Die EU-Kommission hat entschieden: Ein neues Gesetz, das Publisher dazu verpflichtet, abgeschaltete Spiele dauerhaft spielbar zu halten, wird es nicht geben. Die Initiative Stop Killing Games, die über 1,3 Millionen verifizierte Unterschriften gesammelt hatte, bekommt damit aus Brüssel keine gesetzliche Rückendeckung.
Als Hauptbegründung verweist die Kommission auf das bestehende EU-Urheberrecht: Publisher genießen exklusive Rechte an ihren Werken — und dieses Recht wiegt nach Ansicht der Kommission schwerer als die Forderung nach dauerhafter Spielbarkeit. Ergänzend heißt es, bestehende Verbraucherschutzgesetze würden Käufer bei vorzeitiger Service-Beendigung bereits ausreichend schützen. Ob das in der Praxis stimmt, ist eine andere Frage — und genau das bezweifeln die Initiatoren. Was EU-Verbraucherrechte bei digitalen Spielen tatsächlich abdecken, haben wir bereits erklärt.
Initiative-Gründer Scott Ross zeigte sich von der Entscheidung nicht überrascht. In einem Livestream nach der Bekanntgabe erklärte er, dass die Kommission sich deutlich häufiger mit Industrievertretern und Lobbyisten getroffen habe als mit Vertretern der Initiative. Die Hoffnung auf ein Gesetz hatte er intern schon länger begraben.
Allerdings ist das noch nicht das Ende. Die Debatte läuft parallel im EU-Parlament weiter, das zwar die Kommission nicht überstimmen kann, aber eine Einbindung der Forderungen in den geplanten Digital Fairness Act anstreben könnte. Ob das zu konkreten Pflichten — etwa zu spielbaren Offline-Alternativen nach einer Serverabschaltung — führt oder nur zu weichen Empfehlungen, ist die eigentliche offene Frage. Zudem wird eine ähnliche Kampagne derzeit im kalifornischen State Senate verhandelt, mit potenziell weltweiten Auswirkungen.
Der Ausgangspunkt der Initiative war die Abschaltung von Ubisofts Rennspiel The Crew im April 2025 — ein Titel, für den Spieler Geld bezahlt hatten und der von einem Tag auf den nächsten vollständig unspielbar wurde. Kein Offline-Modus, keine Alternative, kein Ersatz. Das ist das Kernproblem, das Stop Killing Games adressiert: nicht Multiplayer-Server, die irgendwann abgeschaltet werden, sondern Spiele, die ohne permanente Online-Verbindung strukturell nicht funktionieren — obwohl es keinen technischen Grund dafür gibt. Die Frage, was der Kauf einer digitalen Spiellizenz eigentlich bedeutet, stellt sich dabei zwangsläufig.
Die Kommission plant für Ende 2026 Gespräche mit Entwicklern, Publishern und Verbrauchern, um Branchenstandards zu verbessern. Einen Verhaltenskodex ohne gesetzliche Verpflichtung — das klingt nach einem Kompromiss, der vor allem die Industrie zufriedenstellt.
