Sieben Jahre nach den Ereignissen im Oldest House kehrt Remedy mit Control Resonant zurück, und zwar mit einem ziemlich radikalen Umbau. Statt Jesse Faden steht ihr Bruder Dylan im Mittelpunkt, statt der Dienstwaffe gibt es eine formwandelnde Nahkampfwaffe, und statt der brutalistischen Flure des FBC wartet ein komplett verzerrtes Manhattan. Mich hat der erste Teil damals richtig geflasht, bis auf die deutsche Synchronstimme von Jesse hatte ich nicht wirklich etwas zu bemängeln. Entsprechend hoch waren meine Erwartungen an den Nachfolger, der seit dem 24. September 2026 digital und seit dem 15. Oktober auch auf Disc für PS5, Xbox Series X|S und PC erhältlich ist. Ich habe das Spiel auf der PS5 Pro gespielt, mit Patch 1.4.1. Hier ist mein Test.
Story & Atmosphäre
Die Zischer haben das Oldest House verlassen und sich in Manhattan ausgebreitet. Gemeinsam mit dem Mold und einer neuen, rätselhaften Kraft, der Resonanz, verwandeln sie die Stadt in einen Ort, an dem die Physik nur noch ein grober Vorschlag ist. Jesse ist verschwunden, und so muss Dylan eine Rolle übernehmen, auf die er nicht vorbereitet ist. Er arbeitet widerwillig mit dem FBC zusammen, dessen Überlebende ihm wegen seiner Vergangenheit unter dem Einfluss der Hiss alles andere als trauen. Neu an seiner Seite ist unter anderem Zoe De Vera.
Dylan braucht ein bisschen, um bei mir anzukommen. Nach Jesse wirkt der Wechsel zunächst ungewohnt, aber mit der Zeit funktioniert er als Hauptfigur echt gut. Die Story ist, wie man es von Remedy erwartet, etwas wirr. Ich würde fast behaupten, dass das Studio vom Strangeheitsfaktor her hier auf aktuellem Höchstniveau angekommen ist. Das macht aber Spaß. Auch wenn mich die Handlung nicht durchgehend flasht, ist sie dauerhaft spannend, und man möchte immer wissen, wie es weitergeht.
Wer den Vorgänger nicht kennt, kann trotzdem einsteigen, denn im Hauptmenü wartet eine Zusammenfassung der bisherigen Geschichte. Mehr Kontext zum Studio und seinem verschachtelten Universum gibt es in unserem Porträt zu Remedy Entertainment.
Die Atmosphäre hat mich nicht ganz so gepackt wie die von Alan Wake 2, das in dieser Hinsicht für mich weiterhin die Messlatte ist. Trotzdem ist auch Control Resonant insgesamt einfach ein Kunstwerk. Remedys hauseigene Northlight-Engine zaubert ein Manhattan auf den Bildschirm, das gleichzeitig vertraut und völlig fremd wirkt, und die Art Direction ist durchweg herausragend.
Kampfsystem & Fertigkeiten
Der größte Bruch mit dem Vorgänger ist das Kampfsystem. Control Resonant ist kein Third-Person-Shooter mehr, sondern ein Action-RPG mit klarem Fokus auf den Nahkampf. Dylans Waffe, die Aberrant, nimmt verschiedene Formen an, etwa Hammer, Klingen oder Sense, und bis zu drei Nahkampfwaffen lassen sich gleichzeitig ausrüsten. Dazu kommen übernatürliche Kräfte, die sich mit den Waffen kombinieren lassen.
Steuerung und Kampfsystem sind ziemlich gelungen. Die Kämpfe sind schnell, wuchtig und belohnen geschicktes Ausweichen und das Wechseln zwischen Waffen und Kräften. Remedy hat sich hier spürbar von klassischen Actionspielen inspirieren lassen, ohne die eigene Handschrift zu verlieren.
Das Fertigkeitenmenü ist am Anfang etwas undurchsichtig. Man muss immer wieder Entscheidungen treffen, welche Talente man freischaltet und wie man seinen Build ausrichtet. Mit der Zeit merkt man aber, dass diese Entscheidungen nicht dauerhaft sind, denn man kann immer wieder etwas zurücksetzen und neu vergeben. Das nimmt viel Druck raus und lädt zum Experimentieren ein.
Der Schwierigkeitsgrad ist nicht ohne. Allerdings hat sich Remedy dafür etwas überlegt: Statt fester Schwierigkeitsgrade gibt es einen Assist-Modus, in dem du einzelne Faktoren an deine Bedürfnisse anpasst. Dazu gehören zum Beispiel erlittener und ausgeteilter Schaden, die Aggressivität der Gegner, das Zeitfenster für perfektes Ausweichen oder die Geschwindigkeit, mit der sich Kräfte aufladen. Der Modus lässt sich jederzeit ein- und ausschalten, über Presets vorkonfigurieren und kann das Spiel auch schwerer machen. Trophäen werden dadurch übrigens nicht gesperrt.

Offene Welt, Erkundung & Rätsel
Statt eines einzelnen Gebäudes erkundest du diesmal große, nichtlineare Sektoren von Manhattan, die sich im Spielverlauf nach und nach öffnen. Die offene Welt ist interessant gestaltet, die Wegfindung aber etwas gewöhnungsbedürftig. Das gilt vor allem, wenn nach und nach die Spezialfähigkeiten für die Fortbewegung dazukommen. Mit Sprints, Doppelsprüngen und Schweben erreicht Dylan später Bereiche, die vorher unerreichbar waren, und das Spiel erwartet, dass man diese Möglichkeiten auch konsequent einsetzt.
Abseits der Hauptgeschichte gibt es zahlreiche Nebenaufträge, Weltereignisse und Herausforderungen. Viele dieser Nebenaufträge sind stimmig gestaltet und erzählen kleine, oft herrlich schräge Geschichten, die gut zur Welt passen.
Einige Rätsel sind ziemlich knackig und teilweise strange. Aber das ist halt Remedy. Wer mit dem ersten Teil oder Alan Wake warm geworden ist, weiß ungefähr, was ihn erwartet, und wird sich auch hier über die eine oder andere Kopfnuss freuen.
Technik & Präsentation auf der PS5 Pro
Auf der PS5 Pro bietet Control Resonant drei Modi: einen Leistungsmodus mit 60 Bildern pro Sekunde und PSSR-Upscaling, einen Qualitätsmodus mit 30 Bildern pro Sekunde und Raytracing für Reflexionen und Schatten sowie einen ausgewogenen Modus mit 40 Bildern pro Sekunde für 120-Hz-Fernseher, ebenfalls mit Raytracing. Ich habe alle Modi ausprobiert, überwiegend aber im Leistungsmodus gespielt. Bei einem so schnellen Kampfsystem ist das für mich die beste Wahl.
Mit Update 1.4.0 vom 1. Oktober hat Remedy kräftig nachgelegt. Neu ist unter anderem New Game++, mit dem sich nach dem Abspann beliebig viele weitere Durchgänge starten lassen. Dazu kommen mehr Speicherplätze, eine Anzeige der Build-Stärke im Loadout, eine zusätzliche Assist-Option, verfeinerte DualSense-Effekte und zahlreiche Fehlerbehebungen bei Quests, Audio und Lokalisierung. Hotfix 1.4.1 hat einen Tag später unter anderem eine Quest repariert, die sich nicht abschließen ließ.
Die deutsche Vertonung ist sehr gelungen, gerade im Vergleich zum Vorgänger ein spürbarer Schritt nach vorn. Ein schönes Detail für alle, die sich für Game-Soundtracks interessieren: Remedy hat eine Trackliste eingebaut, über die man nachschauen kann, welches Lied gerade lief. Die Musik stammt erneut von Petri Alanko und passt hervorragend zur surrealen Stimmung. Was Musik in Spielen leisten kann, erklärt unser Artikel zur Spielemusik.
Schwächen
Dylan braucht eine Weile, bis er als Hauptfigur zündet, und wer Jesse ins Herz geschlossen hat, muss sich erst umgewöhnen. Die Wegfindung in der offenen Welt ist gewöhnungsbedürftig, besonders sobald neue Fortbewegungsfähigkeiten ins Spiel kommen. Das Fertigkeitenmenü wirkt zu Beginn undurchsichtig, auch wenn sich Entscheidungen später zurücksetzen lassen. Die Story ist selbst für Remedy-Verhältnisse sehr wirr, und einige Rätsel sind eher strange als clever. Die Atmosphäre erreicht zudem nicht ganz die Intensität von Alan Wake 2.
Fazit
Control Resonant ist ein mutiger Nachfolger, der vieles anders macht und das meiste davon richtig. Das neue Nahkampfsystem ist gelungen, die Steuerung präzise, und der Assist-Modus erlaubt es, den Schwierigkeitsgrad genau auf die eigenen Bedürfnisse zuzuschneiden. Das verzerrte Manhattan ist ein echtes Kunstwerk, viele Nebenaufträge sind stimmig, und die sehr gelungene deutsche Vertonung räumt den größten Kritikpunkt des Vorgängers aus. Dem stehen ein Protagonist, der etwas Anlauf braucht, eine gewöhnungsbedürftige Wegfindung, ein anfangs undurchsichtiges Fertigkeitenmenü und eine Story gegenüber, die selbst für Remedy ungewöhnlich wirr ist. Auch wenn mich Control Resonant atmosphärisch nicht so packt wie Alan Wake 2, bleibt es durchgehend spannend. Mein Fazit lautet: Ein schräges, kunstvolles Action-Abenteuer, das nicht dauerhaft flasht, aber bis zum Ende fesselt.
| ✅ Stärken | ❌ Schwächen |
|---|---|
| + Kunstvolle Präsentation und herausragende Art Direction | – Dylan braucht eine Weile, um als Hauptfigur anzukommen |
| + Gelungene Steuerung und wuchtiges Nahkampfsystem | – Wegfindung in der offenen Welt gewöhnungsbedürftig |
| + Flexibles Fertigkeitensystem, Entscheidungen jederzeit umkehrbar | – Fertigkeitenmenü anfangs undurchsichtig |
| + Assist-Modus statt starrer Schwierigkeitsgrade | – Story sehr wirr, einige Rätsel eher strange als clever |
| + Spannende Story, stimmige Nebenaufträge, sehr gelungene deutsche Vertonung | – Atmosphäre packt nicht ganz so wie in Alan Wake 2 |
Getestete Version: PS5 Pro (Disc-Version) – Patch 1.4.1, Stand Oktober 2026
UVP: 59,99 € (Standard Edition) / 69,99 € (Digital Deluxe Edition, SteelBook-Edition)
Für wen: Fans von Remedy und schrägen Geschichten, die Lust auf schnelle Nahkampf-Action, Buildcrafting und eine surreale Stadt zum Erkunden haben. Wer vom Vorgänger vor allem das Schießen und die dichte Atmosphäre des Oldest House liebt, sollte sich auf einen deutlichen Kurswechsel einstellen. Wer tiefer ins Remedy-Universum einsteigen möchte, findet auch unseren Test zu Alan Wake Remastered.
Offenlegung: Selbst erworben (Disc-Version). Kein Review-Code vom Publisher erhalten.


