Redaktionshinweis: Dies ist unser Nachtest zu Cyberpunk 2077, Stand Patch 1.5 und den nativen Next-Gen-Versionen (Februar 2022). Den ursprünglichen Test vom Launch im Dezember 2020 findet ihr separat.
14 Monate. So lange hat CD Projekt Red gepatcht, nachgebessert und sich bei einer Community entschuldigt, die das Spiel zu Recht zerfleischt hat. In unserem Originaltest gab es auf PC eine 7/10 — verdient, aber mit deutlichem Bauchgrimmen. Auf PS4 und Xbox One war es eine 4/10, und das war noch wohlwollend. Am 15. Februar 2022 erschien Patch 1.5 zusammen mit den nativen Versionen für PlayStation 5 und Xbox Series X|S. Es ist im Grunde ein zweiter Launch. Die Frage ist: Rechtfertigt er eine zweite Chance?
Die kurze Antwort ist ja — aber mit Einschränkungen, die man kennen sollte, bevor man 60 Euro ausgibt oder den Staub vom alten Spielstand pustet. Was Patch 1.5 leistet, ist beeindruckend. Was er nicht leistet, erinnert daran, dass manche Versprechen eben nie eingelöst wurden.
Next-Gen-Versionen: Night City, wie es immer hätte aussehen sollen
Der größte Sprung passiert auf den neuen Konsolen. PS5 und Xbox Series X bekommen zwei Modi zur Auswahl: Performance mit flüssigen 60fps bei dynamischer 4K-Auflösung, oder einen Ray-Tracing-Modus mit 30fps, der die Beleuchtung der Stadt auf ein neues Niveau hebt. Nachts, wenn Neonlichter auf nassen Straßen reflektieren, sieht Night City schlicht atemberaubend aus. Wer aber einmal 60fps gespielt hat, wird den Wechsel auf 30 als schmerzhaft empfinden — Performance-Modus ist für die allermeisten die richtige Wahl.
Die PlayStation 5-Version hat zusätzlich die DualSense-Integration verdient. Man spürt das Rattern von Motorrädern, den Rückstoß verschiedener Waffen, sogar Nieselregen überträgt sich haptisch. Der Controller-Lautsprecher bringt Holocalls direkt ins Ohr. Das klingt nach einem Gimmick, ist aber überraschend immersiv — und zeigt, wie viel Liebe im Detail steckt, wenn die Hardware mitspielt. Xbox Series S bekommt keine Moduswahl und läuft mit 30fps in 1440p, was angesichts der schwächeren Hardware fair ist und ordentlich funktioniert. Wer auf PS4 oder Xbox One kaufte: Das Upgrade auf Next-Gen ist kostenlos, Spielstände werden übertragen.
Fahren, Perks, Wirtschaft — der eigentliche Overhaul
Patch 1.5 ist weit mehr als ein Technik-Update. Das Fahrsystem wurde von Grund auf überarbeitet — und das merkt man sofort. Im Originaltest war das Fahren eines der lautesten Kritikpunkte: schwebend, gewichtslos, unberechenbar. Jetzt simuliert das Spiel ABS, eine echte Kupplungsmechanik und ein realistisches Getriebe. Motorräder liegen stabil. Man kann J-Turns fahren. Man erwischt sich dabei, einfach durch Night City zu cruisen, statt reflexartig Fast-Travel zu drücken. Das ist ein Riesenunterschied im Spielgefühl.
Die Perk-Bäume wurden ebenfalls grundlegend umgebaut. Wer ein altes Savegame lädt, findet alle Punkte zurückgesetzt — eine willkommene Einladung, den Build neu zu denken. Die neuen Perks greifen stärker ins Spielgeschehen ein, anstatt nur Prozentwerte zu verschieben. Hacking, Nahkampf und Schusswaffen fühlen sich jeweils eigenständiger an. Dazu kommt ein Wirtschaftsrebalancing: Missionen zahlen mehr, Fahrzeugpreise sind gesunken, Gigs erscheinen langsamer und in sinnvollerem Tempo. Das Spiel ist weniger grindig geworden — eine Quality-of-Life-Verbesserung, die sich durch alle 60 Spielstunden zieht.
Wohnungen, neuer Look und versteckte Geheimnisse
Patch 1.5 liefert auch echte neue Inhalte, kostenlos für alle. V kann jetzt vier zusätzliche Apartments mieten, einrichten und bewohnen. Das klingt nach Deko — ist aber funktionaler als gedacht. Schlafen erhöht XP-Gewinne, Kaffee puscht Ausdauer, der Stash ist jederzeit erreichbar. Man entwickelt tatsächlich ein Heimatgefühl in Night City, das im Launch-Zustand vollständig fehlte. Schade, dass es 14 Monate gedauert hat.
Ebenfalls neu: V kann sein Aussehen nach der Charaktererstellung ändern. Frisur, Make-up, Piercings, Tattoos — alles über Spiegel in Wohnungen oder bei Ripperdocs anpassbar. Wer nach 50 Stunden einen neuen Look will, muss keinen neuen Charakter anlegen. Dazu kommen neue Waffen, neue Kleidungsstücke und laut CD Projekt Red ein paar versteckte Geheimnisse in der Spielwelt — die Community-Detektive haben schon zu graben begonnen. Auf PS5 und Xbox Series X|S gibt es außerdem eine kostenlose 5-Stunden-Trial, Spielfortschritt inklusive. Wer noch zögert, hat damit kein Argument mehr.
Old-Gen bleibt Old-Gen — die ehrliche Einschätzung
So viel Lob für die Next-Gen-Versionen, so klar muss gesagt werden: Auf PS4 und Xbox One ist Cyberpunk 2077 immer noch keine gute Erfahrung. Patch 1.5 bringt Verbesserungen, aber die Hardware-Grenzen sind real. Die Basis-PS4 hält 30fps in ruhigen Bereichen, bricht aber in dichten Stadtgebieten regelmäßig ein. Das Bild verschwimmt. Abstürze kommen seltener, aber sie kommen. Sony warnt im PlayStation Store weiterhin aktiv vor den Performance-Problemen.
PS4 Pro und Xbox One X liegen besser — stabiler, schärfer, deutlich spielbarer — aber weit entfernt von dem, was Next-Gen bietet. Die harte Wahrheit: Diese Hardware war nie für ein Spiel dieser Größenordnung gebaut. Wer keine neue Konsole hat und keinen PC, sollte warten oder ausleihen.
Stabilität, was fehlt — und das Urteil
Die meisten game-breaking Bugs sind weg. Quests laufen durch, T-posende NPCs sind Rarität, Fahrzeuge verschwinden nicht mehr in die Luft. Kleinere Macken bleiben — NPCs clippen, Gegner spawnen gelegentlich schräg, die Physik hat ihre Momente. Das ist Open-World-Standard, kein Showstopper. Das Spiel ist stabil geworden. Das hätte es zum Launch sein müssen, aber es ist jetzt wahr.
Was nicht geliefert wurde und wohl auch nicht mehr kommt: ein echtes Polizei- und Wanted-System. Cops patrouillieren jetzt, spawnen nicht mehr direkt hinter einem — aber verfolgen V immer noch nicht mit Fahrzeugen, und das System fühlt sich halbgar an. Die Lebenswege haben nach dem Prolog weiterhin kaum Einfluss auf die Hauptgeschichte. Eine Third-Person-Ansicht gibt es nicht. Das Metro-System steht als Kulisse in der Stadt, ist aber nicht nutzbar. Das sind Lücken, die man beim Spielen spürt — und die erinnern, dass die ursprüngliche Vision nie vollständig umgesetzt wurde.
Wertung
CD Projekt Red hat einen bemerkenswerten Weg zurückgelegt. Patch 1.5 ist kein kosmetisches Update — es ist eine echte Überarbeitung, die das Spiel grundlegend verbessert. Das Fahren macht Spaß. Die Perks greifen. Night City sieht auf Next-Gen so aus, wie man es sich 2020 erträumt hat. Story und Nebenquests waren schon damals das Herzstück, und daran hat sich nichts geändert — sie sind nach wie vor exzellent.
Was Cyberpunk 2077 im Februar 2022 ist: ein sehr gutes Action-RPG in einer einzigartigen Welt, endlich würdig gespielt werden zu können — zumindest auf der richtigen Hardware. Was es nicht ist: das revolutionäre Open-World-Erlebnis, das versprochen wurde. Beides muss gesagt werden. Und wer das weiß, wird Night City diesmal nicht enttäuscht verlassen.
| PC | 8 / 10 |
| PlayStation 5 / Xbox Series X|S | 8,5 / 10 |
| Xbox Series S | 7,5 / 10 |
| PS4 Pro / Xbox One X | 6 / 10 |
| PlayStation 4 / Xbox One | 5 / 10 |
Pro
- Next-Gen-Versionen liefern endlich die Erfahrung, die 2020 versprochen wurde
- Fahrsystem von Grund auf überarbeitet — macht jetzt wirklich Spaß
- Perk-Bäume tiefer und befriedigender als zum Launch
- Wohnungen, Aussehen-Editor und neue Waffen als kostenlose Inhalte
- DualSense-Integration auf PS5 ist vorbildlich
- Bugs auf Next-Gen und PC auf Open-World-Normalniveau gesunken
- Kostenloses Upgrade für PS4/Xbox-One-Käufer
Contra
- Polizeisystem bleibt rudimentär — kein echtes Wanted-System
- Lebenswege haben nach wie vor kaum Einfluss auf die Hauptgeschichte
- PS4 / Xbox One weiterhin nicht empfehlenswert
- Metro-System und Third-Person-Ansicht fehlen immer noch
- NPC-Interaktionen bleiben oberflächlich, Stadt wirkt trotz Verbesserungen als Kulisse
Häufig gestellte Fragen zu Cyberpunk 2077 Patch 1.5
Was ist neu in Cyberpunk 2077 Patch 1.5?
Patch 1.5 bringt die nativen Versionen für PlayStation 5 und Xbox Series X|S, ein komplett überarbeitetes Fahrsystem, neue Perk-Bäume, ein Wirtschaftsrebalancing, vier neue Wohnungen, einen Aussehen-Editor nach Charaktererstellung sowie neue Waffen und Kleidungsstücke. Dazu kommt eine kostenlose 5-Stunden-Trial auf den neuen Konsolen.
Lohnt sich Cyberpunk 2077 mit Patch 1.5 jetzt?
Auf PS5, Xbox Series X|S und einem leistungsstarken PC ja — das Spiel ist technisch stabil, spielerisch deutlich besser und erzählerisch nach wie vor stark. Auf PS4 und Xbox One bleibt die Erfahrung eingeschränkt und ist nur mit viel Geduld empfehlenswert.
Ist das Upgrade auf PS5 und Xbox Series X kostenlos?
Ja. Wer Cyberpunk 2077 auf PS4 oder Xbox One besitzt, erhält die Next-Gen-Version kostenlos. Spielstände können von der alten auf die neue Konsole übertragen werden.
Welcher Grafikmodus ist auf PS5 besser — Performance oder Ray Tracing?
Das hängt vom persönlichen Geschmack ab. Der Performance-Modus liefert flüssige 60fps bei dynamischer 4K-Auflösung und ist für die meisten Spieler die bessere Wahl. Der Ray-Tracing-Modus sieht besonders bei Nacht beeindruckend aus, läuft aber nur mit 30fps — wer einmal 60fps gespielt hat, empfindet den Wechsel als deutlichen Rückschritt.
Sind die Bugs in Patch 1.5 behoben?
Die meisten schwerwiegenden Bugs sind behoben. Quests laufen stabil durch, T-posende NPCs sind selten geworden, Abstürze auf Next-Gen und PC sind kaum noch ein Thema. Kleinere Grafikfehler und gelegentliche Physik-Aussetzer kommen noch vor, liegen aber im Open-World-üblichen Rahmen.
Was fehlt in Cyberpunk 2077 auch nach Patch 1.5 noch?
Ein vollwertiges Polizei- und Wanted-System, spürbarer Einfluss der Lebenswege auf die Hauptgeschichte, eine Third-Person-Ansicht und ein nutzbares Metro-System. Diese Lücken dürften auf absehbare Zeit nicht geschlossen werden.



