Festplattenhersteller

Festplattenhersteller: Warum von über 200 nur noch drei übrig sind

Festplattenhersteller gibt es heute nur noch drei: Seagate, Western Digital und Toshiba. Wer eine klassische Festplatte kauft, landet zwangsläufig bei einem von ihnen. Das war nicht immer so. Seit 1956 haben mindestens 218 Firmen Festplatten gebaut, Mitte der 1980er-Jahre konkurrierten rund 75 Hersteller gleichzeitig. Wie aus diesem Gedränge ein Dreierfeld wurde, zeigt dieser Überblick.

Welche Festplattenhersteller gibt es noch?

Drei: Seagate, Western Digital (WD) und Toshiba. Alle drei sind zumindest teilweise durch Übernahmen gewachsen. Nach Branchenschätzungen für 2025 entfielen bei den ausgelieferten Festplattenkapazitäten rund 47 Prozent auf Western Digital, 42 Prozent auf Seagate und 11 Prozent auf Toshiba.

  • Seagate wurde 1979 von Al Shugart, Finis Conner und drei weiteren Mitgründern gegründet, zunächst unter dem Namen Shugart Technology. Schon 1980 kam mit der ST-506 die erste 5,25-Zoll-Festplatte auf den Markt.
  • Western Digital begann als Chiphersteller und lieferte unter anderem die Festplatten-Controller für IBMs PC/AT. Eigene Laufwerke baut WD erst seit 1988, als das Unternehmen die Festplattenfertigung von Tandon kaufte. Die Flash-Sparte ist seit 2025 als eigenständiges Unternehmen Sandisk ausgegliedert, das Anfang 2026 auch die SSD-Marken WD_BLACK und WD Blue umbenannt hat.
  • Toshiba ist bereits seit 1967 im Festplattengeschäft und damit der älteste der drei. 2009 übernahm der Konzern die Festplattensparte von Fujitsu.

Viele andere Namen auf Festplatten sind nur noch Marken. LaCie gehört seit 2012 mehrheitlich und seit Ende 2013 vollständig zu Seagate, HGST ist seit 2012 Teil von Western Digital. Wer eine externe Festplatte eines anderen Anbieters kauft, bekommt darin zwangsläufig ein Laufwerk eines der drei Hersteller. Bei SSDs sieht das ganz anders aus: Dort verkaufen deutlich mehr Firmen eigene Laufwerke, darunter Speicherspezialisten wie Kingston. Wie diese aufgebaut sind, erklärt der Artikel SSD erklärt.

Der Anfang: IBMs Festplatte im Kühlschrankformat

Die erste Festplatte der Welt stammt von IBM. Im September 1956 lieferte der Konzern das System 305 RAMAC aus. Dessen Speichereinheit IBM 350 bewahrte auf 50 Magnetscheiben mit je 24 Zoll Durchmesser rund fünf Millionen Zeichen auf, umgerechnet je nach Rechenweg 3,75 bis 5 Megabyte. Das Gerät wog etwa eine Tonne und war so groß wie zwei Kühlschränke. Kaufen konnte man es nicht: IBM vermietete die Anlage für 3.200 US-Dollar im Monat und baute mehr als 1.000 Exemplare.

In den folgenden Jahrzehnten blieben Festplatten ein Thema für Großrechner und Firmenkunden. 1967 stiegen Toshiba und Hitachi in das Geschäft ein, über die Jahre bauten auch Computerkonzerne wie Control Data, Digital Equipment (DEC) und Hewlett-Packard eigene Laufwerke.

Der Boom der 80er: Plötzlich baute jeder Festplatten

Den Wendepunkt brachte der Personal Computer. Seagates ST-506 von 1980 speicherte fünf Megabyte, passte in den Schacht eines 5,25-Zoll-Diskettenlaufwerks und kostete zum Start 1.500 US-Dollar. Ihre Schnittstelle wurde zum Industriestandard, schon 1981 lieferten zehn weitere Hersteller vergleichbare Laufwerke aus. Mit dem 10-MB-Nachfolger ST-412 wurde Seagate zum wichtigen Zulieferer für den IBM PC XT, und ab dem IBM AT von 1984 gehörte eine Festplatte zur Standardausstattung neuer PCs.

Der Markt explodierte. Laut Jim Porter vom Marktforscher Disk/Trend gab es 1985 weltweit rund 75 Festplattenhersteller. Darunter waren Namen, die heute kaum noch jemand kennt. Rodime aus Schottland brachte 1983 die erste 3,5-Zoll-Festplatte heraus, also das Format, das bis heute Standard ist. Auch der deutsche Chemiekonzern BASF taucht in Listen früherer Hersteller auf, und sogar Apple fertigte ab 1984 knapp zwei Jahre lang mit dem „Widget“ ein eigenes 20-MB-Laufwerk für den Lisa-Computer. Conner Peripherals, gegründet vom Seagate-Mitgründer Finis Conner, galt 1989 als das am schnellsten gewachsene Unternehmen der US-Geschichte.

Die oft genannte Zahl von über 200 Herstellern bezieht sich übrigens auf die gesamte Geschichte, nicht auf einen bestimmten Zeitpunkt. Die englischsprachige Wikipedia zählt mindestens 218 Unternehmen, die seit 1956 Festplatten gebaut haben, der Branchendienst StorageNewsletter kommt auf 221.

Warum so viele Hersteller aufgaben

Bis zum Jahr 2000 schrumpfte das Feld laut Disk/Trend auf neun Firmen. Als Hauptgrund nannte Porter das enorme Entwicklungstempo: Wer im Januar ein neues Laufwerk vorstellte, musste schon im dritten Quartal den Nachfolger liefern. Dazu kamen Preiskämpfe und teure Fabriken, die ab Mitte der 1980er-Jahre vor allem in Singapur und später in Malaysia, Thailand, auf den Philippinen und in China entstanden. Wer nicht mithalten konnte, ging pleite oder wurde gekauft. So verschwanden selbst Schwergewichte wie Control Data, DEC und Hewlett-Packard aus dem Festplattenmarkt.

Die großen Übernahmen im Überblick

Jahr Festplattengeschäft von ging an
1988 Tandon Western Digital
1989 Control Data (Imprimis) Seagate
1990 MiniScribe Maxtor
1994 Digital Equipment (DEC) Quantum
1996 Conner Peripherals Seagate
2001 Quantum Maxtor
2002 IBM Hitachi (später HGST)
2006 Maxtor Seagate
2009 Fujitsu Toshiba
2011 Samsung Seagate
2012 HGST (Hitachi) Western Digital

Der letzte große Zusammenschluss lief nicht ohne Auflagen. Damit bei 3,5-Zoll-Festplatten für Desktop-PCs nicht nur zwei Anbieter übrig blieben, musste Western Digital Teile der Fertigung an Toshiba abgeben. Die chinesischen Behörden verlangten zudem, HGST mindestens zwei Jahre lang als eigenständigen Wettbewerber weiterzuführen. Danach war das heutige Dreierfeld komplett. Namen wie Quantum, Maxtor oder Conner begegnen einem heute vor allem noch beim Retro-Gaming, wenn alte PCs wieder flottgemacht werden.

Festplatten und Gaming: Von der Xbox bis zur Flut in Thailand

Für Konsolenspieler wurde die Festplatte mit der ersten Xbox zum Thema. Microsofts Konsole kam 2001 als erste Konsole mit eingebauter Festplatte auf den Markt: ein 3,5-Zoll-Laufwerk mit 8 GB für Spielstände, Downloads aus Xbox Live und als Zwischenspeicher für kürzere Ladezeiten. Für Microsoft war das teuer. Der frühere Xbox-Manager Peter Moore erklärte später, die Festplatte habe pro Gerät rund 70 US-Dollar gekostet, während Microsoft die Konsole zuletzt für 199 US-Dollar verkaufte.

Sony rüstete die PlayStation 2 mit einer 40-GB-Festplatte als Zubehör nach: in Japan ab 2001, in Nordamerika 2004 im Paket mit dem Online-Rollenspiel Final Fantasy XI, das ohne Festplatte nicht lief. In Europa gab es das Laufwerk nur im Linux-Kit. Mit PS3 und Xbox 360 wurden 2,5-Zoll-Festplatten zum Konsolenalltag, bis die aktuelle Konsolengeneration 2020 auf schnelle SSDs umstieg.

Wie abhängig auch Spieler von wenigen Herstellern sind, zeigte 2011 eine Flutkatastrophe in Thailand. Das Land fertigte damals 40 bis 45 Prozent aller Festplatten, mehr als ein Dutzend Werke mussten schließen. Die Preise schossen nach oben: Ein britisches Vergleichsportal maß zwischen Anfang Oktober und Mitte November einen Anstieg um rund 150 Prozent. Händler meldeten mehr Bestellungen von SSDs, obwohl diese pro Gigabyte noch ein Vielfaches kosteten. Warum heute kaum ein aktuelles Spiel ohne SSD auskommt, erklärt der Vergleich SSD vs. HDD beim Gaming.

Festplatten 2026: Gefragt wie lange nicht

Abgeschrieben sind Festplatten deshalb noch lange nicht. Im Gegenteil: Der KI-Boom hat sie zur knappen Ware gemacht. Western Digital und Seagate haben ihre Produktion für 2026 weitgehend an Rechenzentren und Cloud-Anbieter vergeben. Bei Western Digital stammen inzwischen rund 89 Prozent des Umsatzes aus dem Cloud-Geschäft, Endkunden machen nur noch etwa fünf Prozent aus. Der Grund ist simpel: Für riesige Datenmengen zählt der Preis pro Terabyte mehr als die Geschwindigkeit. Genau damit argumentierte Toshiba schon 2020.

Technisch geht es weiter nach oben. Seagate liefert seit 2025 Festplatten mit 30 TB aus, die auf HAMR (Heat-Assisted Magnetic Recording) basieren: Ein winziger Laser erhitzt beim Schreiben jeweils einen kleinen Punkt der Scheibe, damit sich die Daten dichter packen lassen. Mit der Plattform Mozaic 4+ sind inzwischen 44 TB möglich, für 2028 plant Seagate Laufwerke der 50-TB-Klasse, bis 2032 sollen mehr als 100 TB pro Festplatte folgen. Wie weit SSDs bei der Kapazität gekommen sind, zeigt der Überblick zur größten SSD der Welt.

Häufige Fragen zu Festplattenherstellern

Welche Festplattenhersteller gibt es noch?

Nur noch drei: Seagate, Western Digital und Toshiba. Alle anderen Festplattenmarken gehören entweder zu einem dieser Konzerne oder verbauen deren Laufwerke. Bei den 2025 ausgelieferten Kapazitäten lag Western Digital knapp vor Seagate, Toshiba folgt mit deutlichem Abstand.

Wer hat die Festplatte erfunden?

IBM. Ein Team um den Ingenieur Reynold B. Johnson entwickelte die IBM 350, die im September 1956 als Teil des Systems 305 RAMAC ausgeliefert wurde. Sie speicherte rund fünf Millionen Zeichen auf 50 Scheiben und wog etwa eine Tonne.

Wie viele Festplattenhersteller gab es?

Seit 1956 haben mindestens 218 Firmen Festplatten gebaut, je nach Zählung auch 221. Gleichzeitig am Markt waren aber nie so viele. Den Höchststand erreichte die Branche Mitte der 1980er-Jahre mit rund 75 Herstellern, im Jahr 2000 waren es noch neun.

Gibt es deutsche Festplattenhersteller?

Heute nicht. Historisch taucht der Chemiekonzern BASF in Listen früherer Hersteller auf. Montiert werden Festplatten heute überwiegend in Asien, vor allem in China, Thailand, Malaysia und auf den Philippinen.

Gehören LaCie, HGST und Maxtor zu den großen drei?

Ja. LaCie gehört zu Seagate, ebenso Maxtor: Seagate übernahm den Hersteller 2006 und belebte den Namen 2016 als Marke wieder. HGST, ursprünglich die Festplattensparte von IBM und danach von Hitachi, ist seit 2012 Teil von Western Digital.

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