skill based matchmaking

Matchmaking erklärt: So funktioniert Skill Based Matchmaking (SBMM)

„Das Matchmaking ist wieder unfair“ – kaum ein Satz taucht in Gaming-Chats und Foren so häufig auf wie dieser. Matchmaking ist einer jener Begriffe, die im Multiplayer-Alltag ständig fallen, aber selten wirklich erklärt werden. Dabei entscheidet gerade dieses System maßgeblich darüber, ob ein Match Spaß macht oder frustriert. In diesem Artikel geht es um die Grundlagen, um Skill Based Matchmaking (SBMM) im Detail und um die Frage, warum dieses Thema in der Community so hitzig diskutiert wird.

Was ist Matchmaking?

Matchmaking bezeichnet den automatisierten Prozess, mit dem ein Onlinespiel Spielerinnen und Spieler zu einer gemeinsamen Partie zusammenstellt. Ein Matchmaking-System – oft auch „Matchmaker“ genannt – sammelt alle wartenden Spieler in einer Warteschlange (Queue) und bildet daraus Teams oder Gegnerpaarungen, die zueinander passen sollen. Der Begriff stammt ursprünglich aus dem Bereich der Partnervermittlung, wurde im Gaming aber zu einem eigenständigen technischen Konzept.

Ziel jedes Matchmaking-Systems ist es, möglichst ausgeglichene und damit unterhaltsame Partien zu erzeugen. Dafür wertet der Matchmaker verschiedene Kriterien aus, bevor ein Match überhaupt startet.

Kurze Geschichte: Vom LAN-Zettel zum Algorithmus

Vor der Verbreitung von Online-Multiplayer war „Matchmaking“ noch eine rein menschliche Angelegenheit: Auf LAN-Partys wurden Teams handverlesen oder ausgewürfelt, in frühen Online-Shootern wählten Spieler Server anhand von Namen, Ping-Anzeige und Bauchgefühl aus Server-Browsern aus. Erst mit wachsenden Spielerzahlen und dem Aufkommen konsolenbasierter Online-Dienste wie Xbox Live wurde automatisiertes Matchmaking zum Standard, weil manuelle Serverauswahl bei Millionen gleichzeitiger Spieler schlicht nicht mehr praktikabel war. Aus dieser Zeit stammen auch viele der bis heute verwendeten Grundbegriffe wie Lobby, Queue und Ping-Filter.

Wie funktioniert Matchmaking technisch?

Auch wenn jedes Spiel eigene Details hat, arbeiten die meisten Matchmaking-Systeme mit einer ähnlichen Grundlogik. Typische Kriterien sind:

  • Skill-Level: Eine interne Wertung, die die Spielstärke abbildet (siehe Skill Based Matchmaking weiter unten)
  • Verbindung und Ping: Spieler mit ähnlicher Latenz und geografischer Nähe werden bevorzugt zusammengeführt, um Lags zu vermeiden
  • Wartezeit: Je länger die Suche dauert, desto mehr lockert der Matchmaker seine übrigen Kriterien – ein Prinzip, das oft als „Search Expansion“ bezeichnet wird
  • Party-Zusammensetzung: Wer zu mehreren in einer Gruppe spielt, wird meist gemeinsam auf eine Seite verteilt, um Vorteile durch Kommunikation auszugleichen
  • Spielmodus und Plattform: Je nach Titel wird zusätzlich nach Spielmodus, Karte oder – bei crossplay-fähigen Spielen – nach Eingabegerät gefiltert

Diese Faktoren werden nicht einzeln, sondern gewichtet gegeneinander abgewogen. In den meisten kompetitiven Shootern hat die Verbindungsqualität die höchste Priorität, da eine schlechte Verbindung das Spielerlebnis stärker beeinträchtigt als ein leicht unpassender Gegner.

Skill Based Matchmaking (SBMM) erklärt

Skill Based Matchmaking, kurz SBMM, ist heute die verbreitetste Form des Matchmakings. Dabei bekommt jeder Spieler einen internen Wert zugewiesen, der die eigene Spielstärke widerspiegelt. Das System versucht dann, Partien mit einem möglichst ausgeglichenen Durchschnitts-Skill auf beiden Seiten zu bilden.

MMR, Elo und Glicko-2

Der Skill-Wert wird meist als Matchmaking Rating (MMR) bezeichnet. Die Berechnung basiert häufig auf Rating-Systemen, die ursprünglich aus dem Schach stammen:

  • Elo-System: Ein Spieler gewinnt viele Punkte bei einem Sieg gegen einen stärkeren Gegner und verliert nur wenige Punkte bei einer Niederlage gegen einen schwächeren Gegner – benannt nach dem Physiker Arpad Elo
  • Glicko-2: Eine Weiterentwicklung, die zusätzlich die statistische Unsicherheit über den tatsächlichen Skill eines Spielers sowie dessen Schwankungsbreite berücksichtigt und dadurch bei wenigen gespielten Partien schneller ein stabiles Ergebnis liefert

Viele Spiele unterscheiden zwischen einem sichtbaren Rang, etwa in Ranglistenspielen, und einer internen, nicht öffentlich einsehbaren MMR, die zusätzlich ins Matchmaking einfließt. Das erklärt, warum zwei Spieler mit demselben sichtbaren Rang im Matchmaking trotzdem unterschiedlich stark eingestuft werden können.

Verbindungsbasiertes Matchmaking als Gegenmodell

Neben SBMM existiert das sogenannte Connection Based Matchmaking (CBMM), bei dem in erster Linie die Verbindungsqualität über die Zusammenstellung entscheidet, nicht der Skill. Ältere Shooter-Generationen setzten häufiger auf dieses Modell. Der Vorteil liegt in der geringeren Latenz, der Nachteil in teils deutlich unausgeglicheneren Partien, da starke und schwache Spieler ohne Rücksicht auf ihr Können gemischt werden. In der Praxis kombinieren die meisten modernen Spiele beide Ansätze zu einem Hybrid-System, das Skill und Verbindung gemeinsam gewichtet.

Ranked vs. Unranked Matchmaking

Ein weiterer wichtiger Unterschied betrifft den Spielmodus selbst:

  • Ranked beziehungsweise Competitive: Sichtbarer Rang, oft striktere Skill-Grenzen, Auf- und Abstiege zwischen Ligen oder Rangstufen
  • Unranked beziehungsweise Quickplay: Lockerere Zusammenstellung, teils bewusst größere Skill-Spannen, um die Warteschlangenzeit kurzzuhalten

In Unranked-Modi wird SBMM trotzdem häufig angewendet, auch wenn kein Rang sichtbar ist – ein Punkt, der in der Community regelmäßig für Diskussionen sorgt, weil viele Spieler in „lockeren“ Modi eigentlich entspanntere Gegner erwarten.

Warum ist SBMM in der Community so umstritten?

Kaum ein Gaming-Thema wird so leidenschaftlich diskutiert wie striktes SBMM, besonders in Shootern wie Call of Duty. Die Kritik lässt sich grob in mehrere Punkte gliedern:

  • „Sweaty Lobbies“: Spieler berichten, dass sich Partien anfühlen, als würde jeder Gegner sein Bestes geben – ein entspanntes Feierabend-Match wird dadurch schwerer
  • Wahrgenommene Inkonsistenz: Manche Spielerinnen und Spieler bemerken stark schwankende Schwierigkeit von Partie zu Partie, was auf ein sich schnell anpassendes System hindeutet
  • Fehlende Transparenz: Die genauen Matchmaking-Formeln sind bei den meisten großen Studios Betriebsgeheimnis, was Raum für Spekulationen und Mythen lässt
  • Monetarisierungs-Verdacht: Ein wiederkehrendes Gerücht besagt, Matchmaking könnte gezielt Frustphasen erzeugen, um Käufe von Skins oder Boostern attraktiver zu machen – belegt ist das für die großen Multiplayer-Titel bislang nicht

Befürworter von SBMM argumentieren dagegen, dass ohne Skill-Ausgleich neue und schwache Spieler dauerhaft gegen deutlich stärkere Gegner verlieren würden, mit entsprechend negativen Folgen für die Spielerbindung. Beide Seiten haben nachvollziehbare Argumente, weshalb die Debatte seit Jahren anhält, ohne dass sich Entwickler und Community auf eine gemeinsame Linie einigen.

Matchmaking in bekannten Spielen

Die konkrete Umsetzung unterscheidet sich von Titel zu Titel deutlich:

  • League of Legends: Nutzt ein Elo-ähnliches System mit sichtbaren Rangstufen von Iron bis Challenger, die MMR fließt zusätzlich in die Punktevergabe pro Sieg ein
  • Call of Duty: Setzt in aktuellen Teilen auf eine Kombination aus Skill, Verbindung und Warteschlangenzeit; die genaue Gewichtung ist Gegenstand ständiger Community-Diskussionen
  • Overwatch: Arbeitet mit einem rollenbasierten Skill-Rating, das für Tank-, Schadens- und Support-Rollen getrennt geführt wird
  • Fortnite: Kombiniert SBMM mit einer Bot-Auffüllung in niedrigeren Skill-Stufen, um Einsteigern einen sanfteren Einstieg zu ermöglichen
  • Valorant und Counter-Strike 2: Beide setzen auf ein striktes Rang-System mit klar definierten Rangstufen, das zusätzlich durch eine intern geführte, feiner abgestufte MMR ergänzt wird

Auffällig ist: Je kompetitiver ein Genre ausgerichtet ist, desto strenger fällt in der Regel das Skill-basierte Matchmaking aus. Casual-orientierte Spiele mit hohem Party-Anteil, etwa Koop-Titel, verzichten dagegen häufig ganz auf ein striktes SBMM und setzen stärker auf Verbindungsqualität und schnelle Wartezeiten.

Regionales Matchmaking und Serverauswahl

Neben Skill und Verbindung spielt auch die geografische Region eine wichtige Rolle. Die meisten großen Multiplayer-Spiele unterteilen ihre Spielerbasis in Regionen wie Europa, Nordamerika oder Asien, um die Latenz gering zu halten. Wer in einer Region mit wenigen aktiven Spielern unterwegs ist, etwa nachts oder in einem bereits älteren Spiel, bekommt oft die Wahl angeboten, das Matchmaking auf benachbarte Regionen auszuweiten. Das verkürzt die Wartezeit, geht aber meist zulasten des Pings und teilweise auch der Skill-Passung, da der Matchmaker dann aus einem größeren, aber weniger vergleichbaren Spielerpool schöpfen muss.

Typische Probleme beim Matchmaking

Neben der grundsätzlichen SBMM-Debatte gibt es weitere praktische Probleme, die Spieler regelmäßig betreffen:

  • Smurfing: Erfahrene Spieler legen sich Zweitaccounts an, um in niedrigeren Skill-Stufen zu spielen – das verzerrt das Matchmaking für tatsächliche Einsteiger
  • Lange Wartezeiten: Bei geringer Spielerzahl, etwa in Nischentiteln oder außerhalb der Stoßzeiten, muss der Matchmaker seine Kriterien stark lockern, was zu unausgeglicheneren Partien führt
  • Party-Verzerrung: Eine eingespielte Gruppe mit Voice-Chat ist häufig stärker, als die Summe ihrer einzelnen Skill-Werte vermuten lässt
  • Cheater: Unentdeckte Cheats verfälschen nicht nur einzelne Partien, sondern langfristig auch die MMR-Berechnung selbst

Matchmaking-Einstellungen: Was Spieler selbst beeinflussen können

Auch wenn der eigentliche Algorithmus eine Blackbox bleibt, lassen sich in den Einstellungen vieler Spiele einzelne Stellschrauben anpassen:

  • Regionsauswahl: Manuelle Festlegung auf eine bevorzugte Region kann helfen, konsistenter niedrige Pings zu bekommen, verlängert aber oft die Wartezeit
  • Crossplay ein- oder ausschalten: Wer den Spielerpool auf die eigene Plattform beschränkt, bekommt teils andere Matchmaking-Bedingungen als bei aktiviertem plattformübergreifendem Spiel
  • Eingabegerät-Filter: Einige Titel erlauben es, gezielt nur gegen Spieler mit demselben Eingabegerät (Controller oder Maus/Tastatur) anzutreten, um Genauigkeitsunterschiede auszugleichen
  • Bevorzugte Spielmodi: Eine engere Auswahl an Modi kann die Wartezeit verlängern, dafür aber gezieltere Matchmaking-Ergebnisse liefern, da weniger unterschiedliche Spielertypen in denselben Pool fallen

Diese Optionen ersetzen kein transparentes Matchmaking-System, geben Spielerinnen und Spielern aber zumindest etwas Kontrolle über den Kompromiss zwischen Wartezeit, Verbindungsqualität und Gegnerstärke.

Was tun bei schlechtem Matchmaking?

Ganz beeinflussen lässt sich das System als einzelner Spieler nicht, ein paar Stellschrauben gibt es aber:

  • Solo statt in der Party spielen, wenn Partien durchgehend zu einseitig wirken
  • Feste Zeiten mit hoher Spielerzahl nutzen, da dann mehr passende Gegner verfügbar sind und der Matchmaker weniger Kompromisse eingehen muss
  • Bei Verdacht auf Cheater oder Smurfs die Report-Funktion des jeweiligen Spiels nutzen, statt die Partie frustriert zu verlassen
  • Patch Notes und offizielle Blogbeiträge der Entwickler verfolgen, da Matchmaking-Anpassungen häufig dort angekündigt werden

Matchmaking, Fairness und der Rest des Ökosystems

Matchmaking funktioniert nie isoliert. Wie Crossplay Spielerpools plattformübergreifend zusammenführt, wie PvP von PvE abzugrenzen ist oder wie Wettbewerbsformate im Esports mit eigenen, oft strengeren Matchmaking-Regeln arbeiten, hängt eng mit den hier beschriebenen Grundlagen zusammen. Auch unfaire Praktiken wie Cheats wirken sich direkt auf die Qualität des Matchmakings aus, da sie die zugrunde liegenden Skill-Werte verzerren. Selbst die Frage, welcher Gamer-Typ man ist, beeinflusst indirekt, wie stark man SBMM überhaupt wahrnimmt: Wer ohnehin entspannt und gelegentlich spielt, bemerkt straffes Matchmaking oft deutlich seltener als leistungsorientierte Vielspieler.

Häufig gestellte Fragen zu Matchmaking

Was ist Matchmaking in Videospielen einfach erklärt?

Matchmaking ist der automatisierte Prozess, mit dem ein Onlinespiel Spielerinnen und Spieler zu einer gemeinsamen Partie zusammenstellt, meist anhand von Kriterien wie Skill-Level, Verbindungsqualität und Wartezeit.

Was ist Skill Based Matchmaking (SBMM)?

Skill Based Matchmaking ist ein Matchmaking-Verfahren, bei dem Spieler anhand einer internen Skill-Wertung zu möglichst ausgeglichenen Partien zusammengestellt werden, statt sie nur nach Verbindungsqualität zu gruppieren.

Wie wird meine Matchmaking Rating (MMR) berechnet?

Die MMR basiert meist auf Rating-Systemen wie Elo oder Glicko-2, die Siege und Niederlagen gegen unterschiedlich starke Gegner auswerten und daraus fortlaufend einen Skill-Wert berechnen.

Warum wird SBMM in der Gaming-Community kritisiert?

Kritiker bemängeln vor allem fehlende Transparenz, anstrengende „Sweaty Lobbies“ und schwankende Schwierigkeit von Partie zu Partie, während Befürworter auf ausgeglichenere Partien für schwächere Spieler verweisen.

Was kann ich bei schlechtem Matchmaking tun?

Hilfreich sind unter anderem Solo-Spiel statt Party, das Spielen zu Stunden mit hoher Spielerzahl und das konsequente Melden von Cheatern oder Smurfs über die Report-Funktion.

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