Angst vor KI-Klonen

Angst vor KI-Klonen: Indie-Studios ziehen ihre Demos zurück

In der Indie-Szene macht sich eine neue Sorge breit: Studios streichen öffentliche Demos und Playtests, weil sie befürchten, dass ihre Spiele mithilfe von KI nachgebaut und noch vor dem Original veröffentlicht werden könnten. Innerhalb weniger Tage haben gleich zwei Entwickler entsprechende Pläne geändert.

Drunken Goddess Reflux: Demo kurzfristig abgesagt

Den Anfang machte Alliance Arts. Das Studio sagte am 16. Oktober die öffentliche Demo zu Drunken Goddess Reflux ab, die eigentlich ab dem 19. Oktober zum Steam Next Fest spielbar sein sollte. In dem Trinkspiel-Survival-Titel tritt man in einer abgewandelten Form von Russisch Roulette gegen einen Dämon an. Statt der öffentlichen Demo gibt es nun geschlossene Online-Sessions für eine begrenzte Zahl von Teilnehmern, die sich über Discord bewerben und Regeln für Gameplay-Aufnahmen akzeptieren müssen.

Als Grund nennt Alliance Arts die Sorge, dass Dritte die Demo nutzen könnten, um das Spiel mit KI oder anderen Werkzeugen schnell nachzubauen. Beschränkungen beim Teilen und Streamen von Gameplay ließen sich mit dem aktuellen Team nicht zuverlässig durchsetzen.

Moonlighter-Studio verschiebt Playtest

Kurz darauf zog Digital Sun nach, das Studio hinter Moonlighter und Cataclismo. Ein öffentlicher Playtest auf Steam für das neue Spiel ReVamp, eine Mischung aus Tower Defense und Metroidvania mit Dracula-Thema, wurde verschoben. Stattdessen startet Ende Oktober ein kleinerer Test über Discord, für den Spieler in Wellen freigeschaltet werden. Einen öffentlichen Test erhofft sich das Studio für etwa Januar, ReVamp soll im März 2027 erscheinen.

Digital Sun verweist auf Berichte über Spiele, die per Reverse Engineering zerlegt, geklont und veröffentlicht wurden, bevor das Original überhaupt erschienen ist. Man wisse, dass man mit dieser Sorge nicht allein sei, und hoffe, dass Plattformen den Schutz originärer Werke weiter verbessern.

Warum die Angst gerade jetzt wächst

Hintergrund ist eine Entwicklung, über die zuletzt unter anderem Kotaku berichtet hat: Aktuelle KI-Modelle, genannt wird etwa Claude Opus 5.5 von Anthropic, können Spielecode offenbar so gut dekompilieren und neu kompilieren, dass im Netz bereits zahlreiche Browser-Ports bekannter Spiele wie Halo oder GTA: Vice City aufgetaucht sind. Für Aufsehen sorgte zudem ein Fall auf Steam, bei dem ein Klon des viralen Needle In A Haystack Simulator seinerseits kopiert worden sein soll, laut den Entwicklern teils mit identischen Code-Bestandteilen.

Für kleine Studios ist das ein Dilemma. Demos sind für sie eines der wichtigsten Werkzeuge, um Aufmerksamkeit und Wunschlisteneinträge zu sammeln. Beim aktuellen Steam Next Fest sind laut Kotaku mehr als 8.000 Demos vertreten, doppelt so viele wie im März. Dass Videospiel-Klone kein neues Phänomen sind, zeigt die Geschichte der Branche. Neu ist das Tempo, mit dem sie inzwischen entstehen könnten. Eine Stellungnahme von Valve zu den Fällen gibt es bislang nicht.

Quellen: Alliance Arts, Digital Sun, Kotaku

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