Kaum ein Franchise hat das Dungeon-Crawler-Genre so geprägt wie Diablo. Seit fast 30 Jahren schickt Blizzard Spieler in die Unterwelt von Sanktuario, hat das Action-RPG als eigenständiges Subgenre etabliert und mit seinem Loot-System praktisch jedes spätere Beute-basierte Spiel beeinflusst. Wir blicken auf die komplette Geschichte zurück — von der kleinen isometrischen Kathedrale in Tristram bis zu den frischen Ankündigungen der BlizzCon 2026, die pünktlich zum 30. Jubiläum der Reihe gleich mehrere Überraschungen bereithielt.
1996: Wie Blizzard North das Action-RPG neu erfand
Am 31. Dezember 1996 veröffentlichte das kleine Studio Blizzard North unter der Leitung von David Brevik ein Spiel, das die Grenzen zwischen Action und Rollenspiel verschwimmen ließ. In Diablo steigt der Spieler als einer von drei Helden — Krieger, Schurke oder Zauberer — in die sechzehn zufällig generierten Ebenen unter der Stadt Tristram hinab, um das personifizierte Böse zu bezwingen: Diablo, den Herrn des Schreckens, einen der drei Great Evils neben seinen Brüdern Mephisto und Baal. Die Steuerung reduzierte Blizzard North radikal auf einen einzigen Mausklick für Bewegung, Angriff und Interaktion — eine Zugänglichkeit, die das Spiel weit über die Zielgruppe klassischer Dungeon-Crawler wie Wizardry oder Rogue hinaus populär machte. Verstärkt wurde der Sog durch das zufällig generierte Loot-System und den kostenlosen Multiplayer-Dienst Battle.net, mit dem sich bis zu vier Spieler gemeinsam durch die Katakomben kämpfen konnten. Noch im selben Jahr erschien mit Diablo: Hellfire ein von Synergistic Software entwickeltes Erweiterungspaket auf CD-ROM — zu einer Zeit, in der digitale Zusatzinhalte noch physische Discs im Laden bedeuteten.
2000: Diablo II setzt den Maßstab für das gesamte Genre
Wo der erste Teil das Grundprinzip etablierte, perfektionierte Diablo II (2000) die Formel und wurde zum bis heute meistkopierten Bauplan des Genres. Fünf Akte, sieben Klassen (darunter der ikonische Barbar und die Amazone), ein deutlich ausgefeilteres Skill- und Rune-System sowie die berüchtigte Item-Wirtschaft rund um seltene Runenwörter machten Diablo II zu einem der einflussreichsten PC-Spiele überhaupt. Die Erweiterung Lord of Destruction (2001) fügte einen fünften Akt, die Assassine und den Druiden hinzu und etablierte mit Baal den nächsten Endgegner der Prime-Evil-Trilogie. Diablo II blieb so kulturell prägend, dass Blizzard dem Spiel 2021 mit Diablo II: Resurrected ein komplettes Grafik-Remaster spendierte, das die Originalmechanik nahezu unverändert beließ — inklusive der schwierigkeitsgrad-basierten Ladder-Seasons, die bis heute alle paar Monate mit neuen Regeln und einer zurückgesetzten Wirtschaft starten und eine der langlebigsten Spieler-Communities der PC-Gaming-Geschichte am Leben halten.
2012: Diablo III und der holprige Sprung in die moderne Ära
Nach über zehn Jahren Wartezeit erschien 2012 Diablo III — und geriet direkt in einen der größten Launch-Skandale der Blizzard-Geschichte, wie das nächste Kapitel zeigt. Die Erweiterung Reaper of Souls (2014) gilt gemeinhin als Rehabilitierung: Sie führte die Klasse Kreuzritter, das Endlos-Dungeon-System Nephalem-Reiche und das Season-Modell ein, das seither jede Diablo-Erweiterung begleitet. Mit dem kostenlosen Patch Rise of the Necromancer (2017) kehrte zudem die beliebte Nekromant-Klasse aus Diablo II zurück, und 2018 folgte mit Diablo III: Eternal Collection eine Konsolenfassung, die dem Spiel eine ganz neue, deutlich jüngere Zielgruppe auf Nintendo Switch erschloss.
2022: Diablo Immortal bringt die Reihe aufs Smartphone
Diablo Immortal, gemeinsam mit dem chinesischen Studio NetEase entwickelt, verlagerte die Reihe 2022 erstmals auf Mobilgeräte und PC. Zeitlich zwischen Diablo II und Diablo III angesiedelt, dreht sich die Handlung um die Scherben des zerstörten Weltsteins. Spielerisch überzeugte das kostenlose MMO-Action-RPG viele Kritiker, geriet aber wegen seiner aggressiven Monetarisierung — insbesondere der teils vierstelligen Kosten für optimal ausgestattete Legendary-Edelsteine — in die Schlagzeilen und wurde zu einem der meistdiskutierten Beispiele für Pay-to-Win-Mechaniken im Live-Service-Segment.
2023–2026: Diablo IV und das „Zeitalter des Hasses“
Mit Diablo IV kehrte die Hauptreihe 2023 zu ihren düsteren Wurzeln zurück: eine offene, zusammenhängende Welt, ein Fokus auf Gothic-Horror-Atmosphäre und Lilith als zentrale Antagonistin. Die erste Erweiterung Vessel of Hatred (2024) führte nach Nahantu und in die neue Spitzbuben-Klasse Geistrufer ein. Die zweite Erweiterung, Lord of Hatred, erschien am 28. April 2026 und bildet den Abschluss der „Zeitalter des Hasses“-Storyline: Der Kampf gegen Mephisto führt Spieler in die uralte Region Skovos mit der neuen Endgame-Hub-Stadt Temis, während die zurückkehrende Paladin-Klasse und der neue Hexenmeister das Klassenroster erweitern. Parallel überarbeitete Blizzard mit Patch 3.0 zentrale Endgame-Systeme wie Beutefilter und Kartenoverlay grundlegend.
Die Welt von Sanktuario: Engel, Dämonen und die Great Evils
Anders als viele Fantasy-Reihen erzählt Diablo seine Geschichte konsequent aus der Perspektive eines kosmischen Konflikts. Sanktuario, der Schauplatz aller Spiele, entstand einst heimlich als Zufluchtsort für Nephalem — Nachkommen aus Verbindungen zwischen Engeln und Dämonen, die im ewigen Krieg zwischen den Hochhimmeln und den Brennenden Höllen eigentlich gar nicht existieren dürften. Die sieben Great Evils, angeführt vom Trio Diablo (Herr des Schreckens), Mephisto (Herr des Hasses) und Baal (Herr der Zerstörung), wurden von den Horadrim — einem Magierorden, gegründet vom Engel Tyrael — einst in sogenannte Seelensteine verbannt. Jedes Hauptspiel der Reihe erzählt im Kern davon, wie diese Verbannung erneut zu scheitern droht. Diese in sich geschlossene, konsequent düstere Mythologie ist einer der Gründe, warum sich Diablo trotz vieler Nachahmer bis heute als eigenständige Marke behauptet.
Die Auktionshaus-Kontroverse: Diablo IIIs schwierigster Kapitel
Der Start von Diablo III 2012 gehört bis heute zu den meistdiskutierten Launches der Blizzard-Geschichte. Neben der Server-Überlastung durch „Error 37“ sorgte vor allem das Real-Money Auction House für Kritik: Spieler konnten im offiziellen Shop Items gegen echtes Geld ein- und verkaufen, was das gesamte Beutesystem des Spiels spürbar verzerrte — Blizzard musste die Drop-Raten künstlich niedrig halten, damit der Marktplatz nicht kollabierte. Die Community empfand das Grundprinzip als Widerspruch zum eigentlichen Diablo-Reiz, selbst das nächste legendäre Item zu finden. Blizzard reagierte 2014 mit der kompletten Abschaffung des Auktionshauses parallel zum Release von Reaper of Souls und einer Generalüberholung des Loot-Systems („Loot 2.0“) — ein seltener Fall, in dem ein Publisher ein zentrales Monetarisierungssystem vollständig zurückzog, weil es dem Spielgefühl schadete.
Diablo als Blaupause: Der Einfluss auf ein ganzes Genre
Kaum ein Franchise hat die Entwicklung eines eigenen Subgenres so geprägt wie Diablo. Titel wie Path of Exile (2013) von Grinding Gear Games übernahmen die Grundformel und bauten sie um ein noch komplexeres Skill-System und ein faires Free-to-Play-Modell aus. Torchlight, Grim Dawn und Last Epoch folgten mit eigenen Interpretationen desselben Prinzips: zufällig generierte Beute, stetig wachsende Charakterstärke und ein kurzer, hochgradig wiederholbarer Gameplay-Loop. Selbst außerhalb des klassischen Action-RPGs findet sich die Diablo-DNA wieder — im Loot-System von Borderlands, in den Beutemechaniken von Destiny oder in unzähligen Mobile-Games. Der Begriff „Diablo-like“ hat sich in der Spielepresse längst als eigenständige Genre-Bezeichnung etabliert, ähnlich wie „Soulslike“ für Dark Souls.
BlizzCon 2026: 30 Jahre Diablo und drei große Ankündigungen
Passend zum 30-jährigen Jubiläum der Reihe hatte Blizzard auf der BlizzCon-Eröffnungszeremonie am 12. September 2026 gleich mehrere Überraschungen für Diablo-Fans parat.
Diablo V: Eine Welt, in der das Böse bereits gewonnen hat
Blizzard bestätigte offiziell Diablo V für das Frühjahr 2029. Die Prämisse dreht sich um einen radikalen Perspektivwechsel: Statt eines weiteren heroischen letzten Gefechts spielt die Handlung rund 100 Jahre nach den Ereignissen von Diablo IV — in einem Sanktuario, das bereits vollständig gefallen ist und in dem Diablo den Sieg längst errungen hat. Gezeigt wurde bislang nur ein atmosphärischer Teaser-Trailer ohne Gameplay; konkrete Klassen und Spielmechaniken sollen erst in einem späteren Entwickler-Panel folgen.
Diablo bekommt eine animierte Serie bei Netflix
Blizzard-Präsidentin Johanna Faries verkündete zudem, dass eine animierte Diablo-Serie gemeinsam mit Netflix in Entwicklung ist — ein Projekt, das seit 2018 im Gespräch war, nachdem eine frühere Anime-Version aus rechtlichen Gründen verworfen worden war. Details zu Handlung, Studio oder Starttermin nannte Blizzard noch nicht, deutete aber an, dass die Serie „erst der Anfang“ sei: Auch für Warcraft und Overwatch gebe es bereits Gespräche über mögliche Adaptionen.
Amazone kehrt 2027 zurück, Switch-2-Port und neue Season
Für das laufende Diablo IV kündigte Blizzard an, dass die aus Diablo II bekannte Amazonen-Klasse in der ersten Jahreshälfte 2027 als nächster großer Klassenzuwachs zurückkehren wird. Kurzfristiger relevant: Bereits am 15. September 2026 erscheint Diablo IV offiziell für Nintendo Switch 2, begleitet vom Start der neuen Season „Hell’s Legacy“ mit neuen Seelensplittern und nostalgischen Unique-Items aus früheren Teilen der Reihe.
Warum Diablo bis heute das Action-RPG-Genre prägt
Kaum ein anderes Franchise hat ein ganzes Subgenre so nachhaltig definiert. Titel wie Path of Exile, Grim Dawn oder Last Epoch werden bis heute unmittelbar an Diablo gemessen — Kritiker und Fans sprechen längst selbstverständlich von „Diablo-likes“. Die Kernformel aus zufällig generierter Beute, stetig wachsender Charakterstärke und dem kurzen, süchtig machenden Gameplay-Loop hat weit über das eigene Genre hinaus gewirkt und findet sich heute in Loot-Shootern, Roguelites und sogar Mobile-Games wieder. Dass Blizzard mit Diablo V nun bewusst mit der Erzählstruktur bricht — eine Welt zeigt, in der die Helden am Ende eben nicht gewonnen haben — unterstreicht, wie sehr sich die Serie auch nach drei Jahrzehnten noch traut, ihre eigene Formel infrage zu stellen. Bemerkenswert ist dabei auch, wie breit Blizzard die Marke inzwischen aufstellt: Ein waschechtes Hauptspiel-Sequel für 2029, ein laufendes Live-Service-Spiel mit jährlichen Erweiterungen, ein Mobile-Ableger und nun auch eine Serienadaption bei einem der größten Streaming-Anbieter der Welt laufen erstmals alle parallel — ein Signal dafür, dass Diablo für Blizzard längst nicht mehr nur ein einzelnes Spiel, sondern eine eigenständige Marke mit mehreren Standbeinen ist.
Häufig gestellte Fragen zu Diablo
Wann ist das erste Diablo erschienen?
Diablo erschien am 31. Dezember 1996 für PC, entwickelt vom mittlerweile aufgelösten Studio Blizzard North unter der Leitung von David Brevik.
Wie viele Hauptteile hat die Diablo-Reihe?
Mit Diablo, Diablo II, Diablo III und Diablo IV zählt die Reihe aktuell vier Hauptspiele. Diablo V wurde für Frühjahr 2029 angekündigt und wird der fünfte Hauptteil.
Was ist Diablo V und wovon handelt es?
Diablo V ist der für Frühjahr 2029 angekündigte fünfte Hauptteil der Reihe. Die Handlung spielt rund 100 Jahre nach Diablo IV in einem Sanktuario, in dem Diablo den Kampf gegen die Menschheit bereits gewonnen hat.
Bekommt Diablo eine Serie?
Ja, Blizzard hat auf der BlizzCon 2026 eine animierte Diablo-Serie in Zusammenarbeit mit Netflix angekündigt. Details zu Handlung, Produktionsstudio und Starttermin stehen noch aus.
Ist Diablo Immortal Teil der offiziellen Story?
Ja. Diablo Immortal ist zeitlich zwischen Diablo II und Diablo III angesiedelt und behandelt kanonisch die Suche nach den Scherben des zerstörten Weltsteins, bevor die Ereignisse von Diablo III einsetzen.
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