OpenAI hat mit ChatGPT Work einen neuen Agenten vorgestellt, der app- und dateiübergreifend Aufgaben übernehmen und über mehrere Stunden hinweg an komplexeren Projekten arbeiten soll. Work basiert auf GPT-5.6, der aktuellen Modellfamilie von OpenAI, die aus den drei Varianten Sol, Terra und Luna besteht. Der Rollout beginnt weltweit und soll sich laut OpenAI innerhalb von 24 Stunden auf die vollständige Verfügbarkeit ausweiten.
Drei Modellgrößen für unterschiedliche Einsatzzwecke
Sol ist als neues Flaggschiff-Modell positioniert und soll laut OpenAI-Angaben bei Coding-, Wissenschafts- und Cybersicherheitsaufgaben punkten, während gleichzeitig weniger Rechenressourcen pro Anfrage verbraucht werden. Terra ist als ausgewogenes Modell für alltägliche Arbeit gedacht, Luna als die kosteneffizienteste Variante der Familie. Alle drei Modelle stehen in ChatGPT, in Codex sowie über die API zur Verfügung. Sol bringt laut OpenAI zudem einen sogenannten Ultra-Modus mit, bei dem mehrere Agenten parallel an einer Aufgabe koordiniert werden, sowie verbesserte Fähigkeiten bei mehrstufigem Planen und beim automatisierten Bedienen von Programmen (Computer Use).
Work bündelt Codex-Funktionen für Web, Mobile und Desktop
ChatGPT Work überträgt nach Unternehmensangaben Funktionen von Codex auf Web, Mobilgeräte und Desktop und kann dabei gezielt Kontext aus ausgewählten Apps, Dateien und Arbeitsabläufen einbeziehen, um daraus fertige Dokumente, Tabellen, Präsentationen oder Web-Anwendungen zu erstellen. In der neuen Desktop-App laufen die drei Bereiche Chat, Work und Codex erstmals gebündelt zusammen: Chat für alltägliche Anfragen, Work für umfangreichere, mehrstufige Aufgaben und Codex für Entwicklerinnen und Entwickler. Ein gemeinsames Plugin-Verzeichnis verbindet ChatGPT zudem mit Diensten wie Slack, Gmail, Google Drive, Kalendern und CRM-Systemen; wiederkehrende Prozesse lassen sich über geplante Aufgaben automatisieren.
Emmanuel Marill, bei OpenAI zuständig für die Region EMEA, verweist auf die europäische Verfügbarkeit der neuen Modelle und Funktionen und beschreibt Sol als Modell mit „führender Intelligenz und Effizienz“ in mehreren Fachbereichen — eine Einschätzung, die zunächst auf OpenAIs eigenen Angaben beruht.
Benchmark-Werte: Vergleich mit Konkurrenzmodellen
OpenAI vergleicht die neue Modellfamilie in eigenen Tests unter anderem mit Anthropics Claude Fable 5 und Claude Opus 4.8. In den veröffentlichten Zahlen erzielt Sol auf dem sogenannten „Agents‘ Last Exam“ einen höheren Punktwert als Fable 5, ebenso auf dem Coding Agent Index von Artificial Analysis und bei einem Cybersicherheits-Benchmark namens ExploitBench. Auch bei Aufgaben mit längerem Zeithorizont sollen Sol, Terra und Luna vor Fable 5 beziehungsweise Opus 4.8 liegen, bei laut OpenAI deutlich geringeren Kosten pro Anfrage. Wichtig für die Einordnung: Es handelt sich um herstellereigene Benchmark-Ergebnisse von OpenAI, die bislang nicht unabhängig verifiziert wurden — wie bei praktisch allen Modell-Vergleichswerten der großen KI-Anbieter üblich, sollten solche Zahlen mit der gebotenen Vorsicht betrachtet werden.
Was bedeutet das für Nutzer?
Für Privatnutzer ändert sich zunächst vor allem der Zugriff: Die neue Desktop-App mit Chat, Work und Codex steht weltweit für Mac und Windows auch im kostenlosen Tarif zur Verfügung. Work selbst startet im Web und auf Mobilgeräten zunächst nur für Pro-, Enterprise- und Edu-Nutzer, Plus- und Business-Konten sollen in den kommenden Tagen folgen. Wer bereits ChatGPT Voice mit Zugriff auf Work und Codex nutzt, dürfte von der neuen Modellfamilie direkt profitieren, da diese Funktionen technisch darauf aufbauen. Der Schritt reiht sich zudem in OpenAIs breiter angelegten Umbau von ChatGPT zu einer umfassenderen Assistenz-Plattform ein.
Zugriff auf GPT-5.6 Sol erhalten Plus-, Pro-, Business- und Enterprise-Nutzer über die Reasoning-Stufe „medium“ oder höher; Pro- und Enterprise-Konten können für besonders anspruchsvolle Aufgaben zusätzlich GPT-5.6 Pro auswählen.
Quelle: Pressemitteilung von OpenAI







