SSD-Kapazität seit 1991: Vom 20-MB-Laufwerk zur 245-TB-SSD

SSD-Kapazität seit 1991: Vom 20-MB-Laufwerk zur 245-TB-SSD

Eine Grafik macht derzeit die Runde: Angeblich sei die maximale SSD-Kapazität seit 1991 um das 12-Millionen-Fache gewachsen, von 20 Megabyte auf 245,76 Terabyte. Die Zahl stimmt sogar näherungsweise, doch die Geschichte dahinter ist komplizierter, als eine einzelne Kennzahl vermuten lässt. Zwischen 1991 und heute liegen unterschiedliche Speichertechniken, Zielmärkte und vor allem eine Preisentwicklung, die den Kapazitätssprung noch überrascht. Dieser Artikel ordnet die wichtigsten Meilensteine ein, zeigt, wo Rekordlisten wie diese fehleranfällig sind, und erklärt, warum Spieler von den größten SSDs der Welt trotzdem kaum etwas mitbekommen.

Der Ausgangspunkt: 20 Megabyte für 1.000 US-Dollar

Als vermutlich erstes kommerziell verkauftes Flash-Laufwerk gilt ein 2,5-Zoll-Modell von SanDisk (damals noch als Sundisk geschrieben) aus dem Jahr 1991, das für IBM gefertigt wurde. Die Kapazität lag bei 20 Megabyte, der Herstellerpreis bei rund 1.000 US-Dollar. Umgerechnet ergibt das etwa 50.000 US-Dollar pro Gigabyte, ein Preis, der aus heutiger Sicht absurd hoch wirkt. Hochgerechnet auf ein Terabyte wären das rechnerisch 50 Millionen US-Dollar gewesen, allerdings nur als mathematisches Gedankenspiel: 1991 gab es schlicht keine Terabyte-Laufwerke, und der Preis wäre bei größerer Fertigung nie linear mitgewachsen. Was SSDs technisch von klassischen Festplatten unterscheidet und warum Flash-Speicher überhaupt so viel teurer war, erklärt der Artikel SSD erklärt.

Kapazitätsrekorde im Zeitverlauf

Die folgende Tabelle zeigt ausgewählte Meilensteine der SSD-Kapazitätsentwicklung. Sie beschränkt sich bewusst auf Laufwerke, die tatsächlich kommerziell verfügbar waren oder sind, nicht auf reine Ankündigungen oder Demonstrationen.

Jahr Hersteller / Modell Kapazität Preis (Herstellerangabe bzw. Handelspreis)
1991 SanDisk (für IBM) 20 MB rund 1.000 US-Dollar
2009 OCZ Colossus 1 TB rund 2.200 US-Dollar (2,20 $/GB)
2016 Samsung PM1633a 15,36 TB ab rund 9.690 US-Dollar (ca. 0,63 $/GB)
2025 Solidigm D5-P5336 122,88 TB rund 12.399 US-Dollar (ca. 0,10 $/GB), Anfang 2026 bei 37.128 US-Dollar
2026 Micron 6600 ION 245,76 TB kein offizieller Listenpreis, Berichte nennen sechsstellige Summen

Von den 20 Megabyte des SanDisk-Laufwerks bis zur Solidigm D5-P5336 mit 122,88 Terabyte wuchs die Kapazität um den Faktor 6.144.000. Der oft zitierte Faktor von rund zwölf Millionen bezieht sich erst auf die 245,76 Terabyte des aktuellen Micron-Laufwerks. Für Letzteres lässt sich der Preisvergleich allerdings nicht seriös fortführen, weil Micron keinen offiziellen Preis nennt.

Der eigentliche Bruch liegt beim Preis, nicht bei der Kapazität

Deutlich aussagekräftiger als die reine Kapazität ist der Preis pro Gigabyte. Während die Kapazität seit 1991 um mehrere Millionen Prozent gewachsen ist, ist der Preis pro Gigabyte um einen ähnlich großen Faktor gefallen. Von 50.000 US-Dollar pro Gigabyte 1991 auf rund 10 US-Cent pro Gigabyte bei der Solidigm D5-P5336 im Jahr 2025 ergibt das einen Rückgang um etwa das 495.000-Fache. Diese Entwicklung erklärt auch, warum SSDs in Gaming-PCs heute Standard sind, während sie vor 15 Jahren noch ein teures Extra waren, siehe auch SSD vs. HDD im Gaming.

Allerdings ist auch dieser Preisverfall nicht gleichmäßig verlaufen. Anfang 2026 verlangte ein US-Händler für dasselbe Solidigm-Modell, das wenige Monate zuvor noch 12.399 US-Dollar gekostet hatte, plötzlich 37.128 US-Dollar, ohne dass die Ursache für diesen konkreten Sprung öffentlich belegt ist. Der Markt für Enterprise-SSDs steht seit einiger Zeit unter deutlichem Preisdruck, weil Rechenzentren für KI- und Cloud-Anwendungen enorme Speichermengen nachfragen. Dieselbe Nachfrage wirkt sich inzwischen auch auf klassischen PC-Arbeitsspeicher aus, wie im Beitrag zu RAM-Timings am Rande erwähnt.

Warum Rekordlisten oft ungenauer sind, als sie wirken

Wer historische Rekordkurven wie die eingangs erwähnte Reddit-Grafik liest, sollte einige Fallstricke kennen, die bei genauerer Prüfung auffallen:

  • Ankündigung ist nicht gleich Verfügbarkeit. Kioxia stellte bereits im Juli 2025 eine LC9-SSD mit 245,76 Terabyte vor, zu diesem Zeitpunkt aber nur als Muster für ausgewählte Kunden. Als kommerziell ausgeliefert gilt dieselbe Kapazität deshalb erst mit Microns Marktstart der 6600 ION im Mai 2026, obwohl die Kioxia-Ankündigung rund zehn Monate früher lag.
  • Demonstration ist nicht gleich Serienprodukt. Der Speicherhersteller Dapustor hat inzwischen ein Modell mit 512 Terabyte gezeigt. Für eine reguläre, kommerzielle Auslieferung in dieser Größenordnung gibt es bislang jedoch keinen Beleg.
  • Ein Speichersystem ist keine einzelne SSD. Ein häufiger Fehler in Rekordlisten betrifft ein Modell von HP aus dem Jahr 2012 mit 6,4 Terabyte, das mitunter als Einzel-SSD geführt wird. Tatsächlich handelte es sich um ein komplettes Speichersystem aus mehreren Laufwerken, nicht um eine einzelne SSD. Für eine sauber nach Einzellaufwerken sortierte Kurve gehört ein solcher Eintrag nicht in die Reihe.
  • Herstellerangabe und Handelspreis sind nicht dasselbe. Ältere Preise stammen häufig von Herstellern selbst (OEM-Preise), neuere Werte dagegen von einzelnen Handelsangeboten, die stark schwanken können. Ein direkter Vergleich über Jahrzehnte hinweg ist deshalb immer nur eine Annäherung, keine exakte Preisreihe.

Wer kauft überhaupt eine 245-Terabyte-SSD?

Die aktuellen Rekordmodelle richten sich ausschließlich an Rechenzentren, nicht an PC-Nutzer. Micron nennt als Zielgruppe für die 6600 ION explizit KI-Trainingsdaten, Cloud-Speicher und andere Massenanwendungen, bei denen viele Laufwerke gemeinsam in Racks verbaut werden. Solche Enterprise-SSDs nutzen andere Formfaktoren als PC-Laufwerke, etwa E3.L oder U.2 statt des in Gaming-PCs üblichen M.2-Formats, und sind auf Dauerlast statt auf kurze Ladevorgänge optimiert. Für einen Gaming-PC sind diese Rekorde deshalb ohne praktische Relevanz. Was für den eigenen PC tatsächlich wichtig ist, etwa der Unterschied zwischen SATA, M.2 und NVMe, behandelt der Artikel SSD erklärt ausführlich.

Warum wurde Flash-Speicher überhaupt so viel billiger?

Der Preisverfall hat vor allem eine technische Ursache: 3D-NAND. Frühe Flash-Chips speicherten Daten in einer einzigen Ebene nebeneinander (planares NAND), was die Dichte pro Chipfläche begrenzte. Seit Mitte der 2010er-Jahre stapeln Hersteller die Speicherzellen stattdessen in vielen Schichten übereinander, ähnlich einem Hochhaus statt einer Flachbausiedlung. Aktuelle Chips erreichen mehr als 200 Schichten, wodurch sich die Kapazität pro Chip vervielfacht, ohne dass die Chipfläche selbst wächst. Zusätzlich hat sich die Zellentechnik verändert: von SLC (ein Bit pro Zelle) über MLC und TLC bis zu QLC (vier Bit pro Zelle), womit sich mehr Daten in derselben Zelle unterbringen lassen, allerdings auf Kosten von Geschwindigkeit und Haltbarkeit. Wie sich diese Zellentypen im Detail unterscheiden und was das für die eigene SSD bedeutet, erklärt der Artikel SSD erklärt. Die aktuellen Rekordmodelle wie die Micron 6600 ION nutzen konsequent QLC-Speicher, weil Rechenzentren primär auf möglichst viel Kapazität pro Watt und pro Rack-Fläche setzen, nicht auf maximale Geschwindigkeit.

Hinzu kommt der klassische Skaleneffekt der Halbleiterindustrie: Je mehr Chips ein Werk produziert, desto günstiger wird die einzelne Einheit, ein Effekt, der eng mit dem verwandt ist, was in der Chipindustrie oft als Anwendung des Moore’schen Gesetzes auf Speicherchips beschrieben wird. Zusammengenommen erklären 3D-Stapelung, mehr Bits pro Zelle und Skaleneffekte, warum die Kapazität so viel schneller wuchs als der Preis fiel, jedenfalls bis der aktuelle Nachfrageschub durch KI-Rechenzentren diesen langjährigen Trend zumindest kurzfristig wieder umgekehrt hat.

Ein Vergleich: SSD- und Festplattenkapazitäten im Zeitverlauf

Interessant ist auch der Vergleich mit klassischen Festplatten. 1991, im selben Jahr wie das erste SanDisk-Laufwerk, lagen Festplattenkapazitäten für PCs meist im Bereich von 40 bis 100 Megabyte, also grob im selben Rahmen wie das frühe Flash-Laufwerk. Über die folgenden Jahrzehnte wuchsen Festplatten zunächst deutlich schneller als Flash-Speicher, weil die Technik ausgereifter und günstiger war. Erst mit der breiten Einführung von 3D-NAND ab etwa 2015 holten SSDs bei der maximalen Kapazität auf und haben Festplatten bei sehr hohen Kapazitäten inzwischen überholt: Während die größten verfügbaren Festplatten bei rund 30 bis 36 Terabyte liegen, erreichen Enterprise-SSDs bereits mehr als 245 Terabyte. Bei Geschwindigkeit und Zugriffszeiten lagen SSDs ohnehin von Anfang an vorn, wie der Artikel SSD vs. HDD im Gaming im Detail zeigt.

Was das für Aufrüster bedeutet

Aus den Enterprise-Rekorden lässt sich nicht ableiten, dass ähnlich große M.2-SSDs bald in Gaming-PCs landen. Für den eigenen Rechner bleibt der Preis pro Terabyte die wichtigere Kennzahl als der reine Kapazitätsrekord, und hier zeigt sich regelmäßig, dass mittlere Kapazitäten wie 2 oder 4 Terabyte oft das beste Verhältnis aus Preis und Leistung bieten, während sehr kleine wie sehr große Modelle anteilig teurer ausfallen. Wer eine neue SSD kauft, sollte deshalb weniger auf Rekordmeldungen als auf den aktuellen Preis pro Terabyte und die eigene Nutzung achten, etwa ob es sich um ein reines Spiele-Laufwerk oder ein System-Laufwerk handelt. Grundlagen dazu, inklusive Formfaktoren, PCIe-Generationen und einer Kompatibilitäts-Checkliste, liefert SSD erklärt, den direkten Vergleich mit Festplatten zeigt SSD vs. HDD im Gaming. Wer zusätzlich Arbeitsspeicher aufrüstet, findet ergänzend die Artikel zu RAM-Timings und XMP und EXPO.

Häufige Fragen zur SSD-Kapazitätsentwicklung

Wie groß war die erste SSD?

Das erste kommerziell verkaufte Flash-Laufwerk stammte 1991 von SanDisk und wurde an IBM geliefert. Es hatte eine Kapazität von 20 Megabyte und kostete rund 1.000 US-Dollar.

Wie groß ist die größte SSD der Welt?

Die größte kommerziell ausgelieferte SSD ist derzeit die Micron 6600 ION mit 245,76 Terabyte, seit Mai 2026 im Handel für Rechenzentren. Größere Modelle wie eine 512-Terabyte-SSD von Dapustor wurden zwar bereits gezeigt, werden aber noch nicht regulär verkauft.

Warum ist eine 245-Terabyte-SSD nicht für Gaming-PCs geeignet?

Solche Laufwerke nutzen Enterprise-Formfaktoren wie E3.L oder U.2 statt des M.2-Formats gängiger Mainboards, sind auf Dauerbetrieb in Rechenzentren ausgelegt und kosten deutlich mehr als jede PC-SSD. Für einen Gaming-PC bleiben M.2-Modelle mit wenigen Terabyte die passende Wahl.

Wie stark ist der Preis pro Gigabyte bei SSDs gefallen?

Von rund 50.000 US-Dollar pro Gigabyte im Jahr 1991 auf etwa 10 US-Cent pro Gigabyte bei einem Enterprise-Modell im Jahr 2025, ein Rückgang um ungefähr das 495.000-Fache. Der Vergleich beruht auf einzelnen Preispunkten und ist deshalb eine Näherung, keine lückenlose Preisreihe.

Warum steigen die Preise für große SSDs seit 2025 wieder?

Die weltweite Nachfrage nach Speicher für KI-Training und Cloud-Anwendungen hat die Preise für Flash-Speicher insgesamt unter Druck gesetzt. Das betrifft vor allem Enterprise-SSDs, wirkt sich aber auch auf den allgemeinen Speichermarkt aus.

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