Arise: A Simple Story ist ein atmosphärisches Jump'n'Run für PS4, Xbox One und PC. Erschienen ist es am 3. Dezember 2019, entwickelt vom jungen Studio Piccolo Studio. Eine echte Herzensangelegenheit. Wir haben es auf der PS4 getestet.
Hier der Launch-Trailer:

Arise erzählt die Geschichte eines Lebens. Vom Anfang bis zum Ende …
Die Geschichte beginnt dort, wo das Leben normalerweise endet: mit dem Tod. Ein alter Mann liegt aufgebahrt auf einem Hügel, umgeben von Menschen in alten Gewändern. Sie scheinen zu trauern. Einer von ihnen tritt näher und entzündet mit einer Fackel die Bahre. Eingehüllt in Flammen beginnt sein persönliches Abenteuer. Unser Abenteuer. Wir erwachen durch ein geflüstertes „Arise!“ in einer eisigen, glitzernden und hellen Umgebung: einer schneebedeckten Gipfellandschaft. Der Blick fällt direkt auf den höchsten Gipfel, auf dem ein heller Stern zu leuchten scheint. Wir erheben uns aus dem sanften Schnee und halten nach einigen zaghaften Schritten an einem leuchtenden Monument, das eine Erinnerung des Mannes enthält. Um den höchsten Gipfel zu erreichen, müssen wir zehn Erinnerungen durchleben.

Simpel und ergreifend
Ab jetzt erkunden wir gemeinsam mit dem alten Mann die emotionalsten Höhen und Tiefen seines Lebens. Eine pure Achterbahnfahrt der Gefühle, Schmunzeln und Tränen in den Augen bleiben nicht aus. Erzählt wird diese Reise allein über Bilder und Musik. Es gibt keinen Erzähler, der uns durch die Geschichte führt, und keinen Text, den wir lesen müssen. Die einzigen Wörter sind die Namen der Erinnerungen bzw. Level. Ansonsten sind wir auf uns allein gestellt. Große Augen und Gänsehautmomente sind garantiert. Liebevolle, magische Details und eine Musik, die die Erinnerungen des Mannes perfekt untermalt, machen das Spiel zu einer ganz besonderen, gefühlvollen Erfahrung.

Die Reise führt durch verschiedene Lebensabschnitte: das Kennenlernen der großen Liebe in Kindertagen, das Verliebtsein, das Kind, das aus dieser Liebe entsteht, den Verlust und das Älterwerden. Wir durchleben die Erinnerungen mit Augen und Ohren. In jedem Level schweben außerdem kleine, leuchtende Punkte, die beim Einsammeln Zeichnungen der Erinnerungen freischalten. Diese kann man sich direkt im Spiel oder später noch einmal ansehen.
Wichtigste Fähigkeit: Zeitmanipulation
Um eine Erinnerung abzuschließen, nutzen wir die Zeitmanipulation. Mit dem rechten Analog-Stick spulen wir die Zeit vor und zurück oder halten sie an. So verändern wir Jahreszeiten, Wetter sowie Wachstum und Zerfall der Natur. Das Feature wird nie langweilig oder eintönig, weil wir die Fähigkeit in jedem Level neu entdecken und anwenden müssen. Wir verdrängen Wassermassen, stoppen herabstürzende Baumstämme oder Felsen und nutzen sie, um eine Schlucht zu überqueren.
Anfangs sind die Rätsel noch recht simpel, später steigt der Schwierigkeitsgrad aber deutlich an. An einer Stelle umgibt uns unsere Trauer in Gestalt dunkler Geister. Holen sie uns ein und berühren uns, starten wir am letzten Speicherpunkt neu. Hier ist das Wetter ein hilfreicher Gefährte: Regen, Blitz und Donner ebnen uns den Weg, wenn wir die Zeit passend vor- oder zurückspulen und den Blitzeinschlag genau timen. Licht verscheucht unsere Trauer, und wir passieren die Ebene, ohne eingeholt zu werden. Die Zeitmanipulation fühlt sich sehr flüssig und dynamisch an und ist das, womit wir in Arise die meiste Zeit verbringen.
Ein friedlicher Protagonist

Gewalt ist hier weder nötig noch möglich. Die einzigen Gegner sind Naturgewalten, Emotionen und eben unsere Trauer in Geistergestalt. Neben der Zeitmanipulation nutzen wir einen Haken, um scheinbar unüberwindbare Passagen zu meistern oder uns von Plattform zu Plattform zu schwingen. Sogar Bienen helfen uns dabei, den richtigen Weg zu finden.
Alle Erinnerungen, nein, die gesamte Welt ist ein liebevolles, aber auch melancholisches Kunstwerk. Wir sind nicht mehr jung und fit, sondern ein betagter Mann mit offensichtlichen Rückenproblemen, die sich nach tieferen Stürzen oder weiteren Sprüngen bemerkbar machen. Haben wir uns danach aufgerichtet und den Rücken „knacken“ lassen, geht es aber sofort weiter.
Die Kameraführung ergänzt die einzigartigen Panoramen, die Musik und die Steuerung perfekt. Und noch einmal zur Musik: Sie stammt von David García und ist, wie schon erwähnt, die perfekte Untermalung der „Simple Story“.
Fazit
Viel Negatives ist uns bei Arise: A Simple Story nicht aufgefallen. Es gibt nur eine Art Sammelobjekt in den Erinnerungen. Leider wecken diese kleinen Kunstwerke kaum Entdeckerlust, sodass man nicht unbedingt vom Hauptweg abweichen möchte.
Manchmal hakt die Steuerung etwas, und die Kameraperspektive ist nicht immer ein Vorteil: Manche Entfernungen lassen sich schlecht einschätzen, und man fällt öfter in die (tödliche) Dunkelheit. Dann beginnt man erneut am Speicherpunkt. Die sind aber sehr fair gesetzt, frustrierende Momente kamen nicht auf.
Da es auch einen lokalen Koop-Modus gibt, werde ich es auf jeden Fall noch einmal spielen und die emotionale Reise zu zweit antreten. Ein Spieler steuert den Mann, der andere manipuliert die Zeit. So muss man sich gegenseitig vertrauen und aufeinander abstimmen. Sicherlich eine schöne, aber auch anspruchsvolle Reise.
Mit Arise: A Simple Story bekommt man für 19,99 € (Preis zum Testzeitpunkt) ein atmosphärisches Spiel, das mit emotionaler Geschichte, spannendem Gameplay und liebevollen Details zur echten Überraschung wird.

