Wollte Sony Nintendo mit der PlayStation vernichten? Ken Kutaragi, der „Vater der PlayStation“, weist diese Version der Geschichte zurück. In einem Interview mit GamesIndustry.biz auf dem Event Game Republic New Horizons in Großbritannien sagte er, er habe nie gedacht, Nintendo zerstören zu müssen. Von Rachegefühlen könne keine Rede sein.
Der geplatzte CD-ROM-Deal
Hintergrund der Legende ist ein berühmter Streit aus den frühen 1990er-Jahren. Sony und Nintendo arbeiteten damals an einem CD-ROM-Laufwerk für das Super Nintendo, intern „SNES Play Station“ genannt. Dann kündigte Nintendo überraschend eine ähnliche Partnerschaft mit Philips an und ließ Sony außen vor. Lange hieß es, Kutaragi sei darüber schockiert gewesen und habe daraufhin die PlayStation aus Rache entwickelt.
Genau das bestreitet er. Der Schock habe sich schnell ins Positive gewendet: Sony sei nun frei gewesen, eine eigene Plattform zu bauen, ohne Vorgaben aus der Zusammenarbeit mit Nintendo. Die PlayStation erschien Ende 1994 in Japan und wurde zu einem der erfolgreichsten Gaming-Systeme überhaupt.
Kritik an Kosten und Hardwaremarkt
Im selben Interview äußerte sich Kutaragi auch zur aktuellen Lage der Branche. Die Entwicklung großer Spiele, an denen über Jahre Tausende Menschen arbeiten, hält er nach eigener Aussage kaum für durchhaltbar. Er kritisiert die steigenden Kosten. Den Hardwaremarkt hält er wegen der gestiegenen Komponentenpreise für ungesund. Selbst spielt er nach eigenen Angaben nicht mehr, weil ihn seine berufliche Rolle eingenommen habe.
Was bedeutet das für Fans?
Die Aussagen entzaubern einen der beliebtesten Mythen der Spielegeschichte. Ob Kutaragis Version die ganze Wahrheit ist, lässt sich nicht überprüfen – im Rückblick fällt es leicht, Motive abzumildern. Interessant ist die Aktualität: Seine Kritik an den Hardwarekosten fällt in eine Zeit, in der über den Preis der PlayStation 6 spekuliert wird. Nintendo wiederum hat mit der Nintendo Switch 2 längst eine eigene Antwort auf die Entwicklung gegeben.
Quelle: Interview von GamesIndustry.biz mit Ken Kutaragi