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Waterdrop wächst um jeden Preis – und meine Bestellung bleibt einfach liegen

Am 11. Juli 2026 um 12:23 Uhr bekomme ich die Bestellbestätigung von waterdrop. Fünf Tage später, am 16. Juli um 12:24 Uhr, folgt keine Versandbestätigung, sondern eine E-Mail, die mir erklärt, dass es „manchmal zu Verzögerungen kommen kann“. Der Grund, den waterdrop selbst nennt: erhöhtes Auftragsvolumen. Auf meine Nachfrage, was das für mich konkret bedeutet, bekomme ich zwei Stunden später eine automatisierte Antwort – auf Englisch.

Das ist kein Einzelfall, und genau das ist das eigentliche Problem. Wer sich durch aktuelle Kundenbewertungen liest, findet das gleiche Muster immer wieder: Bestellungen, die tagelang nicht verschickt werden, Kundenservice-Antworten, die nichts beantworten, und ein Unternehmen, das gleichzeitig eine Rekord-Finanzierungsrunde nach der nächsten feiert. Waterdrop wächst – keine Frage. Die Frage ist, ob Logistik und Support mitwachsen.

Was am 16. Juli tatsächlich in meinem Postfach lag

Die erste Mail trägt den Betreff „Ein Update zu deiner Bestellung“ – klingt nach einer Information, ist aber keine. Der komplette Inhalt, ungekürzt:

„Vielen Dank für deine Bestellung! In der Regel haben wir eine Lieferzeit von 8-9 Werktagen und bemühen uns natürlich, dass du deine Bestellung innerhalb dieses Zeitrahmens erhältst. Manchmal kann es leider zu Verzögerungen kommen, die auf verschiedene Faktoren zurückzuführen sind, wie z.B. ein erhöhtes Auftragsvolumen. Wir bitten dich noch um ein paar Tage Geduld – deine Bestellung ist ganz bald bei dir!“

Kein Tracking-Link. Kein Sendungsstatus. Kein konkretes Datum. Stattdessen die Bitte um Geduld, verpackt in eine Massenmail, die offensichtlich an alle verzögerten Bestellungen gleichzeitig rausgeht. Ich habe geantwortet, ziemlich direkt:

„Das wird ja immer schlimmer. Heißt ich weiß jetzt nicht genau wann ich meine Lieferung bekomme und muss mir jetzt zwischenzeitlich was anderes kaufen? Oder geht ihr davon aus das ich mir immer einen riesigen Vorrat horte und dann sehr frühzeitig bestelle?“

Zwei Stunden später kam die Antwort – komplett auf Englisch, komplett automatisiert: Man werde sich „innerhalb von 3 Werktagen“ melden, bis dahin könne ich ja in den FAQ nachschauen. Auf meine eigentliche Frage: kein einziges Wort. Bis heute, drei Tage später, ist weder eine echte Antwort noch eine Versandbestätigung eingetroffen.

Fairerweise muss man dazusagen: So war es nicht immer. Frühere Bestellungen bei waterdrop kamen bei mir noch innerhalb von zwei bis drei Tagen an – spürbar schneller als die inzwischen kommunizierten 8-9 Werktage, und ohne jede Verzögerungsmail. Das ist allerdings schon eine Weile her. Genau dieser Vergleich macht die aktuelle Erfahrung erst wirklich aussagekräftig: Es geht nicht um ein einzelnes schlechtes Erlebnis, sondern um eine Verschlechterung, die sich zeitlich ziemlich genau mit der aktuellen Wachstumsphase der Marke deckt.

Kein Einzelfall – ein wiederkehrendes Muster

Ein Blick in aktuelle Trustpilot-Bewertungen zeigt, dass genau dieses Erlebnis derzeit häufiger auftaucht. Ein Rezensent aus dem Juni 2026 beschreibt fast exakt dieselbe Situation: Bestellungen, die montags aufgegeben werden, aber faktisch erst freitags das Lager verlassen – mit der ausdrücklichen Vermutung, dass die lange Versanddauer mit der hohen Nachfrage zusammenhängt. Andere Kundinnen und Kunden berichten, dass der Support keine verlässliche Auskunft zum Lieferstatus geben kann, oder dass Rückfragen mit sichtlich vorformulierten, am eigentlichen Anliegen vorbeigehenden Textbausteinen beantwortet werden. Auch Retouren-Abwicklungen sollen sich in Einzelfällen über Monate hinziehen. Die Produktqualität wird dabei fast durchgängig separat gelobt – kritisiert wird fast ausschließlich das, was hinter den Kulissen passiert: Versand, Kommunikation, Erreichbarkeit.

Die Wachstumsgeschichte, die im Hintergrund läuft

Dass ausgerechnet jetzt das Auftragsvolumen als Verzögerungsgrund genannt wird, ist kein Zufall. Waterdrop befindet sich mitten in der aggressivsten Expansionsphase seiner Firmengeschichte. Im Mai 2026 hat das Wiener Scale-up eine Finanzierungsrunde von mehr als 100 Millionen Euro abgeschlossen, mit neuen Geldgebern wie Aspeya, Atlantic Grupa und dem Ski-Weltcup-Athleten Aleksander Aamodt Kilde – zusätzlich zur bestehenden Investorenbasis rund um Temasek, Döhler und Bitburger. Die Marke ist mittlerweile an mehr als 20.000 Verkaufsstellen sowie in rund 50 eigenen Stores weltweit vertreten, Tendenz weiter steigend. Erst Anfang 2026 hatte waterdrop verkündet, nach einem „Rekordjahr“ 2025 erstmals gruppenweit profitabel zu arbeiten, mit 14 eigenen Stores allein in Deutschland. Im Juni 2026 folgte die Ankündigung, sich in den wichtigsten Märkten noch lokaler aufzustellen – den Anfang macht Deutschland mit einem neuen General Manager. Dazu kommt die Präsenz im stationären Handel, die inzwischen kaum noch zu übersehen ist: Regale bei Edeka, Auftritte bei dm, dazu eigene Stores im Nespresso-Stil, die auch in deutschen Innenstädten auftauchen.

Kurz gesagt: Auf der Vertriebs- und Marketingseite tritt waterdrop aktuell voll aufs Gas. Ob Fulfillment, Lagerlogistik und Kundenservice in genau diesem Tempo mitgewachsen sind, lässt sich von außen nicht mit Sicherheit beurteilen – die eigene Mail vom 16. Juli, die „erhöhtes Auftragsvolumen“ explizit als Verzögerungsgrund nennt, spricht aber eine eigene Sprache.

Ein bekanntes Phänomen

Was hier passiert, ist kein neues Phänomen, sondern ein ziemlich klassisches: Ein Produkt wird erfolgreich, die Marke wird präsenter, das Geschäft läuft – aber die Struktur dahinter hält nicht Schritt. Neue Vertriebskanäle, neue Länder, neue Stores lassen sich vergleichsweise schnell aufbauen. Ein Fulfillment-Netzwerk, das plötzlich ein Vielfaches an Paketen zuverlässig und schnell verschicken muss, und ein Kundenservice-Team, das mit einer wachsenden Zahl an Anfragen individuell und lösungsorientiert umgehen kann, lassen sich dagegen nicht über Nacht skalieren. Genau in dieser Lücke – zwischen Wachstumstempo und Servicequalität – scheinen sich aktuell viele der Beschwerden abzuspielen, die man online zu waterdrop findet.

Fazit

Ich will fair bleiben: Es gab Zeiten, da hat bei mir bei waterdrop alles reibungslos funktioniert, inklusive Lieferung in wenigen Tagen. Genau deshalb wiegt die aktuelle Erfahrung schwerer, als sie es bei einer Marke täte, die schon immer langsam und unzuverlässig war. Am Produkt selbst habe ich nichts auszusetzen, das betonen in den Bewertungen auch die meisten anderen Kundinnen und Kunden. Was mich stört, ist etwas anderes: eine Mail, die Verzögerung mit den eigenen Erfolgszahlen begründet, gefolgt von einer automatisierten Antwort in einer Sprache, die nicht einmal meine eigene ist – während im Hintergrund neue Filialen eröffnet, neue Partnerschaften verkündet und neue Millionen eingesammelt werden. Wachstum ist kein Problem. Ein Problem wird es dann, wenn die Kundschaft, die dieses Wachstum überhaupt erst finanziert, dabei auf der Strecke bleibt. Ob sich daran etwas ändert, wird sich zeigen – ich werde berichten, sobald es eine echte Antwort oder eine Lieferung gibt.

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