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Bei diesen E-Sport-Turnieren winken die höchsten Preisgelder

Als ich vor ein paar Jahren zum ersten Mal über E-Sport-Preisgelder geschrieben habe, drehte sich praktisch alles um eine einzige Zahl: die 15,6 Millionen Dollar Siegprämie, die Dota 2 bei The International in guten Jahren ausschüttete. Schaue ich mir die Turnierlandschaft heute an, ist von dieser Welt kaum noch etwas übrig – dafür ist an anderer Stelle ein finanzielles Schwergewicht entstanden, das 2020 noch niemand kommen sah. Zeit für eine komplette Bestandsaufnahme.

The International: vom Preisgeld-König zum Schatten seiner selbst

Kein Turnier hat die öffentliche Wahrnehmung von E-Sport-Preisgeldern so geprägt wie The International, die jährliche Dota-2-Weltmeisterschaft von Valve. 2011 in Köln gestartet, mit bescheidenen 1,6 Millionen Dollar Preisgeld, wuchs der Pool über die Jahre auf absurde Höhen. Möglich machte das ein Crowdfunding-Modell: Ein Großteil des Preisgelds kam nicht von Valve selbst, sondern aus dem Verkauf des sogenannten Battle Pass an die Spielerschaft. 2021 gipfelte das in 40.018.195 Dollar Gesamtpreisgeld – bis heute der Rekord für ein einzelnes E-Sport-Turnier. Team Spirit sicherte sich damals als Sieger rund 18,2 Millionen Dollar.

Seitdem geht es steil bergab. Valve ersetzte den lukrativen Battle Pass 2023 durch ein deutlich schlankeres Compendium und beendete im selben Jahr die Turnierserie Dota Pro Circuit. Die Folge: 2024 in Kopenhagen kamen nur noch 2.602.164 Dollar zusammen, der niedrigste Wert seit 2013. 2025 in Hamburg waren es mit 2.881.791 Dollar zwar minimal mehr, das durchbricht immerhin den mehrjährigen Abwärtstrend, ändert aber nichts am großen Bild. Sieger Team Falcons erhielt für den Titel rund 1,19 Millionen Dollar – ein Bruchteil dessen, was 2019 oder 2021 für den Sieg drin war.

Der Esports World Cup übernimmt die Preisgeld-Krone

Während Dota 2 schrumpfte, entstand fast zeitgleich ein neues Schwergewicht: der Esports World Cup (EWC), organisiert von der saudi-arabischen Esports World Cup Foundation und seit 2026 unter dem Namen Esports Foundation geführt. Bereits die Premiere 2024 in Riad brachte über 60 Millionen Dollar Preisgeld, 2025 waren es 71,5 Millionen Dollar über 25 Turniere in 24 Spielen. Für 2026, ausgetragen erstmals in Paris, wurde der Pool erneut auf 75 Millionen Dollar aufgestockt.

Das Besondere am EWC ist das Format: Neben klassischen Einzelturnieren in Spielen wie Counter-Strike 2, League of Legends, Valorant oder Dota 2 gibt es eine übergreifende Club Championship, bei der die besten Organisationen über alle Disziplinen hinweg gewertet werden. Allein dieser Wertungsmodus schüttete 2025 rund 27 Millionen Dollar aus, 2026 sind es 30 Millionen Dollar – der Sieger-Club erhält davon jeweils mehrere Millionen Dollar als Bonus obendrauf. Zum Vergleich: Das gesamte Preisgeld aller 15 zuschauerstärksten Turniere aus dem Erhebungszeitraum 2019/2020 hätte zusammengenommen nicht annähernd gereicht, um allein die EWC-Club-Wertung zu finanzieren.

Kritisch anzumerken bleibt, dass die Finanzierung des EWC vollständig aus Saudi-Arabien kommt und dem Turnier in der Szene wiederholt der Vorwurf des Sportswashing gemacht wird. Für die reine Preisgeld-Statistik ändert das nichts – der EWC ist schlicht das mit Abstand höchstdotierte E-Sport-Event der Gegenwart.

Zuschauerrekorde: League of Legends bleibt ungeschlagen

Bei den Zuschauerzahlen hat sich weniger verschoben als beim Preisgeld – League of Legends dominiert weiterhin, allerdings auf einem völlig anderen Niveau als 2020. Die MOBA-Weltmeisterschaft Worlds 2024 erreichte im Finale zwischen T1 und Bilibili Gaming einen Peak von 6.941.610 gleichzeitigen Zuschauern – zum damaligen Zeitpunkt der höchste je gemessene Wert für ein E-Sport-Turnier überhaupt, inklusive über 190 Millionen Stunden Watchtime während der gesamten Veranstaltung.

Worlds 2025 in China blieb mit 6.752.585 Peak-Zuschauern im Finale zwischen T1 und KT Rolster nur knapp darunter und ist damit das zweitmeistgesehene E-Sport-Event aller Zeiten. T1 sicherte sich dabei den dritten Titel in Folge. Zum Vergleich: Die 3,96 Millionen Zuschauer, mit denen die LoL-Weltmeisterschaft 2020 noch als zuschauerstärkstes Turnier galt, wurden inzwischen um mehr als das Anderthalbfache übertroffen.

Weitere Schwergewichte abseits von Dota 2 und League of Legends

Auch unterhalb von The International und dem Esports World Cup hat sich die Landschaft verschoben. Counter-Strike-2-Majors wie das PGL Major Kopenhagen erreichten mittlerweile über 1,85 Millionen Peak-Zuschauer, deutlich mehr als noch das StarLadder-Major aus dem alten Artikel. Im Mobile-Bereich, der in der ursprünglichen Erhebung von 2020 bewusst ausgeklammert wurde, sind Mobile Legends: Bang Bang und dessen Turniere wie die M6 World Championship oder die indonesische MPL inzwischen selbst zuschauerstark genug, um mit den etablierten PC-Titeln zu konkurrieren.

Insgesamt zeigen aktuelle Branchenzahlen, dass das weltweite E-Sport-Publikum 2025 auf rund 640 Millionen Menschen gewachsen ist, bei E-Sport-Umsätzen von etwa 5,1 Milliarden Dollar. Das Feld ist also nicht kleiner, sondern größer geworden – nur eben deutlich anders verteilt als 2020.

Warum sich das Bild seit 2020 so grundlegend gewandelt hat

Der zentrale Unterschied zur alten Erhebung ist das Finanzierungsmodell. 2019/2020 kamen die höchsten Preisgelder fast ausschließlich aus Community-Funding – Spieler kauften digitale Inhalte wie den Dota-2-Battle-Pass, ein Teil des Erlöses floss in den Preispool. Dieses Modell hat sich als fragil erwiesen: Sobald das Interesse an den Ingame-Käufen nachließ, brach auch das Preisgeld ein, wie The International seit 2022 eindrucksvoll zeigt. Der Esports World Cup dagegen wird direkt und dauerhaft von einem staatlich finanzierten Ausrichter getragen, was ihm ein völlig anderes Preisgeld-Niveau erlaubt, unabhängig vom Free-to-Play– und Live-Service-Erfolg einzelner Spiele.

Für Zuschauer und angehende E-Sport-Profis heißt das im Ergebnis: Wer heute nach dem höchsten Preisgeld sucht, landet nicht mehr automatisch bei Dota 2, sondern beim Esports World Cup. Wer nach den meisten Zuschauern sucht, findet die Antwort nach wie vor bei League of Legends – nur mit fast doppelt so hohen Zahlen wie noch 2020. Auch die Rolle von Twitch und Co-Streaming hat sich seither verändert: Offizielle Co-Streams bekannter Persönlichkeiten tragen inzwischen spürbar zu Rekord-Zuschauerzahlen bei einzelnen Matches bei.

Häufig gestellte Fragen zu E-Sport-Preisgeldern

Welches E-Sport-Turnier hat aktuell das höchste Preisgeld?

Der Esports World Cup ist mit 75 Millionen Dollar Gesamtpreisgeld (2026) das mit Abstand höchstdotierte E-Sport-Event. The International, früher der unangefochtene Preisgeld-König, kommt inzwischen nur noch auf knapp 2,9 Millionen Dollar.

Warum ist das Preisgeld bei The International so stark gesunken?

Valve hat 2023 den Battle Pass, über dessen Verkauf ein Großteil des Preisgelds finanziert wurde, durch ein schlankeres Compendium ersetzt und die Turnierserie Dota Pro Circuit eingestellt. Dadurch fehlt seither die zusätzliche Community-Finanzierung, die frühere Rekordsummen wie die 40 Millionen Dollar von 2021 erst möglich gemacht hatte.

Welches E-Sport-Turnier hat die meisten Zuschauer?

Die League-of-Legends-Weltmeisterschaft Worlds hält den Zuschauerrekord: 2024 erreichte das Finale einen Peak von rund 6,94 Millionen gleichzeitigen Zuschauern, 2025 waren es 6,75 Millionen – beides deutlich mehr als jedes andere E-Sport-Turnier.

Wer finanziert den Esports World Cup?

Der Esports World Cup wird von der Esports World Cup Foundation (seit 2026 Esports Foundation) getragen, einer von Saudi-Arabien finanzierten Organisation. Das erlaubt dem Turnier ein Preisgeld-Niveau, das unabhängig vom kommerziellen Erfolg einzelner Spiele oder Ingame-Verkäufen ist.

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