Kaum ein Dance-Track aus den frühen 90ern hat sich so hartnäckig in der Popkultur festgesetzt wie „The Power“ von Snap!. Über drei Jahrzehnte nach Release taucht der markante Ruf „I’ve got the power!“ immer noch in neuen Produktionen auf, wird gecovert, geremixt und referenziert. Ein Song, der sich offenbar nie verbraucht.
Entstehung und Chartgeschichte
„The Power“ erschien am 3. Januar 1990 über Logic Records als Debütsingle des deutschen Eurodance-Projekts Snap! und als Leadsingle des Debütalbums „World Power“. Geschrieben und produziert wurde der Track von Michael Münzing und Luca Anzilotti (unter den Pseudonymen Benito Benites und John „Virgo“ Garrett III), mit Rap-Parts von Turbo B und Gesang von Penny Ford.
Kommerziell war der Song ein Volltreffer: Nummer eins in Griechenland, Luxemburg, den Niederlanden, Spanien, der Schweiz, dem Vereinigten Königreich und Simbabwe, dazu Platz eins in den US-Billboard-Dance-Club-Play- und Hot-Rap-Singles-Charts. Auf der Billboard Hot 100 reichte es für eine Woche zu Platz zwei. 2022 nahm das Rolling-Stone-Magazin den Track in seine Liste der „200 Greatest Dance Songs of All Time“ auf.
Weniger bekannt ist die Rechtestreit-Geschichte im Hintergrund: Der charakteristische Rap-Part basiert auf Samples aus „Let the Words Flow“ von Chill Rob G. Die Vocals waren zum Zeitpunkt der Veröffentlichung nicht geklärt — Wild-Pitch-Records-Chef Stu Fine brachte deshalb parallel eine US-Version mit Chill Rob Gs Original-Lyrics heraus, allerdings unter dem Namen „Power Jam“ statt Snap!.
Ein Song für endlose Remixe und Mashups
Kaum ein Track wurde so oft neu aufgelegt und mit anderem Material vermischt. Offiziell erschienen unter anderem 1990 der „Jungle Fever Remix“, 1996 „The Power ’96“ mit der Sängerin Summer/Einstein sowie 2003 „Snap! Vs. Motivo – The Power (of Bhangra)“ mit indischen Vocals von Joshilay, der es in UK und Irland noch einmal in die Charts schaffte. 2004 bündelte die Doppel-CD „The Power of Snap!: Original Hits & Remixes“ bei Radikal Records die wichtigsten Fassungen.
Ein besonders spannendes Detail betrifft die „Full Mix“-Version des Songs (erschienen auf den 1990er Remix-Veröffentlichungen): Anders als die bekannte Single-/Albumversion — deren gesprochenes Intro die russischsprachige Ansage über die fiktive Firma „Transceptor Technology“ ist — eröffnet der Full Mix mit einer Sprechpassage, die fast wortgleich der klassischen Opening-Narration der He-Man-Zeichentrickserie von 1983 entspricht: „At the center of the universe / At the border between the light and the dark / Stands Castle Grayskull / For to those that control Grayskull will come the power…“ Das deckt sich so exakt mit der dokumentierten TV-Serien-Narration, dass es sich kaum um Zufall handeln dürfte — der Full Mix scheint die He-Man-Intro-Ansage direkt zu samplen. Ein Detail, das den ohnehin schon dichten Popkultur-Faden zwischen „The Power“ und dem He-Man-/Masters-of-the-Universe-Franchise noch enger knüpft, gerade mit Blick auf die Verwendung des Songs im neuen Film (siehe unten).
Auftritte in Filmen und Serien
Die Liste der Filme und Serien, in denen „The Power“ zum Einsatz kam, ist beeindruckend lang:
- Hudson Hawk (1991)
- The Perfect Weapon / Eine perfekte Waffe (1991)
- Under Siege (1992)
- Mighty Morphin Power Rangers: The Movie (1995)
- Three Kings (1999)
- Bruce Almighty (2003)
- The Pacifier (2005)
- Made of Honor (2008)
- Whip It (2010, mit Elliot Page) — im Film zu hören, aber nicht auf dem offiziellen Soundtrack
- The Lego Ninjago Movie (2017) — hier spielt die Figur Wu das Riff sogar auf einer Flöte
- Masters of the Universe (2026, Regie: Travis Knight, mit Nicholas Galitzine als He-Man) — „The Power“ (Punch Mix) läuft als Source-Music im Film, ist aber nicht auf dem offiziellen Soundtrack-Album enthalten. Besonders reizvoll: Der Song hat über das Grayskull-Sample im Full Mix (siehe oben) ohnehin schon eine tiefere Verbindung zum Franchise, als die meisten Hörer vermuten würden
- The Fresh Prince of Bel-Air (1990) — Will singt den Song, Tante Vivian identifiziert ihn, Cousin Carlton kontert bekannt genüsslich
- Glee („Audition“, 2010)
- Family Guy („Into Fat Air“, 2012)
- Portlandia („The Story of Toni & Candace“, 2015)
- Fresh Off the Boat („Michael Chang Fever“, 2016)
- Unbreakable Kimmy Schmidt („Kimmy Disrupts the Paradigm!“, 2018)
- Pose („Never Knew Love Like This Before“, 2019)
- We Bare Bears („The Gym“, 2019) — als Soundalike-Version
Besonders hervorzuheben ist „Eine perfekte Waffe“ (Originaltitel: The Perfect Weapon, 1991) mit Jeff Speakman: Die Eröffnungssequenz, in der Speakman zu „The Power“ eine Kampfkunst-Choreografie aus Goju-Ryu-Karate und American Kenpo hinlegt, gehört zu den ikonischsten Song-Einsätzen überhaupt und wird von Fans regelmäßig als eine der prägendsten Szenen mit diesem Track genannt. Der Film selbst gilt unter Actionfans als echte B-Movie-Perle — unterschätzt, stilvoll trashig und mit dieser Szene fest im popkulturellen Gedächtnis verankert.
Auftritte in Videospielen
Im Gaming-Bereich ist die Präsenz von „The Power“ deutlich schmaler als in Film und TV — hier gibt es zwei klar belegte Einsätze:
- Just Dance 2 (2010) — offizielle Ersteinbindung als spielbarer Song im Rhythmus-Franchise von Ubisoft, später auch in Just Dance 3 sowie in der Zusammenstellung Just Dance Greatest Hits enthalten
- 2006 FIFA World Cup (EA Sports) — Teil des Spiele-Soundtracks
Kuriosität am Rande
Eine der ungewöhnlichsten Anekdoten rund um den Song: Am 5. Juli 2011 gerieten die oberen 19 Stockwerke des 39-stöckigen Techno-Mart-Gebäudes in Seoul für rund zehn Minuten in heftige Schwingung, das Gebäude musste zwei Tage lang evakuiert werden. Ursache war kein Erdbeben, sondern eine Aerobic-Klasse im 12. Stock, die „The Power“ spielte — die Frequenz des Songs traf zufällig die Resonanzfrequenz des Gebäudes.


