Nintendo hat die Hexe Bayonetta endlich auf die Switch losgelassen, und zwar gleich doppelt. Seit dem 16. Februar 2018 sind beide Teile der Action-Reihe von PlatinumGames auf Nintendos Konsole erhältlich. Besonders spannend sind dabei zwei Fragen: Wie gut sind die Ports gelungen, und hat Nintendo Neuerungen eingebaut?
Ob sich der Kauf auch dann lohnt, wenn ihr die Spiele schon auf einer anderen Konsole gespielt habt, kläre ich in diesem Test. Da beide Teile auch im Bundle angeboten werden, behandle ich sie gemeinsam in einem Artikel, die Einzelwertungen für Teil 1 und Teil 2 findet ihr im Fazit.
Preise und Bundle: Zwei Hexen zum fairen Preis

Im eShop kostet Bayonetta 1 einzeln 29,99 Euro, der zweite Teil 49,99 Euro. Wer beide Spiele kauft, zahlt insgesamt knapp 60 Euro: Habt ihr Teil 1 schon, kostet Teil 2 danach nur noch 30 Euro, umgekehrt sinkt der Preis für Bayonetta 1 auf 10 Euro. Für zwei Action-Titel dieses Kalibers ist das ein sehr faires Angebot.
Bayonetta 1 gibt es dabei nur digital, eine eigene Handelsversion ist nicht geplant. Der Handelsfassung von Bayonetta 2 liegt aber ein Download-Code für den ersten Teil bei, und im Einzelhandel kann das Paket noch etwas günstiger ausfallen.

Bayonetta 1: Die Hexe ohne Gedächtnis
Knapp neun Jahre nach ihrem Debüt kämpft Bayonetta nun auch auf der Switch, und gerade die Möglichkeit, sie unterwegs zu spielen, macht einen großen Teil der Faszination aus. Die Story lässt sich spoilerfrei schnell zusammenfassen: Bayonetta hat ihr Gedächtnis verloren und will ihre Vergangenheit aufdecken, während bizarre Engelskreaturen sie fortwährend aufhalten wollen. Die Kampagne ist in rund zehn Stunden geschafft.
Mit ihren vier Pistolen, zwei in den Händen und zwei an den Absätzen, schnetzelt sich Bayonetta durch unzählige Gegnerhorden und steht Kollegen wie Dante oder Kratos in nichts nach. Im Laufe der Story kommen Peitschen, Krallenhandschuhe und Schwerter hinzu, die sich mit den Schusswaffen kombinieren lassen. Immer wieder gebt ihr Feinden mit Folterattacken den Rest, die per Quick-Time-Event ausgelöst werden und in absurd gigantischen Finishern enden, bei denen Bayonettas Haare als Zentrum ihrer Magie die Hauptrolle spielen.
Unterm Strich ist Bayonetta ein Hack-and-Slash im japanischen Stil, untermalt von J-Pop, Rock und Jazz und bevölkert von herrlich abgedrehten Charakteren. Das klingt nach einem Spiel nur für Fans japanischer Spiele, doch der Spagat zwischen japanischem Flair und westlichen Spielgewohnheiten gelingt gut.
Bayonetta 2: Hübscher, schneller, besser
Hübscher, schneller und besser, das sind die ersten Worte, die einem nach ein paar Minuten in Bayonetta 2 einfallen. Wer kurz vorher noch mit der älteren Bayonetta unterwegs war, bemerkt die Verbesserungen sofort, schließlich erschien der Nachfolger erst 2014 und ist technisch deutlich moderner.
Teil 2 kommt viel detaillierter und farbenfroher daher als sein Vorgänger. Dazu kommen noch spektakulärere Moves, coole Zwischensequenzen und ein noch pompöseres Gegnerdesign.
Grafik und Technik: Fast immer 60 fps
Grafisch wirken beide Teile trotz ihres Alters erstaunlich frisch. Im Handheld-Modus mit 720p fällt kaum auf, dass Bayonetta schon länger auf Konsolen kämpft, auf dem großen Fernseher sieht man beim ersten Teil dagegen das eine oder andere Defizit. Das Bild wirkt trotzdem knackig scharf, und die wenigen matschigen Texturen gehen in den bombastischen Spezialeffekten unter.
Die Bildrate bleibt in beiden Teilen fast immer nahe an 60 fps. In besonders hektischen Kämpfen gibt es gelegentlich kleine Einbrüche, die aber nur auffallen, wenn man gezielt darauf achtet, denn eigentlich ist man vollauf mit Ausweichen und Combos beschäftigt.

In Bayonetta 2 wurden Charaktermodelle, Texturen sowie Licht und Schatten merklich aufpoliert, auch im direkten Vergleich zur Wii-U-Fassung von 2014 fallen Unterschiede auf. Auf dem Fernseher findet man auch hier Grund zur Kritik, im Handheld-Modus sieht das Spiel dagegen einfach zum Anbeißen aus. Beide Teile unterstützen außerdem die Aufnahmefunktion der Switch, sodass ihr Clips von bis zu 30 Sekunden speichern und teilen könnt.

Sound und Lokalisierung: Englisch statt Deutsch
Eine deutsche Sprachausgabe gibt es wie schon beim ersten Release nicht. Ihr wählt zwischen englischer und japanischer Tonspur und könnt deutsche Untertitel zuschalten. Die Musik aus J-Pop, Rock und Jazz trifft sicher nicht jeden Geschmack und wirkt teilweise sehr abgedreht, unterstützt das Gameplay aber ungemein.
In Bayonetta 2 ist mir negativ aufgefallen, dass die deutschen Untertitel sehr oft gar nicht zum gesprochenen englischen Text passen und deutlich mehr Schimpfwörter enthalten. Auch wenn Figuren wie Enzo durchaus viel fluchen, wurde an zu vielen Stellen verschlimmbessert oder gleich eine andere Bedeutung hineingedichtet.
Wer halbwegs Englisch versteht, sollte die Untertitel deshalb einfach abschalten. Die Sprachausgabe ist sehr deutlich, mit Schulenglisch kommt man problemlos mit.

Gameplay und Steuerung: Präzise, aber Pro Controller empfohlen
Die Steuerung ist präzise und anspruchsvoll, schließlich müsst ihr ständig ausweichen und angreifen. HD-Rumble unterstreicht die Attacken, andere Vorgänge wie das Öffnen von Truhen kommen ohne Vibration aus. Spielbar sind beide Teile mit Joy-Cons wie mit Pro Controller, angenehmer für die Hände ist aber klar der Pro Controller, weil die Tasten weiter auseinanderliegen.
Wie schon auf der Wii U gibt es zusätzlich eine Touchscreen-Steuerung, über die man sich im ersten Moment freut, die beim zweiten Blick aber wenig Sinn ergibt. Bayonetta greift dabei automatisch an, und ihr unterstützt sie per Tippen und Wischen, aufwendige Combos sind so aber nicht möglich und die Bewegungen bleiben unpräzise. Das sorgt eher für Frust als für Freude.
Ungünstig ist im ersten Teil das Fehlen einer automatischen Speicherfunktion zwischen den recht langen Kapiteln. Denkt also immer daran, manuell zu speichern, bevor ihr die Session beendet.

Nintendo-Kostüme und Story: Charmante Extras, wirrer Plot
Spielerisch entspricht die Switch-Fassung von Bayonetta 1 den bisherigen Versionen, dafür stehen von Anfang an vier Nintendo-Kostüme bereit, die mehr als nur das Aussehen ändern. Im Peach- und im Daisy-Kostüm krachen beim Spezialangriff Bowsers Fäuste über den Bildschirm, als Samus Aran gibt es Armkanone und klappbares Visier, und als Link schwingt die Hexe das Master-Schwert samt Hylia-Schild, während beim Öffnen von Truhen der bekannte Zelda-Jingle erklingt. Ein nettes Gimmick, auch wenn Bayonettas Original-Outfit schon elegant genug ist.
Die Story ist nicht die beste, der Plot teils verwirrend, und Figuren wie Enzo können echt nerven. Die knackigen, combolastigen Kämpfe und die fantastisch gestalteten Engelsgegner machen Bayonetta trotzdem zum Pflichttitel, zumal das Genre auf der Switch bisher kaum besetzt ist und Konkurrenten wie Devil May Cry oder God of War hier noch fehlen.
Das immer wieder auftretende Backtracking wird den einen oder anderen nerven, stört aber im Grunde wenig, weil man dabei auch ständig kämpft. Ziellos umherlaufen muss man also nicht.

Bayonetta 2: Weniger Backtracking, mehr Tempo
Spielerisch ist der zweite Teil ähnlich zu bewerten wie der Vorgänger, Schwächen wie das Backtracking hat PlatinumGames aber geschickt beseitigt. Statt an alte Orte zurückzukehren, schlendert ihr beim normalen Durchspielen einfach etwas durch die Gassen und sammelt dabei alle verfügbaren Gegenstände ein.
Die Story wurde verbessert, haut aber auch hier niemanden vom Hocker, das Spiel lebt von seinen schnellen und anspruchsvollen Kämpfen. Für eine gute Wertung am Ende eines Abschnitts solltet ihr möglichst keinen Schaden nehmen und lange Combos auf den Bildschirm zaubern. Die Touchscreen-Steuerung ist wieder an Bord und ähnlich sinnvoll wie im ersten Teil, im Koop-Modus lässt sie sich gar nicht erst auswählen.
Umfang: Muspelheim, Koop und Amiibo
Angesichts des fairen Preises von 30 Euro oder im Bundle sogar nur 10 Euro ist der erste Teil ein echter Schnapper. Die Story ist zwar relativ schnell durch, aber ihr könnt eure Wertungen in den einzelnen Kapiteln verbessern und eure Combos perfektionieren.

Bayonetta 2 bietet mit knapp zwölf Stunden eine etwas längere Kampagne und dazu Inhalte, die den Wiederspielwert deutlich anheben. Immer wieder findet ihr Portale nach Muspelheim, wo Herausforderungen mit wechselnden Vorgaben warten: Mal dürft ihr nicht getroffen werden, mal nur während der Hexenzeit Schaden verursachen, mal müsst ihr die Feinde einfach schnell besiegen, und als Belohnung gibt es Verbesserungsgegenstände.
Neu ist der Koop-Modus Tag Climax, in dem ihr euch lokal oder online gemeinsam durch einzelne Abschnitte prügelt. Lokal braucht der Mitspieler allerdings eine eigene Switch samt Spiel, und findet sich niemand, springt die KI ein. Über Wetten lassen sich zusätzliche Heiligenscheine verdienen, die Spielwährung, und dass Teil 2 im Gegensatz zum Vorgänger automatisch speichert, ist allein schon Gold wert.

Anders als im ersten Teil könnt ihr in Bayonetta 2 außerdem Amiibo einsetzen und bis zu 32 Figuren pro Tag scannen, um Währung, Gegenstände und Kostüme freizuschalten. Die Kostüme gibt es auch im normalen Spielverlauf, einen echten Vorteil bringen die Figuren aber bei den Heiligenscheinen. Wer die Konsolenuhr einen Tag vorstellt, kann sogar sofort erneut scannen, das ist noch leichter auszutricksen als in Zelda: Breath of the Wild.
Fazit: Kein plumper Port, sondern ein starkes Paket
Auch wenn die Touchscreen-Steuerung niemanden vom Hocker haut, merkt man beiden Switch-Fassungen an, dass sich hier jemand echte Gedanken gemacht hat, statt nur einen plumpen Port abzuliefern. Das Gameplay ist leicht zu lernen, die Vielfalt der Combos aber hart zu meistern, und genau das macht Spiele dieses Genres aus.
An Bayonetta 2 kommt niemand vorbei, der brachiale Action mag, und der faire Bundle-Preis macht den Einstieg mit Teil 1 leicht. Ich empfehle, zuerst Bayonetta durchzuspielen und dann in den Nachfolger einzusteigen, dessen Koop-Modus auch für kurze Runden zwischendurch taugt. Amiibo-Sammler bekommen endlich einmal einen sinnvollen Vorteil, der Spieler ohne Figuren aber nicht unfair benachteiligt.
Bayonetta 1 kommt bei mir auf 8,4 Punkte, Bayonetta 2 auf 8,6, das Gesamtpaket auf 8,5. Damit gibt es eine klare Kaufempfehlung für alle, die die Hexe noch nicht kennen oder sie endlich unterwegs spielen wollen.
Gamefinity-Wertung
8,5 / 10
Bayonetta 1: 8,4 · Bayonetta 2: 8,6
| Pro | Contra |
|---|---|
| Zwei starke Action-Spiele zum fairen Bundle-Preis | Keine deutsche Sprachausgabe, holprige Untertitel in Teil 2 |
| Spektakuläres, combolastiges Kampfsystem | Touchscreen-Steuerung kaum sinnvoll |
| Fast durchgehend 60 fps, im Handheld-Modus top | Kein automatisches Speichern in Teil 1 |
| Bayonetta 2 mit Muspelheim-Herausforderungen und Koop-Modus Tag Climax | Backtracking und wirrer Plot in Teil 1 |
| Nintendo-Kostüme in Teil 1 von Beginn an | Auf dem Fernseher sichtbare Grafik-Defizite |
| Sinnvoller Amiibo-Support in Teil 2 |
Häufig gestellte Fragen zu Bayonetta 1 + 2
Ist Bayonetta 1 in Bayonetta 2 für die Switch enthalten?
Der Handelsfassung von Bayonetta 2 liegt ein Download-Code für Bayonetta 1 bei. Im eShop lassen sich beide Teile auch einzeln oder günstiger im Doppelpack kaufen, Bayonetta 1 gibt es einzeln nur digital.
Was kosten Bayonetta 1 und 2 im eShop?
Bayonetta 1 kostet einzeln 29,99 Euro, Bayonetta 2 49,99 Euro. Wer beide Teile kauft, zahlt zusammen knapp 60 Euro.
Hat Bayonetta auf der Switch eine deutsche Sprachausgabe?
Nein. Beide Teile bieten englische und japanische Sprachausgabe, deutsche Untertitel lassen sich zuschalten.
Läuft Bayonetta auf der Switch mit 60 fps?
Beide Teile laufen fast durchgehend nahe an 60 fps. In sehr hektischen Kämpfen gibt es gelegentlich kleine Einbrüche, die im Spielfluss kaum auffallen.
Kann man Bayonetta 2 im Koop spielen?
Ja. Im Modus Tag Climax spielt ihr einzelne Abschnitte lokal oder online zu zweit. Lokal braucht jeder Spieler eine eigene Switch und das Spiel, ohne Mitspieler übernimmt die KI.
Welche Amiibo-Funktionen hat Bayonetta 2?
Pro Tag lassen sich bis zu 32 Amiibo scannen, um Heiligenscheine, Gegenstände und Kostüme freizuschalten. Bayonetta 1 unterstützt keine Amiibo.
Meta-Infos
Entwickler: PlatinumGames
Publisher: Nintendo
Plattform (getestet): Nintendo Switch
Genre: Action, Hack and Slay
Release (Switch): 16. Februar 2018
