denen die BPjS Duke Nukem 3D 1996 indizierte, war lang. Getroffen wurden die Shareware-Fassung, die Vollversion und später auch das Plutonium Pak mit seinen Bonusleveln. Im Januar 2017 erreichte Gearbox Software die vorzeitige Streichung, rechtzeitig zur 20th Anniversary World Tour Edition, die wegen des enthaltenen Originals ebenfalls als indiziert galt. Die Begründung für die Streichung war denkbar knapp: Das Spiel sei offensichtlich veraltet. Im selben Zug holte Gearbox auch Bulletstorm vom Index.
Soldier of Fortune: Indiziert trotz Zensur
Zurück zum Ausgangspunkt. Soldier of Fortune setzte mit seiner GHOUL-Engine auf ein System aus 26 Trefferzonen, in denen Gegner einzeln verwundet werden konnten. Für Deutschland entfernte Activision die detaillierten Gewalteffekte und benannte sogar alle realen Städte um, um den fiktiven Charakter zu betonen. Genützt hat es nichts: Die BPjS indizierte im Juli 2000 beide Fassungen. Ihre Begründung für die Indizierung der zensierten Version: Mit frei erhältlichen Blut-Patches lasse sich der Originalzustand wiederherstellen.
2009 kam noch die Compilation Lock’n’Load auf den Index, weil sie Soldier of Fortune enthielt. Im Juni 2025 lief die 25-Jahres-Frist ab, eine Folgeindizierung gab es nicht, und alle Fassungen wurden gestrichen. Einem Remaster stünde rechtlich nichts mehr im Weg.
Die Hartnäckigen: Diese Spiele stehen weiterhin auf dem Index
Nicht jeder Klassiker hat es zurück in den regulären Handel geschafft. Einige Titel sind trotz Anträgen oder nach Ablauf der Frist weiterhin indiziert:
- Postal: Schon die USK hatte eine Freigabe abgelehnt, im Juni 1998 folgte die Indizierung. Im Mai 2023 sprach die BzKJ nach Ablauf der 25 Jahre eine Folgeindizierung aus. Auf Steam und GOG ist das Spiel für deutsche Konten nicht verfügbar.
- Postal 2: Seit 2003 indiziert, das Add-on Apocalypse Weekend sogar auf Liste B. Anträge auf vorzeitige Streichung für das Spiel und zwei Erweiterungen lehnte die BzKJ im November 2021 ab.
- Carmageddon II: Die Originalfassung wurde im Spätsommer 2024 folgeindiziert, wie oben beschrieben.
- Dead Rising: Capcoms Zombie-Spiel war indiziert und sogar beschlagnahmt. Die Beschlagnahme ist inzwischen aufgehoben, die Indizierung nicht: Auch einen zweiten Antrag auf Streichung lehnte die BzKJ im Januar 2025 ab. Das Gremium verwies dabei unter anderem auf die positive Darstellung von Schaulustigen, ein Thema, das es angesichts von Gaffern bei Unfällen als hochaktuell ansah.
- Manhunt und Manhunt 2: Weiterhin beschlagnahmt beziehungsweise indiziert, in Deutschland nicht offiziell erhältlich.
- Wolfenstein (2009): Nach der Streichung von Return to Castle Wolfenstein im Februar 2026 der letzte Teil der Reihe, der noch auf der Liste steht.
Die Fälle zeigen, dass die 25-Jahres-Regel kein Automatismus ist. Vor allem Spiele, deren Kern die Gewalt gegen Unbeteiligte ist, haben es bei der BzKJ bis heute schwer.
Was die Fälle über den Wandel des Jugendschutzes verraten
Legt man die Indizierungen nebeneinander, lassen sich drei Phasen erkennen. In den 1980er-Jahren ging es vor allem um Kriegsspiele: River Raid, Raid over Moscow und zahlreiche weitere C64-Titel wurden indiziert, weil sie Krieg angeblich verharmlosten. Die Begründungen sprachen von paramilitärischer Erziehung und körperlichen Beschwerden. Mit Doom, Mortal Kombat und Wolfenstein 3D rückte in den 1990er-Jahren die explizite Gewalt in den Mittelpunkt, dazu kamen erstmals Beschlagnahmen. In den 2000er-Jahren dominierten Einzelfälle mit großer öffentlicher Wirkung, etwa Manhunt, Left 4 Dead 2 oder die politisch motivierte Indizierung von Command & Conquer: Generals, begleitet von der hitzigen Killerspiel-Debatte, die bis heute nachhallt, wie unser Beitrag über die Rückkehr der Ballerspiel-Diskussion zeigt.
Seit etwa 2011 hat sich die Richtung umgekehrt. Heute werden deutlich mehr Spiele gestrichen als neu indiziert. Dafür gibt es mehrere Gründe. Die Reform von 2003 schützt Spiele mit USK-Kennzeichen vor einer Indizierung, und die Sozialadäquanzklausel erlaubt seit 2018 auch NS-Symbole in Spielen, wenn sie der Kunst oder der kritischen Auseinandersetzung dienen. Zudem erkennen die Gremien inzwischen ausdrücklich an, dass sich Sehgewohnheiten und die gesellschaftliche Bewertung von Spielen verändert haben, wie die Begründungen zu Doom und Mortal Kombat zeigen.
Auffällig ist außerdem, dass hinter vielen vorzeitigen Streichungen wirtschaftliche Interessen stehen. Activision wollte River Raid für eine Klassiker-Sammlung nutzen, Gearbox brauchte die Streichung von Duke Nukem 3D für eine Jubiläumsausgabe, und bei Dead Island wurde über einen Zusammenhang mit dem angekündigten Nachfolger spekuliert. Wer ein altes Spiel neu auflegen oder in eine Collection packen will, muss die Altlast der Indizierung loswerden. Deshalb deuten vorzeitige Anträge häufig auf ein kommendes Remaster hin. Wie die Indizierung bei Filmen funktioniert, wo es teils eigene Regeln gibt, erklären wir übrigens im Artikel Indizierung von Filmen.
Häufig gestellte Fragen zu indizierten Spielen
Welches Spiel stand am längsten auf dem Index?
Unter den inzwischen gestrichenen Spielen halten Mortal Kombat und Mortal Kombat II den Rekord: Beide standen von 1994 bis März 2020 auf der Liste, also rund 26 Jahre. Insgesamt am längsten indiziert ist Postal, das seit Juni 1998 auf dem Index steht und 2023 folgeindiziert wurde.
Welches war das erste indizierte Spiel in Deutschland?
River Raid von Activision wurde am 19. Dezember 1984 indiziert und gilt als erstes Spiel auf dem deutschen Index. Zu den ersten drei indizierten Spielen gehören außerdem Battlezone und Speed Racer.
Ist Soldier of Fortune noch indiziert?
Nein. Soldier of Fortune stand seit Juli 2000 auf dem Index, sowohl in der Originalfassung als auch in der zensierten deutschen Version. Im Juni 2025 wurden nach Ablauf der 25-Jahres-Frist alle Fassungen gestrichen.
Was ist eine Folgeindizierung?
Nach 25 Jahren verliert eine Indizierung ihre Wirkung. Hält die BzKJ ein Spiel weiterhin für jugendgefährdend, kann sie es erneut auf die Liste setzen. Das ist bei Spielen selten, betraf aber zum Beispiel Postal im Jahr 2023 und Carmageddon II im Jahr 2024.
Dürfen Erwachsene indizierte Spiele kaufen?
Ja. Eine Indizierung verbietet Werbung, offenes Ausstellen und die Abgabe an Minderjährige, nicht aber den Kauf durch Erwachsene. Anders ist es bei beschlagnahmten Spielen: Sie dürfen in Deutschland überhaupt nicht verbreitet werden.
Wie kommt ein Spiel wieder vom Index?
Entweder läuft die Indizierung nach 25 Jahren aus, sofern keine Folgeindizierung erfolgt, oder der Rechteinhaber beantragt eine vorzeitige Listenstreichung. Bei beschlagnahmten Spielen muss zusätzlich ein Gericht den Beschlagnahmebeschluss aufheben.
Fazit
Die Liste der indizierten Spiele ist ein Spiegel ihrer Zeit. Was 1984 als paramilitärische Erziehung galt, trägt heute die Freigabe USK 0, und Shooter, die einst beschlagnahmt waren, stehen inzwischen mit roter USK-Plakette im Regal. Soldier of Fortune reiht sich in eine lange Reihe von Klassikern ein, die ihre 25 Jahre abgesessen haben. Ganz vorbei ist die Geschichte der Indizierung aber nicht: Postal, Carmageddon II und Dead Rising zeigen, dass die BzKJ bei manchen Titeln auch nach Jahrzehnten keinen Grund für eine Rehabilitierung sieht. Welcher Klassiker als Nächstes fällt, dürfte deshalb weniger vom Kalender abhängen als davon, ob ein Publisher ein Remaster plant.
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