Die Unreal Engine ist die Spiele-Engine von Epic Games und eine der meistgenutzten Technologien der Branche. Sie steckt in Fortnite, Clair Obscur: Expedition 33, dem Silent-Hill-2-Remake und dem kommenden The Witcher 4. Aktuell ist die Unreal Engine 5, der Nachfolger Unreal Engine 6 soll Ende 2027 in den Early Access gehen. Für Spiele ist sie bis zu einer Million US-Dollar Umsatz kostenlos.
Hier erfährst du, woher die Unreal Engine kommt, was Nanite und Lumen eigentlich machen, was die Lizenz kostet, warum so viele Studios ihre eigene Technik aufgeben und warum manche Unreal-Spiele trotzdem ruckeln. Dazu kommt der Blick auf Spiele, die wir selbst getestet haben.
Was ist die Unreal Engine?
Eine Game Engine ist das technische Fundament eines Spiels: Sie berechnet Grafik, Licht, Physik und Sound, verarbeitet Eingaben und stellt Werkzeuge bereit, mit denen Teams Level bauen, Figuren animieren und Spiellogik schreiben. Die Unreal Engine liefert all das in einem Paket. Programmiert wird in C++, dazu kommt das visuelle Skriptsystem Blueprint, mit dem auch Designer ohne Programmierkenntnisse Abläufe zusammenklicken können.
Epic nutzt die Engine selbst für Fortnite und lizenziert sie an andere Studios, vom Ein-Personen-Projekt bis zum AAA-Team. Längst arbeiten auch Film und Fernsehen damit, etwa bei virtuellen Kulissen auf LED-Wänden. Im Mittelpunkt dieses Artikels stehen aber die Spiele.
Wie hat sich die Unreal Engine entwickelt?
Unreal Engine 1 und 2: vom Shooter zum Lizenzprodukt
Die Engine entstand für den Ego-Shooter Unreal, den Epic MegaGames und Digital Extremes im Mai 1998 veröffentlichten. Einen Großteil der Technik schrieb Firmengründer Tim Sweeney. Schon die erste Version wurde an andere Studios lizenziert, das bekannteste Beispiel ist Deus Ex (2000). Mit der skriptbaren Sprache UnrealScript konnten Teams und Modder das Spielverhalten anpassen, ohne die Engine selbst umzuschreiben.
Die Unreal Engine 2 erschien 2002 und lief unter anderem in Unreal Tournament 2003, Tom Clancy's Splinter Cell und Star Wars: Republic Commando von LucasArts. Eine stark angepasste Fassung bildete 2007 die Grundlage für BioShock.
Unreal Engine 3: die Engine der Xbox-360-Ära
Den Durchbruch brachte die Unreal Engine 3 mit Gears of War (2006). In der Generation von Xbox 360 und PlayStation 3 wurde sie zum Standard für viele Studios: Mass Effect, Borderlands 2, Dishonored und BioShock Infinite laufen alle darauf. Ab 2009 gab es mit dem Unreal Development Kit (UDK) eine kostenlose Version für Hobbyentwickler.
Unreal Engine 4: offen für alle
Die Unreal Engine 4 kam im März 2014 zunächst im Abo für 19 Dollar im Monat plus fünf Prozent Umsatzbeteiligung. Schon ein Jahr später machte Epic sie kostenlos, inklusive des vollständigen C++-Quellcodes über GitHub. Dieser Schritt öffnete die Engine für Indie-Studios und Studenten. Blueprint ersetzte UnrealScript. Bekannte UE4-Spiele sind Fortnite, PUBG, Final Fantasy VII Remake sowie Star Wars Jedi: Fallen Order und Jedi: Survivor.
Unreal Engine 5: Nanite, Lumen und die PS5-Demo
Im Mai 2020 zeigte Epic die Tech-Demo „Lumen in the Land of Nanite“, die auf einer PlayStation 5 lief. Der Early Access folgte im Mai 2021, die finale Version am 5. April 2022. Fortnite war schon im Dezember 2021 umgestiegen. Im Juni 2026 erschien Version 5.8, laut Epic das letzte geplante große Update der fünften Generation. Fehlerbehebungen soll es weiter geben.
Was kann die Unreal Engine 5?
Die fünfte Version brachte mehrere Systeme, die heute fast in jedem Gespräch über aktuelle Grafik fallen:
- Nanite ist ein System für virtualisierte Geometrie. Modelle mit Millionen Polygonen lassen sich direkt verwenden, die Engine zeigt automatisch nur so viele Details, wie auf dem Bildschirm sichtbar sind. Handgebaute Detailstufen (LODs) fallen weitgehend weg.
- Lumen berechnet globale Beleuchtung und Reflexionen in Echtzeit. Licht prallt von Wänden ab und färbt Räume ein, ohne dass Entwickler Lichtkarten vorberechnen müssen.
- World Partition teilt große Welten in Zellen, die beim Spielen nachgeladen werden. Das ist die Grundlage für Open Worlds ohne Ladebildschirme.
- MetaHuman erzeugt realistische digitale Menschen, die sich direkt animieren lassen. Seit Version 5.8 läuft der MetaHuman Creator direkt im Editor.
- MegaLights erlaubt sehr viele dynamische Lichtquellen mit Schatten in einer Szene und gilt seit 5.8 als produktionsreif.
- TSR (Temporal Super Resolution) ist Epics eigenes Upscaling. Viele Spiele bieten zusätzlich DLSS, FSR oder PSSR an.
Fertige 3D-Modelle, Materialien und Werkzeuge gibt es seit Oktober 2024 auf Fab, dem Marktplatz, der den alten Unreal Marketplace ersetzt hat.
Was kostet die Unreal Engine?
Für Spieleentwickler ist die Engine kostenlos herunterzuladen und zu nutzen. Erst wenn ein Spiel über seine gesamte Laufzeit mehr als eine Million US-Dollar brutto einnimmt, verlangt Epic fünf Prozent auf alles, was darüber liegt. Die Grenze gilt pro Spiel, nicht pro Jahr. Umsätze über den Epic Games Store sind laut Lizenzbedingungen ausgenommen. Firmen außerhalb der Spielebranche, etwa aus Film oder Industrie, zahlen ab einer Million Dollar Jahresumsatz stattdessen 1.850 Dollar pro Arbeitsplatz und Jahr.
Zum Vergleich: Unity verlangt Abogebühren für seine Profi-Versionen, Godot ist komplett quelloffen und kostenlos. Ausführlich verglichen werden die drei im Artikel zur Game Engine.
Warum wechseln so viele Studios zur Unreal Engine?
Eine eigene Engine zu pflegen kostet Geld und Personal, und jedes neue Teammitglied muss sie erst lernen. Die Unreal Engine kennen dagegen viele Bewerber schon aus Studium oder Vorjobs. Epic liefert Updates für neue Hardware, und Werkzeuge wie Nanite müsste ein Studio sonst selbst entwickeln.
Deshalb sind in den vergangenen Jahren mehrere große Studios umgestiegen:
- CD Projekt Red gab 2022 die hauseigene REDengine auf. The Witcher 4 entsteht mit Unreal Engine 5, ebenso das Remake des ersten Witcher, das inzwischen auf die Technik von The Witcher 4 wartet.
- Halo Studios (früher 343 Industries) setzt seit 2024 auf Unreal und baut die erste Halo-Kampagne damit neu.
- Konami hat das Silent-Hill-2-Remake und Metal Gear Solid Delta mit Unreal Engine 5 umgesetzt.
- Auch das Gothic 1 Remake, erschienen im Juni 2026, basiert auf der Unreal Engine 5.
Es gibt aber Gegenbeispiele. Bethesda bleibt für The Elder Scrolls 6 bei der eigenen Creation Engine 3. Spannend ist dabei Oblivion Remastered von 2025: Dort läuft die alte Spiellogik weiter, die Unreal Engine 5 übernimmt nur die Grafik. Auch Studios wie Rockstar oder Crytek mit der CryEngine setzen weiterhin auf eigene Technik.
Der Umstieg hat auch Nachteile. Wer auf Unreal setzt, hängt von Epics Zeitplan und Lizenzbedingungen ab und muss Engine-Updates mitten in der Produktion einplanen. Außerdem ähneln sich manche Spiele optisch, wenn mehrere Studios dieselben Standardwerkzeuge und Assets nutzen. Ein eigener Look entsteht nicht automatisch, wie Clair Obscur oder The Mound mit ihrem gemalten Stil zeigen.
Welche Spiele nutzen die Unreal Engine?
Die Liste ist lang, deshalb hier eine Auswahl von Unreal-Spielen, die wir selbst getestet haben. Die Spalte „Technik im Test“ fasst zusammen, was uns jeweils aufgefallen ist.
| Spiel | Engine | Wertung | Technik im Test |
|---|---|---|---|
| Clair Obscur: Expedition 33 | UE5 | 9,5 | stabile 60 fps im Performance-Modus auf PS5 und Xbox Series X, herausragende Beleuchtung |
| Silent Hill 2 Remake | UE5 | 9,0 | dichte Atmosphäre durch Lumen und Nanite, auf PS5 aber schwankende Framerate und Mikroruckler |
| Star Wars Jedi: Survivor | UE4 | 8,8 | eines der letzten großen UE4-Spiele |
| Star Wars Zero Company | UE5 | 8,5 | für PS5 Pro optimiert, nur kleinere technische Macken |
| Borderlands 4 | UE5 | 8,5 | rund vier Minuten Shader-Kompilierung beim ersten Start, Einbrüche in hektischen Kämpfen auf dem PC |
| Metal Gear Solid Delta | UE5 | 8,3 | Lumen, Nanite und Fotogrammetrie, 4K mit 60 fps im Performance-Modus |
| KARMA: The Dark World | UE5 | 7,5 | beeindruckende Optik, auf dem Steam Deck deutliche Abstriche |
| Immortals of Aveum | UE5 | 7,5 | Framerate-Einbrüche bei vielen Partikeleffekten |
| The Mound: Omen of Cthulhu | UE5 | 6,9 | Framerate-Einbrüche selbst im ruhigen Prolog auf PS5 |
Weitere bekannte Unreal-Spiele sind Fortnite, Black Myth: Wukong, S.T.A.L.K.E.R. 2, Senua's Saga: Hellblade II, Gears of War: Reloaded und Split Fiction.
Warum ruckeln manche Unreal-Spiele?
Kaum ein Vorwurf fällt in Foren so oft wie „UE5-Ruckler“. Dahinter stecken vor allem zwei Probleme. Beim Shader-Stottern muss der Grafiktreiber Shader erst übersetzen, wenn sie zum ersten Mal gebraucht werden. Passiert das mitten im Spiel, hakt das Bild kurz. Viele Spiele kompilieren deshalb beim ersten Start vor, wie Borderlands 4 mit seinen rund vier Minuten. Beim Traversal-Stottern ruckelt es, wenn das Spiel beim Laufen durch die Welt neue Bereiche nachlädt.
Beides ist kein reines Engine-Problem. Wie gut ein Spiel läuft, hängt stark davon ab, wie viel Zeit das Studio in die Optimierung steckt. Clair Obscur zeigt, dass UE5 auf Konsolen sehr sauber laufen kann. Epic hat das Thema 2025 in einem eigenen Technik-Beitrag aufgegriffen und bietet Werkzeuge wie das Vorab-Laden von Grafik-Pipelines (PSO-Precaching) an. Version 5.8 bringt außerdem einen neuen Qualitätsmodus für Lumen, der weniger Leistung kostet.
Was ist über die Unreal Engine 6 bekannt?
Epic hat die Unreal Engine 6 im Mai 2026 beim Rocket League Championship Series Major in Paris erstmals gezeigt. Rocket League wechselt direkt auf Unreal Engine 6 und überspringt damit die fünfte Generation. Details folgten am 17. Juni 2026 bei der State of Unreal in Chicago. Die wichtigsten Punkte:
- Zwei Werkzeuge werden eins: Unreal Engine 5 und der Unreal Editor for Fortnite (UEFN) verschmelzen zu einem Produkt.
- Neue Programmiersprache: Spiellogik soll künftig in Verse geschrieben werden, das bereits in Fortnite-Inseln steckt. Verse kann C++-Code aufrufen. Blueprints sind in frühen UE6-Versionen noch dabei, sollen aber später abgelöst werden. Epic verspricht Werkzeuge für die Umstellung.
- KI-Werkzeuge: Über das Model Context Protocol (MCP) sollen Sprachmodelle wie Claude und Gemini direkt mit dem Editor arbeiten. Ein MCP-Plugin gibt es bereits in Version 5.8.
- Zeitplan: Early Access ist für Ende 2027 geplant, die finale Version 12 bis 18 Monate danach.
Für Spieler ändert sich kurzfristig nichts. Spiele, die gerade auf UE5 entstehen, bleiben in aller Regel dabei. Ob The Witcher 4 noch umsteigt, ist offen.
Häufige Fragen zur Unreal Engine
Ist die Unreal Engine kostenlos?
Ja, für Spiele. Erst ab einer Million US-Dollar Bruttoumsatz pro Spiel fallen fünf Prozent Lizenzgebühr auf den darüber liegenden Betrag an. Umsätze im Epic Games Store sind davon ausgenommen.
Welche Programmiersprache nutzt die Unreal Engine?
Die Unreal Engine 5 nutzt C++ und das visuelle Skriptsystem Blueprint. Mit der Unreal Engine 6 soll Verse die wichtigste Sprache für Spiellogik werden, C++ bleibt aber nutzbar.
Wann erscheint die Unreal Engine 6?
Epic plant den Early Access für Ende 2027. Die finale Version soll 12 bis 18 Monate später folgen, also voraussichtlich 2029.
Ist die Unreal Engine besser als Unity?
Das hängt vom Projekt ab. Unreal ist bei realistischer 3D-Grafik und großen Teams im Vorteil, Unity gilt als einsteigerfreundlicher und ist bei Mobile- und 2D-Spielen weit verbreitet.
Welche Spiele laufen mit der Unreal Engine 5?
Zum Beispiel Fortnite, Clair Obscur: Expedition 33, Black Myth: Wukong, das Silent-Hill-2-Remake, Metal Gear Solid Delta, Borderlands 4, S.T.A.L.K.E.R. 2 und das Gothic 1 Remake. In Entwicklung ist unter anderem The Witcher 4.


