The Adventures of Elliot The Millennium Tales

The Adventures of Elliot: The Millennium Tales im Test

Ein Held in Rot, eine Fee, die nicht aufhört zu reden, und eine Welt, die sich über tausend Jahre hinweg verändert – The Adventures of Elliot: The Millennium Tales versteckt seine Inspirationsquellen nicht. Team Asano, bekannt für Octopath Traveler und Bravely Default, wagt sich mit seinem ersten waschechten Action-RPG auf ungewohntes Terrain und landet dabei erstaunlich sicher. Wer HD-2D liebt und schon immer ein waschechtes Zelda mit Square-Enix-Politur wollte, sollte jetzt genauer hinsehen.

Geschichte & Atmosphäre

Philabieldia ist ein Kontinent, auf dem die Menschheit nur noch einen einzigen sicheren Rückzugsort kennt: das Königreich Huther, geschützt durch einen magischen Schutzschild vor den umliegenden Bestienstämmen. Als in der Nähe unbekannte Ruinen entdeckt werden, macht sich der Abenteurer Elliot gemeinsam mit seiner Feen-Begleiterin Faie auf, um das Rätsel zu ergründen – unterstützt von Prinzessin Heuria, deren Magie die schützende Barriere aufrechterhält. Aus dieser eigentlich simplen Prämisse entwickelt sich schnell eine Geschichte, die sich über vier verschiedene Zeitalter derselben Insel erstreckt und Elliot buchstäblich durch tausend Jahre Geschichte schickt.

Erzählerisch ist das große Stärke und größte Schwäche zugleich. Die einzelnen Zeitalter fühlen sich atmosphärisch klar voneinander abgegrenzt an, und das Konzept, dieselbe Landmasse in unterschiedlichen Epochen wiederzuerkennen, hat einen echten Aha-Moment-Faktor. Gleichzeitig bleibt die Haupthandlung erstaunlich vorsichtig – wer auf tiefgreifende Twists rund um Zeitreisen hofft, bekommt eher eine warme, geradlinige Abenteuergeschichte als ein cleveres Zeitparadoxon-Puzzle. Elliot selbst bleibt dabei über weite Strecken auffällig eigenschaftslos: ein freundlicher, funktionaler Held ohne die Ecken und Kanten, die man von einem waschechten Rollenspiel-Protagonisten heute erwarten würde.

Gameplay: Kernmechaniken & Kampfsystem

Wo sich Elliot spielerisch beweist, tut es das richtig gut. Das Kampfsystem ist durchgehend Echtzeit-Action statt der rundenbasierten Kämpfe, für die Team Asano sonst bekannt ist, und fühlt sich dabei erstaunlich ausgereift an. Elliot sammelt über die Spielzeit ein wachsendes Arsenal an Werkzeugen – darunter Bomben, Bogen und ein Bumerang –, die sowohl im Kampf als auch beim Lösen von Umgebungsrätseln zum Einsatz kommen. Dazu kommt Faie, die nicht nur als Erzähl-Stimme fungiert, sondern aktiv unterstützende Fähigkeiten ins Kampfgeschehen einbringt. Ein cleveres Dual-Menü-System erlaubt es, Ausrüstung entweder direkt im laufenden Spiel oder in Ruhe über das Pausenmenü zu wechseln, was gerade in hektischeren Kämpfen viel Frust erspart.

Das Fortschrittssystem rund um sogenannte Magicite und ausbaubare Perks für Elliots Waffenarsenal gibt dem Kampfsystem erstaunliche Tiefe für ein Spiel, das auf den ersten Blick wie ein reines Nostalgieprojekt wirkt. Wer Genres wie Action-Adventures mag, findet hier eine der aktuell durchdachtesten Umsetzungen dieser Mischung aus Erkundung, Rätseln und Echtzeitkampf.

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Die Welt von Philabieldia: Vier Zeitalter, eine Insel

Konzeptionell ist die Idee, dieselbe Landmasse über vier Zeitalter hinweg zu erkunden, mutig – und genau hier liegt auch die größte Schwäche des Spiels. Weil sich die Grundtopografie kaum verändert, wiederholen sich Layouts, Gegnertypen und sogar bestimmte Mini-Boss-Kämpfe über die Zeitalter hinweg spürbar. Was als cleveres Backtracking-Konzept gedacht war, kippt in der zweiten Spielhälfte streckenweise in Wiederholung. Die einzigartigen, großen Boss-Kämpfe bleiben davon zum Glück ausgenommen und gehören zu den handwerklich stärksten Momenten des Spiels – wodurch der Kontrast zu den recycelten Mini-Boss-Encountern umso deutlicher auffällt. Wer offene Welten grundsätzlich schätzt, sollte wissen: Das hier ist kein klassisches Open-World-Spiel im modernen Sinne, sondern eher eine kompakte, mehrfach neu kontextualisierte Zelda-artige Oberwelt.

Technik & Performance

Die PC-Fassung von The Adventures of Elliot ist technisch eher spartanisch ausgestattet: Neben den auch auf Konsole verfügbaren Grafikoptionen gibt es lediglich ein Framerate-Ziel (30, 60 oder 120 fps), V-Sync sowie eine Auflösungsskalierung. Zum Release war zudem ein Bug präsent, der die Ausgabe auf 1080p beziehungsweise 720p begrenzte, unabhängig von der eigentlichen Monitorauflösung – ein Workaround über den Fenstermodus half zwar, ist aber kein wirklich zufriedenstellender Zustand für ein Spiel dieser Preisklasse. Auf der Nintendo Switch 2 läuft das Spiel im Handheld-Modus stabil, zeigt aber bei größeren Gegnergruppen spürbare Framedrops, während die Docked-Performance deutlich souveräner wirkt. PS5 und Xbox Series X|S laufen durchgehend flüssig und bilden aktuell die technisch sauberste Variante des Spiels.

Ein Kritikpunkt, der praktisch jede Version gleichermaßen betrifft, hat nichts mit roher Performance zu tun: Faie redet ununterbrochen. Die Feen-Begleiterin kommentiert nahezu jede Aktion, jedes Item und jede Gegend, was besonders in der ersten Spielhälfte anstrengend werden kann. Ein Setting zur Reduzierung ihrer Gesprächsfreude ist zwar von Anfang an vorhanden, ändert aber nichts daran, dass sich viele ruhige Erkundungsmomente unnötig vollgestopft anfühlen.

Audio & Optik

Optisch gehört The Adventures of Elliot zum Besten, was Team Asanos HD-2D-Stil bislang hervorgebracht hat. Die Licht- und Partikeleffekte, die liebevoll animierten Sprite-Charaktere vor detaillierten 3D-Hintergründen und die vier klar unterscheidbaren Zeitalter-Ästhetiken sorgen für einen visuellen Wiedererkennungswert, der dem Studio schon bei Octopath Traveler gut zu Gesicht stand. Der Soundtrack von Yuto Moritani und Tomohiro Nakamachi verdient besondere Erwähnung: Er trägt weite Teile der emotionalen Beats des Spiels und gehört zu den am häufigsten gelobten Elementen in der bisherigen Kritikerresonanz.

Fazit

Team Asano beweist mit The Adventures of Elliot: The Millennium Tales, dass die Octopath-Macher auch außerhalb rundenbasierter Kämpfe ein sicheres Gespür für Weltenbau, Präsentation und befriedigende Fortschrittssysteme haben. Das Kampfsystem ist durchdacht, die Zeitreise-Prämisse hat echten Charme, und optisch gehört das Spiel zur Referenzklasse für HD-2D. Dass sich die vier Zeitalter spielerisch zu ähnlich anfühlen und Faie es mit dem Reden übertreibt, trübt den Gesamteindruck, ohne ihn zu zerstören. Wer klassische Zelda-Abenteuer vermisst und über spielerische Wiederholungen in der zweiten Hälfte hinwegsehen kann, bekommt hier eines der stimmigsten Action-Adventures des Jahres.

THE ADVENTURES OF ELLIOT: THE MILLENNIUM TALES
Team Asano / Claytechworks  ·  PC, PS5, Xbox Series X|S, Switch 2
Release: 18.06.2026
Getestet auf PC · Day-One-Version, Stand Juni 2026
8,2
von 10
✅  Stärken ❌  Schwächen
+ Durchdachtes, befriedigendes Echtzeit-Kampfsystem – Vier Zeitalter fühlen sich spielerisch zu ähnlich an
+ Charmante Zeitreise-Prämisse mit echtem Aha-Effekt – Faie redet spürbar zu viel
+ Referenzklasse-HD-2D-Optik und starker Soundtrack – Elliot bleibt als Hauptfigur blass
+ Große Boss-Kämpfe handwerklich stark inszeniert – Auflösungs-Bug und dünne Grafikoptionen auf PC
+ Tiefes Ausrüstungs- und Magicite-Fortschrittssystem – Framedrops im Switch-2-Handheld-Modus bei vielen Gegnern
Plattformen: PC, PS5, Xbox Series X|S, Nintendo Switch 2
Getestete Version: PC – Day-One-Version, Stand Juni 2026
UVP: 59,99 €
Für wen: Fans klassischer Zelda-Abenteuer, die HD-2D-Optik und Echtzeitkampf mit Zeitreise-Prämisse verbinden wollen
Offenlegung: Getestet auf Basis eines vom Publisher bereitgestellten Review-Codes.

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