Disney+ liefert seit dem vergangenen Wochenende in Deutschland weder 4K Ultra HD noch HDR aus. Betroffen sind alle Tarife, auch das teuerste Premium-Abo. Als Ursache gilt ein Patentstreit mit dem US-Unternehmen InterDigital, eine offizielle Bestätigung seitens Disney steht bislang aus.
Nur noch 1080p und SDR im Premium-Tarif
Wer aktuell auf Disney+ ein Film oder eine Serie startet, bekommt unabhängig vom gebuchten Abo maximal Full HD in Standard Dynamic Range zu sehen. Laut heise.de ließ sich der Wegfall auf mehreren Redaktionsgeräten und über verschiedene Gerätekategorien hinweg nachvollziehen. Die Kennzeichnungen für „4K Ultra HD“ und „HDR“ sind in der App inzwischen durchgängig verschwunden.
Besonders betrifft das Kunden des Premium-Abos, das 15,99 Euro im Monat oder 159,90 Euro im Jahr kostet. Regulär gehören dazu 4K Ultra HD, HDR sowie Dolby Atmos und vier parallele Streams. Aktuell bleiben von diesen Vorteilen gegenüber dem günstigeren Standard-Tarif nur noch Dolby Atmos und die zusätzlichen Streams übrig – bildtechnisch liefert Disney+ Premium- und Standard-Kunden derzeit dieselbe Qualität.
Patentstreit mit InterDigital als wahrscheinlicher Auslöser
Ganz neu ist das Thema nicht: Bereits seit Monaten fehlen in Deutschland die Formate Dolby Vision und HDR10+, nachdem das Landgericht München im November 2025 auf Antrag von InterDigital eine einstweilige Verfügung wegen der Wiedergabe dynamischer HDR-Bilder erlassen hatte. Wie t3n berichtet, hat InterDigital nun vor dem Düsseldorfer Ableger des Unified Patent Court (UPC) eine weitere Verfügung gegen Disney erwirkt – diesmal geht es um die HEVC-Videokodierung, auf der ein Großteil der 4K-Wiedergabe technisch aufbaut. Die Auswirkungen dürften daher über Deutschland hinausreichen und weitere EU-Länder betreffen, in Österreich waren 4K und HDR zum Zeitpunkt der Berichterstattung laut den Angaben auf der Disney+-Seite noch nicht gestrichen.
Ein Vertreter von InterDigital äußerte sich in einer Presseerklärung dahingehend, dass Streaming-Anbieter wie Disney für die Nutzung fortgeschrittener Videokodierungstechnologien angemessen zahlen sollten, da sie damit höhere Abo-Preise rechtfertigten. Ob die aktuelle Verfügung tatsächlich der direkte Auslöser für den kompletten Wegfall von 4K und HDR ist, hat Disney bislang nicht bestätigt.
Was bedeutet das konkret für Abonnenten?
Für Kunden mit teurem Heimkino-Equipment ist die Einschränkung spürbar: Ein 4K-fähiger Fernseher oder Streaming-Player bringt aktuell keinen Bildvorteil mehr, wenn die Quelle selbst nur noch in Full HD ausliefert. Wie lange die Einschränkung bestehen bleibt, ist offen – ebenso, ob und wie Disney betroffene Premium-Kunden für die reduzierte Leistung entschädigt. Bislang sind keine automatischen Gutschriften oder Preisanpassungen angekündigt worden. Wer sich unsicher ist, welche Ansprüche im eigenen Fall infrage kommen, kann sich an den Disney+-Kundenservice wenden.
Für die Preisstruktur von Disney+ ist das ein ungünstiger Zeitpunkt: Der Premium-Tarif wurde bislang vor allem mit besserer Bild- und Tonqualität gegenüber dem Standard-Abo beworben. Solange 4K und HDR fehlen, bleibt von diesem Versprechen praktisch nur die höhere Anzahl gleichzeitiger Streams übrig – ein Argument, das für Einzelhaushalte oder Nutzer ohne mehrere 4K-Geräte ohnehin wenig Gewicht hat. Beobachter verweisen zudem darauf, dass ein technischer Umstieg auf modernere Codecs wie AV1, wie ihn andere große Streaming-Anbieter längst nutzen, für einen Katalog dieser Größe nicht kurzfristig umsetzbar wäre, sollte die HEVC-Kodierung tatsächlich dauerhaft wegfallen.
Ähnliche Fälle von Streaming-Unzufriedenheit hatten zuletzt schon für ein Comeback physischer Medien gesorgt. Wer sich näher mit den technischen Grundlagen von High Dynamic Range beschäftigen möchte, findet Hintergründe in unserem Erklärartikel zu HDR, einen Überblick über die deutsche Streaming-Landschaft bietet unser Artikel zu Streaming-Diensten in Deutschland.
Quelle: Berichterstattung von heise.de und t3n.de



