Obsidian Entertainment arbeitet einem Bericht von Bloomberg-Journalist Jason Schreier zufolge an einem neuen Fallout-Spiel unter der Leitung von New-Vegas-Regisseur Josh Sawyer – wir haben die Details dazu bereits eingeordnet. Für viele Fans ist das die Nachricht, auf die sie seit Jahren gewartet haben – New Vegas gilt bis heute für einen großen Teil der Community als der beste Fallout-Teil überhaupt. Und doch lohnt sich ein zweiter Blick auf die Umstände, unter denen dieses Projekt entsteht, bevor man in ungebremste Vorfreude verfällt.
Was bedeutet das konkret?
Das neue Fallout-Vorhaben kommt nicht isoliert, sondern im Zuge eines größeren Konzernumbaus: Xbox hat unter CEO Asha Sharma einen als „Reset“ bezeichneten Kurswechsel samt umfangreicher Entlassungen angekündigt, den wir bereits im Detail aufgearbeitet und eingeordnet haben. Berichten zufolge ist rund ein Viertel der Stellen bei Obsidian betroffen. Parallel dazu wurde laut Schreier eine Fortsetzung zu Avowed sowie weitere unangekündigte Projekte gestrichen, um Kapazitäten für das Fallout-Projekt freizumachen. Schreier selbst weist ausdrücklich darauf hin, dass die Strategie „noch im Fluss“ sei – eine Garantie, dass das Spiel tatsächlich erscheint, gibt es damit nicht.
Aus unserer Sicht lassen sich daraus zwei plausible Lesarten ableiten, und beide haben etwas für sich. Die eine: Xbox nutzt endlich das Potenzial seiner eigenen Studios, indem es das erfahrenste verfügbare Team – rund um Sawyer, der neben New Vegas auch für das gefeierte Pentiment verantwortlich war – an genau das Franchise setzt, für das es am besten geeignet ist. Das wäre eine überfällige, aber grundsätzlich sinnvolle Entscheidung. Die andere Lesart: Ein Projekt, das im selben Atemzug wie Entlassungen und Streichungen anderer Spiele verkündet wird, wirkt weniger wie eine strategische Weichenstellung als wie eine Reaktion unter Druck – mit dem Risiko, dass ein Team unter solchen Vorzeichen kaum die Ruhe hat, die ein Spiel wie New Vegas seinerzeit brauchte.
Ein Muster, das uns dabei auffällt: Auch bei anderen Xbox-Marken lief die Kommunikation zuletzt nicht immer geradlinig. Rund um die Zukunft von Marvel’s Blade bei Arkane gab es zwischenzeitlich Sorgen um eine mögliche Einstellung, die kurz darauf wieder dementiert wurden. Auch zur Zukunft von The Elder Scrolls 6 und Fallout 5 musste sich Bethesda öffentlich äußern, um Spekulationen einzudämmen. In der Summe entsteht der Eindruck einer Kommunikationsstrategie, die eher auf Nachfragen reagiert, als von sich aus Klarheit zu schaffen.
Unsere eigene Einschätzung: Die Freude über ein mögliches neues Fallout von Obsidian ist berechtigt – das Team um Sawyer hat sich diesen Vertrauensvorschuss redlich verdient. Gleichzeitig sollte man sich als Fan nicht zu früh festlegen. Solange weder Umfang noch Zeitrahmen noch eine offizielle Bestätigung vorliegen und die Ankündigung selbst im Schatten von Kürzungen steht, ist Zurückhaltung angebracht. Ein Vergleich, der uns dabei einleuchtet, betrifft auch Sonys Umgang mit Naughty Dog, dessen aktuelle Lage wir ebenfalls eingeordnet haben: Auch dort zeigt sich, wie schwer sich große Plattformhalter aktuell damit tun, ihre profiliertesten Studios konsequent und langfristig zu planen, statt von Krise zu Krise zu reagieren.
Wir bleiben an dem Thema dran und melden uns, sobald belastbarere Details zu Umfang, Zeitrahmen oder einer offiziellen Bestätigung vorliegen.






