Zelda-Timeline

Die Zelda-Timeline erklärt: So hängen alle Spiele zusammen

Wer zum ersten Mal versucht, die The Legend of Zelda-Reihe in eine sinnvolle Reihenfolge zu bringen, stößt schnell auf ein Problem: Die Spiele erschienen nie in der Reihenfolge, in der ihre Geschichten spielen. Innerhalb der Spielwelt Hyrule folgen die Ereignisse einer eigenen, von Nintendo festgelegten Logik – der offiziellen Zelda-Timeline. Sie ist keine einfache gerade Linie, sondern spaltet sich an einer zentralen Stelle in drei parallele Zeitstränge auf. Wer verstehen will, wie das älteste Spiel der Reihe, Ocarina of Time oder Breath of the Wild zeitlich zusammenhängen, kommt an dieser Aufteilung nicht vorbei.

Woher kommt die offizielle Zelda-Timeline?

Jahrzehntelang gab es dazu nur Vermutungen. Fans versuchten anhand von Gegenständen, Anspielungen und Handlungsdetails, eine eigene Chronologie zusammenzupuzzeln – offiziell bestätigt hatte Nintendo lange nichts. Erste vorsichtige Hinweise gab es bereits 2002 rund um den Release von The Wind Waker, als Interviewaussagen der Entwickler nahelegten, dass es hinter den Kulissen tatsächlich ein festes chronologisches Konzept geben könnte. 2007 bestätigte Produzent Eiji Aonuma dann öffentlich, dass es nach Ocarina of Time zwei parallele Zeitstränge gebe – die genaue dritte Verzweigung blieb aber noch offen.

Der große Durchbruch kam erst 2011, zum 25-jährigen Jubiläum der Reihe, mit dem Artbook Hyrule Historia. Das zunächst in Japan veröffentlichte Buch enthielt erstmals eine vollständige Timeline, erarbeitet von Aonuma und seinem Team, inklusive des bis dahin unbekannten dritten Strangs, in dem Link gegen Ganon verliert. In Deutschland erschien das Buch 2013 und stürmte hierzulande wie international die Bestsellerlisten für Sachbücher.

Eine erweiterte und aktualisierte Fassung folgte 2017 mit dem Buch Zelda: Encyclopedia (deutsche Ausgabe 2019), das auch später erschienene Titel wie A Link Between Worlds und Tri Force Heroes in die Chronologie einordnete. Seitdem wird die Timeline mit jedem neuen Haupttitel weiter ergänzt – zuletzt öffentlich sichtbar etwa auf aktualisierten Übersichtsgrafiken, die Nintendo bei Live-Events wie der Nintendo Live 2024 in Sydney zeigte, wo auch Echoes of Wisdom erstmals offiziell eingeordnet wurde.

Der Dreh- und Angelpunkt: Ocarina of Time

Der Grund für die Dreiteilung der Timeline liegt in einem einzigen Spiel: The Legend of Zelda: Ocarina of Time aus dem Jahr 1998. Link reist darin als Kind sieben Jahre in die Zukunft, um gegen Ganondorf zu bestehen. Am Ende der Geschichte wird er jedoch zurück in seine Kindheit geschickt, um Ganondorfs Aufstieg von vornherein zu verhindern. Genau dieser Zeitreise-Bruch erzeugt zwei unterschiedliche Zukünfte innerhalb der Spielwelt – dazu kommt eine dritte Möglichkeit, die eintritt, falls Link den finalen Kampf gegen Ganon stattdessen verliert.

Vor diesem Umbruch liegen chronologisch nur wenige Spiele: Skyward Sword, The Minish Cap, Four Swords und Ocarina of Time selbst. Erst danach teilt sich die Geschichte in die drei bekannten Stränge auf.

Die drei Zeitstränge im Überblick

1. Der Held wird besiegt (Downfall-Timeline)

In diesem Strang verliert Link den finalen Kampf gegen Ganon. Ohne den Helden der Zeit müssen spätere Generationen selbst gegen das Böse antreten. Hierher gehören zugleich die chronologisch ältesten Ereignisse der gesamten Reihe: Zunächst der sogenannte Siegelkrieg und die „Goldene Ära“ mit A Link to the Past (1991), gefolgt von Link’s Awakening (1993) und den beiden Oracle-Spielen Oracle of Ages und Oracle of Seasons (2001). Deutlich später innerhalb desselben Strangs spielen A Link Between Worlds (2013) und Tri Force Heroes (2015). Am Ende dieses Zweigs stehen paradoxerweise die beiden ältesten veröffentlichten Spiele der Serie: das ursprüngliche The Legend of Zelda von 1986 und sein Nachfolger Zelda II: The Adventure of Link von 1987, in denen ein neuer Held Jahrhunderte nach den vorherigen Ereignissen gegen ein wiederbelebtes Ganon antritt.

2. Kindheits-Zeitlinie (Child Timeline)

In diesem Strang kehrt Link als Kind aus der Zukunft zurück, bevor Ganons Herrschaft überhaupt beginnt – seine Erinnerungen an die durchlebte Zukunft verblassen jedoch mit der Zeit, und er verlässt Hyrule auf der Suche nach einer verlorenen Freundin. Diese Reise bildet die Grundlage für Majora’s Mask (2000), das direkt nach den Ereignissen von Ocarina of Time ansetzt. Später in diesem Strang spielen Twilight Princess (2006), in dem eine Schattenwelt Hyrule bedroht, sowie Four Swords Adventures (2004).

3. Erwachsenen-Zeitlinie (Adult Timeline)

Hier bleibt Link als Erwachsener in der Zukunft zurück. Ohne ihn verschwindet der Held der Legende irgendwann aus dem kollektiven Gedächtnis, und Hyrule wird Jahrhunderte später von den Göttern selbst überflutet, um es vor einem erneut erstarkenden Ganon zu schützen, nachdem kein neuer Held mehr erschienen ist. Dieses versunkene Hyrule bildet die Kulisse für The Wind Waker (2002), dessen unverkennbarer Cel-Shading-Grafikstil die Serie damals optisch stark veränderte. Die direkten Nachfolger Phantom Hourglass (2007) und Spirit Tracks (2009) setzen die Geschichte jeweils weitere Jahrzehnte später fort.

Wiederkehrende Elemente über alle drei Stränge hinweg

So unterschiedlich die drei Zeitstränge auch verlaufen, sie teilen dieselben zentralen Symbole: das Triforce als heiliges Artefakt der drei Göttinnen Din, Nayru und Farore, das Master-Schwert als Waffe gegen das Böse, sowie die immer wiederkehrenden Reinkarnationen von Link, Prinzessin Zelda und dem Dämonenkönig Ganon. Genau diese Konstanten sind es, die es Nintendo überhaupt erst erlauben, alle Spiele – trotz völlig unterschiedlicher Schauplätze und Jahrhunderte an Distanz – in einer einzigen zusammenhängenden Mythologie zu verankern.

Wo ordnen sich Breath of the Wild, Tears of the Kingdom und Echoes of Wisdom ein?

Die neueren Haupttitel spielen laut Nintendo so weit in der Zukunft, dass sich alle drei Zeitstränge längst wieder vereint haben. Diese Phase trägt in der offiziellen Timeline den Namen „Ära der Wildnis“. Breath of the Wild aus dem Jahr 2017 und sein direkter Nachfolger Tears of the Kingdom aus dem Jahr 2023 spielen beide in dieser Ära, Jahrhunderte nach den Ereignissen aller drei Stränge. Auch Echoes of Wisdom aus dem Jahr 2024, in dem erstmals Prinzessin Zelda selbst die spielbare Hauptfigur ist, wird in diesen späten Zeitraum eingeordnet.

Das bedeutet in der Praxis: Wer mit einem der beiden Switch-Titel eingestiegen ist, muss keine der älteren Spiele kennen, um die Handlung zu verstehen. Nintendo hat die „Ära der Wildnis“ bewusst als eigenständigen Neuanfang konzipiert, der auf keinem der drei Stränge direkt aufbaut, sondern nur lose auf sie verweist.

Chronologische Reihenfolge vs. Erscheinungsreihenfolge

Für Einsteiger lohnt sich ein Blick auf beide Perspektiven, denn sie unterscheiden sich stark. Die folgende Tabelle zeigt eine Auswahl der wichtigsten Haupttitel im Vergleich:

Spiel Erscheinungsjahr Position in der Timeline
Skyward Sword 2011 Vor der Aufspaltung
Ocarina of Time 1998 Auslöser der Aufspaltung
The Legend of Zelda 1986 Downfall-Timeline (spät)
A Link to the Past 1991 Downfall-Timeline (früh)
The Wind Waker 2002 Adult Timeline
Twilight Princess 2006 Child Timeline
Breath of the Wild 2017 Ära der Wildnis (nach allen Strängen)
Tears of the Kingdom 2023 Ära der Wildnis (nach Breath of the Wild)
Echoes of Wisdom 2024 Ära der Wildnis

Wie die Tabelle zeigt, liegt zum Beispiel Skyward Sword trotz seines Erscheinungsjahres 2011 ganz am Anfang der Chronologie, während das 1986 veröffentlichte Ur-Zelda in der Spielwelt vergleichsweise spät angesiedelt ist.

Warum die Timeline unter Fans umstritten bleibt

Aonuma selbst hat mehrfach betont, dass die Timeline eher rückwirkend zusammengesetzt wurde, um bestehende Widersprüche zwischen den Spielen zu erklären, statt von Anfang an als festes Gerüst für neue Titel zu dienen. Jedes Zelda-Team konzipiert seine Geschichte in erster Linie so, dass sie für sich alleine funktioniert – die Einordnung in die große Chronologie kommt meist erst im Nachhinein dazu, wenn ein Spiel bereits fertig ist oder kurz vor der Fertigstellung steht.

Für zahlreiche Spin-offs und Nebenspiele – etwa Hyrule Warriors, Cadence of Hyrule oder die beiden CD-i-Spiele aus den 1990er-Jahren – gilt die Einordnung offiziell als nicht kanonisch oder bewusst offen gelassen. Das erklärt, warum Fan-Communities bis heute eigene Interpretationen und alternative Zeitlinien-Theorien diskutieren, obwohl es längst ein offizielles Dokument gibt: Die Timeline beantwortet eben nicht jede Frage, die sich aus fast vier Jahrzehnten Serien-Lore ergeben hat, und lässt bewusst Interpretationsspielraum für Details, die für das eigentliche Spielerlebnis ohnehin keine Rolle spielen.

Empfohlene Reihenfolge für Einsteiger

Wer die Serie neu für sich entdeckt, muss sich nicht an der Timeline orientieren. Sinnvoller ist ein Einstieg über eines der beiden aktuellen Switch-Abenteuer, Breath of the Wild oder Tears of the Kingdom, da beide bewusst so gestaltet sind, dass keinerlei Vorwissen nötig ist. Wer danach tiefer in die Lore einsteigen möchte, findet mit Ocarina of Time den idealen zweiten Schritt, weil sich von dort aus die gesamte Verzweigung der drei Zeitstränge am leichtesten nachvollziehen lässt. Erst danach lohnt sich ein gezielter Blick in einen der drei Stränge – je nachdem, welcher Ton einen am meisten anspricht: das düsterere Downfall-Szenario, die melancholische Kindheits-Linie oder die maritime Erwachsenen-Zeitlinie rund um The Wind Waker.

Muss man die Spiele in Timeline-Reihenfolge spielen?

Nein. Jedes Hauptspiel ist in sich abgeschlossen konzipiert und erfordert kein Vorwissen aus früheren Teilen. Die Timeline ist in erster Linie ein nachträgliches Lore-Werkzeug für Fans, keine Spielanleitung. Wer neu einsteigt, fährt in der Regel besser mit der Erscheinungsreihenfolge oder direkt mit einem der zugänglicheren neueren Titel wie Breath of the Wild. Serienschöpfer Shigeru Miyamoto, der neben Zelda auch die Mario-Reihe mitgeprägt hat, legte von Beginn an Wert darauf, dass jedes Zelda-Abenteuer für sich funktioniert.

Wie sich diese Design-Philosophie über die Jahrzehnte entwickelt hat – von den ersten 8-Bit-Abenteuern bis zur offenen Welt von Hyrule – zeigt unser Überblick zur Geschichte der Zelda-Franchise.

FAQ zur Zelda-Timeline

Wie viele Zeitstränge hat die Zelda-Timeline?

Drei: die Downfall-Timeline, in der Link gegen Ganon verliert, die Child Timeline und die Adult Timeline. Alle drei entstehen durch die Zeitreise-Ereignisse in Ocarina of Time.

Ist Breath of the Wild ein Prequel oder eine Fortsetzung?

Keins von beidem im klassischen Sinn. Breath of the Wild spielt in der „Ära der Wildnis“, weit nach allen drei Zeitsträngen, nachdem diese sich wieder vereint haben.

Wo hat Nintendo die offizielle Timeline veröffentlicht?

Erstmals 2011 im Artbook Hyrule Historia, aktualisiert 2017 im Nachfolgeband Zelda: Encyclopedia.

Ist die gesamte Timeline offiziell kanonisch?

Für die meisten Haupttitel ja. Bei zahlreichen Spin-offs gilt die Einordnung dagegen als offen oder ausdrücklich nicht kanonisch.

Spielt Echoes of Wisdom vor oder nach Tears of the Kingdom?

Nintendo ordnet Echoes of Wisdom ebenfalls in die „Ära der Wildnis“ ein, also in dieselbe späte Zeitperiode wie Breath of the Wild und Tears of the Kingdom. Eine exakte Reihenfolge innerhalb dieser Ära hat Nintendo bislang nicht im Detail bestätigt.

Warum beginnt die Timeline nicht einfach mit dem ersten veröffentlichten Spiel?

Weil Erscheinungsdatum und Handlungszeitpunkt bei Zelda selten übereinstimmen. Das 1986 veröffentlichte The Legend of Zelda spielt story-technisch relativ spät innerhalb der Downfall-Timeline, während das erst 2011 erschienene Skyward Sword ganz am Anfang der gesamten Chronologie steht.

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