Chromatische Aberration ist ein Abbildungsfehler von Linsen: Licht verschiedener Farben wird unterschiedlich stark gebrochen, deshalb entstehen an Kanten rote, blaue oder violette Farbsäume. In Spielen baut ein Nachbearbeitungseffekt diesen Fehler absichtlich nach, damit das Bild wie durch ein Kameraobjektiv wirkt. Der Effekt gehört zu den umstrittensten Bildeinstellungen: In einer Leserabstimmung von PC Gamer erreichte er im Oktober 2026 das Finale um den schlechtesten Grafikeffekt. Dieser Artikel erklärt, wie der Fehler in der Optik entsteht, warum Studios ihn einbauen und wann du ihn ausschalten kannst.
Was ist chromatische Aberration?
Der Begriff stammt aus der Optik. Das Wort „chromatisch“ bedeutet farbig, „Aberration“ bedeutet Abweichung. Gemeint ist eine Abweichung, die von der Farbe des Lichts abhängt. Eine perfekte Linse würde alle Farben auf denselben Punkt fokussieren. Echte Linsen schaffen das nicht vollständig, und das Ergebnis sind Farbsäume an Kontrastkanten, etwa an einem hellen Fensterrahmen vor dunklem Hintergrund.
In Videospielen meint „chromatische Aberration“ fast immer die künstliche Version. Das Spiel verschiebt die drei Farbkanäle Rot, Grün und Blau des fertigen Bildes minimal gegeneinander, meist umso stärker, je weiter man sich dem Bildrand nähert. Das Ergebnis erinnert an ein Foto mit einem billigen Objektiv. Auf Englisch heißt der Effekt „chromatic aberration“, in Menüs steht oft die Abkürzung CA.
Wie entsteht chromatische Aberration in der Optik?
Die Ursache ist die sogenannte Dispersion: Der Brechungsindex von Glas hängt von der Wellenlänge des Lichts ab. Blaues Licht wird stärker gebrochen als rotes, deshalb hat eine einfache Sammellinse für jede Farbe eine etwas andere Brennweite. Die Optik unterscheidet zwei Formen:
| Art | Was passiert | Wie es aussieht |
|---|---|---|
| Farblängsfehler (longitudinal) | Die Farben werden in unterschiedlichen Abständen hinter der Linse scharf abgebildet. | Farbige Ränder vor und hinter der Schärfeebene. Abblenden verringert den Fehler. |
| Farbquerfehler (lateral) | Die Farben werden unterschiedlich groß abgebildet. | Farbsäume an Kontrastkanten, in der Bildmitte unsichtbar und zum Rand hin stärker. |
Spiele ahmen fast ausschließlich den Farbquerfehler nach, denn er wird zum Rand hin stärker und lässt sich im Nachhinein leicht über die Farbkanäle simulieren. Das schreibt PC Gamer in einer Kolumne von 2023.
Kamerahersteller bekämpfen den Fehler seit Langem, indem sie Linsen aus Gläsern mit unterschiedlicher Dispersion kombinieren. Ein Achromat bringt zwei Farben auf eine gemeinsame Schnittweite, ein Apochromat zusätzlich eine dritte. Solche Objektive brauchen oft vier bis sechs Linsen und sind entsprechend teuer, oft steht „Apo“ im Namen. Für Fotografen gilt der Fehler deshalb als Makel, den sie vermeiden oder später in der Bildbearbeitung entfernen.
Auch das menschliche Auge hat diesen Fehler: Rotes und blaues Licht werden darin verschieden stark gebrochen. Im Alltag fällt das nicht auf, weil das Sehsystem die Abweichung weitgehend ausgleicht.
Warum bauen Spiele chromatische Aberration ein?
Ein Spiel hat keine Linse, die den Fehler erzeugen könnte. Er wird deshalb gezielt als Filter über das fertige Bild gelegt. Die Gründe dafür sind meist stilistisch:
- Kameralook: Der Effekt gehört zu einer Gruppe von Linseneffekten wie Lens Flare, Vignette und Linsenverzerrung, die das Bild so aussehen lassen, als würde man durch ein Objektiv schauen statt mit den eigenen Augen. Das soll filmischer und „realer“ wirken. Auch Motion Blur gehört in diese Familie.
- Retro- und Sci-Fi-Look: Farbsäume erinnern an alte Kameras, Röhrenfernseher und Science-Fiction-Filme der 1970er und 1980er. PC Gamer beschreibt den Effekt in Destiny 2 genau so, mit einem Look wie aus einem Sci-Fi-Film der 80er.
- Atmosphäre im Horror: Bei Alien: Isolation ordnete PC Gamer den Effekt 2015 als noch halbwegs passend zum schmutzigen Retro-Sci-Fi-Stil ein (das Sequel hat einen eigenen Themen-Überblick). Verzerrte Ränder können Unbehagen verstärken, deshalb taucht der Effekt auch im Horror-Genre auf.
- Zustandsanzeige: Manche Spiele verstärken den Effekt kurz, etwa bei Treffern, Rauschzuständen oder Wahnsinn, damit der Spieler ohne zusätzliche Anzeige merkt, dass etwas nicht stimmt.
- Einfach machbar: Moderne Engines wie die Unreal Engine liefern den Effekt als fertigen Baustein der Nachbearbeitung mit. Das Studio muss nur Stärke und Standardwert festlegen. Mehr zu den technischen Grundlagen steht im Artikel zur Game Engine.
PC Gamer vermutet in seiner Kolumne, dass manche Studios den Effekt schlicht einbauen, weil sie es können. Einen offiziellen Beleg für ein einheitliches Motiv gibt es nicht, es sind Erklärungen von Redaktionen und Spielern.
Welche Spiele sind für chromatische Aberration bekannt?
Der Effekt taucht in vielen Titeln auf, und einige sind der Community besonders aufgefallen. Die folgenden Beispiele stammen aus Berichten von PC Gamer und Ubisoft:
| Spiel | Was bekannt ist |
|---|---|
| Valheim | PC Gamer nannte den Effekt 2023 auffällig und störend für den Stil des Spiels (Valheim-Test, Survival-Spiele erklärt). |
| Destiny 2 | PC Gamer beschreibt den Effekt als sehr deutlich und retro-futuristisch (Destiny-2-Test). |
| Marathon | Beim Start der PC-Gamer-Umfrage diente das Spiel als Beispiel. Bungie setze den Effekt gern ein, schrieb die Redaktion, sichtbar etwa an den rot-blauen Rändern heller Objekte. |
| Assassin's Creed Mirage | Ubisoft ergänzte mit Update 1.0.5 am 7. November 2023 einen Schalter, um den Effekt an- oder auszuschalten. Der Effekt ist seitdem laut Patchnotes standardmäßig aus. Zur Reihenfolge der Assassin's-Creed-Spiele gibt es einen eigenen Artikel. |
Das Beispiel Mirage zeigt, wie groß der Wunsch nach einer Abschaltoption ist: Ubisoft reichte den Schalter erst nach dem Release nach. Auf Google tauchen viele Suchen der Form „chromatische Aberration“ plus Spielname auf, etwa zu Witcher 3, Diablo 4, Cyberpunk, Crimson Desert, Expedition 33 und Battlefield 6. Offenbar fragen viele Spieler beim Start eines neuen Titels zuerst, ob und wie sie den Effekt abstellen können.
Warum stört chromatische Aberration viele Spieler?
Die Kritik hat meist handfeste Gründe:
- Das Bild wirkt unscharf. Die Farbsäume lassen Kanten und Details zum Bildrand hin weicher erscheinen. Wer die Texturen und Modelle eines Spiels sehen möchte, empfindet das als Verlust.
- Echte Objektive zeigen den Fehler kaum noch. Gute Linsen und selbst Handykameras haben ihn weitgehend im Griff. PC Gamer kritisiert, dass der Effekt ein Problem nachbaut, das die Technik längst gelöst hat.
- Er ist oft standardmäßig aktiv. Wer ihn nicht mag, muss ihn erst im Menü finden, und manche Spiele bieten gar keinen Schalter.
- Er wirkt in manchen Spielen fehl am Platz. Bei einem handgemalten Stil oder einem Aufbauspiel passt ein Kameraeffekt kaum zur Inszenierung.
- Manche Spieler vertragen ihn schlecht. Einige berichten in Foren von Kopfschmerzen oder Anstrengung beim Hinsehen, andere bemerken den Effekt kaum. Wie stark das ausfällt, ist individuell.
Was sagt die PC-Gamer-Umfrage zur chromatischen Aberration?
PC Gamer ließ im Herbst 2026 seine Leser in einem K.-o.-Turnier über den schlechtesten Grafikeffekt abstimmen. Die chromatische Aberration trat in der ersten Runde gegen Bildschirmschmutz und Blut an und kam weiter. Im Halbfinale schlug sie die Vignette und stand im Finale gegen Motion Blur. Dort verlor sie klar: Rund 20 Prozent der Stimmen gingen an die chromatische Aberration, etwa 80 Prozent an Motion Blur. Insgesamt wurden im Turnier rund 7.000 Stimmen abgegeben, die Finalumfrage zählte knapp 2.000 Teilnehmer.
Die Einordnung: Eine Leseraktion ist keine repräsentative Erhebung, und es stimmten vor allem PC-Spieler ab, die den Effekt meist selbst abschalten können. Dass der Effekt bis ins Finale kam, zeigt trotzdem, wie umstritten er ist. Die Ergebnisse stehen in unserer News zur Umfrage, der Verlierer des Finales hat einen eigenen Artikel zu Motion Blur.
Wann ist chromatische Aberration sinnvoll?
Der Effekt ist nicht grundsätzlich schlecht, er kommt auf die Dosis und den Zweck an. Gut funktioniert er, wenn er einen bewusst gewählten Look trägt, etwa den schmutzigen Retro-Sci-Fi-Stil eines Horrorspiels, und wenn er nur schwach ausfällt. Stark übertrieben, dauerhaft aktiv und ohne Schalter nervt er schnell.
An oder aus? Die gamefinity-Faustregel nach Spielsituation
| Situation | Empfehlung | Begründung |
|---|---|---|
| Kompetitiver Shooter | Aus | Ein klares Bild am Rand hilft beim schnellen Erkennen von Gegnern. |
| Horror oder Retro-Sci-Fi mit bewusstem Filmlook | Ausprobieren, niedrig lassen | Der Effekt kann die Stimmung tragen, solange er schwach bleibt. |
| Spiele mit detailreichem Kunststil | Meist aus | Du siehst die Texturen und Modelle, wie sie gemeint sind. |
| Kurzer Effekt bei Treffern oder Rausch | An | Er gehört dort zur Spielmechanik und lässt sich oft nicht getrennt abschalten. |
| Kopfschmerzen oder anstrengendes Sehen | Aus | Die persönliche Verträglichkeit geht vor. |
| Screenshots und Fotomodus | Aus | Nur so entstehen saubere Bilder ohne Farbsäume. |
Wie schaltet man chromatische Aberration aus?
Die Option sitzt je nach Spiel in den Grafik-, Anzeige- oder Videoeinstellungen, häufig unter Bildeffekten oder Nachbearbeitung (Post-Processing). Üblich sind die Bezeichnungen „Chromatische Aberration“, „Chromatic Aberration“ oder „CA“. Der Effekt steht oft neben Filmkorn, Vignette und Tiefenunschärfe, die sich im selben Menü abschalten lassen. Manche Spiele bieten statt eines Schalters nur einen Regler, mit dem sich die Stärke verringern lässt.
Nicht jedes Spiel erlaubt es, den Effekt auszuschalten. Dann bleibt, die Nachbearbeitung insgesamt auf eine niedrigere Stufe zu stellen, was meist auch andere Effekte kappt. Wenn ein Titel keinen Schalter hat, lohnt ein Blick in die Patchnotes. Wie das Beispiel Assassin's Creed Mirage zeigt, rüsten Studios die Option manchmal nach.
Was haben Foto, Brille und Display mit chromatischer Aberration zu tun?
Die Suche nach dem Begriff führt oft in die Fotografie und Optik, deshalb ein kurzer Überblick:
- Fotografie: Hier gilt der Farbsaum als Fehler. Er tritt vor allem bei Weitwinkelobjektiven, hellen Gläsern und hohem Kontrast auf, zum Beispiel bei Ästen vor einem hellen Himmel. Mit Apochromaten, Abblenden und Software wie Lightroom oder Photoshop lässt er sich verringern.
- Brillen und Fernglas: Auch Brillengläser, Ferngläser und Teleskope können Farbsäume zeigen, weil jedes Linsensystem Licht nach Farben unterschiedlich bricht. Hochwertige Gläser sind entsprechend korrigiert.
- Monitor und Fernseher: Ein Display erzeugt den Fehler nicht von sich aus. Farbsäume im Spielbild stammen fast immer vom Effekt im Spiel selbst. Mit Bildschirmeinstellungen wie HDR hat er nichts zu tun.
Fazit: Chromatische Aberration ist ein Stilmittel mit Nebenwirkungen
Chromatische Aberration ist ein echter Linsenfehler, den Spiele als Filter nachbauen, um Kameralook, Retro-Charme oder Stimmung zu erzeugen. Sie kostet Schärfe am Bildrand und ist bei vielen Spielern unbeliebt, bleibt aber Geschmackssache. Wer klare Bilder will, schaltet sie ab. Wer den Look mag, lässt sie niedrig an. Am besten probierst du beide Einstellungen kurz aus.
Häufige Fragen zur chromatischen Aberration
Was bedeutet chromatische Aberration?
Der Begriff beschreibt einen Abbildungsfehler von Linsen, bei dem Licht verschiedener Farben unterschiedlich stark gebrochen wird. Es entstehen Farbsäume an Kanten. In Spielen steht der Begriff für einen Effekt, der diesen Fehler nachahmt.
Soll man chromatische Aberration in Spielen an oder aus lassen?
Das ist Geschmackssache. Als Faustregel gilt: aus in schnellen Shootern und bei detailreichem Kunststil, ausprobieren in Horror und Retro-Sci-Fi, aus bei Kopfschmerzen oder für saubere Screenshots.
Was ist der Unterschied zwischen chromatischer Aberration und Motion Blur?
Chromatische Aberration trennt die Farbkanäle am Bildrand und erzeugt Farbsäume. Motion Blur verwischt bewegte Bildteile. Beide sind Nachbearbeitungseffekte, die einen Kameralook nachbauen.
Warum nutzen Spiele chromatische Aberration überhaupt?
Meist für einen Kameralook, einen Retro-Sci-Fi-Stil oder für Atmosphäre, etwa im Horror. Manche Spiele verstärken den Effekt kurz als Zustandsanzeige. Einen einheitlichen offiziellen Grund gibt es nicht.
Ist chromatische Aberration ein Fehler im Spiel?
Nein. Der Effekt wird bewusst von den Entwicklern eingebaut, auch wenn er einen Fehler aus der Optik imitiert. Ein echtes Problem wäre er nur, wenn er sich nicht abschalten ließe und das Bild stört.
Kann chromatische Aberration Kopfschmerzen auslösen?
Manche Spieler berichten von Kopfschmerzen oder Anstrengung durch den Effekt, andere vertragen ihn problemlos. Wer Beschwerden bemerkt, schaltet ihn am besten ab.
Wie entfernt man chromatische Aberration auf Fotos?
Mit Objektiven, die den Fehler korrigieren, mit Abblenden und mit der Profilkorrektur in Programmen wie Lightroom oder Photoshop. Beim Farbquerfehler hilft es digital, die Farbkanäle wieder auf dieselbe Größe zu skalieren.


