Amir Satvat, Business-Development-Direktor bei Tencent Games, hat auf der Fachkonferenz Gamescom Dev in Köln am 24. August 2026 eine Keynote zur Beschäftigungslage der Spielebranche gehalten. Grundlage waren vier Jahre Daten aus seinem Job-Support-Netzwerk Always Supporting the Games Community (ASGC). Sein zentraler Befund: Der aktuelle Stellenabbau sei keine vorübergehende Krise, sondern ein dauerhafter struktureller Wandel.
Laut Satvat sind allein in nordamerikanischen Studios rund 25.000 Stellen weggefallen. Von 115 für 2026 erfassten Entlassungswellen entfällt mehr als zwei Drittel auf Unternehmen mit Hauptsitz in Nordamerika, Kalifornien allein stand zeitweise für über die Hälfte aller weltweiten Entlassungen. Die tatsächliche Größe der Branche schätzt er zugleich höher ein als gemeinhin angenommen: Statt der oft zitierten 300.000 bis 400.000 Beschäftigten geht er von direkt und indirekt rund 750.000 Jobs weltweit aus, da Beschäftigung in China und Indien in Standardstatistiken unterrepräsentiert sei. Das Nettowachstum zwischen 2022 und 2026 habe trotzdem nur rund 5.000 Stellen betragen – unter einem Prozent in vier Jahren.
Für Berufseinsteiger ohne Branchenerfahrung liegt die Chance auf eine Anstellung innerhalb von zwölf Monaten nach ASGC-Daten bei unter 5 Prozent; global kommen auf eine offene Stelle rund fünf Bewerber, in Nordamerika elf. Ähnlich schwer haben es laut Satvat Beschäftigte ab 50 Jahren beziehungsweise entsprechender Seniorität. Auf Ebene der Berufsbilder sei zudem erstmals seit vier Jahren Game Design aus den vier meistgefragten Disziplinen herausgefallen, an seine Stelle sei Marketing und Werbung gerückt.
Satvat betonte, dass dies nicht das Ende von AAA-Produktionen bedeute – Studios mit starken Teams, etablierten Marken und tragfähigen Kostenstrukturen blieben relevant. Mit wachsendem Anteil externer Entwicklungsarbeit und Auftragsproduktion müssten aus seiner Sicht aber Standards für faire Behandlung, etwa bei Namensnennung und Karriereperspektiven, mithalten. Die Investitionslage bleibe unterdessen angespannt: Laut Satvat ist das weltweite Investitionsvolumen in Gaming-Startups vom Höchststand von 10 Milliarden US-Dollar im Jahr 2021 auf rund 2 Milliarden US-Dollar gesunken.
Quelle: Keynote von Amir Satvat auf der Gamescom Dev 2026 in Köln



