Glen Schofield, Schöpfer von Dead Space und ehemaliger Chef von Striking Distance Studios, hat erstmals über einen geplanten zweiten Teil von The Callisto Protocol gesprochen. Im Interview mit GamesIndustry.biz schildert er außerdem, wie stark Publisher Krafton und die Corona-Pandemie die Entwicklung des ersten Teils geprägt haben. Es ist sein erstes ausführliches Gespräch, seit er im Sommer seinen Rückzug aus der Spielebranche angekündigt hat.
Nach Schofields Angaben gab es einen Pitch für eine Fortsetzung, die deutlich größer ausfallen sollte. War der erste Teil ein Ausbruch, sollte der zweite eine regelrechte Seuche zeigen. Schauplatz wäre eine riesige Raumstation gewesen, an der über Jahrhunderte Schiffe angedockt hätten und die so zu einem gewaltigen Schrottplatz aus Raumschiffen geworden wäre. Dort sollte der neue Ausbruch beginnen. Viele Ideen, die es nicht in den ersten Teil geschafft hatten, wären eingeflossen. Krafton habe nach dem Abschneiden des Erstlings aber kein Interesse gehabt.
Den Vorwurf, Krafton habe das Spiel zu früh veröffentlicht, hatte Schofield bereits 2024 erhoben. Statt im zugesagten März 2023 erschien es im Dezember 2022, obwohl die zusätzlichen Monate die Ausfälle durch die Pandemie auffangen sollten. Jeden Monat seien vier bis sechs Mitarbeiter erkrankt, das kleine Rendering-Team in Spanien habe zeitweise komplett ausfallen müssen. Am Ende wurden Bosse, Level und Gegnertypen gestrichen. Er sei zwar auch auf sich selbst wütend, sagt Schofield, von der Entscheidung sei er aber mitten in der Pandemie völlig überrumpelt worden.
Neu sind weitere Details. Krafton habe kein eigenes Publishing- und Marketing-Team für ein physisches Singleplayer-Spiel gehabt, das Studio musste diese Strukturen selbst aufbauen. Die Vorgabe, neben der PS5 auch für die PS4 zu entwickeln, habe zusätzlich rund 20 Millionen US-Dollar gekostet, mitten in der Chipkrise mussten Entwicklerkits an 200 Mitarbeiter verteilt werden. Nach dem Start mit gemischten Wertungen habe Krafton das Spiel als „complete failure“ gesehen, während sein Team insgesamt 86 Patches und alle DLCs veröffentlichte. Die Probleme zum Launch, vor allem auf dem PC, hielt auch unser Test zu The Callisto Protocol fest. Laut GamesIndustry.biz ist eine Anfrage an Krafton bislang unbeantwortet.
Bemerkenswert: Schofield betont, dass The Callisto Protocol kein geistiger Nachfolger von Dead Space sein sollte, obwohl es häufig so beschrieben wurde. Mit Blick auf die Branche wünscht er sich günstigere Produktionen. Dead Space habe 28 Millionen Dollar gekostet, heute würde er gerne ein Spiel für rund 70 Millionen machen, mit kleinerem, eingespielterem Team. Eine gute kreative Idee spare derzeit mehr Geld als KI. Wo Callisto im Genre steht, ordnet unser Artikel zum Horror-Genre in Videospielen ein.
Quelle: GamesIndustry.biz-Interview mit Glen Schofield

